Sperberauge

Die Schweiz – unabhängig und neutral?

Christian Müller © zvg

Christian Müller /  Ein Schweizer Pilot erklärt, wie sehr die Schweizer Luftwaffe von den USA abhängig ist: das entscheidende Zitat.

Viermal im Jahr erscheint die Zeitschrift RUNDSCHAU, das Magazin der Pilotenverbände AEROPERS und SwissALPA. In der letzten Ausgabe Ende 2020 äussert sich Pilot und RUNDSCHAU-Redaktor Roman Boller eingehend zum Thema «Schweizer Luftwaffe: Zwischen Abhängigkeit und Neutralität». Die entscheidende Passage in seinem Beitrag sei hier wörtlich wiedergegeben:

«Während des Abstimmungskampfes wurde von den Befürwortern die Notwendigkeit der Kampfjets für die Wahrung der Schweizer Unabhängigkeit und Neutralität immer wieder betont. Auch auf der Website des VBS steht geschrieben, dass die Schweiz zur Verteidigung ihres Luftraumes als neutraler Staat möglichst unabhängig von anderen Staaten und Organisationen sein will. Bereits heute ist die Schweizer Luftwaffe jedoch substanziell von der Technologie der NATO abhängig und diese wiederum kommt grösstenteils wiederum aus den USA. Ein Beispiel für diese einseitige Abhängigkeit ist der «Datalink 16». Mit Hilfe des «Internets der Lüfte» werden Daten zwischen Flugzeugen, Schiffen und Heereseinheiten in Echtzeit miteinander geteilt. Dadurch können im Konfliktfall koordinierte Waffeneinsätze bei gemeinsamen Operationen mit der NATO durchgeführt werden. Die NATO-Länder nutzen dieses System genauso wie die Schweizer Jets. Zur Verfügung gestellt wird dieses System von den USA. Während unsere Nachbarstaaten grösstenteils mit europäischen Kampfflugzeugen operieren, ist die Schweiz durch die amerikanischen F/A-18 zusätzlich an die USA gebunden. Die Amerikaner sind nämlich nach wie vor im Besitz des Quellcodes, also der Software aller F/A-18. Niemand hat Zugang zu diesem Code. Auch die Updates für die Schweizer Flugzeuge finden unter Ausschluss der Schweizer Armee statt. Einige Rüstungsexperten vermuten daher, dass die Amerikaner die Schweizer Luftwaffe jederzeit grounden können – dies ist allerdings nicht belegt. Klar ist jedoch, dass die USA jederzeit übersämtliche ihrer eingesetzten Flugzeuge auf der Welt Bescheid wissen. Die Kontrolle über die eigenen Waffensysteme wird nicht abgegeben. So kann auch sichergestellt werden, dass diese nie gegen ihre eigenen Interessen eingesetzt werden können. Von Unabhängigkeit kann also keine Rede sein.»

Die Ausgabe 4/2020 der RUNDSCHAU, in der der ganze Beitrag von Roman Boller gelesen werden kann, kann hier als PDF heruntergeladen werden.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine.

Zum Infosperber-Dossier:

Nato1

Nato: Sicherheit oder Machtpolitik?

Das Militärbündnis soll vor Angriffen schützen, doch Russland oder China fühlen sich von ihm bedroht.

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3 Meinungen

  • am 20.02.2021 um 06:34 Uhr
    Permalink

    Mit dem Kauf des schwedischen Gripen hatte Ueli Maurer (SVP), damals Verteidigungsminister, versucht, sich aus dieser Nato-Umklammerung zu lösen und die Armee mit dem Jet eines neutralen Staates auszurüsten. 2014 scheiterte er – nicht etwa an den Linken und Grünen, die triumphierten. Die Freisinnigen unter der Führung des Lobbybüros Farner und des Präsidenten Philipp Müller («Der Gripen erfüllt die Anforderungen nicht») sowie die VBS-internen Nato-Jünger, die interne Dokumente verteilten, waren ihm in den Rücken gefallen.“ (Urs Paul Engeler in Weltwoche 35/2020, 26.08.2020)

  • am 20.02.2021 um 19:58 Uhr
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    Sehr interessant. Ich verstehe nicht viel von Politik, aber ich verstehe einiges von autonomer KI Technologie. Heute noch um Jagdflieger zu debattieren kommt eigentlich der Diskussion gleich, mit welcher Armbrust man die Schweiz verteidigen solle. Die Zukunft liegt u.a. in den sehr kleinen Drohnen mit Schwarmintelligenz. Ein Arduno-OnBordcomputer, Gps und 3 Gramm Sprengstoff darin reichen, um jedes Triebwerk zum platzen zu bringen. Sie können unwahrscheinliches Leisten, ihren Auftrag verschlüsselt empfangen, sie kennen jede Triebwerkssignatur. Sie können in 12 km Höhe abgeworfen werden und Stundelang dort verweilen, sind die Batterien leer, lassen sie sich fallen und landen an einem vordefinierten Ort mit der Landereserve. Sie können auch selber in kurzer Zeit diese Höhe erreichen. Als Schwarmintelligenz haben einige Kameras bis in den Infrarotbereich, andere Radar, und alle können untereinander kommunizieren. Ein Operator-Pilot am Boden steuert den ganzen Schwarm. Ich frage mich, in welchem Jahrhundert unser Materialbeschaffungs-Detachement lebt. Man kann die Dinger sogar als teure Spielzeuge kaufen, mit einem kastrierten Borcomputer, damit sie unter 300 Meter bleiben. Wobei das überschreiben des Programmes kein Problem für einen Informatiker wäre. Ab Fr.- 600.- mit GPS und Hochleistungsbatterie. (Parrot-Systeme) Ich nutzte so einen um Vögel im Flug zu Filmen, das gab wundervolle Aufnahmen.

  • am 22.02.2021 um 10:23 Uhr
    Permalink

    Nun ja.Infosperber nennt sich auch «unabhängig», bezieht seine Technologie aber sicher auch von irgendwoher und kann vermutlich ebenfalls «gegroundet» werden. Was sagt uns das? Sagt uns das überhaupt was?

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