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«Wenn die Geopolitik zur einzigen Sprache der Mächtigen wird, beginnt der Krieg.» Karte der NATO-Zugehörigkeiten in Europa. © LpB BW

Krieg ohne Menschen

Maxim Trudolyubov /  Wie die «geopolitische Sicht» zum Undenkbaren in der Ukraine beiträgt. Ein Kommentar.

Meduza auf Infosperber

psi. Maxim Trudolyubov ist Redaktor beim oppositionellen russischen Online-Magazin Meduza. Sein Text erschien zuerst in Russisch und Englisch. Infosperber hat ihn ins Deutsche übersetzt.

Das journalistische Magazin wurde in Russland als «ausländische Agentin» verboten und verbreitet die Informationen auf Russisch und Englisch aus Lettland. Das Medium finanziert sich nach eigenen Angaben hauptsächlich durch Spenden.

Bericht über Meduza im «Echo der Zeit» von Radio SRF (29. März 2022), Interview mit Timtschenko im Spiegel (1. Mai 2021)

Diejenigen, die den Krieg mit der Ukraine ausgelöst haben und unterstützen, denken über die Welt auf eine bestimmte Art und Weise. Sie sehen eine Karte mit Grenzen, Einflusssphären und Zielen. Neben jedem Land auf dieser imaginären Karte befindet sich ein Index für seine «Souveränität». Es gibt mächtige und unabhängige «Supermächte», es gibt gewöhnliche «Grossmächte», es gibt Regionalmächte, und dann gibt es die «normalen» Länder. Die Landkarte bietet jedoch keinen Platz für Menschen. Auf dieser Skala sind die Menschen einfach unsichtbar.

In dieser Welt hat der Stärkere Recht und die Schwächeren haben keine andere Wahl, als dies zu akzeptieren. Nationen schliessen sich zusammen, bilden Bündnisse, treten in Konflikte ein und schliessen Frieden miteinander. Die schwachen Staaten müssen die starken Staaten fürchten und können nur ein wenig Souveränität erwarten. Grössere und stärkere Staaten können sich dagegen mehr Souveränität leisten. Die grössten Staaten erhalten alle erdenkliche Souveränität.

Nationen mit viel Souveränität spielen das «grosse Spiel» und bewegen ihre Figuren auf dem «grossen Schachbrett». Diese Staaten haben «grosse Strategien» und «geostrategische Ziele», welche die «Weltordnung» bestimmen. Wir nennen diese Weltanschauung eine «geopolitische» Perspektive.

Schwarze Magie in der Politik

Das geopolitische Weltbild hatte seine Blütezeit im europäischen und amerikanischen Denken zwischen der zweiten Hälfte des 19. und dem Ende des 20. Jahrhunderts. In den letzten Jahrzehnten wurden diese Ideen von den politischen Eliten oft nur noch stillschweigend unterstützt, da zwei Weltkriege, der Tod von unzähligen Millionen Menschen und unvorstellbare Zerstörungen die Geopolitik als Rahmen zum Verständnis der menschlichen Angelegenheiten diskreditierten. Der Höhepunkt des geopolitischen Denkens war der Zweite Weltkrieg. Er begann als Versuch mehrerer Länder, insbesondere Deutschlands und Japans, die Weltordnung zu ihren Gunsten umzugestalten.

Trotz dieser Geschichte ist die geopolitische Weltsicht nicht verschwunden. In der einen oder anderen Form ist sie nach wie vor bei Wissenschaftlern im Bereich der internationalen Beziehungen und bei einigen Politikern – insbesondere den aggressiven – verbreitet. Geopolitik ist unwiderstehlich für politische Führer, die «historische Ressentiments» kultivieren – eine giftige Mischung aus historischen Mythen, nationalem Groll im Zusammenhang mit eroberten Gebieten und wirtschaftlichem Versagen sowie der Besessenheit von äusseren Bedrohungen und ausländischen Feinden, die das Wertesystem der Nation ablehnen. Dieses Denken vergiftet nicht nur die Plattform von Wladimir Putin, sondern auch die Arbeit anderer Politiker, die im Wesentlichen mit ihm verwandt sind: Politiker wie die Führer von Ungarn, Venezuela, Kuba, Serbien und teilweise China und der Türkei. All diese Männer beklagen sich ständig über vergangene Demütigungen, unzureichende Anerkennung, die Feindseligkeit bestimmter ausländischer Mächte und vermeintlich ungerechte moderne Grenzen.

