Liebe PR-Leute: Der Sperber lässt sich nicht kaufen

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Red. /  Versucht bitte nicht mehr, ausgerechnet Infosperber gut bezahlte Artikel anzubieten. Ihr habt Euch in der Adresse geirrt.

Sehr geehrte Frau Jovana Gaudillere
Ihre Firma, bei der Sie für die PR zuständig sind, heisst «TrustHunter». Doch nach Vertrauen jagen Sie ja wirklich nicht. Im Gegenteil: Ihr Geschäftsmodell besteht darin, bezahlte PR-Artikel zu verkaufen. Und den Leserinnen und Lesern soll unterschlagen werden, dass es sich um einen «sponsored content», einen werbefinanzierten Inhalt handelt. Denn Sie wollen uns nur dann grosszügig dafür bezahlen, wenn wir folgende drei Bedingungen ausdrücklich akzeptieren:


  1. Links sind DoFollow;

  2. Es darf nirgends stehen, dass es sich beim Artikel um PR oder Werbung handelt;

  3. Der Artikel muss mindestens zwei Jahre lang online bleiben.


Zur ersten Bedingung: Ein sogenannter «DoFollow»-Link wird einschliesslich der Seiteninhalte in den Index von Google aufgenommen. Das wirkt sich wiederum positiv auf das Ranking der verlinkten Zielseite aus. Damit möchten Sie die Glaubwürdigkeit Ihrer Firmen- oder PR-Webseite im Google-Ranking erhöhen.
Zur zweiten Bedingung: Sie verstösst nicht nur gegen das Gebot von Trennung zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung, sondern auch krass gegen die Empfehlungen des Schweizerischen Presserats.

Eigentlich sollten Sie wissen, dass Infosperber für eine solche Schindluderei mit dem Vertrauen der Leserschaft die falsche Adresse ist. Wir haben noch nie einen Artikel gegen Bezahlung veröffentlicht. Es macht uns traurig, dass Firmen mit solch trüben Angeboten an Medien gute Geschäfte machen können.
Erst letzten Januar wandte sich Alexander Eser, «Co-Founder & Managing Director» der Firma «Kaufberaterio Media LLC», ebenfalls an Infosperber und schrieb wörtlich:
«Es würde mich interessieren, ob auf Ihrer Seite infosperber.ch eine Artikelplatzierung möglich wäre? Wichtig wären uns dabei folgende Bedingungen:

  1. Links sind DoFollow;
  2. Keine Werbekennzeichnung;
  3. Artikel sollte mindestens 24 Monate online bleiben.

Offensichtlich sind diese drei Bedingungen unter PR-Firmen abgesprochen oder üblich. Die meisten Ihrer anderen «Mitbewerber» erlauben es jedoch, die bezahlten PR-Artikel mit «gesponsort», «Promotion» oder ähnlich, möglichst diskret, zu kennzeichnen. Oft waren diese Hinweise so leicht zu übersehen, dass der Presserat grosse Medien schon mehrmals rügen musste. Leider mit nur mässigem Erfolg.
Merken Sie sich doch ein für alle Mal: Wir sind nicht käuflich. An Infosperber kann niemand Artikel verkaufen – weder ohne noch mit Kennzeichnung. Deshalb geben wir Ihnen unser Paypal- oder Bankkonto nicht wie gewünscht bekannt.
Mit freundlichen Grüssen

Urs P. Gasche
Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information

___________________________
NACHTRAG
Die Firma «TrustHunter» insistiert. In einer E-Mail vom 14. Mai heisst es:
Bonjour Infosperber-Team,

J’espère que vous allez bien.

Je me permets de donner suite à mon courrier concernant une publication d’invité sur votre site infosperber.ch.

Je vous prie de trouver ci-dessous quelques exemples de publications d’invité que nous avons publié sur d’autres sites récemment. Il ne s’agit là que d’un exemple de la qualité du travail que nous produisons car chaque publication est faite sur mesure et ce sera évidemment le cas pour infosperber.ch:

http://www.telesatellite.com/actu/53223-documentaires-voir-absolument-sur-la-scene-electronique-en-europe.html

Le futur de l’agriculture, l’Afrique s’y est-elle préparée ?

