Neue Alkohol-Lobby im Parlament bekämpft Aktionsplan der WHO
Gegen den Trend, Werbung für Alkohol stärker einzuschränken, wehrt sich eine neue Lobby-Gruppe namens «Gaudium Suisse»: Die WHO propagiere «eine immer restriktivere Alkoholpolitik». Genussmittel wie Wein, Bier und Spirituosen würden stigmatisiert. Man wehre sich «gegen diese pauschale Bevormundung» und verteidige die «kulturelle Bedeutung des Genusses in der Schweiz». Es gehe um «Lebensqualität, Geselligkeit und einheimisches Schaffen».
Mitglieder des «Gaudium Suisse» haben ein Mordsgaudi daran, ihre Lobbyarbeit als «massvolle Präventionspolitik» zu verkaufen. Im Vordergrund stand bisher der Kampf gegen Tabakprävention. Jetzt geht es ihnen um eine «massvolle» Alkoholprävention.
So beschreibt sich PR-Mann Lorenz Furrer auf der Webseite von Furrerhugi
«Lorenz Furrer ist Managing Partner und einer der Gründer von furrerhugi. Er ist ein breit aufgestellter Kommunikationsprofi, der in Bundesbern über ein Netzwerk verfügt, das seinesgleichen sucht. Lorenz Furrer erkennt Trends und findet kreative Lösungen. Er ist ein Experte der politischen Kommunikation und spezialisiert auf Lobbyingprojekte.»
Unter Führung des Furrerhugi Gründers Lorenz Furrer hat die PR-Agentur gewählte Volksvertreter rekrutiert, die im Parlament bereits entsprechende Motionen, Interpellationen und Fragen eingebracht hatten, beim Bundesrat damit jedoch abgeblitzt sind:
- Ständerat Benedikt Würth (Die Mitte/EVP SG):
Interpellation: «Masshalten bei Gesundheitsempfehlungen der WHO»
Motion: «Marschhalt bei neuen Empfehlungen zum mässigen Alkoholkonsum» - Nationalrat Nicolò Paganini (Die Mitte/EVP SG):
Frage: «Folgt die Schweiz der WHO blindlings?»
Nicolò Paganini fragte Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider: «Finden Sie es nicht widersprüchlich, dass der Bund auf der einen Seite den Absatz von Schweizer Wein fördert und auf der anderen Seite in internationalen Gremien dafür kämpft, dass schon der erste Tropfen Alkohol verteufelt wird?»
Die Bundesrätin wand sich und meinte am 22. September 2025: «Non, je ne trouve pas que c’est contradictoire ou paradoxal.»
Benedikt Würth fragte in seiner Interpellation: «Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass die WHO falsch liegt, wenn sie feststellt, es gebe keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol? Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass solche Empfehlungen wirtschaftliche Schäden in den einzelnen Branchen verursachen?» Der Weinkonsum sei in der Schweiz letztes Jahr um 8 Prozent zurückgegangen, bei Schweizer Wein um 16 Prozent – und bei Schweizer Rotwein sogar um 20 Prozent.
Der Bundesrat antwortete am 25. September 2025: «Forschungsergebnisse zeigen, dass bereits geringe Alkoholmengen das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen. An der 75. Weltgesundheitsversammlung 2022 wurde der ‹Global alcohol action plan 2022-2030› im Konsens angenommen. Die Schweiz wurde bei der Erarbeitung dieses Dokuments 2021 konsultiert und hat den Plan unterstützt.»
Es geht um höhere Steuern auf Alkohol und weniger Werbung für Alkohol

Der Aktionsplan der WHO empfiehlt, alkoholische Getränke mit einer Sondersteuer zu belegen und verkaufsfördernde Massnahmen oder Aktionen zu beschränken oder sogar zu untersagen. Er sieht auch Beschränkungen der Werbung vor – besonders wenn sie an Jugendliche gerichtet ist.
In der Schweiz ist Werbung für alkoholische Getränke weniger streng reguliert als Werbung für Tabakwaren.
Werbung für Bier und Wein ist erlaubt, solange sie sich «nicht speziell an Jugendliche unter 18 Jahren richtet» (Artikel 42 und 43 der Lebensmittelverordnung) «Nicht speziell» lässt viel Spielraum offen.
Das Alkoholgesetz erlaubt Werbung sogar für hochprozentige Spirituosen und spirituosenhaltige Getränke, sofern sie «produktebezogen» ist. Die Darstellung eines positiven Lebensstils ist nicht erlaubt. Ebenso wenig Werbung für Sonderangebote. Doch Werbung für Spirituosen ist an öffentlichen Veranstaltungen erlaubt, wenn «nicht vorwiegend Kinder und Jugendliche teilnehmen» (Art. 42 des Alkoholgesetzes). «Nicht vorwiegend» lässt Spielraum offen.
Anders in skandinavischen Ländern wie Finnland, Schweden oder Norwegen. In Norwegen gibt es ein totales Werbeverbot für alkoholische Getränke seit 1975. Es gilt für sämtliche Medien und auch für das Sponsoring.
Ein gesellschaftliches Problem

Über die Schattenseiten dieses Genusses verliert «Gaudium Suisse» kein Wort: Fast jede fünfte erwachsene Person trinkt zu viel und zu häufig. Über 250’000 Erwachsene sind in der Schweiz abhängig vom Alkohol. Jährlich sterben in der Schweiz etwa 1600 Erwachsene an den direkten Folgen. Alkoholmissbrauch zerstört Freundschaften und Familien. Er verletzt und tötet Unschuldige auf Strassen.
Gesundheitliche Schäden gehen zu Lasten der Prämienzahlenden.
Die Gesamtkosten des Alkoholmissbrauchs schätzt das Bundesamt für Gesundheit im März 2025 auf jährlich rund 2,8 Milliarden Franken.

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.











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