Sperberauge

Merenschwand will Atomstrom zurück

Kurt Marti © Christian Schnur

Kurt Marti /  Die StimmbürgerInnen von Merenschwand haben gesprochen: Weg vom importierten Dreckstrom, hin zum CH-Atomstrom.

Die Bevölkerung von Merenschwand, der Wohngemeinde von Energieministerin Doris Leuthard, hat am letzten Wochenende ihren Willen klar geäussert: 67,3 Prozent waren gegen eine Befristung der AKW-Laufzeit und haben damit ein klares Votum pro Atomstrom abgegeben. Deshalb müssen nun die Verantwortlichen der Gemeinde und der Elektrizitäts-Genossenschaft Merenschwand über die Bücher. Das heisst, sie müssen den Strommix von Merenschwand dem Volkswillen anpassen: Weg vom importierten Dreckstrom, hin zum heimatlichen Atomstrom.

Merenschwand muss den Volkswillen umsetzen

Wie Infosperber letzte Woche berichtete («Leuthards Wohngemeinde: Dreckstrom-Import en masse»), bezog das Merenschwander Stromwerk 2014 keine einzige Kilowattstunde Strom aus einem Schweizer Atomkraftwerk. Stattdessen stammten über 95 Prozent des Merenschwander Stroms aus dem Ausland, vor allem aus Atom- und Kohlekraftwerken. Inzwischen sind die neusten Zahlen zum Merenschwander Strommix online und es hat sich nichts geändert: Auch 2015 bezog Merenschwand keine einzige Kilowattstunde Atomstrom aus den Schweizer AKW.

Mit dem Mehrheitsvotum vom letzten Wochenende ist es folglich logisch, dass die Gemeinde Merenschwand und ihr Stromwerk wieder zum Strom aus den Schweizer Atomkraftwerken zurückkehren, denn 2013 bezog Merenschwand noch über 80 Prozent Schweizer Atomstrom.

Rund 40 Prozent des AKW-Stroms exportiert

Aber nicht nur Merenschwand muss nach dem Nein zur Atom-Ausstiegs-Initiative über die Bücher, sondern auch alle anderen atomfreundlichen Gemeinden und Grosskonsumenten der Industrie sind angehalten, den Volkswillen umzusetzen und den Atomstrom, den die Schweizer Atomkraftwerke produzieren, auch zu kaufen. Denn im Jahr 2014 war der in der Schweiz verkaufte Schweizer Atomstrom mit 23 Prozent bedeutend kleiner als die jährlich ausgewiesene AKW-Produktion, die 38 Prozent betrug.

Wenn man von der jährlichen inländischen Atomstrom-Produktion von 26‘370 GWh (2014) ausgeht, dann beträgt der exportierte AKW-Strom 10‘400 GWh. Das entspricht 40 Prozent der inländischen Atomstromproduktion. Das ist rund 1’000 GWh mehr als die drei alten Atomkraftwerke Mühleberg, Beznau I und II im Jahr 2014 produziert haben.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Geschäftsleiter, Redaktor und Beirat der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

Zum Infosperber-Dossier:

SolaranlageBauernhof-1

Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke

Erstes, zweites und drittes Gebot: Der Stromverbrauch darf nicht weiter zunehmen.

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Eine Meinung zu

  • am 1.12.2016 um 13:34 Uhr
    Permalink

    Vor allem sollten diese Gemeinden und deren EW die Vollkosten der Atomstromproduktion zahlen, damit die riesige offene Rechnung für die Restlaufzeiten, den Rückbau und die Atommüllentsorgung nicht weiter unkontrolliert wächst.

    0

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