Kommentar

Für die Kuhschweizer am Sonntag

Christian Müller © zvg

Christian Müller /  Die «Schweiz am Sonntag» bleibt konsequent und zieht die EU in den Dreck, auch wenn die Argumentation falsch ist.

Die «Schweiz am Sonntag» vermeldet heute Sonntag, 23. Februar 2014, als Headline auf einer Doppelseite zum Thema Ukraine: «Wie Präsident Viktor Janukowitsch in einem Tag gestürzt wurde.» Lese ich richtig: In einem Tag? Wie lange harren die Oppositionellen schon aus auf dem Maiden in Kiev? Hat die Schweiz am Sonntag all diese Monate verschlafen?

Aber das ginge ja noch. Es ist nicht leicht, am Samstagabend eine Sonntagszeitung zu machen, da ist die Zuspitzung einer Headline halt wichtiger als die Richtigkeit der Aussage.

Aber offensichtlich muss die Schweiz am Sonntag jetzt konsequent aufs Niveau der dörflichen Bauchnabelbeschauer heruntergedrückt werden. Denn in der gleichen Ausgabe ist auch ein ganzseitiges Interview mit SVP-Bundesrat Ueli Maurer (und hier immer wie immer: «Es gibt keinen Grund, irgendwelche Bücklinge zu machen.») Es gibt in der gleichen Ausgabe ein widerwärtiges Geschreibsel des Rechtsaussen-Satirikers Andreas Thiel über das «Friedensprojekt Europa». Und es gibt einen Bericht des Schweiz am Sonntag-Korrespondenten Stefan Brändle aus Paris, der darauf hinweist, dass nicht die EU in der Ukraine erfolgreich war, sondern die Vertreter der Nationalstaaten: die Aussenminister der Wirtschaftsgrossmacht Deutschland, der Nukleargrossmacht Frankreich und der Osteuropa-Grossmacht Polen.

Chefredaktor Patrik Müller schliesslich greift diesen letzten Gedanken auf (so er ihn denn nicht selber bestellt hat) und pointiert ihn in seinem aktuellen Tageskommentar zusätzlich. Der Widerspruch, dass die Vertreter der EU einen Vertrag mit Viktor Janukowitsch (!) abgeschlossen haben, ihn also mit diesem Schriftstück als legalen und legitimen Vertreter der Ukraine anerkannt und ihm damit indirekt noch den Rücken gestärkt haben, der sogenannte Sieg des Tages aber ausgerechnet die Absetzung dieses Janukowitsch war, interessiert den Chefredaktor mitnichten. Dass an dem Tisch (in einem grossen Bild zu sehen), auch die Vertreter der extrem nationalistischen Gruppierungen der Ukraine sassen und dass in der vom Parlament «bereinigten» neuen Regierung nun auch die Faschisten und Neonazis vertreten sein werden, das alles interessiert ihn nicht. Interessant für den Chefredaktor ist nur eines: Dass es nicht die Vertreter der EU waren, die «erfolgreich» verhandelt haben, sondern die Vertreter der europäischen Grossmächte Deutschland, Frankreich und Polen. Wörtlich: «Janukowitsch knickte ein, als Deutschland, Frankreich und Polen nach Kiew reisten. Die EU hatte davor nichts erreicht.»

Das ist, um es diplomatisch auszudrücken, höchst undifferenziertes EU-Bashing. Dass es der EU gelungen ist, innerhalb ihres Einflussgebietes 60 Jahre lang Kriege – auch Bürgerkriege! – zu verhindern, ist kein Wort wert. Dass aber innerhalb der EU oft noch die Partikularinteressen einzelner «Nationalstaaten» die entscheidende Rolle spielen – leider –, das ist das einzige, was der auf den Nationalstaat schwörende Schweizer am Sonntag zu erkennen vermag.

«Difficile est satiram non scribere», sagte der römische Dichter Juvenalis, wenn er mit Dummheit konfrontiert war: Es ist schwierig, keine Satire zu schreiben.


