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Yigal B. Caspi, der neue Botschafter Israels in Bern © twitter.com/yigalcaspi

Israel schickt Propaganda-Hardliner nach Bern

Christian Müller /  Der neue Botschafter Israels in Bern verurteilt Boykott, wird aber die Migros boykottieren. Der Widerspruch ist symptomatisch.

Am 6. Juli 2012 hat Yigal B. Caspi sein neues Amt als Botschafter Israels in Bern angetreten. Zwei Interviews, eines mit der NZZ am Sonntag und eines mit der Propaganda-Plattform «Audiatur-online», lassen nichts Gutes erwarten. Der ehemalige Generaldirektor für Medien und öffentliche Angelegenheiten im israelischen Aussenministerium – sprich: der ehemalige Zuständige für die israelische Propaganda-Maschinerie – macht auf die alte Masche: die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik Israels ist nicht das Problem, und beim Thema «Iran» erinnert er an Nazi-Deutschland.

Die Migros als Reizwort

Natürlich wurde der neue Botschafter in beiden Interviews auch auf die Migros angesprochen, die ab kommendem Jahr Produkte, die nicht aus dem eigentlichen Israel stammen, sondern aus den von Israel besetzten Siedlungen in Palästina, mit dieser Herkunft konkret bezeichnen wird. Dieser Entscheid der Migros wurde vor allem aus jüdischen Kreisen hart kritisiert, weil die Herkunftsdeklaration dem Käufer künftig die Möglichkeit gibt, solche Produkte bewusst nicht zu kaufen, sprich: zu boykottieren.

«Die Entscheidung der Migros ist falsch», sagt Yigal Caspi (natürlich, weil man dann diese Produkte boykottieren kann). Aber Caspi wird selber nicht in die Migros gehen, sprich: er wird die Migros boykottieren. Das ist exakt das gleiche Verhaltensmuster wie mit dem Atomprogramm und dem Iran: Iran darf kein Atomprogramm haben, aber Israel selber hat die Atombombe. Caspi «vergisst» zu erwähnen, dass die Herkunftsdeklaration der Siedlungsprodukte in Grossbritannien bereits Gesetz ist und dass auch politisch unverdächtige Organisationen wie etwa Pax Christi Deutschland, die deutsche Sektion der Internationalen Katholischen Friedensbewegung, das genau Gleiche fordern. Und Caspi «vergisst» zu erwähnen, dass auch international renommierte Juden – so etwa Zbigniew Brzezinski, der ehemalige US-Präsidentenberater, oder Peter Beinart, Professor für Politische Wissenschaften an der The City University in New York – zwischenzeitlich ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Ursprung des «Problems» Iran in Israel liegt, nicht in Teheran.

Besuche bei den Chefredaktoren

Ob es ein kluger Entscheid Premierminister Benjamin Netanyahus und Aussenminister Avigdor Liebermans war, ausgerechnet in die Schweiz einen Hardliner als Botschafter zu schicken, ist fraglich. Normalerweise reagieren die freiheitlich gesinnten Eidgenossen eher negativ auf Meinungsmache von aussen. Aber bereits hat Caspi Besuche bei den Chefredaktoren der Schweizer Zeitungen in Aussicht gestellt…


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