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Geplante Solaranlage am Sonnenhang bei Quinten © EKZ

Solarkraft bedrängt geschützte Landschaft

Hanspeter Guggenbühl /  Das Zürcher EKZ plant die «grösste Photovoltaik-Anlage der Schweiz», um damit ein Tausendstel des Leibstadt-Atomstroms zu ersetzen.

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) planen am Walensee «die grösste Photovoltaik-Anlage der Schweiz». Platziert wird diese nicht auf einem bestehenden Gebäude, wie das Solar-Fachverbände empfehlen, sondern am unverbauten Sonnenhang bei Quinten in einem – im BLN-Inventar erfassten – nationalen Landschaftsschutz-Gebiet. Die Solarpanels mit einer Gesamtfläche von 80 000 Quadratmetern (oder acht grossen Fussballfeldern) sollen dort über einen stillgelegten Steinbruch gestülpt werden. Visuell, so zeigt das von der EKZ veröffentlichte Modellfoto, präsentiert sich die Anlage wie eine imposante Staumauer.

Der Konflikt zwischen hochgelobter erneuerbarer Stromproduktion und gesetzlich verankerten Landschaftsschutz ist bei diesem Projekt also programmiert. Landschafts- und Umweltschutz-Organisationen haben ihren Widerstand bereits angemeldet. Damit fragt sich: Wie viel Solarstrom bringt dieses Landschafts-Opfer?

Das EKZ beziffert die Spitzenleistung ihrer «grössten» geplanten Photovoltaik-Anlage auf neun Megawatt (MW). Bei durchschnittlich tausend Volllast-Stunden/Jahr ergibt das eine Jahresproduktion von neun Millionen Kilowattstunden (kWh) Solarstrom. Zum Vergleich: Das AKW Leibstadt, an dem die EKZ als Mitbesitzerin der Axpo indirekt beteiligt sind, produziert pro Jahr durchschnittlich neun Milliarden kWh. Was zeigt: Um allein den Atomstrom aus Leibstadt zu ersetzen, brauchte es tausend Photovoltaik-Anlagen wie jene, die das EKZ am Walensee plant.

Doch vielleicht meinen es die EKZ mit ihrem Projekt gar nicht ernst. Vielleicht wollen sie nur zeigen, dass solare Freiflächen-Anlagen ein Unsinn sind. Denn in der Schweiz liegt noch ein riesiges Potenzial an – ungeschützten – Dachflächen brach.


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4 Meinungen

  • am 27.11.2011 um 18:38 Uhr
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    Mich würde das Sonnenkraftwerk nicht stören, im Gegenteil. Der Berg ist durch den Steinbruch bereits stark verunstaltet, gleichsam einem kaputten Zahn, soll nun «der Flick» verboten sein? Eigentlich hätte dieser Berg nie angebaggert werden dürfen, der Bundes-Schutz kam leider viel zu spät.
    Die Argumente Guggenbühls finde ich dennoch richtig:
    – Möglicherweise ist dies eine gigantische Alibiübung um Eindruck zu schinden.
    – Die Stromverschwendung wird immer noch nicht tariflich sanktioniert, ohne sinnvolle Stromtarife bleibt jeder Umstieg chancenlos. Also ist dieses Vorzeigeprojekt leider nicht ernst gemeint.
    – Es stehen viele unschöne Hallen und Kaufzentren im Lande, diese sollten vorallem solar genutzt werden, die Landschaft würde nicht noch unschöner.
    – wir produzieren selbst solaren Strom, doppelt soviel wie wir selbst brauchen, die Landschaft wird dadurch nicht verschandelt….

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  • am 28.11.2011 um 19:26 Uhr
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    Ja, @)Hanspeter Guggenbühl, der letzte Absatz triffts wahrscheinlich: Ich würde es ihnen zutrauen, dass es ein Projekt ist, um den Beweis anzutreten:"Seht her, alles Guguus! Wir haben es ja immer gesagt!» Zumundest haben sie diesen Effekt in ihre Ueberlegungen einbezogen. So viel Rafinesse darf man ihnen schon zutrauen, sind ja Profis.

    Und grade drum sollte man das Projekt durchziehen, um zu beweisen: Es geht und man kriegt sowas auch politisch durch, wenn man will. Natürlich ist die Effizienz der Anlage im Verhältnis gering, aber man sollte es von vornherein als Forschungobjekt sehen, um die Technologie weiter zu entwickeln. Abgesehen davon finde ich es optisch attraktiv, der Steinbruch ist nun wirklich nicht schöner. Ausserdem wird ja nach einigen Jahren alles wieder abgebaut und renaturiert.

    Ich bin häufig in Holland. Dort laufen grosse Windräderparks, die haben ihre eigene elegante Aesthetik und die Leute wollen sie inzwischen gar nicht mehr missen – schon aus optischen Gründen.

    Die Umweltverbände sollen jetzt bloss nicht in diese womöglich gestellte Falle tappen. Sie sollten nicht versuchen, das Ding zu verhindern, sondern es kritisch beratend zu begleiten und zu beobachten. Einfach laufen und wirken lassen, auch wenn da mal das eine odere andere irritierte Vögeli reinrauscht. Man kann nicht immer alles bis ins Allerletzte auskalkulieren und jedes nur erdenkliche Risiko ausschliessen – sonst geht’s nicht voran mit der Schweiz ohne Kernenergie. Das muss das wichtige Ziel bleiben.

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  • am 10.12.2011 um 22:33 Uhr
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    @Urs Lachenmeier, da haben Sie vollkomen Recht! Mich wäre auch nicht stören dieser «gepflickter Zahn"…
    Ich finde man soll all diese Aldi`s, Lidl`s Bauhäuser usw. endlich zur Verantwortung ziehen. Abgesehen davon, dass die Bauten sehr viel von der wertvoller Fläche stehlen, sollte mindestens die Dachfläche mit Solarpanellen ausgestattet werden auf Kosten dieser Unternehmer. Ja, die sinnvolle Stromtarife sind unandingbar. Schade nur, dass kostbare Zeit vergeht und unsere Politiker immer noch nicht begreiffen – es ist schon Fünf vor Zwölf….

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