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19 Meinungen

  • am 23.02.2014 um 11:35 Uhr
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    Hier geht es auch um den Journalismus im Haus Wanner in Baden/AG. Dieser ist schon seit 100 Jahren einem Wandel ausgesetzt, in dem kaum eine ideologische Richtung unberücksichtigt bleibt. Sehr massgebliche Leute in Baden, auch Bierbrauer und Chefredaktoren, heissen und hiessen 1933, 1975 und 2014 Müller.

    Als eindeutig rückläufig im Journalismus ist der lateinische Humanismus einzuschätzen, so das Zitieren von Juvenal. Dies war im 19. Jahrhundert, als die Wanner-Presse noch Zehnder-Presse hiess, schon üblich, wiewohl ein Vorläufer dieser Medienprodukte «Eidgenössische Dorfzeitung» hiess, in der Tendenz übrigens radikalliberal. Bei den radikalliberalen Schweizerinnen und Schweizern von heute gibt es einen globalisierungsfreundlichen und einen stärker EU-kritischen Flügel. Bei allen Meinungsverschiedenheiten sollte man die gemeinsamen Wurzeln nicht vergessen.

    Auch ist wohl unbestritten, dass Christian Müller die Verhältnisse in der Ukraine besser kennt als die meisten Schweizer Publizisten. Nach dem Rückzug aus der sogenannten Verantwortung kann man sich um einiges genauer in gewisse Materien einarbeiten. Das Bedürfnis, es genauer wissen zu wollen, ist in aufgeregten Zeiten, da Vereinfachung gefragt ist, nicht ausgeprägt.

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  • am 23.02.2014 um 14:35 Uhr
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    Hervorragend Christian Müller. Sie sagen es wieder einmal: Die EU hat auf unserem Kontinent 60 Jahre Kriege verhindert. Da muss man viele Jahrhunderte zurückblättern, und niemand findet eine vergleichbare Zeit. Klar doch, auch die EU ist nicht gefeit davor, Fehler zu machen. Allzu willfährig hat sie sich nach der so genannten Wende dem Neoliberalismus verschrieben. Daraus ist eine permanente Grossbaustelle geworden. Diesbezüglich wäre ein Rückbau angezeigt. Den Griechen, Spaniern, Portugiesen wurden Sparprogramme aufgezwungen, um die Banken in diesen Ländern zu retten. Auf diesen Banken liegen grosse Geldbeträge von Deutschland, Grossbritannien und Frankreich. Hoffen wir, dass hier die Einsicht überhand nimmt: Perversionen dieser Art von Kapitalismus müssen überwunden werden. Hoffen wir, die EU überstehe diese Krise. Dann wäre der Weg frei für ein sozialeres, offeneres und multikulturelleres Europa.

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  • am 23.02.2014 um 16:37 Uhr
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    Wenn Schweizer Chefredaktoren ihre gesamte berufliche Tätigkeit als Journalist ausschliesslich in Zürich oder höchstens 30 km davon entfernt ausüben, kommen eben solche Texte zustande, die von einer beeindruckenden Weltfremdheit zeugen.

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  • am 23.02.2014 um 19:34 Uhr
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    Ich wähnte mich bei der ganzen Lektüre der heutigen Ausgabe in einem Paralleluniversum und war dann glücklich über dieses Stück, Christian Müller, welches mir den Heimweg auf den Planeten Erde gewiesen hatte.

    Je länger, desto mehr trügt der (Geld)schein über das Sein hinweg, in den Medien wie im Leben. Kritische Leser sind mehr denn je genauso gefragt wie konsequente Kündigungen von Abonnements nach unserer zweimaligen Präsentation der gelben Karte.

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  • am 24.02.2014 um 11:21 Uhr
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    Man fragt sich, ob der Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag» kürzlich einen Missionierungs-Intensivkurs auf Schloss Rhäzüns absolviert hat. Von dort kamen schon einige Medienschaffende voller Verzückung retour.

    Oder ist es einfach nur Opportunismus, weil er glaubt, auf dem Land denke man halt so? Denn wirklich ernst kann er das doch nicht meinen.

