Die EU als Vorbild für die Schweiz?

Christian Müller /  Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic hat den Covid-Impfstoff von AstraZeneca nicht anerkannt. Das führt zu Komplikationen.

San Marino, mit 34’000 Einwohnern bevölkerungsmässig der zweitkleinste souveräne Staat in Europa und eine Enklave innerhalb des Staates Italien zwischen Emilia Romagna und Marken, hatte im Frühling 2021 entschieden, zur Impfung gegen Covid auch den russischen Impfstoff «Sputnik V», dem auch von der massgebenden medizinischen Fachzeitschrift «The Lancet» hohe Zuverlässigkeit attestiert worden war, zuzulassen. Etwa drei Viertel der Bevölkerung haben davon Gebrauch gemacht und zusätzlich sind gegen tausend Personen mit dem Ziel, sich mit «Sputnik» impfen zu lassen, in San Marino ein- und nach der Impfung auch wieder ausgereist. Das hat auch die EU bisher akzeptiert. Wer aus San Marino ein Impfzertifikat vorweisen konnte, war als «geimpft» akzeptiert und konnte aus San Marino problemlos aus- und nach Italien einreisen.

Das soll jetzt geändert werden: Ab Mitte Oktober wird die Impfung mit «Sputnik» in San Marino von den EU-Ländern nicht mehr akzeptiert, weil die Europäische Arzneimittelbehörde EMA «Sputnik» als Impfstoff nicht bewilligt hat. Die meisten Einwohner von San Marino werden also in ihrem Kleinstaat schon bald eingeschlossen sein.

Alles klar, weil einfach konsequent? Vielleicht. Aber das müsste dann auch Folgen für die Schweiz haben, denn bekanntlich hat die Swissmedic, die Arztneimittelbehörde der Schweiz, auch den Impfstoff von AstraZeneca nicht bewilligt, Deutschland und Grossbritannien aber sehr wohl. Etwa 3,3 Millionen Deutsche sind mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft, von den Briten ganz zu schweigen. Nach dem Vorbild der EU dürfte die Schweiz nun also, weil AstraZeneca in der Schweiz nicht zugelassen ist, auch keine Ausländer mehr reinlassen, die mit AstraZeneca geimpft sind. Das hiesse dann konkret, dass Zehntausende, nicht zuletzt auch x-Tausende von Grenzgängern, nicht mehr ohne negativen Test in die Schweiz einreisen dürften.

Mal schauen, was die Schweiz entscheidet. Die – politische – Prognose lautet: Russen, die mit «Sputnik» geimpft sind, gelten weiterhin als «ungeimpft», Deutsche und Briten aber, die mit «AstraZeneca» geimpft sind, gelten auch in der Schweiz, wo AstraZeneca nicht zugelassen ist, weiterhin als geimpft. 

Man darf gespannt sein.

PS: Die Antwort auf die Frage, wie sich die Schweiz gegenüber Ausländern, die mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft sind, der in der Schweiz nicht zugelassen ist, verhalten werde, liegt vor: Alle, die mit einem Impfstoff geimpft sind, der von der WHO zugelassen ist, gelten als «geimpft». Quod erat expectandum: Es wird politisch entschieden, welche Instanz für einen Entscheid zuständig ist. Es geht nicht um die Gesundheit, es geht um geopolitische Machtspiele.


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Keine
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3 Meinungen

  • am 8.09.2021 um 11:39 Uhr
    Permalink

    Wie -wieder mal- deutlich zu sehen,
    geht es «im Zusammenhang mit Corona» vielen Regierungen NICHT
    darum, für optimalen medizinischen Schutz der Bürger zu sorgen. –

    Sondern – und VOR-rangig-st darum,
    «im Zusammenhang mit Corona»
    politische und finanzielle «Macht-Spiele» zu gewinnen.

    Also wäre es an der Zeit:
    :
    All «diese» Regierungen per Miss-Trauens- Votum zu verabschieden !
    Auch alle, solche Regierungen «tragenden» Parteien !
    Sofort !

    Das wäre sicher die weitaus beste Massnahme –
    «im Zusammenang mit Corona» ! ! !

    Wolfgang Gerlach
    scheinbar.org

    1
  • am 8.09.2021 um 21:56 Uhr
    Permalink

    So ein Durcheinander. kaum zu glauben, aber wahr, dass es viele ernst nehmen (müssen)!

    1
  • am 10.09.2021 um 11:20 Uhr
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    Ein Schelm der Denkt: Dass Swissmedic den Covid-Impfstoff von AstraZeneca nicht zugelassen hat, ist möglicherweise im Vertrag mit Pfizer nachzulesen.

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