Sperberauge

Papst gegen «subtile Diktatur» des Kapitals

Lupe © Depositphotos

Red. /  Der «globale Kapitalismus» würde «Männer und Frauen versklaven», sagte Papst Franziskus in Bolivien.

Die bisher schärfste Rede des Papstes über die fatalen Folgen des globalisierten Kapitalismus hielt Papst Franziskus am Mittwoch Abend (8. Juli) in der bolivianischen Stadt Santa Cruz vor 2000 Strassenarbeitern, Sozialhelferinnen und Nachbarschafts-Aktivistinnen und -Aktivisten.
Bis heute haben Fernsehen und Zeitungen in der Schweiz nicht darüber berichtet.
«Neuer Kolonialismus
In den Folgen des globalisierten Kapitalismus sieht der Papst «Düngemittel des Teufels». Bisher kritisierte er häufig die «Geldgier», doch in Bolivien ging er weiter und nannte den heutigen Kapitalismus eine «subtile Diktatur», die Männer und Frauen «unterdrückt und versklavt». Der «alte und neue Kolonialismus» reduziere arme Länder zu Lieferanten von Rohstoffen und billiger Arbeit. Das führe zu Elend und Gewalt und erzwinge Migration. Dieses System müsse beendet werden.
Vorher hatte sich der Papst auf seiner Südamerikareise für die kriminellen Schandtaten der Römisch-Katholischen Kirche während der spanischen Kolonialzeit entschuldigt.
Heute müsse sich die Kirche auflehnen gegen einen «neuen Kolonialismus», der zu einer «ungerechten Wirtschaftsordnung» führe.

Der Neoliberalismus soll selbst für George Soros überbordet haben

«Der Papst sagte nur, was bereits in der Luft liegt», kommentierte Robert A. Johnson, CEO des «Institute for New Economic Thinking», in der «New York Times» NYT. Der Papst habe ein Gespür dafür, dass der heutige, reale Kapitalismus «seine Rechtfertigung» verloren habe. Johnsons Institut wird vom Milliardär George Soros mit 50 Millionen Dollar subventioniert. Soros, der viele seiner Milliarden zur Verbreitung des «freien Marktes» ausgegeben habe, ist laut NYT zum Schluss gekommen, dass das Pendel zu stark ausgeschlagen habe.

Dass der Papst den von der Globalisierung Benachteiligten ein so starkes Gehör schenkt, sei darauf zurückzuführen, dass der Papst deren Not und Elend hautnah mitbekommen habe, als er sich in Argentinien jahrelang für sie eingesetzt hatte. Das meint Stephen F. Schneck, Direktor des «Institute for Policy Research and Catholic studies» an der «Catholic University of America» in Washington.


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Keine

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Eine Meinung zu

  • am 13.07.2015 um 16:30 Uhr
    Permalink

    Fuer die Schweizer Medien ist der Papst, Christoph Blocher und wenn der einen Furz fahren laest, sind die Titelseiten voll geschmiert.
    Die Aussagen von Franziskus sind, leider Gottes, die Wahrheit.
    Siehe Deutschland und das Griechen/Opfer des Kapitalismus.

    0

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