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  • am 24.02.2014 um 17:45 Uhr
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    Einverstanden mit Christian Müller! Offenbar wollte Patrik Müller unbedingt die EU als «Versager» darstellen und damit auch deren Reaktionen auf die Annahme der Einwanderungsinitiative disqualifizieren. Eigentlich sollten EU-Skeptiker sich darüber freuen, dass die Mitgliedstaaten in der Gemeinschaft immer noch eine bedeutende Rolle spielen und die Zentralisierung in manchen Gebieten noch nicht weit fortgeschritten ist.
    Georg Müller (noch ein Müller!!!)

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  • am 24.02.2014 um 20:56 Uhr
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    Da Christian Müller hier schon mehrfach bewiesen hat, dass ihm konstruktive Beiträge gar nicht liegen, sei ihm wohl geraten, die Dinge ebenfalls etwas satirisch darzustellen. Denn dieser ansonsten in bitterem Ernst gehaltene, aggressive und absolut unversöhnliche Tonfall vertieft bloss die vorhandenen Gräben und liefert den auf der anderen Seite vorhandenen Scharfmachern genau jene Munition, mit der sie treffsicherer und wirkungsvoller umzugehen wissen, als die zwar gutmeinenden, aber irgendwie weltfremden EU-phorisierten Friedensprojekt-Kämpfer, die meinen, die einzig wahren, höchsten (EU-) Dogmen verteidigen zu müssen.

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  • am 24.02.2014 um 21:39 Uhr
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    Ach@) Herr Eisenring, hören Sie doch einmal auf mit diesen unsinnigen Verdrehungen, «EU-phorisierte Friedensprojektkämpfer» etc., die Sie aus irgendeinem dunklen SVP-Kanal schöpfen.

    Die Schweiz unterhält mit diesen «Friedensprojektkämpfern» 150 hochkomplexe Verträge, von der Schweiz gewollt und langfristig bindend für beide Seiten. Sie betreffen nahezu Lebensbereich in diesem Land.

    Die Geduld lässt sicher nicht nur bei mir rapide nach, auf diesem Niveau sich über existenzielle Fragen, die diese Land betreffen, weiter zu unterhalten.

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  • am 25.02.2014 um 01:50 Uhr
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    1)
    Es konnte mir noch niemand ein einziges Argument gegen die sofortige Aufnahme von EU-Betrittsverhandlungen nennen ausser demjenigen, dass dies der SVP im allgemeinen und deren Parteiführung im besonderen schaden könnte. Seit 1992 lebt die Schweiz im Verblendungszusammenhang der SVP!

    Deshalb nun erst recht: Sofortiger Beitritt zum EWR und Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen!

    Seit 1992 beherrscht die SVP im allgemeinen, ihre Parteiführung im besonderen, den Europadiskurs in der Schweiz in dem unglaublichen Sinn, dass sie die Deutungshoheit vollständig übernommen hat. Sie hatte damals, ohne jegliche reale Basis, die Abstimmung über den EWR zur Abstimmung über die EU erklärt und nur so, genauso hauchdünn mit 50.3% gewinnen können wie eben gerade nun wieder. Sie hat seither die EU verteufelt in einer Art, dass es heute quasi verboten ist, überhaupt nur über einen EU-Beitritt nachzudenken. Wer dies tut, ist ein Landesverräter(sic!), unglaublich!
    Es konnte mir noch niemand ein einziges Argument gegen die sofortige Aufnahme von EU-Betrittsverhandlungen nennen ausser demjenigen, dass dies der SVP im allgemeinen und deren Parteiführung im besonderen schaden könnte. Seit 1992 lebt die Schweiz im Verblendungszusammenhang der SVP!