Diese Sichtweise ist nicht nur für Politiker interessant, die auf die Ressentiments der Massen eingehen, sondern auch für aussenpolitische Theoretiker, Wissenschaftler und Analysten, die versuchen, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu verstehen und manchmal sogar zu rechtfertigen, indem sie die Sprache der «Grossmachtpolitik» sprechen. Der Lieblingswissenschaftler der russischen Behörden auf diesem Gebiet ist der Politikwissenschaftler John Mearsheimer von der University of Chicago, der nicht müde wird zu wiederholen, dass die Vereinigten Staaten und Westeuropa die Verantwortung für den von Moskau entfesselten Krieg tragen. Mearsheimer zufolge liegt die Schuld für die Bombardierung friedlicher Städte in einem Nachbarland durch russische Truppen bei der Erweiterung der NATO und der «Umwandlung der Ukraine in eine pro-amerikanische liberale Demokratie», was seiner Meinung nach «aus russischer Sicht eine existenzielle Bedrohung» darstellt.

Die Entmenschlichung der Welt

Eine solche Argumentation schliesst die Subjektivität «normaler» Nationen im Verhältnis zu «grösseren Mächten» aus. Auf diese Weise werden die «Mächte» wie einzelne, uniforme Einheiten behandelt, als wären sie einzelne Menschen. Diese Art des Denkens kann nicht das gesamte Leben innerhalb dieser Länder berücksichtigen – all die Menschen mit ihren unterschiedlichen Überzeugungen, Glaubensrichtungen, Meinungsverschiedenheiten, Plänen und Dramen. Dieses Weltbild ist blind für diese Vielfalt und sieht nur einen imaginären Monolithen wirtschaftlicher und kultureller Aktivitäten. Diese Verdrängung ist sogar auf der sprachlichen Ebene spürbar. Schauen Sie sich irgendeine geopolitische Erkenntnis an, und Sie werden darüber lesen, wie Länder «entscheiden», «wollen», «leiden», «gedemütigt werden», «sich empören» und «fordern». Aber ein Staat kann nichts von alledem tun – das können nur lebende, atmende Menschen. Jede «nationale Entscheidung» hat ausserdem viele Gegner innerhalb dieser Nation.

Erstens: Das Verschwinden aller Lebewesen geschieht in der Theorie, während der Diskussion der nächsten grossen geostrategischen Idee. Für die meisten Menschen, die in Begriffen wie «Weltordnung» und «Grossmachtpolitik» denken, greift diese Auslöschung des Lebens jedoch und prägt zukünftige Ideen. Diejenigen, die sich diese Weltsicht zu eigen machen, verarmen nur selbst; sie bleiben dabei, über die Neuordnung lebloser Gebilde zu reden oder sie für akademische Abschlüsse zu studieren. Die wirkliche Katastrophe kommt, wenn diese «Wissenschaft» angewandt wird – wenn die Geopolitik zur einzigen Sprache der Mächtigen wird. Wenn dies geschieht, beginnt der Krieg.

Die Entmenschlichung der Welt ist dann nicht mehr nur eine theoretische Übung, sondern findet in der Realität statt. Die angewandte Geopolitik beseitigt jedes Konzept von lebenden Menschen, ihren Taten und Ansichten, sie zerstört ihre Häuser, schert sich nicht um andere Werte als das Überleben und macht Macht extrem und Regime und Staatsgrenzen heilig. Diese Art von Politik zwingt Menschen dazu, für Linien auf der Landkarte zu sterben und Blut für Dreck zu vergiessen. Die angewandte Geopolitik ersetzt eine produktive Wirtschaft durch die Mobilisierung aller Ressourcen, die für den Krieg erbeutet werden können, ohne Rücksicht auf die Rechte der Menschen auf Leben, Freiheit und Eigentum.

Auf offizieller Ebene ignoriert Russland die Opfer in seiner eigenen Armee und der Zivilbevölkerung, weil ein Kampf, der zwischen gesichtslosen Einheiten – zwischen nationalen Mächten – geführt wird, den Tod «gewöhnlicher» Menschen nicht zur Kenntnis nehmen muss. Schliesslich sind sowohl die Akteure als auch die Opfer hier Mächte und keine Menschen. So funktioniert die Dehumanisierung der Welt.

