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Colin Powell mit «Beweisen» gegen den Irak vor der Uno. Nikki Haley heute. © willyloman

«Trump will Krieg gegen Iran wie Bush gegen Irak»

Urs P. Gasche /  Stabschef von Colin Powell: «Gleiches Verteufeln und Lügen, um die Bevölkerung für ein militärisches Eingreifen zu gewinnen.»

Lawrence Wilkerson: Er war Stabschef des damaligen Aussenministers Colin Powell und schrieb an der berühmt-berüchtigten Rede mit, die Powell im Jahr 2002 vor der Uno gehalten hatte, um die Weltöffentlichkeit für eine militärische Invasion des Iraks zu gewinnen. Heute erklärt Wilkerson freimütig, die Regierung von George W. Bush habe den Krieg und die Entfernung von Saddam Hussein schon zwei Jahre vorher beschlossen. Es war «ein Krieg der Wahl» gewesen («war of choice»), erklärte Lawrence Wilkerson in der «New York Times» (Artikel kostenlos zugänglich auf «King News»).

«Ich half damals, mit falschen Anschuldigungen einen Krieg anzuzetteln», räumt der frühere Armee-Oberst heute ein. Statt demokratische Verhältnisse herrschten heute im Irak noch immer chaotische Verhältnisse, und der ganze Mittlere Osten sei destabilisiert worden.

Mit gleichen Methoden gegen den Iran
Damit nicht genug: Wilkerson warnt vor den heutigen Parallelen und sieht in Trumps Politik eine vergleichbare Vorbereitung eines Kriegs – diesmal gegen den Iran.
Hier einige von Wilkerson angeführten Parallelen:

  • Trump versucht einen Präventivkrieg gegen den Iran angesichts einer Bedrohung als «einzige Lösung» darzustellen.
  • Trumps UN-Botschafterin Nikki Halay zitierte vor der Uno «unbestreitbare Beweise» («undeniable evidence»), dass der Iran mit seinem Raketenprogramm und seiner Intervention in Jemen Beschlüsse des Sicherheitsrats verletze. Haley zeigte Satellitenbilder, welche die US-Geheimdienste geliefert hätten (und von niemandem kontrolliert werden können).
  • Die «Foundation for Defense of Democracy» verbreitet, der Iran sei in enger Verbindung mit der Al Kaida. Diese «Foundation» wird von den rechtskonservativen Millionären Sheldon Adelson und Paul Singer finanziert und strebt im Iran schon lange einen «Regime Change» an.
  • Trump stellte dem Kongress im Januar ein Ultimatum: Entweder werde das «schlechte» Atomabkommen revidiert oder er verhänge wieder Sanktionen.
  • Von den Geheimdiensten werden «Beweise» gefordert, dass der Iran das Atomabkommen nicht einhält.

Der ehemalige Staatssekretär von Colin Powell warnt: Die Folgen eines Kriegs mit dem Iran, das fast 80 Millionen Einwohner zählt und ein viel schwierigeres geografisches Gelände aufweist, würde zehn- bis fünfzehnmal mehr Opfer fordern und auch zehn- bis fünfzehnmal mehr kosten.

Die Trump-Administration picke einzelne Erkenntnisse heraus, bausche sie auf, verdrehe anderes und lüge, um den Boden für einen militärischen Schlag gegen den Iran vorzubereiten: «Wenn wir nicht vorsichtig sind, wird die Administration Erfolg haben» («If we’re not careful, they’ll succeed»).
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Keine

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US-Politik unter Donald Trump

Weichenstellungen: An seinen Entscheiden ist Trump zu messen, nicht an seinen widersprüchlichen Aussagen.

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3 Meinungen

  • am 9.02.2018 um 16:28 Uhr
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    Meines Erachtens besteht kein Zweifel, dass der Tiefenstaat, welcher die USA und die NATO kontrolliert, die Absicht hat, den Iran zu destabilisieren nach dem bekannten Prinzip des Regime Change oder durch die Präventiv-Doktrin von Responsibility to Protect, kurz durch eine weitere Lüge und weitere völkerrechtswidrige Aggression.
    Die Frage ist, wie das verhindert werden kann?
    Leider werden unsere Regierung und die Regierungen in Europa dies nicht verhindern.
    Nur das Volk könnte das durch eine Volksbewegung, eine Zivilgesellschaft, mit aktivem und passivem Widerstand durchsetzen.
    Der Generalstreik von 1918 hatte andere Gründe, aber er zeigt, was ein einiges Volk erreichen kann.
    Aber die Hürden sind hoch.
    Eine Möglichkeit ist eine neue starke Friedensbewegung, die der Politik klar macht, wo die Grenzen der Profitgier und des Anstandes sind.
    Man sollte es versuchen.

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  • am 11.02.2018 um 17:16 Uhr
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    @ Paul Steinmann, Ihr Artikel zeichnet genau den «ist"
    Zustand, in dem wir uns zur Zeit befinden, Nur mit meinem Volke habe ich da meine Zweifel.Aber wie gewöhnlich » die Hoffnung stirbt zu letzt » MfG
    Werner Kämtner

    0
  • am 14.02.2018 um 16:50 Uhr
    Permalink

    Wenn die ganze Welt sich dem fügen muss, «was Trump will», dann haben wir es wahrlich weit gebracht. Der Iran ist Mitglied der UNO und in der UNO gibt es den Sicherheitsrat, in welchem die USA auch nur eine Stimme haben. Verstossen die USA gegen die Charta, kann/ muss man sie aus der UNO ausschliessen. Einen in den USA demokratisch beschlossenen Krieg gegen den Iran halte ich für ausgeschlossen. Einen von Trump vom Zaun gerissenen aber schon. Hoffnung stirbt zuletzt, ja, aber Dummheit kann diese ignorieren.

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