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  • am 25.02.2014 um 01:51 Uhr
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    Pardon – da war etwas doppelt!
    2)
    M. E. wäre heute erst recht die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen DIE Lösung für unser Land. Was spricht denn dagegen? Während der Zeit der Verhandlungen hätten wir garantiert Ruhe vor der EU weil sie die Verhandlungen nicht gefährden würde. Wir haben heute und nach der MEI erst Recht die Chance, die für uns besten Betrittsbedingungen überhaupt auszuhandeln zu können weil uns die EU mit Handkuss aufnehmen würde. Sind die Beitrittsbedingungen einmal bekannt, kann detailliert aufgelistet werden, wo wir heute als durchaus fast vollständiges Passivmitglied der EU stehen inklusive momentaner quasi Übernahme des Euro, und wo wir als vollständiges Aktivmitglied der EU, mit oder ohne Übernahme des Euro, durchaus mit diesen beiden möglichen Varianten, stehen würden und überhaupt erst sachlich und auf einer realen Grundlage, nicht aufgrund von Hirngespinsten oder Verteufelungen, an der Urne entscheiden werden, welches für uns langfristig die beste Option ist. Kann mir jemand ein einziges Argument gegen die sofortige Aufnahme von Betrittsverhandlungen mit der EU nennen ausser demjenigen, dass dies der SVP im allgemeinen und deren Parteiführung im besonderen schaden könnte? Ich kenne bisher keines! Seit 1992 lebt die Schweiz, inklusiver aller ihrer sogenannten „Eliten“, im Verblendungszusammenhang der SVP. Aufwachen, bitte!

    0
  • am 25.02.2014 um 01:52 Uhr
    Permalink

    3)
    In der EU nähme auch der, wie eben gerade wieder gesehen, groteske und extrem teure verteidigungspolitische / -technische Alleingang eines in deren Herzen liegenden Landes ein gutes Ende.

    Schliesslich wäre die sofortige Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen auch ein ganz starkes Zeichen an die nun erst Recht zähnefletschende und Schweizer Nationalistenblut leckende paneuropäische rechtsnationale Internationale: «Hey, so wie ihr den Ausgang der Abstimmung über die MEI deutet, haben wir es nicht gemeint!

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  • am 25.02.2014 um 10:56 Uhr
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    Albert Eisenring (am 24. Februar 2014 um 20:56 Uhr) hat in seinem Beitrag alles richtig gesagt. Aber dies ist bloss meine bescheidene Meinung. Ach ja, und die Meinung einer Mehrheit in der Schweiz. Über 50%. Ich verstehe, dass es unangenehm ist, Wunden zu lecken. Aber irgendwann ist es gut. Jetzt ist es Zeit, dass wir mit der EU-Führung auf dem hohen Niveau der wechselseitigen Gleichgültigkeit kommunizieren (angepasste Formulierung eines CH Philosophen). Oder noch besser; warten bis nach den EU-Wahlen. Ich weiss nicht, wer unter Ihnen Nigel Farage (UKIP) kennt. In einem Jahr wird ihn ganz Europa kennen. Und mögen. Er wird zum Dolchstoss für das Elitenprojekt EU. So er es denn bis dahin überlebt.

    0
  • am 25.02.2014 um 11:24 Uhr
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    Kein Wunder, interessiert sich die EU stärker für die Ukraine als für die Schweiz. In beiden Ländern wurden – historisch bedingt – unterschiedliche Problemlösungsmethoden entwickelt. Dabei sind «wir» weder moralisch besser noch vom zivilisatorischen Niveau «höher stehend". So wie, um einen nur z.T. passenden Vergleich zu machen, die Briten 1940 nicht «zivilisierter» waren als die Deutschen. Es gab nicht im einen Land gute Menschen, im anderen böse, sondern unterschiedliche politische Systeme. Im britischen politischen System wurde das «Monster» im Menschen, über das sich 1790 schon Edmund Burke keine Illusionen gemacht hat, besser gezähmt als im Führerstaat. Karl Popper, damals in Oxford ein Verteidiger Churchills, obwohl dieser brutaler war als jeder amerikanische
    Präsident der bisherigen Geschichte, ging davon aus, dass in jedem Land anteilsmässig etwa gleich viele Machtmissbraucher leben. Den Unterschied in der Auswirkung macht das Prinzip «Kontrolle der Macht", sozusagen d a s vernünftige Argument für die Demokratie. Weil britisches System eine bessere Kontrolle der Macht ermöglicht, artete es zwar auch aus, aber nie so wie Nazi-Deutschland oder Sowjetrussland oder China.

    Gilt analog für die Schweiz, wobei nach Troxler von Beromünster das Öffentlichkeitsprinzip wichtig ist. Wenn Auschwitz im TV gekommen wäre mit Referendums-Chance und wenn man – vgl. Schweiz – auf diese «Reform» hätte 30 Jahre warten müssen, incl. Vernehmlassung, vieles wäre zu vermeiden gewesen.