Die autoritäre Sackgasse

Besonders zerstörerisch sind die Handlungen derjenigen Geopolitiker, die ihr ganzes Leben dem «grossen Spiel» widmen. In Russland geschieht dies häufig durch eine «selektive Modernisierung», wie wir sie bei Peter I., Katharina II., Stalin und jetzt bei Putin gesehen haben.

In dem Bewusstsein, dass die Ressourcen knapp sind, beschloss der jeweils nächste autoritäre Herrscher, sich auf die Modernisierung von Armee und Marine zu konzentrieren und andere Bereiche auf später zu verschieben. Als Ergebnis erhält der Autokrat ein Land, das wirtschaftlich und technologisch schwach entwickelt ist, aber in unterschiedlichem Masse in der Lage ist, Krieg zu führen.

Unterentwicklung und Korruption machen Russland für niemanden attraktiv; das Land taugt in keiner Weise als Vorbild. Russland kann der Welt nur rohe Gewalt anbieten, und das ist auch das einzige Mittel, mit dem es Allianzen bilden kann, da niemand freiwillig Russlands Verbündeter wird.

So sieht es in der Theorie aus, aber die Realität ist noch schlimmer. Russland hat der Welt gezeigt, dass es nicht einmal mit roher Gewalt umgehen kann. Wenn man das «Geschäft» einer Grossmacht auf sich nimmt, muss man verantwortungsvoll damit umgehen. In Russland sehen wir nicht nur Versäumnisse in der zivilen Wirtschaft und der technologischen Innovation, sondern auch in dem, was eigentlich das Herzstück jeder Grossmachtpolitik sein sollte: der Qualität der militärischen Organisation.

Dies ist nicht das erste Mal, dass dies geschieht. «Ein halbes Jahrtausend lang war die russische Aussenpolitik von hochfliegenden Ambitionen geprägt, welche die Möglichkeiten des Landes überstiegen», sagt der Historiker und Stalin-Biograf Stephen Kotkin. «Das Land wurde stets von seiner relativen Rückständigkeit heimgesucht, insbesondere im militärischen und industriellen Bereich. Dies führte zu wiederholten fieberhaften staatlichen Aktivitäten, die dem Land helfen sollten, seinen Rückstand aufzuholen; mit dem bekannten Zyklus von staatlich gelenktem industriellem Wachstum gefolgt von Stagnation.»

Dieses Muster hat die Kluft zwischen Russland und dem Westen nur vergrössert.

Der russische Autoritarismus schafft die Bedingungen für seinen eigenen Zusammenbruch. Der Autokrat trifft alle wichtigen Entscheidungen selbst und erhält immer weniger verlässliche Informationen, während er in bei den Menschen um ihn herum immer mehr Angst schürt. Da sie versuchen, sich vor dem Zorn des Herrschers zu schützen und sich gleichzeitig zu bereichern, tun diese ihr Bestes, um nur die Fakten zu liefern, die der Herrscher hören will.

Der autoritäre Herrscher ist überzeugt, dass er es besser weiss als andere, aber dieses Selbstvertrauen beruht auf den Lügen der Untergebenen. Und hierin liegt das Grundproblem des Autoritarismus. Deshalb sind autoritäre Herrscher gleichzeitig mächtig und extrem verwundbar. Sie sind besonders anfällig, wenn es zu Systemfehlern kommt. Und genau das ist der Grund für das Scheitern, das sich heute in Russland abspielt (was auch immer in der Ukraine geschieht). Putins Geopolitik, die auf Lügen und Korruption aufbaut, ist gescheitert. Er ist mit seinem Versuch gescheitert, die Geopolitik des 20. Jahrhunderts in einer Zeit zu reproduzieren, in der Wirtschaft und Technologie wichtiger sind als Geografie.

