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Jede Menge Sonderflüge zur Rückholung gestrandeter Schweizer Touristen © EDA

Die Schweiz mit «humanitärer Tradition» – wirklich?

Christian Müller /  Die Schweiz organisiert Dutzende von Sonderflügen. Für 22 jugendliche Flüchtlinge in Griechenland bisher ohne Erfolg …

«Im Auftrag des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in Bern hat die Schweizer Fluggesellschaft am Mittwochabend etwa hundert Reisende aus Accra (Ghana), Abidjan (Elfenbeinküste) und Ouagadougou (Burkina Faso) in die Schweiz zurückgebracht. Die als HB-AZB registrierte Maschine von Helvetic Airways landete heute Abend um 20.38 Uhr Ortszeit mit etwa hundert Fluggästen an Bord am internationalen Flughafen Zürich. Die direkt aus Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, kommende Maschine legte in 5 Stunden und 04 Minuten fast 4300 Kilometer zurück. Das Flugzeug war am Dienstagnachmittag von Zürich aus in Richtung Burkina Faso gestartet. Einen ersten Stopp legte die Maschine von Helvetic Airways gestern in der ghanaischen Hauptstadt Accra ein, danach folgte heute ein weiterer Zwischenstopp in Abidjan.»

So lautet eine offizielle Medienmitteilung vom 29. April 2020 der Fluggesellschaft «Helvetic Airways».

Die NZZ ihrerseits berichtet am 3. Mai über die Evakuierung von jugendlichen Flüchtlingen aus den Flüchtlingslagern auf Lesbos in andere Länder und fügt betreffend die Schweiz bei: «Zudem laufen Vorbereitungen für die Aufnahme von 22 minderjährigen Asylsuchenden mit familiären Verbindungen in der Schweiz, wie am 21. April bekannt wurde.»

« … wie am 21. April bekannt wurde.»

Aha, die NZZ hat das erst am 21. April erfahren. Die parteipolitisch der NZZ nahestehende Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat dies allerdings schon im Januar (!) angekündigt, wie SRF berichtete.

Am 6. April erlaubte sich Infosperber, mit dem Migrationsamt Verbindung aufzunehmen und zu fragen, wie es mit den Abschiebungen von Asylbewerbern in dieser schwierigen Zeit stehe (siehe hier). Das Migrationsamt gab Auskunft – wenn auch keine präzise – und meldete sich seinerseits am 15. April bei Infosperber, dass an der Überführung der 22 jugendlichen Flüchtlinge gearbeitet werde, man «versuche», einen «Transfer zu organisieren», aber, so weiter wörtlich, «was in Zeiten von Corona – wie Sie sich vielleicht vorstellen können – nicht ganz einfach ist.»

Wo ein Wille, ist auch ein Weg

Die Fakts sind also diese: Die Ankündigung der Übernahme von einigen jugendlichen Flüchtlingen aus Lesbos, die in der Schweiz einer Familie zugeführt werden können, erfolgte im Januar 2020. Heute, am 4. Mai, mehr als drei Monate später, sind immer noch keine jugendlichen Flüchtlinge in der Schweiz angekommen. In der gleichen Zeit hat das Migrationsamt aber etliche Flüge zur Abschiebung von Asylbewerbern durchgeführt. Und das Aussendepartement EDA vermeldete am 3. Mai stolz, 36 Rückholflüge für ein paar tausend der Covid-19-Krise wegen gestrandete Schweizer Touristen durchgeführt zu haben. Darunter der oben erwähnte Flug nach Afrika mit Landungen in drei verschiedenen Ländern.

Das ist die Schweiz heute. Asylbewerber per Flugzeug nach Afrika und in den Mittleren Osten abschieben, das geht. Tausende gestrandete Schweizer aus der ganzen Welt per Flugzeug zurückholen, das geht. 22 jugendliche Flüchtlinge mit Verbindungen zu Familien in der Schweiz aus Griechenland in die Schweiz einfliegen: «Es laufen Vorbereitungen.» Und das seit Januar 2020.

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Zum Autor deutsch und englisch. – Der Autor versteht ein bisschen etwas vom Fliegen. Er hatte viele Jahre lang die Private Pilot Licence PPL und flog als Pilot-in-Command PIC nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und in Afrika.

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8 Meinungen

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    am 4.05.2020 um 12:19 Uhr
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    Das ist die Schweiz von heute: Von der ‚humanitären Schweiz‘ noch unter alt-BR Burkhalter fehlt jede Spur. Dabei hat der Bundesrat seine humanitären Verpflichtungen eh schon auf ein Minimum zurückgeschraubt, vorliegend auf 22 Eltern-lose Kinder, welche in den griechischen Lagern in misslichsten Verhältnissen hausen müssen.
    – Gleiche Partei (FDP)
    – Völlig unterschiedlicher Umgang mit Flüchtlingen, obwohl die Schweiz die Genfer Flüchtlingskonvention (früher einmal) mit unterzeichnet hat

    Ich schäme mich für diese Schweiz. Brauchen wir solche Bundesrät:Innen? In meiner Welt nicht. Und BRin Karin Keller Sutter führt diese Schweiz (welche für mich eine Blocherianische Schweiz ist) heute an …

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    am 4.05.2020 um 12:31 Uhr
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    Aber Henri Dunant war doch ein Schweizer, Herr Müller, reicht das nicht für die «humanitäre Tradition"?