    0
  • am 25.02.2014 um 11:33 Uhr
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    @) Renato Stiefenhofer: Nigel Farage kandidierte bei den letzten Wahlen erfolglos für das britische Unterhaus. Sein Rückhalt im eigenen Land ist überschaubar. Seine UKIP positioniert sich selbst weit rechts der Konservativen.

    Er sitzt im EU-Parlament und wird dort bei den Europawahlen einen deutlichen Zuwachs an Frust-Stimmen haben.

    Die Europagegner (nicht zu verwechseln mit Europakritikern) im Parlament, die die EU sprengen wollen ohne ein nachvollziehbares Konzept für eine Alternative zu haben, werden aber auf jeden Fall eine Minderheit bleiben, die laut und aggressiv aber tatsächlich nicht so relevant ist wie sie gerne tut.

    Es ist auffallend, dass alle diese Parteien auch in andern Fragen nicht eine konservative, sondern eine reaktionäre Politik im eigenen Land betreiben, als Minderheit. Sie schaffen es z.T. nicht in die Parlamente und ausser in der Schweiz und Ungarn in keine Regierung.

    Reaktionäre aller Länder vereinigt euch. Ihr seid trotzdem nicht mehrheitsfähig. Die Zeiten sind gottseidank vorbei.

    0,3% sind leicht veränderbar, wenn den Leuten klar wird, wer aus welchen Motiven da im Hintergrund die Fäden zieht.

    Und mit wem man uns da ins Boot setzen will.

    Von daher bin ich sehr optimistisch.

    0
  • am 25.02.2014 um 11:42 Uhr
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    Und noch eins ist auffalend: Alle diese Parteien reden dauerend über Demokratie, sind aber in ihrer eigenen Struktur autoritär von oben nach unten strukturiert.

    Auch die SVP. Sie gehört faktisch einem Milliardär und mehreren Millionären, die mit der Partei umspringen, wie es ihnen passt. Es gibt keine ordentliche Finanzkontrolle und der Vizepräsident – der eigentliche Eigentümer der Partei -muss keinen Rechenschaftsbericht ablegen usw. usw..

    In andern demokratischen Parteien wäre das undenkbar.

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  • am 25.02.2014 um 16:04 Uhr
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    Fred David sollte sich mal bei Luzernern, Franz Grüter, Unternehmer, liest im Gegensatz zu Peter Spuhler usw. regelmässig Bücher, erkundigen, ob es so sei. Der angebliche Besitzer der Partei hatte, als er die Abzocker-Initiative mit trickreicher Umarmung des Initianten unschädlich machen wollte, keinen Einfluss mehr auf die Kantonalparteien.

    Herr David sollte B. Vorschläge machen, wie die Zahl der SVP-Ja-Parolen betr. Ecopop unter Kontrolle zu bringen sei. CSU-Chef hätte es leichter.

    Einfluss von B. auf Partei ist geringer als bei Sarkozy, Merkel, Cameron je auf ihre Partei. Wahr ist, dass B.mit einem richtigen Parteiführer, wie in Europa üblich, Ähnlichkeiten hat. Im Regelfall sind Schweizer Parteien ungeführt. Der letzte SP-Parteipräsident hiess Bringolf, schon Hubacher hatte die Partei, vgl. Otto Stich, nicht unter Kontrolle. Koch war ganz einflusslos. Bodenmann wähnte sich fähig, schreibt heute aber hauptsächlich für Blocher.

    Blocher steht Philipp Müller sicher um Welten näher als den genannten Führern v. europ. Rechtsparteien. Er ist als Parteiführer vielleicht mit dem allerdings eher noch autoritäreren Duttweiler zu vergleichen, der indes Geschäft und Politik klar weniger getrennt hat als Blocher.

    Natürlich sollte man B. nicht überschätzen. Als gläubiger Protestant konnte er sich privat besser beherrschen als Kennedy, Willy Brandt, Clinton, Sarkozy u. Hollande, was zwar nichts beweist. Viele würden ihm aber eher als Nixon selig einen Gebrauchtwagen abkaufen.