Die Rückkehr der Menschen

Unter Putins geopolitischem Deckmantel verbirgt sich eine Leere, die sich jedem Verständnis entzieht. Vielleicht wollte er eine weitere Krise heraufbeschwören, um seine Macht zu erhalten, und hat das Ausmass einfach falsch eingeschätzt, oder er wollte sich an den Ukrainern rächen, weil sie ihn beleidigt hatten, und hat es einfach zu weit getrieben. Nichts davon ist eine Entschuldigung, aber diese Beweggründe sind dennoch in der Sprache der Geopolitik verpackt, die eine Verachtung für das Leben der Menschen voraussetzt. Bei der Verfolgung eines «geopolitischen» Projekts spielt der Einzelne für die Behörden keine Rolle mehr.

Wenn Russland überhaupt eine Zukunft haben soll, darf es keinen Platz für Geopolitik geben, ebenso wie in der russischen Regierung von morgen kein Platz für die Anhänger dieser schwarzen Magie sein sollte. Es darf keinen Platz geben für die öffentliche Kultivierung ausländischer Bedrohungen, die Schaffung von Volksfeinden oder den Handel mit nationalen Missständen, die angeblich in beschlagnahmten Territorien wurzeln. Grenzen müssen heute ihre erfundene Heiligkeit verlieren. Schliesslich waren sie schon immer Erfindungen – das Ergebnis von Kriegen, zusammengebrochenen Imperien, Verhandlungen, zufälligen Entscheidungen und Fehlern. Grenzen sind Schlachten, die in der Erde begraben sind, und es sollte verboten werden, sie auszugraben.

Wenn es einen positiven Aspekt an der heutigen Katastrophe in der Ukraine gibt, dann ist es der moralische Bankrott der Geopolitik, der damit offengelegt wird. Die Geopolitik sieht die Welt aus dem Cockpit eines Bomberjets. Und Russlands Kriegstreiber sind dort nicht allein: Jeder, der versucht, Krieg mit der Sprache der «Grossmachtpolitik» zu rechtfertigen, sitzt direkt neben ihnen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Der Journalist Maxim Trudolyubov ist Redaktor bei Meduza und Senior Fellow beim Kennan Institute am Wilson Center wo er den Blog The Russia File verantwortet. Zwischen 2003 und 2015 war er Leiter der Meinungsredaktion der russischen Tageszeitung Vedomosti und seit Herbst 2013 Gastkolumnist bei der International New York Times. Zuvor war er Ressortleiter für Aussenpolitik bei Vedomosti, Redakteur und Korrespondent bei der Zeitung Kapital und Übersetzer bei der englischsprachigen Onlinezeitung The Moscow News. Beim Radiosender Echo of Moscow moderierte Maxim Trudolyubov eine Sendung und er ist Autor zahlreicher Gastbeiträge, die in russischen und ausländischen Medien erschienen sind. Darüber hinaus übersetzte er Bücher zu Kunst und Kultur und war als Bibliothekar an der Synodalbibliothek der Russisch-Orthodoxen Kirche tätig.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Ukraine_Sprachen

Die Ukraine zwischen Ost und West: Jetzt von Russland angegriffen

Die Ukraine wird Opfer geopolitischer Interessen. Die Nato wollte noch näher an Russland. Russland führt einen rücksichtslosen Angriffskrieg und missachtet das internationale Kriegsrecht.

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24 Meinungen

  • am 3.05.2022 um 11:03 Uhr
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    Ich kann der Analyse in weiten Teilen zustimmen. Nur: Die freien demokratischen und liberalen USA richten ebenso verhängnisvolle außenpolitische Desaster an, in denen Menschen keine Rolle spielen. Ist Russlands papiertigerhafter Autoritarismus verantwortlich für die jetzige Situation, was ist dann in einem demokratischen System mit Gewaltenteilung und Grundrechten wie den USA und den meisten NATO-Staaten verantwortlich für die Millionen Flüchtlinge und hunderttausende Tote in Vietnam, Irak, Syrien usw.?
    In der Außenpolitik sind alle gleich skrupellos – ob Drohnen Hochzeitsgesellschaften auslöschen, oder Israel von seinem Selbstverteidigungsrecht Gebrauch macht und dabei jedes Jahr hunderte palästinensische Zivilisten sterben oder eben Saudi-Arabien hunderttausende Jemeniten verhungern lässt. Für die Betroffenen ist es ganz gleich, ob die Bombe, die sie tötet, aus einer demokratischen oder autoritären Fabrik kommt.

