SBB grundlegend und pragmatisch beurteilt

Hanspeter Guggenbühl ©

Hanspeter Guggenbühl /  Die SBB wachsen, juhee! Sie schrumpfen, ohweh! Oder alles umgekehrt?

Von 1995 bis 2011 sind die Passagierzahlen der Schweizer Bahnen pausenlos gestiegen. Soll man darüber jubeln? Letztes Jahr aber hat der der SBB-Personenverkehr erstmals abgenommen? Haben wir Grund zu klagen? Die Antworten hängen von der Betroffenheit ab.

Der Automobilist zum Beispiel, der im Frühstau auf der Autobahn steht, müsste sich freuen, wenn mehr Leute auf die Bahn umsteigen. Trotzdem kommt er nicht schneller voran, weil der Strassenverkehr seit 1995 ebenfalls weiter gewachsen ist.

Die Pendlerin hingegen, die nach Arbeitsschluss in der überfüllten S-Bahn steht und heimwärts tuckert, wird das Ende des Bahnbooms herbei sehen. Doch leider merkt sie nichts davon. Denn 2012 hat nicht der Stossverkehr in den S-Bahnen abgenommen, sondern der Freizeitverkehr. Das wiederum schmerzt die Bahnmanager, die ihr Angebot im lukrativeren Fernverkehr besser auslasten möchten.

Die Frage, ob der Trend zu loben oder zu tadeln ist, bringt selbst grüne Bahnfreunde ins Dilemma. Ihre Antwort hängt davon ab, ob sie gerade grundsätzlich oder pragmatisch gestimmt sind. Grundsätzlich wollen sie den Gesamtverkehr vermindern und nur den Rest auf die Schiene verlagern. Aus pragmatischer Sicht hingegen nehmen sie das Wachstum auf der Schiene in Kauf, weil der Bahnverkehr die Umwelt weniger stark belastet als der Strassenverkehr.

Den Ausweg aus dem Dilemma zeigt die Ökonomie. Sie verlangt Kostenwahrheit. Das heisst: Wir sollten nicht mehr verkehren, als wir dafür bezahlen wollen (oder können). Das ist weniger als heute. Denn heute zahlen die Fahrenden nur einen Teil der Kosten, die sie verursachen. Den Rest der Bahnkosten bezahlt der Staat, während der Strassenverkehr seine ungedeckten Kosten auf die Natur abwälzt.


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Zum Infosperber-Dossier:

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Auto oder Bahn: Wer zahlt Defizite?

Wer subventioniert wen und wieviel? Kann oder soll man Pendler zur Kasse bitten?

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Eine Meinung zu

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    am 30. Mrz 2013 um 13:28 Uhr
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    Kostenwahrheit, genau!
    Kollektivismus (ob stalinistisch oder kapitalistisch) ist eine schädliche Umverteilung wovon generell die Falschen profitieren.
    Die Kosten werden werden überall hin umverteilt, so dass wir es kaum merken, wo wir «sachfremd» bezahlen müssen.
    Unsre Gemeinderechnung weist für «Verkehr» 2012 einen Aufwand von 894’410 aus, Nettoaufwand immer noch CHF 746’840, was etwa 10% des gesamten Steuerertrags ausmacht. Schon damit zeigt sich, dass Strasse und öV auch von Gemeindesteuern mitgetragen werden. Weshalb aber soll ich über die Gemeindesteuer mein eigenes Billett verbilligen und ebenso mein eigener Autoeinsatz?

    Beispiel Personen-Unfallkosten im Strassenverkehr, diese werden zur Hauptsache von der SUVA getragen. Diese wiederum verteuert nicht etwa den Verkehr sondern die Lohnkosten zu Lasten jeglichen Auftrags. Hier bezahlt die Kundschaft sachfremd für die in der Rechnung enthaltenen Lohn-Nebenkosten, was den Wettbewerb zu Lasten des einheimischen Gewerbes und zum Vorteil der Importeure verzerrt. Gefährdung von Arbeitsplätzen durch Umverteilung der Versicherungsbeiträge, die Gewerkschaften und das Gewerbe stört das nicht…

    Kostenwahrheit würde ganz klar den Verkehr massiv verteuern aber auf der andern Seite Steuern, Abgaben und Lohnprozente … das Leben… entsprechend verbilligen.
    Diese Verbilligung sollten wir mehr fokusieren, so bekommt die Kostenwahrheit einen sehr erfreulichen Effekt, welcher sich durchaus beschäftigungswirksam erweisen könnte. Steuerabzüge für den Arbeitsweg könnten ersatzlos gestrichen werden, als Anreiz für lokale Betätigung.

    0

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