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  • am 25.02.2014 um 16:30 Uhr
    Permalink

    Die Aussage von Fred David kann ich nur unterstützen. Dass Philipp Müller Blocher um Welten näher steht als den Führern der europäischen Rechtsparteien, sehe ich ein bisschen anders. Zwischen Philipp Müller, Blocher und den Führern der europäischen Rechtsparteien stehen ideologisch keine Welten. Zwischen Philipp Müller/Blocher auf der einen, Sommaruga, Berset, Levrat, Glättli … auf der andren Seite aber sehr wohl.

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  • am 25.02.2014 um 16:45 Uhr
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    @)Pirmin Meier: Man muss mit diesen Beschönungen und Verharmlosungen aufhören. Neben der ordentlichen SVP-Parteifinanzierung über Mitgliederbeiträge etc.gibt es eine dunkle Kasse einer Zuger Gesellschaft, die mit Millionenbeträgen hantiert und in die SVP-Mitglieder keinen Einblick haben. Über diese Schiene gehört Blocher und seinen Millionärsfreunden, Auto-Frey etc. faktisch die SVP. Da soll doch mal Herr Grüter Auskunft geben.

    Wo glauben Sie, kommt das Geld her, für die SVP-Zeitung, die jeweils an jeden (!) Schweizer Haushalt geliefert wird? Die ganzen Abstimmungskampagnen, Unterschriftensammlungen? Ganz abgesehen vom finanziellen Engagement bei Wewo und BaZ als Blochers publizistischer Basis ?

    Auch das ganze National- und Schwiiiz-Getue der SVP lässt sich scharf hinterfragen (irgendwie haben da alle Angst davor).

    Beispiel: 1999 wurde nach jahrelangen Auseinandersetzungen wesentliche Ergänzungen zur Bundesverfassung beschlossen. Die einzige Partei, diese zwingenden Erneuerungen ablehnte – und zwar zu 80% – war die SVP.

    So sieht die Realität dieser Partei aus, die angeblich so treu zu diesem Staat steht (s. Link, dort S.2). So sehen echte Patrioten aus! Mit dieser Partei ist buchstäblich kein Staat zu machen, sie ist unzuverlässig und letztlich für die Schweiz auch gefährlich. Sie sagt überall nein, hat aber keine reellen Alternativen, nirgends: http://www.gfsbern.ch/portals/0/vox-analysen/1999-04-18_VoxD.pdf

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  • am 25.02.2014 um 19:55 Uhr
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    @Fred.David. Nichts darf verharmlost werden. Habe soeben das Buch «Wahn und Willkür – Franz Josef Strauss und seine Erben und wie man ein Land in seine Tasche steckt» von Wilhelm Schlötterer (Heyne) gelesen, aufgrund einer Besprechung in der NZZ. Vor 20 Jahren schrieb einer meiner besten Schüler ein Buch über Blocher, das aber nur Leute überzeugte, die sowieso gleicher Meinung und «gegen Populismus» waren. Auch glaube ich mit dem Zuger, den Sie nennen, in der Zürcher Storchenbar schon mal was getrunken zu haben, habe jedoch nicht tiefer nachgebohrt, glaube, der wird überschätzt. In Zug habe ich mich mit Marc Rich befasst, vgl. meinen Nachruf im Netz, ist für internationale Politik historisch wichtiger als Blocher. Würden Sie ein Buch über Blocher wie Schlötterer über Strauss hinkriegen, wäre dies ein Verdienst. Strauss war aber ein vorbildlicher «Europäer", so wie Strauss› Bayern sollten EU-Länder auf maximaler Entfaltungshöhe sein. Der Unterschied zu Hitlerdeutschland bleibt übrigens enorm, denn für Strauss galt: «Rechts von mir beginnt der Abgrund.» Trifft für Blocher auch zu.

    Objektiv bewegt sich der Aufwand von Blocher für die Politik etwa in der Grössenordnung des Aufwandes von Christian Constantin für den FC Sion, jedoch eher stärker erfolgsorientiert und über alles trotz allem klar weniger diktatorisch. Ohne Blocher hätte ich 1992 als EWR-Gegner doch mindestens einen Monatslohn für die Kampagne hinlegen müssen, was mir damals aus familiären Gründen nicht möglich war.

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