Zweimal Abschuss

Christian Müller ©

Christian Müller /  Kein Mensch schiesst absichtlich ein Verkehrsflugzeug ab. Wenn es aber doch passiert? Zwei Fälle im Vergleich.

Fall1:

Am 17. Juli 2014 wurde in der Ostukraine ein ziviles Passagierflugzeug vom Typ Boeing 777 der Malaysia Airlines auf dem Flug von Amsterdam nach Kuala Lumpur (höchstwahrscheinlich) abgeschossen. Dabei kamen 295 Menschen, 280 zivile Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder (nach anderen Angaben 298 Menschen), ums Leben. Die Abklärungen laufen.

US-Präsident Barak Obama hat den Abschuss der zivilen Maschine bereits als «unbeschreibliche Schandtat» bezeichnet und Russland der Mitverantwortung bezichtigt (siehe NZZ vom 19.7.2014).

Fall 2:

Am 3. Juli 1988 hat die Mannschaft des US-Kriegsschiffes USS Vincennes (CG49) unter Captain Will Rogers in iranischen Hoheitsgewässern ein ziviles Passagierflugzeug vom Typ Airbus A300 der Iran Air auf dem Flug von Bandar Abbas nach Dubai abgeschossen. 290 Menschen, 275 zivile Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder, kamen ums Leben. Die Mannschaft der USS Vincennes hatte die Airbus-Maschine mit einer iranischen F14 Tomcat verwechselt.

US-Präsident George H. W. Bush (sen.) hat im Jahr 1990 Captain Will Rogers den Orden Legion-of-Merit verliehen, für seine «ausserordentlichen Verdienste» als «Commanding Officer» vom April 1987 bis Mai 1989.

Wenn zwei das gleiche tun…


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor hat seinen Militärdienst als Radarist bei der Fliegerabwehr der Schweizer Armee geleistet und war viele Jahre Inhaber der Private Pilot Licence PPL.

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8 Meinungen

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    am 19. Jul 2014 um 19:41 Uhr
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    Gratulation – das hat Chomsky-Klasse. Aber darf ein Nichtbürger des Imperiums so was schreiben?

    Werner T. Meyer

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    am 19. Jul 2014 um 21:41 Uhr
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    Interessant fand ich auch den Hinweis auf Radio SRF 3, wonach es «üblich» wäre, über Krisengebiete zu fliegen, weil das Umfliegen viel Geld und Zeit koste. Man erwähnte zwei Airlines, welche die Ukraine bereits vor dem Vorfall umflogen. Eine davon war Korean Air. Denen wurde ja von der sowjetischen Luftverteidigung bei Sachalin auch mal eine Boeing abgeschossen. Offenbar braucht man als Airline erst mal die Erfahrung, wie sich sowas «anfühlt», um beim Risikomanagement die Gewichtung von Geld und Zeit zu reduzieren.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Korean-Airlines-Flug_007

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    am 20. Jul 2014 um 20:50 Uhr
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    Diesen Beitrag sollte man unbedingt lesen, vor allem diejenigen, die die Schuldzuweisungen seitens der politischen und wirtschaftlichen Elite der USA, anderer westlicher Länder und Organisationen, insbesondere der NATO und der EU 1:1 übernehmen. Apropos NATO: Deren Generalsekretär Rasmussen, einst dänischer Ministerpräsident, dessen Regiierung mit den Stimmen der xenophoben Rechten ihr Unwesen treiben konnte, hat eben etwas Sensationelles herausgefunden. Die Antifrackingkampagne sei von Putin gesteuert. All diejenigen, die diese Gewinnungsmethode unverzichtbarer Energie bekämpften, stünden im Dienste Moskaus. Aha … nützliche Idioten? Nur eben, es gibt auch passendere Definitionen für diese Gattung von Erdenbürgern. Für mich sind es solche, die in Sachen Ukraine die Stellungnahmen unserer Mainstreammedien kritiklos übernehmen …

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    am 20. Jul 2014 um 23:12 Uhr
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    Mein Vorposter Sam Mueller hat den Fall bereits erwähnt – man könnte, nein müsste hier nämlich auch noch einen Fall 3 beschreiben: Den Abschuss von Flug 007 der Korean Airlines durch die sowjetische Luftwaffe, der sich übrigens von Fall 1 und 2 in zwei Dingen deutlich unterscheidet. Die Maschine wurde (1) in internationalem Luftraum von (2) einem Jagdflieger auf Sicht abgeschossen. Ein «Irrtum» kann also ausgeschlossen werden. Auch damals wurde der Flugschreiber durch die Sowjets nicht für eine internationale Untersuchung freigegeben. Erst Jelzin hatte ihn zusammen mit den Bändern 1992 an Südkorea bzw. die ICAO übergeben. Man könnte nun natürlich behaupten, dass auch das russische Militär, als Nachfolgerin der Roten Armee, Erfahrung im Vertuschen von «Zwischenfällen» besitzt. Wie die Amerikaner auch. Aber das wäre hier dann wohl zu mainstreamig, weil es ausdrücklich nicht gegen das «Imperium» gerichtet ist …