    3
  • am 3.05.2022 um 12:19 Uhr
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    «Der autoritäre Herrscher ist überzeugt, dass er es besser weiss als andere, aber dieses Selbstvertrauen beruht auf den Lügen der Untergebenen.»
    Diese «autoritären Herrscher» sind aber Menschen, nicht Staaten!
    «Die Sprache der Mächtigen» kann die Menschheit nur beherrschen, wenn sie deren Macht beschränkt. All die Mächtigen, an die wir uns erinnern, haben einen Namen: es sind Menschen, von Napoleon über Hitler zu Stalin, Hussein, Bush, Obama und jetzt zu Putin. Diese Machtbeschränkung ist in der UNO-Charta (Artikel 2, Absatz 4) längst beschlossen, aber nicht umgesetzt. Nationalstaaten können das nicht leisten und Diktaturen wollen es nicht. Noch ist die UNO eine demokratische Organisation, aber «die Mächtigen» können das ja ändern lassen, wenn deren Macht nicht beschränkt wird. Dies Beschränkung geschah nach Blut, Schweiss und Tränen und 20 Millionen Toten auf den Schlachtfeldern. 1939-1945, 2022 quo vadis?

    1
  • am 3.05.2022 um 13:12 Uhr
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    Danke. Interess. Artikel. Meiner Meinung nach geht es auch um den Kampf Junge gegen alte Krieger, die in der Vergangenheit leben! Es geht hier nur um Geschichte und die Widerherstellung alter historischer Grenzen – für Putin. In Minsk hatte man 2015 Wol. Selensky gefragt, ob er die Süd-UA (Donbass bis Odessa) zurückgibt, weil in UdSSR-Zeiten Stalin (?) der UA den Süden überlassen hat. Niemand dachte damals 1922, dass die UdSSR jemals untergeht. Jelzin war 1991 im Wodka ertrunken. Wol. Selensyk sagte in Minsk: nein. Und damit hat er diese Auseinandersetzung befördert. Ausserdem hat er viele Abmachungen von Minsk I/II nicht eingehalten. Warum das Denken in Grenzen nicht überwinden. Druck erzeugt Gegendruck: einfach die Menschen zw. Donbass u. Odessa evakuieren. Putin «will nur» die Süd-UA. In 50-100 Jahren schwingt das Pendel wieder zurück, wir haben diese Menschen gerettet u. eine neue Zeit bricht an.

    2
    • am 4.05.2022 um 12:56 Uhr
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      Selensky war 2015 in Minsk? Was man hier alles lernt. In welcher Funktion war er dort? Ich nehme an, als ls Geschichtslehrer Wassilyj Petrowytsch Holoborodko.

      1
  • am 3.05.2022 um 13:25 Uhr
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    Bravo, sehr guter Artikel. Und ein Bravo an Infosperber. Manchmal muss man seine eigene Fangemeinde vor den Kopf stoßen um glaubwürdig zu bleiben. Weiter so!!!

    6
  • am 3.05.2022 um 14:45 Uhr
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    Sie verweisen mit dem Bild des grossen Schachbretts auf Brzezinski. In seinem Buch «Die einzige Weltmacht» (1997) begründete Brzeziński die geopolitische Strategie, die die USA als erste, einzige und letzte Weltmacht einschlagen sollten: den eurasischen Kontinent unter ihrer Kontrolle zu halten und rivalisierende Bestrebungen zu verhindern, die die Machtstellung der USA gefährden könnten:[68] (Wikipedia). Wer zwingt der ganzen Welt the American Way of Life auf? Sie hingegen beschuldigen die Führer der Länder, welche sich der wirtschaftlichen Ausbeutung der USA widersetzen.
    «Der autoritäre Herrscher ist überzeugt, dass er es besser weiss als andere» ??? Die Mächtigen wissen schon, dass sie kriminell sind: sie kaufen und manipulieren alles: Politiker, Wissenschaftler, Juristen, Künstler, das Erziehungswesen, die Medizin, NGOs und vor allem natürlich die Massenmedien..