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    am 4.05.2020 um 13:16 Uhr
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    Sehr geehrter Herr Müller
    Asyl-Irrsinn! Hören Sie auf mit dieser «humanitären Tradition», die uns allein in den letzten zehn Jahren hundertausende Wirtschaftsmigranten gebracht hat. Stichwort über 40000 Eritreer – durch Kriminelle für viel Geld hergeschleppt.
    Besonders diese Afrikaner werden unsere Sozialsysteme bis zum gehtnichtmehr belasten.
    Immer mehr Schweizer Steuerzahler haben den Kanal voll!

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    am 4.05.2020 um 13:57 Uhr
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    Was viele bei uns stört, ist der Missbrauch von unserem veralteten Asylgesetz. Dazu gehört auch die nicht notwendige Aufnahme von Flüchtlingen in Griechenland. Diese Flüchtlinge muss Griechenland mit Hilfe der EU in die Herkunftsländer zurück bringen. Weil diese Länder kaum damit einverstanden sind (was aus deren Sicht begreiflich ist), muss man die Entwicklungshilfe kürzen der gar streichen. Die meisten Flüchtlinge kommen wegen der USA-Politik, die auf Krieg, Chaos und die wirtschaftliche Abhängigkeit von den US-Multis und Waffenindustrie ausgelegt ist. Beweis: Afghanistan und Syrien, einst stabile Länder. Was diesen Ländern fehlt ist eine bedingungslose praktische Wirtschaftshilfe der reichen Länder.

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    am 4.05.2020 um 17:49 Uhr
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    no comment! …

    … m�sste es eigentlich heissen. Und doch ist einer erforderlich. Warum? Noch so klare Beweise, ein noch so erb�rmliches Verhalten – und doch wollen wir es nicht glauben, nicht verstehen, nicht in unsere Hirnwindungen einlassen!

    "Humanit�re Schweiz�, raunen sich die SchweizerInnen gegenseitig fortw�hrend z�rtlich zu. Mit hoher Korrelation: Je verlogener eine/r ist (d.h.: je mehr er sich f�r die Korruptesten dieser Welt, Waffenlieferungen, Steuerflucht und gegen Konzernverantwortungsinitiative, oder eben, wie hier: Fl�chtlinge/Verelendende einsetzt), desto �fter/dicker wird (gegenseitig) die Schminke �humanit�re Schweiz� aufgetragen.

    Und, ach ja: Was da morgens mindestens 70% dr SchweizerInnen im Spiegel entgegenblickt, hat einen Namen: �Ich w�hle ‚b�rgerlich‘ – nur ja nicht etwa ‚extrem‘ werden."

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    am 4.05.2020 um 22:57 Uhr
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    Vielen Dank, Herr Müller, für diesen aufschlussreichen Artikel. Genau deshalb braucht es den Infosperber! Ich kann ergänzen, dass meine Frau und ich vor 2 Monaten in der gleichen Sache Frau BR Keller-Sutter geschrieben und um einen mutigen Schritt gebeten haben. In der Antwort vom 24. März wird auf die Zusicherung der Schweiz hingewiesen, unbegleitete minderjährige Asylsuchende mit familiären Bindungen in die Schweiz aufzunehmen. Abschliessend heisst es: «Griechenland nimmt dieses Angebot wahr und hat bereits einige Ersuchen um Familienzusammenführungen für minderjährige Personen gestellt.» (!)

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    am 5.05.2020 um 23:47 Uhr
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    @Herr Möller, welche Flüchtlinge sind am teuersten für die Schweiz ?

    In Deutschland sind es Steuerflüchtlinge !
    Die kosten dem Staat 100 Milliarden Euro pro Jahr.

    "Sie fliehen nicht vor Krieg
    100 Milliarden pro Jahr: Über die Kosten für diese Flüchtlinge spricht niemand

    Viele Menschen ärgern sich über hohen Kosten, die die Flüchtlingen verursachen. Weit weniger Aufmerksamkeit erregen aber andere Flüchtlinge in Deutschland. Sie kommen die Gesellschaft noch viel teurer zu stehen.
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    100 Milliarden Euro gehen dem Fiskus jährlich verloren

    Rund 400 Milliarden Euro deutsches Schwarzgeld liegen weltweit in Steueroasen, so die Schätzungen. Steuerhinterziehung ist in Deutschland ein massives Problem. Dem Fiskus gehen dadurch Jahr für Jahr geschätzt 100 Milliarden Euro verloren.

    Das ist zehnmal so viel wie Deutschland in diesem Jahr für Flüchtlinge ausgeben wird, die um ihr Leben fürchten – und nicht um ihr Geld.
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    https://www.focus.de/finanzen/steuern/steuerhinterziehung/sie-fliehen-nicht-vor-krieg-100-milliarden-ueber-die-kosten-fuer-diese-fluechtlinge-spricht-niemand_id_4968896.html

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