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    am 20. Jul 2014 um 23:32 Uhr
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    Und noch ein Nachtrag, so unter uns Fläblern: Als Radarist sollte C.M. eigentlich wissen, dass – falls es denn tatsächlich ein BUK M1 System war – man die Bedienung solcher Systeme nicht einfach mal so in einem halben Tag Selbststudium lernt. Es muss also ein entsprechender Know-how-Transfer stattgefunden haben, wenn es denn wirklich so gewesen sein sollte, dass die Separatisten den Abschuss zu verantworten haben. Dieses Know-how findet sich in der Region nun mal ausser in der Ukraine nur in Russland und Weissrussland.

    Geschätzter Herr Gisger und Flab-Kollege
    Bitte interpretieren Sie nicht mehr in den Vergleich hinein, als drin steht. Die Aussage ist eigentlich nur die: Nachdem die USA selber schon aus Versehen ein ziviles Verkehrsflugzeug abgeschossen haben – mit annähernd 300 Toten – sollten sie mit der Verurteilung der Schiessenden etwas zurückhaltender sein. Wer einem Anderen eine "unbeschreibliche Schandtat" vorwirft, unterstellt ihm, den Abschuss ABSICHTLICH vorgenommen zu haben. Nachdem die ukrainische Armee in diesem Gebiet aber seit Wochen unaufhaltsam Dörfer und Städte bombardiert, sogar jetzt NACH dem Absturz, und nachdem Kiew einen Waffenstillstand ausdrücklich verweigert, ist die Vermutung gross, dass die sogenannten Separatisten einfach auf alles schiessen, was am Himmel auftaucht, wie damals die Amerikaner. – In einem Rechtsstaat gilt das Prinzip der Unschuldsvermutung bis zum Beweis oder der Verurteilung, in der Ukraine aber wird mit der Schuldzuweisung, der Abschuss sei ABSICHTLICH erfolgt, Politik gemacht. DAS kritisiere ich. Nichts Anderes.
    Mit Gruss, Christian Müller

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    am 22. Jul 2014 um 11:04 Uhr
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    «Wenn zwei das gleiche tun…..» Die Amerikaner dürfen eben Flugzeuge abschiessen, besonders iranische oder arabische. Betonen sie doch bei jeder Gelegenheit, dass sie «Gottes eigenes Volk» sind – auserwählt!

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    am 22. Jul 2014 um 11:29 Uhr
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    @Christian Müller: Wie gesagt, auch ich weiss nicht, was sich wie zugetragen hat. Meine Kritik bezieht sich einzig auf das einseitige, die USA sollten doch gefälligst vor der eigenen Haustüre wischen. Klar, die USA wirft den Separatisten vor, die Maschine absichtlich abgeschossen zu haben. Ähnliches wird aber seitens Russland auch der Ukraine vorgeworfen. Darum gehört m.E. in diese Aufzählung eben auch der Abschuss des Flugs 007 durch die Sowjetunion. So gesehen sollte auch Russland vor der eigenen Türe wischen. Beide involvierten Mächte, die USA UND Russland, sind keine Musterknaben. Es gibt in diesem Konflikt eben kein Schwarz und Weiss, nur Grautöne. Aber eben, derzeit ist es ja wieder en vogue, das vermeintliche «Imperium» USA anzuklagen, während der «lupenreine Demokrat» Putin und sein autokratisch regiertes Russland geradezu als Musterknabe hingestellt wird. Gerne auch garniert mit einer Vielzahl von Verschwörungstheorien über Bilderberger, ferngesteuerte Passagierflugzeuge, CFR, «jüdische Weltverschwörung» und was weiss ich. Haben Sie die Kommentare zu Ihrem Beitrag «Ukraine – die Wahrheit liest man im Feuilleton…» alle gelesen? Dort blieben Sie stumm.

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    am 24. Jul 2014 um 15:40 Uhr
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    @Gisiger
    Vielen Dank für Ihren Beitrag. In diesem Konflikt sind Einäugige nun mal nicht gefragt, ihre Ergänzungen finde ich daher sehr wichtig.
    Auch ich bin schockiert über die Beiträge zur Jüdischen Weltverschwörung, Protokolle von Zion ect. Nicht mal 70 Jahre nach Auschwitz scheinen Zündel, Leuchter und co., obwohl X-Fach widerlegt, wieder an Boden zu gewinnen. Traurige Nachrichten, die Depersonalisierung der Macht (Adorno) durch das Grundgesetz bietet immensen Spielraum für jegliche «Elitenfantasien". Doch diese sind nie und nimmer so zielgerichtet und harmonisch wie es einige Vermuten lassen. Bernanke sagte ja selber, er hatte nach der Krise keine Ahnung was er eigentlich tat.

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