Brand-Katastrophe: SRF rechtfertigt morgendliches Schweigen
Im Gegensatz zum Westschweizer RTS informierten die drei Deutschschweizer TV-Kanäle am Vormittag nach der Bar-Katastrophe in Crans-Montana mit keinem Wort. Erst um 13.45 Uhr strahlte SRF eine Sondertagesschau zur Situation aus.
Die erste grosse Medienkonferenz um 10.15 Uhr verpassten die drei TV-Kanäle von SRF. Sie hätten die Übertragung von RTS mit einer deutschen Live-Übersetzung übernehmen können. (Siehe: BBC war früh vor Ort. RTS übertrug die Medienkonferenz von 10.15 Uhr. SRF schwieg, Infosperber 1.1.2026)
Infosperber stellte der SRF-Chefredaktion folgende Fragen, welche die SRF-Medienstelle wie folgt beantwortete:
Warum haben die Fernsehkanäle «SRF 1», «SRF 2» und «SRF Info» den ganzen Vormittag des 1. Januars kein Wort über den Brand in Crans-Montana verbreitet?
Antwort SRF: «Wir orientieren uns am Mediennutzungsverhalten der Menschen und setzen unsere Ressourcen entsprechend ein. Bereits am Morgen informierten wir im Newsticker der SRF News App und online, wo auch die Medienkonferenz [auf Französisch] übertragen wurde. Im Radio hat SRF die Nachrichten von stündlich auf halbstündlich umgestellt. Wir haben die Bevölkerung auf den bevorzugten Kanälen erreicht.»
Warum hat nicht wenigstens einer der drei SRF-Kanäle die von RTS übertragene Medienkonferenz um 10.15 Uhr übernommen und die Aussagen live übersetzt?
Keine Antwort auf diese Frage.
Warum haben die drei SRF-Kanäle auf ihren Sendungen nicht wenigstens eine Information mit Hinweis auf die Medienkonferenz auf RTS eingeblendet?
Antwort von SRF: «Laufbänder sind bei SRF nicht Standard.»
Arbeitet die Chefredaktion Audio/Digital nicht mit dem TV-Newsroom zusammen?
Antwort von SRF: «Die Zusammenarbeit zwischen den Redaktionen Audio/Digital und TV ist eng.»
Fazit: Online und mit der SRF-App hat das Schweizer Fernsehen rasch reagiert und informiert. Doch die Zuschauerinnen und Zuschauer seiner drei linearen Kanäle hat SRF – im Gegensatz zum welschen Fernsehen RTS und zu ausländischen Kanälen wie BBC und CNN – im Stich gelassen.
Beitrag zur Qualitätsverbesserung
upg. Professionelle Medienkritik soll dazu beitragen, dass die Qualität der Information besser wird. Deshalb betreibt Infosperber – im Gegensatz zu praktisch allen anderen Medien – weiterhin Medienkritik. Auch an SRF. Das ist kein Grund, die Halbierungsinitiative zu unterstützen. Vielmehr benennt Infosperber aus Sorge um die Qualität auch die Probleme bei SRF, statt sie totzuschweigen.
Es bleibt unbestritten, dass die öffentlich-rechtlichen TV- und Radiosender der drei Landesteile klar besser und zuverlässiger informieren als private Fernseh- und Radiostationen. Die Privaten werden nur weniger kritisiert, weil sie viel weniger präsent sind.
Die Bundesverfassung verpflichtet Radio und Fernsehen, die Vielfalt der Ansichten angemessen zum Ausdruck zu bringen. Dank den Auflagen der bundesrätlichen Konzession müssen SRF, RTS und RSI einen besonderen Leistungsauftrag erfüllen. Sie haben auch detaillierte Berichterstattungs‑ und Transparenzpflichten gegenüber der Aufsichtsbehörde Uvek (Details hier).
➔ Siehe: «Praktisch alle SRG-Kritiker reden um den heissen Brei herum». Wer die Gebühren halbieren will, streicht der Westschweiz und dem Tessin attraktive Kanäle oder verordnet ihnen Staatssender.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









SRF will uns also klar machen, dass das Nutzungsverhalten in der französischen- und italienischen Schweiz komplett anders als in der Deutschschweiz ist. Wie immer ist man bei SRF (wie auch SRG) zu stolz, um zuzugeben, das man falsch gehandelt hat. Wie das vereinbar mit dem Service Public sein soll, ist und bleibt ein Rätsel. In Bezug auf die Halbierungsinitiative muss dan auch gesagt werden, dass mit 850 mio Fr (Gebührenanteil) + 260 mio Fr (Einnahmen), was immerhin 1110 mio Fr jährlich ergibt, der Steuerzahler doch ein bisschen mehr erwarten darf, als hier geboten wurde. Das Problem allgemein bei der SRG ist, dass sie keine Kritik duldet.
Wenn das in Zürich gewesen wäre hätten wir mindestens während 24 Stunden auf allen 3 Deutschschweizersendern ununterbrochene Reportagen gesehen! Schlussendlich haben wir ein Zürcher- und kein Schweizer Fernsehen!