    3
  • am 3.05.2022 um 14:50 Uhr
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    Ich bin der Meinung wie Thania Paffenholz im BaZ-Interview (2.5.22): «Es wurde nie wirklich nach Lösungen gesucht» Gefährliche Differenzen wurden im letzten Sommer in Genf von Putin und Biden einfach weggelächelt. Bis heute fehlt ein Plan zur Deeskalation. Es gibt 4 Thesen. Eine ist, dass Russland Grossmachtambitionen hat. Eine andere vertritt die Haltung, dass die russischen Sicherheitsinteressen mit der Osterweiterung der Nato nicht ernst genommen wurden. Eine dritte These sieht hinter der Invasion in der Ukraine wirtschaftliche Interessen. Denn die Konfliktlinien verlaufen entlang der Rohstoffvorkommen in der Ukraine – sowohl im Meer als auch auf dem Land. Möglich ist die Kombination von allen 3 Aspekten. Die Strategie des Westens ist aktuell die Eskalation, mit der Hoffnung, dass diese irgendwann eine Deeskalation bringt. Die Forschung hat gezeigt, dass mehr Friedensverträge zu Stande kommen, desto mehr Frauen auf die Agenda und Inhalte von Friedensprozessen Einfluss haben.

    2
    • am 4.05.2022 um 15:56 Uhr
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      Können Sie Ihre letzten Punkt belegen?

      0
  • am 3.05.2022 um 15:59 Uhr
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    ich bin einfach erstaunt, was Putin und die Russen in diesem Artikel alles falsch machen. Automatisch muss man dabei annehmen, dass die Amerikaner alles richtig machen.
    Stellen wir uns vor, Russland wäre mit Mexiko verbündet und würde an der Nordgrenze von Mexiko Raketen mit Atomsprengköpfen aufstellen. Richtung USA. Wenn dann die Amis mit Mexiko Krieg anfangen würden, dann wären sie die Kriegstreiber. So etwas hatten wir doch auch schon, Anfang sechziger Jahre, Kuba-Krise.

    6
    • am 4.05.2022 um 12:18 Uhr
      Permalink

      1. Es stehen keine US-Atomraketen in der Ukraine. Die Analogie zu hypothetischen russischen Raketen in Mexiko ist also unsinnig.
      2. In der Kubakrise 1961 haben die USA Kuba eben gerade NICHT überfallen. Obschon dies sehr leicht gewesen wäre.
      Niemand behauptet, die USA würden alles richtig machen. Das ist aber keine Entschuldigung für Putins aktuellen Raubzug.
      Die Nato-Osterweiterung spiegelt nicht die «imperialen Interessen der USA». Sie entstand durch demokratisch legitimierte Beitrittsbeschlüsse von Ländern, die mit Sowjetrussland ein paar ungute Erfahrungen gemacht haben. Wie die Aktualität zeigt, war der Beitritt eine richtige Vorsichtsmassnahme.
      Das vorgebliche «Sicherheitsbedürfnis» Russlands hingegen ist an den Haaren herbeigezogen: Es gab und gibt keinerlei Absichten von Nato-Staaten, jemals in Russland einzumarschieren. Das weiss auch Putin ganz genau.

      2
    • am 5.05.2022 um 21:36 Uhr
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      Herr Haller – dass die Nato je die Absicht gehabt hätte, in Russland einzumarschieren: So etwas ist sogar diesen ausführlichen Äusserungen von Jacques Baud nirgends zu entnehmen. Obschon dieser ja um einseitig wohlwollendes Einfühlungsvermögen für das auch so geplagte Russland nicht verlegen ist. Naja, Baud ist ein (ehemaliger) Geheimdienstler. Was von deren Expertise zu halten ist, weiss man etwa seit den Geheimdienst-Informationen zu Saddam Husseins angeblichen «Massenvernichtungswaffen» …

      2
    • am 5.05.2022 um 15:38 Uhr
      Permalink

      zu 1 :
      es stehen NOCH keine Raketen und US-Truppen in der Ukraine, allerdings dürfte deren Stationierung das Ziel der USA sein.

      zu 2 :
      die USA haben Kuba nicht überfallen, aber die USA hatten heimlich Jupiter Atomraketen in der Türkei stationiert.
      Wenige Flugminuten von Moskau entfernt.
      Moskau hat davon erfahren und als Gegenreaktion die Raketen auf Kuba stationiert.

      Und das die Nato-Osterweiterung sehr wohl die «imperialen Interessen der USA» wiederspiegelt, das konnte man schon vor 25 Jahren Sie bei den US-Politikern Paul Wolfowitz und Zbigniew Brezinski nachlesen.
      Die USA haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass man Russland quasi «einhegen» wollte, um jeglichen russischen Machtanspruch ausserhalb Russlands zu unterbinden.
      Aus der Sicht Russlands/Putins eine Demütigung und Beleidigung.

