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10 Jahre Infosperber © CH.H.GRAFIK / Foto Thinkstock 502581798

Infosperber feiert heute den zehnten Geburtstag

Urs P. Gasche /  Infosperber ging am 20. März 2011 online. Die von einer gemeinnützigen Stiftung finanzierte Zeitung findet immer mehr Beachtung.

Mit Stolz blickt die gemeinnützige Stiftung, welche Infosperber herausgibt, auf die zehnjährige Geschichte ihrer Zeitung zurück. Das Interesse an relevanten und zuverlässigen Informationen nimmt zu. Im Jahr 2020 erreichte die Zahl aller Besuche auf unserem Portal durchschnittlich 22’000 pro Tag (mehrfache Besuche eines gleichen Nutzers sind mehrfach gezählt). Nicht inbegriffen in dieser Zahl sind die Zugriffe auf Infosperber über mobile Geräte via APP. 

Grosse Zeitungen leiden zunehmend unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten, was sich auf deren Inhalt schmälernd auswirkt. Infosperber will diese Medien nicht konkurrenzieren, sondern sie mit Relevantem ergänzen – unter anderem auch mit andernorts vernachlässigter Medienkritik. Zielpublikum sind alle Personen, die Ergänzendes zu anderen Medien schätzen. Infosperber bringt zusätzliche Perspektiven und eigenständige Analysen. Damit will er es seinen Leserinnen und Lesern erleichtern, eine eigenständige Sicht zu finden. 

Damit leistet die Online-Zeitung Infosperber einen Beitrag zur Vielfalt an Informationen und Meinungen.   

Kriterien der Informations-Auswahl

Infosperber ist bestrebt, nach folgenden Kriterien zu informieren: 

  • Wie relevant sind Ereignisse oder Aussagen für das Funktionieren einer Demokratie?
  • Wie relevant sind Ereignisse und Aussagen für die Lösung wichtiger Probleme auf internationaler, regionaler oder lokaler Ebene?
  • Wie relevant sind Ereignisse und Aussagen für die Lösung von Konflikten und das Vermeiden von sozialen Spannungen?

Für die Unabhängigkeit des – neuerdings werbefreien – Infosperber sorgt die gemeinnützige «Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» SSUI. Sie sorgt auch für maximale Transparenz: Auf der Webseite ssui.ch sind nicht nur Stiftungsurkunde, Stiftungsreglement und die Mitglieder des Stiftungsrats ersichtlich, sondern auch die Bilanzen, Erfolgsrechnungen und ausführlichen Tätigkeitsberichte der letzten Jahre. 

Die Stiftung finanziert sich seit diesem Jahr ausschliesslich mit Spenden. Im Jahr 2000 zahlten Leserinnen und Leser mit Beträgen von je unter tausend Franken total über 200‘000 Franken. Weitere 90‘000 Franken kamen von Spenderinnen und Spendern, die höhere Beträge überwiesen. Eine Stiftung spendete zusätzlich 30‘000 Franken.

Einzigartiges Geschäftsmodell
mit unbezahlter Arbeit

Die Stiftung kann sämtliche Spenden für redaktionelle Leistungen verwenden, weil engagierte Leute aus der Leserschaft nicht-redaktionelle Aufgaben wie Buchhaltung, Spendenmanagement, Marketing, IT-Unterstützung, Übersetzungen und das Korrektorat unbezahlt erledigen. Zudem arbeiten einige pensionierte, professionelle Journalistinnen und Journalisten unentgeltlich. 
Büromieten entfallen, weil sämtliche Redaktionsmitglieder von zu Hause oder von eigenen Büros aus arbeiten. 
Im Jahr 2020 flossen 95 Prozent der Spendeneinnahmen in Form von Honoraren, Sozialleistungen und Spesen an die Redaktion sowie an jüngere freie Journalistinnen und Journalisten. Darin inbegriffen sind eine teilweise Entschädigung an Mitglieder der Redaktionsleitung für die Diensttage als Tagesverantwortliche sowie für Spesen, Honorare und Nutzungsrechte.

Inhaltliche Schwerpunkte

Das Thema Corona-Krise prägte 2020 das Informationsangebot auch von Infosperber. Doch Infosperber veröffentlichte weiterhin viele Beiträge zu anderen wichtigen Themen. Dazu gehören Grundrechte, Fundamentalismus, Flüchtlings- und Migrationsfragen, Verschuldung und Finanzcasino, Klima, Energie und Verkehrspolitik, Städteplanung, Lobbying, Sozialpolitik, Justiz, Wachstums- und Gesundheitspolitik, Konflikte im Nahen und Mittleren Osten, Ukraine/Russland, neuer Kalter Krieg sowie nicht zuletzt konkrete Medienkritik. In den letzten zehn Jahren hat Infosperber über 10‘000 Beiträge veröffentlicht, also mehr als tausend pro Jahr.

Infosperber versteht sich nicht als Ersatz für Radio, Fernsehen und Zeitungen, sondern konzentriert sich auf relevante Informationen, welche die grossen Schweizer Medien oft übersehen oder nicht publizieren wollen. Sich auf Ergänzendes zu beschränken, kann den Eindruck von Einseitigkeit erwecken. Recherchierte Berichte etwa zu Corona, oder Artikel, welche die Sicht Russlands in den Vordergrund stellen, mögen einen Teil der Leserschaft irritieren oder den Eindruck von Schlagseiten machen. Doch Infosperber versteht sich als ergänzendes Medium und geht davon aus, dass die Lesenden die Informationen der grossen Medien bereits kennen. 

