Virologie Institut Wuhan

Auf dem Areal des Instituts für Virologie in Wuhan befinden sich auch Labors mit Edelstahlwänden, die beim Kontakt mit Desinfektionsmitteln schnell rosten. © cc-by-sa-4 Ureem2850, via Wikimedia Commons

Labor in Wuhan: Alarmglocken läuteten schon im Jahr 2019

Martina Frei /  Der Verdacht erhärtet sich: Ein Laborunfall hat die Corona-Pandemie ausgelöst.

Red. Falls ein Laborunfall an der Pandemie und ihren weltweiten Folgen schuld ist, hat dies weitreichende Konsequenzen. Labors mit hohem Gefahrenpotenzial sollten von einer internationalen Aufsichtsbehörde überwacht und reguliert werden, zum Beispiel analog der IAEA für die Atomkraftwerke, fordern verschiedene besorgte Wissenschaftler. Infosperber analysiert diese brisante Frage in drei Teilen.

Neue Auswertung von Informationen aus dem Labor in Wuhan

Was geschah rund um das Institut für Virologie in Wuhan vor und nach dem Ausbruch der Pandemie? Das hat die Non-Profit-Organisation «Pro Publica» fünf Monate lang zusammen mit der Zeitschrift «Vanity Fair» recherchiert. Die Recherche deckt bisher unbekannte Vorgänge auf. 

Massgeblich geholfen hat dabei Tom Reid, der unter anderem für die US-Regierung und die Rand Corporation arbeitete. Er war Teil einer Gruppe, die im Auftrag des republikanischen US-Senators Richard Burr 15 Monate lang Informationen zur Herkunft des Pandemievirus zusammentrug. Reid analysierte dabei unter anderem Nachrichten, die auf der Website des Instituts in Wuhan gespeichert waren. 

Reid spricht Chinesisch und versteht auch Nuancen, die zwischen den Zeilen stehen – eine Fähigkeit, die ihm beim Entschlüsseln der Botschaften zu Hilfe kam. Er stellte fest, dass die Forscherinnen und Forscher in Wuhan enorm unter Druck standen, wissenschaftliche Durchbrüche zu erzielen, für die sie in hochrangigen Zeitschriften Meriten ernten würden. So wollte es die Parteileitung. Reid spricht davon, dass die Forschenden in einem «politischen Dampfdruckkocher» gewesen seien.

«Eine komplexe und ernste Situation»

Im Folgenden die gekürzte Wiedergabe wesentlicher Punkte aus dem Artikel von «Pro Publica» und «Vanity Fair»:

