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Greenpeace misst hohe Radioaktivitätswerte ausserhalb der Anlage in Majak © Tomas Wüthrich, www.bildhoch2.ch

Besuchsverbot von Uranbetrieb für Schweizer AKWs

Red. /  Die Russen verbieten Axpo-Verwaltungsrat und Regierungsrat Markus Kägi, das Herstellen der Uran-Brennstäbe selber zu sehen.

Greenpeace hatte um die Uran-Anreicherungsanlage Majak im russischen Südural haarsträubende Zustände an die Öffentlichkeit gebracht. Von Majak beziehen die Kernkraftwerke Gösgen und Beznau aufbereitete Brennstäbe. Trotz der Abhängigkeit von ausländischem Uran und ausländischen Brennstäben wecken Politiker in der Atomdebatte immer wieder den Eindruck, die Kernenergie mache uns vom Ausland unabhängig. Von «sauberer» Kernenergie kann ebenfalls nur reden, wer vor den Zuständen in Uranminen die Augen verschliesst. Nicht besser steht es um die Wiederaufbereitung von Brennstäben, zum Beispiel in Russland.
Axpo: Augen und Ohren zu
Der Journalist Thomas Angeli konnte mit Verantwortlichen der Anlage in Majak reden. Sie hatten versprochen, dass die Schweizer die Anlage jederzeit besichtigen können, «sofern sie dafür bei den Behörden eine Bewilligung einholen».
Jetzt berichtet Angeli in seinem Blog, dass der Axpo-Verwaltungsrat und Zürcher Regierungsrat Markus Kägi die Anlage nicht besuchen darf. Kägi hatte mit Konsequenzen gedroht, doch passieren wird nichts. Die Axpo hat nämlich in ihrem Liefervertrag mit dem französischen Energiekonzern Areva unterschrieben, dass Axpo nicht erfahren darf, woher die gelieferten Brennstäbe stammen. Das Motto der Axpo-Geschäftspolitik: «Augen und Ohren zu». Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.
Nur bis in die Umgebung vom Majak gelangt
Im Folgenden der Blog-Eintrag von Thomas Angeli:
Noch im November 2010 hatte sich Sergej Baranow sein Unternehmen als Musterbeispiel für Transparenz präsentiert: «Kommen Sie, wir zeigen Ihnen alles», erklärte der Direktor des Atomkomplexes Majak im Gespräch mit Schweizer Journalisten. Ob diese Einladung noch gilt, lässt sich nicht nachprüfen. Klar ist, dass sie für die Verantwortlichen der Axpo, die Ende Juni nach Majak reisen wollten, explizit nicht gilt. Der Zutritt zur Anlage wird ihnen verweigert, wie die Axpo in einer Medienmitteilung schreibt. Die Verantwortlichen des Stromkonzerns wollten mit dem Besuch ein Versprechen einlösen, das sie, aufgeschreckt durch Greenpeace-Recherchen und Medienberichte, im Herbst abgegeben hatten: Abzuklären, wie «sauber» die Wiederaufbereitung des Urans in Majak tatsächlich ist. Eine erste Reise hatte eine Axpo-Delegation deshalb schon unternommen, allerdings nur in die Umgebung von Majak.
Verletzung von internationalen Standards
Es gab jedoch schon im November erheblich Zweifel, dass es Baranow mit seiner Einladung ernst meinte, zumal die Anlage von Majak kein Unternehmen ist, das man einfach so besuchen kann. Neben dem zivilen Teil, in dem Uran wiederaufbereitet wird, gibt es in Majak einen militärischen Bereich, der noch strenger abgeschirmt ist als der zivile. Kommt hinzu, dass Majak, von wo ein Teil des wiederaufbereiteten Urans stammt, das in den AKWs von Beznau und Gösgen eingesetzt wird, eine wenig ruhmreiche Geschichte hat. Seit Jahrzehnten verseucht der riesige Atomkomplex durch Unfälle und Einleitungen von radioaktiven Abwässern die Umgebung. Tausende Quadratkilometer Land sind dadurch unbewohnbar. Aufgeschreckt durch die Recherchen von Greenpeace räumte dies im November 2010 selbst die Axpo ein. Es gebe «Hinweise, dass die heutige Produktion in einzelnen Punkten (bsp. Abwasserbehandlung) noch nicht internationalen Standards entspricht», erklärte das Unternehmen.
Alarmierende Messungen von Greenpeace
Die Messungen, die ein Greenpeace-Experte während der Reise im November im Fluss Tetscha vornahm, zeigten jedoch, dass dies deutlich untertrieben sein dürfte : In den zwei Jahren seit den letzten Messungen waren die Werte der radioaktiven Stoffe Strontium und Tritium deutlich gestiegen. Greenpeace geht deshalb davon aus, dass weiterhin radioaktive Stoffe aus Majak in den Fluss gelangen.
Nun wird aus der Axpo-Reise nach Majak nichts, und der Zürcher Baudirektor Markus Kägi, der als Axpo-Verwaltungsrat die Reise in den Südural hätte mitmachen sollen, hatte ernsthafte Konsequenzen angekündigt. Er wolle «die Anlage selbst in Augenschein nehmen», erklärte er im «Tagesanzeiger». Wenn die Verantwortlichen von Majak die Transparenz über den Wiederaufbereitungsprozess verweigerten, «dann setze ich mich für die Kündigung des Vertrags ein».
Schöne Worte ohne Taten
Das sind schöne Worte – Konsequenzen haben sie jedoch wohl keine, denn mit Majak hat Axpo gar keinen Vertrag. Lieferant ist offiziell Areva. Im Vertrag zwischen dem französischen Atomkonzern und der Axpo ist jedoch festgeschrieben, dass die Axpo kein Anrecht auf Informationen zur Lieferkette hat. Die von der Axpo nun plötzlich gewünschte und von Majak verweigerte Transparenz dürfte als Kündigungsgrund deshalb kaum reichen.


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Eine Meinung zu

  • Avatar
    am 20.06.2011 um 11:45 Uhr
    Permalink

    Man fragt sich, was die jetzt von ROSATOM offenbar als potentielle Spione verdächtigten Herren an glaubhaften Informationen aus dem radioaktiven Geheimbezirk wirklich heimbringen würden? Der Verdacht einer Alibireise ist gegeben. Wer wissen will, was sich in Majak ereignet: Es gibt wohl auch ohne Majak-Reise genügend Hinweise und Arbeiten von fachlich kompetenten Augenzeugen. Wer es wirklich wissen will, erfährt es.

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