Bildschirmfoto20110403um20_30_49

Chinas bekanntester Künstler Ai Weiwei © AW

Chinas Dissident und Künstler Ai Weiwei verhaftet

Red. /  Chinas Polizei hat den berühmtesten Künstler Chinas am Sonntag verhaftet. Der Tagesschau war dies am Abend keine Meldung wert.

Als Ai Weiwei am Flughafen in Beijing ein FLugzeug nach Hongkong besteigen wollte, hat ihn die Polizei am Sonntag Morgen verhaftet. Wegen «Aufrufen zum Untergraben der Staatsgewalt» sitzen schon etliche Dissidenten hinter Gittern.
Die Verhaftung des «Andy Warhol» von China deutet auf eine Eskalation der repressiven Politik hin. Bisher «begnügte» sich die Staatsgewalt mit mehreren Hausarrests des Künstlers, dem Verbot von Ausstellungen und im Januar mit dem Zerstören seines Ateliers in Shanghai. Vor drei Jahren ernannten ihn die Behörden noch zum künstlerischen Leiter des «Vogelnest»-Olympiastadions, das er mit den Basler Architekten Herzog & de Meuron konzipierte. Das sollte eine Ausnahme bleiben. Deshalb feierte er seine grössten Erfolge im Ausland. 2010 machte er in London Furore, als er die Turbinenhalle im Museum Tate Modern mit hundert Millionen Sonnenblumenkernen aus Porzellan füllte. Im Berliner Ostasiatischen Museum ist zur Zeit eine Installation aus 3000 Kilo gepresstem Pu-Er-Tee zu bewundern.

«Ich kann hier nicht weiter arbeiten»

«Ich bin ratlos, weil ich in China nicht weiter arbeiten kann», erklärte er noch Ende März. Deshalb hat der 53-Jährige im Berliner Stadtteil Schöneweide ein Künstler-Studio gekauft. Er wolle dies nicht als Flucht verstanden wissen, sondern wolle sein Studio in Beijing weiter betreiben. Am Sonntag nach seiner Verhaftung hat die Polizei sein Studio durchsucht und möglicherweise geschlossen. Ai Weiwei pendelte häufig zwischen China und Europa. In den Achtzigerjahren lebte er in New York.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

Zum Infosperber-Dossier:

Flagge_China

Chinas Innenpolitik

Hohe Wachstumszahlen; riesige Devisenreserven; sozialer Konfliktstoff; Umweltzerstörung; Herrschaft einer Partei

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

IBAN: CH 0309000000604575581


Der Meinungsaustausch wird nach zehn Tagen automatisch beendet. Oder er wurde zu diesem Artikel gar nicht ermöglicht.