  • Im Jahr 2018 ging das Hochsicherheitslabor (BSL-4) am Institut für Virologie in Wuhan in Betrieb. Es hat Stahlwände, die leicht rosten, wenn sie mit Desinfektionsmitteln behandelt werden.
  • Wiederholt erwähnten die Forschenden in ihren Nachrichten den Mangel an Ausrüstung, an technologischen Standards und an Erfahrung im Führen eines Labors von diesem Kaliber.
  • In einem Fachartikel, der im September 2019 erschien, listete ein Forscher des Wuhan-Labors im September 2019 verschiedene «Herausforderungen» in chinesischen Hochsicherheitslabors auf. Er erwähnt zum Beispiel unzureichendes Biosicherheits-Management und nicht genügend Ressourcen für den Betrieb. «Aufgrund der begrenzten Ressourcen werden manche BSL-3-Labore so betrieben, dass extrem niedrige oder in manchen Fällen gar keine Unterhaltskosten anfallen», schrieb er im «Journal of Biosafety and Biosecurity». 
  • Später wurde bekannt, dass viele der Experimente mit Coronaviren in Wuhan in BSL-2 oder BSL-3-Laboren stattfanden. «Es ist klar, dass ein Teil oder die gesamte Arbeit nach einem Biosicherheitsstandard BSL-2 – dem Biosicherheitsniveau einer Standard-US-Zahnarztpraxis – durchgeführt wurde […], was ein inakzeptabel hohes Risiko der Infektion des Laborpersonals bei Kontakt mit einem Virus darstellt, das sich wie SARS-CoV-2 überträgt», sagte der US-Molekularbiologe Richard Ebright im «Bulletin of the Atomic Scientists». Verfasst hatte diesen Artikel Nicholas Wade, ein renommierter Wissenschaftsjournalist, der als einer der ersten Indizien für einen Laborursprung des Virus zusammenfasste und publizierte. 
  • Am 11. September 2019 stellten chinesische Inspektoren fest, dass die chinesische Akademie der Wissenschaften nicht genügend wissenschaftliche Fortschritte mache. 
  • Am 12. September 2019 gegen zwei Uhr morgens nahm das Institut für Virologie in Wuhan seine bis dahin öffentlich zugängliche Datenbank mit Informationen zu über 15’000 Virusproben von Fledermäusen vom Netz. 
  • Am 12.11.2019 war in einer der von Reid übersetzten Nachrichten von «verdeckten Sicherheitsgefahren» die Rede: «Wenn man die eingelagerten Reagenzröhrchen einmal geöffnet hat, ist es, als hätte man die Büchse der Pandora geöffnet. Diese Viren kommen ohne Schatten und gehen ohne eine Spur zu hinterlassen …» Laut Reid zeugen die Nachrichten im November 2019 von einem akuten Sicherheitsproblem. Höchste politische Kreise der chinesischen Regierung seien eingeweiht worden. 
  • Am 17.11.2019 dokumentierte die chinesische Regierung einen der ersten Covid-19-Patienten in der Provinz Hubei.
  • Am 19.11.2019 traf der Direktor für Sicherheit der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Wuhan ein. Er habe vom Generalsekretär Xi Jinping und von Chinas Premierminister Li Keqiang höchstpersönlich Aufträge erhalten und sei gekommen, um eine «komplexe und ernste Situation» anzusprechen, sagte er in seiner Rede.  
  • Der stellvertretende Direktor für Sicherheit des Instituts sprach in seiner Rede davon, dass im Verlauf des letzten Jahres bei den Sicherheitsinspektionen einige allgemeine Probleme entdeckt worden seien. Er wies auch auf die ernsten Folgen hin, die verdeckte Sicherheitsmängel nach sich ziehen könnten.
  • Gleichentags ersuchten Institutsverantwortliche die Regierung um einen Zuschuss für eine teure Luftverbrennungsanlage. Sie dient dazu, kontaminierte Luft, die von einem Ort zu einem anderen strömt, zu desinfizieren.  
  • Am 11.12.2019 stellte ein Forscherteam aus Wuhan einen Patentantrag für ein Gerät, das gefährliche Dämpfe innerhalb eines Raums filtern kann. Der Langzeitgebrauch von Desinfektionsmitteln könne dazu führen, dass hochgefährliche Erreger in die Umgebung des Labors gelangen würden, heisst es in dem Patentantrag. Ebenfalls erwähnt wird, dass defekte Luftschläuche bei Tiertransporten zu «vielschichtigen» Risiken führen würden, falls dabei Krankheitserreger involviert seien, die in der Luft schweben. Ein stabiles, sehr effizientes Filtergerät und ein korrosionsbeständiger Rahmen seien «dringend nötig». 
  • Am 1.1.2020 schlossen die Behörden den Fischmarkt in Wuhan. 
  • Verschiedene chinesische Forschungsteams entwickelten in Rekordzeit Impfstoffe. Angesichts dieses Tempos, so urteilten verschiedene Fachleute gegenüber «Vanity Fair» und «Pro Publica», muss eines der Teams spätestens im November 2019 bereits das Erbgut des Virus im Detail gekannt und mit den entsprechenden Mäuseversuchen begonnen haben. Anders wäre der ambitiöse Zeitplan nicht zu einzuhalten gewesen.
  • Am 24. Februar 2020 reichte der Militärvirologe Zhou Yusen, der dieses Impfforschungsteam leitete, den weltweit ersten Patentantrag für einen Covid-Impfstoff ein. Am 2. Mai 2020 veröffentlichte Zhou einen Fachartikel über seine Impfforschung auf einem sogenannten preprint server. Als der Artikel drei Monate später in einer Fachzeitschrift erschien, war Zhou dort als «verstorben» aufgelistet. Nähere Umstände seines Todes sind nicht bekannt. 
  • Am 25.2.2020 veröffentlichten chinesische Wissenschaftler die Ergebnisse von 457 Proben, die sie bei Tieren auf dem Wuhan-Markt entnommen hatten – keines wurde positiv auf Sars-CoV-2 getestet. In der Umgebung des Markts waren 73 Proben positiv – alle waren auf Infektionen von Menschen zurückzuführen, darunter befanden sich jedoch keine Tierverkäufer.