      Das rechtfertigt natürlich nicht den Krieg, aber es erklärt sein entstehen.

      2
  • am 3.05.2022 um 17:57 Uhr
    Permalink

    Maxim Trudolyubov argumentiert sehr einseitig: Nur Russlands Geopolitik ist von übel; die Geopolitik der USA bleibt unkritisiert!
    Er reiht sich damit ein in das Kriegsgeschrei, das sowohl aus der Ukraine als auch aus westlichen Medien vollzogen wurde: an die Waffen und Sieg über Russland ist überall zu hören – und zu lesen.
    Der Autor ignoriert, dass die Geopoltik der USA – auf die Ukraine bezogen – bereits 2014 begann: mit dem von den USA finanzierten und unterstützten Putsch auf dem Maidan. Eine USA-freundliche – und abhängige (!) – Regierung wurde etabliert; die dann auch 8 Jahre im Donbass Krieg führte, gegen die unabhängigen Regionen, die auch noch russisch sprechen und russlandfreundlich sind. Die Nato-Ostweiterung ist dabei ein weiterer Punkt, der die imperialen Interessen der USA verdeutlicht. Alles ist bekannt, nur der Autor weiß davon nichts; sondern er spielt die «nationale Souveränität» der Ukraine, die es seit 2014 nicht gab, gegen Russlands Sicherheitsinteressen aus!

    5
    • am 5.05.2022 um 11:59 Uhr
      Permalink

      Der Maidan-Aufstand 2014 brachte der Ukraine vor allem eines: einen Schritt in Richtung freiheitliche Demokratie. Falls das von den USA unterstützt wurde, dann spricht dies nicht gegen, sondern für die USA.

      5
    • am 6.05.2022 um 08:16 Uhr
      Permalink

      Herr Koller, sehen Sie nicht, dass genau diese expansiv/aggressive Einstellung Krieg verursacht? (nicht aggressiv wegen der Demokratie, ich bin auch für Demokratie.)

      Sie gehen mit Ihrer Einstellung aber einen Schritt weiter: Sie meinen, Ihre Meinung sei die einzig richtige und berechtige Sie (bzw. die USA) zu Verhaltensweisen, die Sie anderen nie zugestehen würden. Bspw. kritisieren Sie zu Recht, dass Russland in der Ukraine eine Regierung zu ihren Gunsten installieren möchte. Sie befürworten aber, dass die USA genau dasselbe gemacht hat.

      Sie argumentieren, dass mit den «richtigen» Motiven (Demokratie) alles erlaubt ist. Das Problem dabei ist, dass andere Leute andere Meinung haben können. Wenn diese ihre Motive ebenso aggressiv/expansiv auslegen wie Sie, ist Krieg vorprogrammiert.

      Das ist kein Votum gegen Demokratie (im Gegenteil), sondern für weniger aggressives Verhalten, dafür mehr Toleranz gegenüber anderen Meinungen.

      2
    • am 6.05.2022 um 09:44 Uhr
      Permalink

      Ergo dürfen die USA sich in die inneren Angelegenheiten eines Landes einmischen, aber kein anderes Land. Dies hat mit Demokratie und Freiheit überhaupt nichts zu tun – es ist kolonialer Imperialismus in Reinkultur.

      2
  • am 3.05.2022 um 18:13 Uhr
    Permalink

    Ein Artikel über Geopolitik, der die amerikanischen Interessen und seine imperialistische Politik seit dem zweiten Weltkrieg komplett ausblendet? Das dürfte wohl eher als anti-russische oder besser anti-westliche Propaganda zu werten sein. Schade.

