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SVP-NR Walter Wobmann im Bundeshaus © zg

Freisinn und SVP im Wahlkampf auf zwei Rädern

Niklaus Ramseyer /  Die SVP will mit einer «Motorrad-Landsgemeinde» 400 000 Töff-Fahrer mobilisieren. Die FDP biedert sich 2 Millionen Velofahrern an.

Auf dem Plakat steht «SVP Schweiz» nur zu unterst ganz klein. Gross verkündet es oben: «Auf zur ersten Motorrad-Landsgemeinde!» Sie findet auf dem Ratenpass bei Oberägeri (ZG) am 17. September statt. Motto der Veranstaltung: «Freiheit statt Schikanen.» In den Ohren vieler Töff-Fahrer dürfte die Forderung mehr technisch tönen, als politisch: Aus ihren dröhnenden Auspuffrohren haben sie die Schikanen nämlich längst entfernt. Es gibt sogar Systeme, die mit einem Handgriff entfernt und wieder eingesetzt werden können – für die Fahrzeugprüfung etwa.

Blocher am Rocker-Rednerpult
Doch im Kleingedruckten des Aufrufs wird schnell klar, dass es mehr um Politik geht, als um Technik. Festredner ist Christoph Blocher höchstpersönlich. Und neben «Kurzvoten von Motorradfahrern», ist auch ein «Walter Wobmann, Präsident FMS» angesagt. Wobmann ist gelernter Töff-Mechaniker und ehemaliger Motorrad-Rennfahrer. Er präsidiert die Föderation der Motorradfahrer der Schweiz (FMS).

Vor allem aber ist Wobmann Solothurner SVP-Nationalrat und auch Ständeratskandidat. Ihm kommt im SVP-Wahlkampf die Rolle zu, fast 400 000 Töff-Fahrer im Land für die Wahlen zu mobilisieren. Im Parlament kämpft er dafür, dass das Verbot von Rundstreckenrennen aufgehoben wird. Er hat sich auf seinem italienischen Kult-Töff der Marke MV Agusta 1000 auch schon in der Eingangshalle des Bundeshauses fotografieren lassen.

«Meist konservative Leute»
Ob Wobmanns Kampagne in der Töff-Szene der SVP viel bringen wird, ist ungewiss: «Solche speziellen Interessengruppen lassen sich politisch eher für Sachabstimmungen mobilisieren, die sie betreffen, als für Wahlen», sagt der Berner Politologe Adrian Vatter.
Er räumt aber ein, dass wohl viele Töff-Fahrer der SVP zuneigen könnten, wenn sie denn wählen gingen.

Genaue Untersuchungen dazu fehlen. «Töff-Fahrer gibt es quer durch alle Schichten und politischen Parteien», sagt Roland Fuchs von der Schweizer Fachstelle für Zweiradfragen. Aber auch er meint: «Es sind meist zurückhaltende und konservative Leute.»

Velofahrer politisch eher Rot-Grün
Wie der Töff zur SVP, so passt das Velo tendeziell eher zu Linken und Grünen. Mehr als 4,5 Millionen Velos gibt es in der Schweiz, wovon etwa 2,5 Millionen regelmässig benutzt werden. Dieses Riesenpotential der Velofahrer versuchte der serbelnde Freisinn kürzlich mit einer Wahl-Velotour durch die Schweiz für sich zu erschliessen.

Doch Fachleute aus der Polit- wie aus der Veloszene zweifeln am Erfolg dieser Aktion erst recht: Als Velo-Partei sei der Freisinn wenig glaubwürdig, meinen sie. Wer im Internet nach «Velo und FDP» sucht, der findet tatsächlich Schlagzeilen wie: «FDP will Velos aus der Berner Innenstadt verbannen» oder «Luzerner Freisinn gegen Velo-Initiative». Die allermeisten politischen Vorstösse zu Gunsten der Velofahrer kommen von Linken und Grünen. Sollte die FDP-Velotour dennoch Radfahrer an die Urne treiben, dürften die dort am 23. Oktober wohl Grüne, die SP oder maximal die Grün-Liberalen wählen.


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