Pour éviter toute confusion, je tiens à préciser que la publication que nous désirons vous soumettre doit répondre aux conditions suivantes :

=> Les liens doivent être DoFollow
=> L’article ne doit pas être marqué comme étant de la publicité
=> L’article doit être publié dans une catégorie active de votre site
=> Article et les liens qu’il contient doivent rester en ligne pendant au moins 2 ans

Offrez-vous de telles opportunités au sein de votre site web ? Dans l’affirmative, à combien s’élèveraient les frais d’une telle publication ?

Le paiement via Paypal ou par virement bancaire sont tous les deux envisageables, en fonction de vos préférences.

Je vous remercie d’avance de votre réponse et reste à votre disposition si vous avez des questions ou des commentaires.

Je vous souhaite une excellente journée.

Cordialement,

Jovana

Jovana Gaudillere
VP Publisher Relations


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

In eigener Sache

Zum Infosperber-Dossier:

Business_News_Ausgeschnitten

Medien: Trends und Abhängigkeiten

Konzerne und Milliardäre mischen immer mehr mit. – Die Rolle, die Facebook, Twitter, Google+ spielen können

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Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

IBAN: CH 0309000000604575581

6 Meinungen

  • am 26.05.2020 um 12:36 Uhr
    Permalink

    Sehr gut reagiert, liebes Infosperber-Team. Das schafft Vertrauen und die LeserInnen bleiben euch treu! Danke.

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  • am 26.05.2020 um 12:52 Uhr
    Permalink

    Es ist erfreulich – und es kennzeichnet infosperber positiv -, dass keine Bezahlartikel aufgenommen werden. Allerdings geht das Elend der Manipulation viel früher und subtiler los: Etablierte ThinkTanks wie zBsp der Club of Rome Deutschland formen Mainstream gemäss den Wünschen ihrer Auftraggeber und speisen diese Konstrukte permanent über Jahre und Jahrzehnte in die Presseagenturen ein. Auch Instanzen wie die Weltbank (seinerzeit Nigel Roberts) missbrauchen Medien wie das Schweizer Radio und tarnen absolut einseitige Einflussnahme als redaktionelle Beiträge. Welche Redaktion hat schon den Durchblick oder den Mut, sowas in Frage zu stellen? Falsche Pressemeldungen haben schon zu Toten geführt, wie am 17. Februar 1999 an der Schinkelstrasse 10 in Berlin. Urheber: dpa. Die Medien und Informationskanäle sind längst zu einem Instrument der Mächtigen geworden. Schön, dass infosperber so gut es geht dagegen steuert.

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  • am 26.05.2020 um 14:32 Uhr
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    Ergänzung zur «Bedingung 2»: Diese verstösst ausserdem auch auch ganz klar gegen die Verhaltenskodizes der PR-Branche (v.a. Kodex von Lissabon), zu deren Einhaltung sich die Mitglieder des Schweiz. Public Relations Verbands pr suisse verpflichten. Im übrigen staune ich immer wieder, dass es nach wie vor solche Deppen wie TrustHunters gibt, die meinen, auf derart plumpe Weise ihren Kunden einen Dienst zu erweisen.
    Peter Eberhard, bis 2018 Präsident von pr suisse

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  • am 27.05.2020 um 17:33 Uhr
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    Vom Sperber habe ich nichts anderes erwartet.
    Ganz allgemein gilt aber: Ein bezahlter Journalist, ist auch ein Lohnsklave und kann darum niemals eine freie Meinung haben. Ausserdem meint er nur, es sei seine eigene Meinung. Eine Zeitungsmeinung ist erst frei, wenn die Zeitung dem Schreiber gehört.

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  • am 6.07.2020 um 19:48 Uhr
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    Gratuliere Infosperber!
    Wegen Euch habe ich das Vertrauen auf Pressefreiheit noch nicht ganz aufgegeben.
    Bitte bleibt weiter so!!!

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