Auch jetzt, im dritten Jahr der Pandemie, wurde noch keine Tierart entdeckt, von der Sars-CoV-2 auf den Menschen übergesprungen sein könnte. 


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

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Coronavirus: Information statt Panik

Covid-19 fordert Behörden und Medien heraus. Infosperber filtert Wichtiges heraus.

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13 Meinungen

  • am 19.11.2022 um 12:11 Uhr
    Permalink

    Wer den Quellen «US-Regierung» und «Rand Corporation» vertraut, mag diesen Bericht gut finden. Ich finde gegenteiligerweise: Bitte recherchieren Sie punkto Pentagon-Biolabore in der Ukraine (ich verstehe einfach nicht, wozu die dienen bzw. warum die Europäer das dulden) und bitte eruieren Sie die Frage: 22.07.2021(luzernerzeitung.ch) — Fünf Millionen Chinesen fordern eine WHO-Untersuchung eines US-Labors in Maryland.

    4
    • am 20.11.2022 um 18:12 Uhr
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      Der Artikel hier handelt von Sars-CoV-2.
      Dass dieses Virus zuerst in China, und nicht in der Ukraine, auftauchte, ist eine der wenigen Informationen, die unbestritten sind.

      0
    • am 21.11.2022 um 00:03 Uhr
      Permalink

      Ich finde auch, der Artikel riecht ein wenig. Es sind teilweise doch dünne Argumente und auch sprachlich läuft es immer darauf hinaus, dass die (böse) chinesische Regierung die Labore nicht sicher betreiben kann. Dafür sehr wenig Kritik an der Rolle der USA und an Biolaboren im Allgemeinen.

      Auch wenn sicher nicht alles falsch ist, könnte es ein eher politischer Artikel sein, der auf den (Wirtschafts-)Krieg gegen China vorbereitet und nun, wo ein Laborursprung immer stärker diskutiert wird, die Schuld an der Misere China in die Schuhe schiebt.

      0
  • am 19.11.2022 um 13:07 Uhr
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    In der Schweizer Armee war ich bis in die Siebziger Jahre A_C Spezialist. Gerade noch rechtzeitig hat man „in der besten Armee der Welt“ für mich das frühere _B​_ für biologische Kriegsführung fallen gelassen.
    Von solchen Vorgängen habe ich in den 007 James Bond Filmen erfahren.
    Die Dreharbeiten 1986 auf dem Schilthorn für den Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät»
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/James_Bond_007_–_Im_Geheimdienst_Ihrer_Majestät
    Eventuell hat jetzt die Corona Realität die Fantasie von Jan Fleming noch bei weitem übertroffen!

    0
  • am 19.11.2022 um 14:23 Uhr
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    Extrem scheusslich und widerlich: aber ganz und gar nicht überraschend. Ist nicht eigentlich das Pandemie-Kartenhaus schon lange zusammengekracht? Auch wenn es eine Mehrheit nicht wissen will, weil sonst die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Aber was nicht sein darf, kann nicht sein?! Nebenbei gefragt: Ist nicht ein solches Labor eigentlich noch viel gefährlicher als beispielsweise ein Atomreaktor oder der Flugverkehr, der alltäglich mit seinen Abgasen und seinem Lärm unsere Umwelt zerstört und unsere Gesundheit gefährdet?

    3
  • am 19.11.2022 um 16:13 Uhr
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    Danke, sehr mysteriös. Warum, ja das Warum ist meine Frage. Warum beschäftigen Forscher sich damit, potentiell tödliche Wirkstoffe in unzureichenden Laboren zu bearbeiten. Es erinnert mich an die Romane von Tom Clancy, (Roter Oktober) wovon einer nie veröffentlicht wurde, sondern als » The Division » zu einem Komputer Spiel wurde, welches um die ganze Welt ging und ein riesen Erfolg wurde. Ein Wissenschaftler hat genug von der gewalttätigen korrupten Welt, und setzt für einen Reset einen Virus frei, auf das die Natur entscheidet, wer weiter leben dürfe. Viel Stoff für Spekulationen, zu viele noch offene Fragen betreffen die reale Situation. Ich hoffe auf baldige Klärung, den vielen Verstorbenen steht dies zu.