Ausblick

In den vergangenen zehn Jahren hat die Konzentration im Mediensektor kontinuierlich zu- und damit die Medienvielfalt abgenommen. Umso wichtiger werden journalistische Plattformen, die von Konzernen oder Milliardären und deren Interessen unabhängig sind. Die Statuten unserer Stiftung garantieren diese Unabhängigkeit. Ob Infosperber in Zukunft publizistisch noch mehr Beachtung erreichen kann, hängt davon ab:

  1. Ob genügend Leserinnen und Leser bereit sind, das Angebot von Infosperber mit Spenden weiterhin zu honorieren. Spenderinnen und Spender machen die Online-Zeitung der ganzen Öffentlichkeit kostenlos zugänglich. Im Gegensatz dazu würde bei einem Abonnementssystem (Paywall) unser Informationsangebot nur den Zahlenden beziehungsweise Zahlungskräftigen zur Verfügung stehen;
  2. Ob andere gemeinnützige Stiftungen sowie die öffentliche Hand unseren Beitrag zur Medienvielfalt unterstützen;
  3. Ob genügend engagierte Leserinnen und Leser weiterhin bereit sind, nicht-redaktionelle Arbeiten unbezahlt zu übernehmen.
  4. Ob pensionierte Journalistinnen und Journalisten bereit sind, ohne Scheren im Kopf gelegentlich oder regelmässig für Infosperber zu schreiben.
  5. Ob das Internet frei zugänglich bleibt und zuverlässig mit Strom versorgt wird.

Technisch ist Infosperber für die Zukunft gerüstet: Seit Anfang Jahr verfügt die Online-Zeitung über ein neues digitales Redaktionssystem. Es enthält im Hintergrund vollautomatisierte Abläufe und erlaubt den Schreibenden einen direkten Zugang mit verhältnismässig einfacher Bedienung. Damit kann die Online-Zeitung weiterhin ohne bezahlte Produzenten und technisches Personal auskommen.

Zu den Gesamtkosten des neuen Redaktionssystems im Umfang von annähernd 150’000 Franken trugen Leserinnen und Leser mit einem zweckgebundenen Fundraising bei. Grössere Beträge leisteten die Stiftung für Medienvielfalt in Basel sowie eine weitere gemeinnützige Stiftung, die nicht genannt werden möchte. Das Redaktionsbudget musste nicht angetastet werden. Allen Spendenden sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.

Urs P. Gasche
Präsident der Schweizerischen Stiftung zur Förderung unabhängiger Information SSUI und Mitglied der Redaktion 


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Der Autor ist Präsident der Stiftung SSUI, welche Infosperber herausgibt.

Zum Infosperber-Dossier:

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Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

IBAN: CH 0309000000604575581

5 Meinungen

  • am 21.03.2021 um 12:46 Uhr
    Permalink

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Infosperber ist eine Bereicherung der Schweizer Medienlandschaft, eine notwendige Bereicherung. Beim Ausblick würde ich bei Ziffer 2 eine Einschränkung machen: Es scheint mir gefährlich, wenn «die öffentliche Hand unseren Beitrag zur Medienvielfalt unterstützt».

    0
  • am 21.03.2021 um 12:47 Uhr
    Permalink

    Gratulation und herzlichen Dank Urs Gasche, meine Marianne und ich sagen immer wieder Mal: «Zum Glück gibt es den Infosperber! » und wünschen weiterhin viel Erfolg.

    0
  • am 21.03.2021 um 17:22 Uhr
    Permalink

    Gratulation, vielen Dank und weiterhin alles Gute dem Infosperber. Wichtiger denn je.

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  • am 22.03.2021 um 06:58 Uhr
    Permalink

    Zunächst einmal auch von mir einen herzlichen Glückwunsch zum «Geburtstag».
    Ich bin immer wieder froh, in einer Zeit zunehmend gleichgeschalteter Medien Menschen zu finden, die sich darum kümmern, dass es möglich bleibt, alternative Sichten zu den Darstellungen der «Mainstream» Medien entwickeln zu können.
    So bildet der Infosperber, neben anderen Online-Zeitungen wie «Nachdenkseiten», «Anti-Spiegel», auch «Grayzone» und «Freiheitsliebe», nur um einige zu nennen, das Informationsspektrum, welches mir erlaubt, aus vielschichtigen Informationen gedankliche Bilder und innere Haltung zu entwickeln.
    Bezeichnend und verbindend für alle die von mir genannten Online-Zeitungen ist, dass es keine Artikel gibt, die hinter «Bezahlschranken» versteckt werden. Vielen Dank hierfür!
    Gern würde ich Ihre Arbeit mit Spenden unterstützen, jedoch bleibt mir diese Form der Anerkennung verwehrt, da ich, mit sehr kleiner Rente ausgestattet, schauen muss, «über die Runden» zu kommen, was jedoch meiner Lebensqualität keinen Abbruch tut.
    In diesem Sinne: Bitte machen Sie weiter und lassen Sie sich nicht unterkriegen, die Pressewelt wäre ohne Infosperber ein ganzes Stück ärmer.
    Vielen Dank.

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