    2
  • am 3.05.2022 um 19:13 Uhr
    Permalink

    Das einzig Positive an diesem Artikel ist zu sehen, wie gross die Mehrheit der Ablehnung durch die Leser ist.
    Die Einleitung beginnt einleuchtend, ja interessant. Aber dann genau jene Länder beschuldigen, welche seit Jahrzehnten Opfer des expandierenden Imperiums sind, und mit keinem Wort auf die absolut zynisch und menschenverachtende Strategie des Westens eingehen, welcher ein Land nach dem anderen für seine Grossmachtsträume opfert, jüngst grad die Ukraine! Wer hat denn im Donbass 8 Jahre Menschen getötet und im Februar massiv den Beschuss intensiviert bis Russland eingriff? Wer hat Islamisten erst bewaffnet und danach bombardiert? Wer hat in fast jedem Krieg im 21. Jahrhundert mitgemacht? Ich sage weder alles an den USA ist böse, noch dass alles Böse aus den USA ist, aber in Sachen Kriegstreiberei kommt nun mal wirklich kein anderes Land auch nur annähernd an die Verbrechen der USA ran im 21. Jahrhundert

    4
  • am 3.05.2022 um 19:48 Uhr
    Permalink

    Als wenn die Geopolitik und «Die Entmenschlichung der Welt» an Kuba, Venezuela und Ungarn liegen würden. Die Aufzählung der Länder ist so einseitig und unvollständig.

    Weil das Problem imperialer und aggressiver Geopolitik und «Die Entmenschlichung der Welt» zwar auch aber nicht ausschließlich und unbedingt an Autoritarismus liegen möchte ich auf folgenden Artikel hinweisen:

    «Linksliberale und Grüne überschlagen sich plötzlich mit Forderungen nach Waffenlieferungen in die Ukraine. Für den Kampf gegen autoritäre Regime ist das aber eine intellektuelle Bankrotterklärung»
    https://www.freitag.de/autoren/raul-zelik/debatte-um-waffenlieferungen-denkbar-schlechte-verbuendete

    2
  • am 3.05.2022 um 20:15 Uhr
    Permalink

    Weil skrupellose Großmachtpolitik gewiss nicht nur am Autoritarismus von Putin & Co liegen zitiere ich Raul Zelik aus einem Artikel im derFreitag:

    «Schon jetzt verlagert sich „im Westen“ das hinter dem Krieg stehende Interesse – weg von der menschlich empörten Solidarität hin zum geopolitischen Interesse an einem militärischen Sieg der Ukraine. Diese Interessenverschiebung werden wir im Inneren unserer Gesellschaften zu spüren bekommen. Weder die westliche Staatengemeinschaft noch die NATO (und schon gar nicht Rüstungskonzerne wie Rheinmetall) sind Garanten politischer und sozialer Errungenschaften. Das Demokratische und seine Freiheiten wurden dem bürgerlichen System in gesellschaftlichen Kämpfen aufgezwungen. Die Armeen und Sicherheitsapparate dagegen waren und sind auch bei uns Bastionen des Autoritarismus.»

    https://www.freitag.de/autoren/raul-zelik/debatte-um-waffenlieferungen-denkbar-schlechte-verbuendete

    1
  • am 3.05.2022 um 20:42 Uhr
    Permalink

    Der Autor hat sicher recht, die geopolitische Weltsicht ist nicht verschwunden. Allerdings wohl ebensowenig auf amerikanisch/westlicher Seite wie auf russischer, chinesischer, etc.
    Insofern ist der Artikel fast krankhaft einseitig.

    3
  • am 4.05.2022 um 18:31 Uhr
    Permalink

    Sehr persönliche idealistische Ideen – haben leider mit der Realität nichts zu tun!

    1
  • am 5.05.2022 um 09:48 Uhr
    Permalink

    «In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.»
    (Der SPD-Politiker und Brandt-Vertraute Egon Bahr 2013 vor einer Schulklasse).
    Natürlich geht es in den Kriegen – nicht nur der Gegenwart – um Vorherrschaft (Macht), strategische Vorteile (um die Macht zu erhalten), Profit, Land und Bodenschätze. Dabei sollen Konkurrenten sowohl materiell als auch ideologisch geschwächt oder gar ausgeschaltet werden. Menschenleben spielen dabei keine Rolle, die Kriegsherren (meistens alte weiße Männer) sitzen in ihren warmen – heute besser: gutgekühlten – Büros und schicken die jungen Männer auf die Schlachtbank. Dabei sind Hunderttausende Opfer unter der Bevölkerung lediglich «Kollateralschäden». Stalin: Ein Toter ist eine Katastrophe, eine Million sind nur eine Zahl. Und wir schreien nach immer mehr Waffen und Rüstung.

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