    0
  • am 20.11.2022 um 01:40 Uhr
    Permalink

    Dann ist es ja offensichtlich, dass das Virus aus dem Labor kam. Vom Gefühl her dachte ich von Anfang an, dass diese Geschichte mit dem Tiermarkt billig erlogen war. Es war ja irgendwie extrem naheliegend dass es vom Virenlabor kam, wenn das genau da in der Gegend war beim Tiermarkt. Es war auch offensichtlich dass die Chinesischen Behörden etwas zu verdecken versuchten, weil die Ermittlerteams lange nicht zugelassen wurden.

    Was ich krass finde, ist dass diese wichtigen Erkenntnisse nirgends in den Medien erwähnt werden. Ich meine wie kann das sein? Ich werde nie verstehen, wieso viele auch sogenannte Experten die Labor-These von Anfang an ausgeschlossen haben. Das ist so absurd. Ich meine es ist doch so naheliegend, dass es vom Labor kam. Wenn die absichtlich mit solchen Coronaviren Experimente gemacht haben und eine schlechte Ausrüstung hatten. Man sieht daran, wie voreingenommen die Berichterstattung vieler Medien bei gewissen Themen ist.
    China ist eine grosse Gefahr für die Welt

    5
    • Favorit Daumen X
      am 20.11.2022 um 17:30 Uhr
      Permalink

      Nehmen Sie zur Kenntnis, dass die USA Teile diese Virenforschung in Wuhan in Auftrag gegeben und finanziert haben. Industrieländer haben die Tendenz, heikle und risikoreiche Forschung in Ländern ausführen zu lassen, wo die Überwachung und die Vorschriften nicht so streng sind wie im eigenen Land.

      1
      • am 20.11.2022 um 18:18 Uhr
        Permalink

        Es ist bekannt, dass mehrere US-Forscher beteiligt waren. Es ist auch bekannt, dass heute Virologen aus allen möglichen Ländern an der Diskreditierung der Laborhypothese beteiligt sind.
        Aber der Staat, der ein solches Labor auf seinem Gebiet erlaubt, hat trotzdem eine besondere Verantwortung. China ist nicht mehr das unwissende Entwicklungsland, das sich von den USA einfach über den Tisch ziehen lässt.

        0
  • am 20.11.2022 um 14:09 Uhr
    Permalink

    Der Bericht ist sehr einseitig.
    Kein Wort darüber, dass die USA am Umbau des Hochsicherheitslabors von Stufe 2 auf Stufe 4 und an den Forschungen mitbeteiligt waren.

    Das US NIH ist für die Entwicklung der Biowaffe C19 verantwortlich, und das ist das Geheimnis, von dem sie nicht zulassen können, dass die Normalbürger es erfahren. Jetzt, da sie die freie Meinungsäußerung auf Twitter nicht mehr kontrollieren können, versuchen sie mit dem „Disinformation Governance Board“, dieses Geheimnis unter Verschluss zu halten.
    Quelle: https://bioclandestine.substack.com/p/proof-c19-was-a-us-nih-creation?utm_source=substack&utm_campaign=post_embed&utm_medium=web

    2
  • am 21.11.2022 um 09:51 Uhr
    Permalink

    Danke für den Artikel. Gruselig!

    0
  • am 22.11.2022 um 00:12 Uhr
    Permalink

    Ob das Virus über einen Zwischenwirt zu uns gefunden hat, lässt sich nach mehr als zwei Jahren nicht mehr nachweisen. Ebenso wenig, ob es aus einem Labor (in Wuhan gibt es noch zweites) entsprungen ist – wie könnten wir auch? Der Untertitel ist insofern irreführend.

    Aus wirtschaftlicher Sicht scheint mir die Laborhypothese passend. Sie nimmt die fürchterliche und riesige Tierindustrie mit Marderhunden, Schleichkatzen usw. aus dem Schussfeld, die sehr vielen Chinesen ein, wenn auch häufig bescheidenes, Einkommen sichert. Bei Sars-Cov-1 konnten genau die erwähnten Tiere als Zwischenwirte ausgemacht werden. Dass durch Sars-Cov-2 diese Industrie nicht in Gefahr oder in Verruf gebracht werden soll, liegt auf der Hand. Es würde unzählige menschliche Existenzen zerstören und den Staat vor Probleme stellen.

    So könnten die Diskussionen um den Laborursprung der chinesischen Führung gar nicht so unpassend kommen und vom wahren Ursprung ablenken.

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