Shopping mit FFP2-Maske

Einkaufen mit Maske: Dass diese Maske nicht überall dicht anliegt, ist auf den ersten Blick erkennbar. © fotoART by Thommy Weiss  / pixelio.de

FFP2-Masken sind «keine Option für die Bevölkerung»

Martina Frei /  Atemschutzmasken bieten «keinerlei Schutz», wenn sie nicht drei Bedingungen erfüllen, warnen Hygienefachleute.

In der Schweiz tragen sie viele aus eigenem Antrieb, in Bayern und Berlin sind Atemschutzmasken (FFP2-Masken) im ÖV, beim Einkauf oder beim Coiffeur sogar vorgeschrieben. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) ist das aus mehreren Gründen aber keine gute Idee.

Sie kritisiert die Verantwortlichen in Berlin und Bayern scharf: «Der Beschluss […] zu einem FFP2-Masken-Tragegebot gefährdet die Bevölkerung.»

Denn diese Masken würden «keinerlei Schutz» bieten, wenn nicht mehrere Bedingungen erfüllt seien, schreibt die DGKH in einer kürzlichen Stellungnahme. Und genau daran hapere es oft.

Die erste Bedingung: Damit die Atemschutzmaske ihren Zweck erfüllt, müsste man sie nach dem Aufsetzen zuerst prüfen, ob sie überall dicht anliegt. Das tun aber die allerwenigsten Laien. Ohne Dichtigkeitstest «sinkt die infektionspräventive Wirksamkeit etwa auf ein Drittel», schreibt die DGKH, weil dann anstatt durch die Maske durch die undichten Stellen geatmet wird. «Studien haben gezeigt, dass unter Realbedingungen ein hoher Anteil an Leckagen auftritt», fügt sie hinzu.

Vier FFP2-Masken sind laut Test «geeignet»

Die «Stiftung Warentest» in Berlin hat zum zweiten Mal FFP2-Masken getestet. Vier Masken beurteilten die Tester als geeignet: Die die «3M Aura 9320+» von 3M, die «Lindenpartner FFP2 partikelfiltrierende Halbmaske NR LP2», die «FFP2 NR D 2400+ Classic» von Moldex und die «FFP2 NR silv-Air lite 4200» von Uvex. «Alle vier schützen sehr gut vor Aerosolen, bieten genug Atem­komfort, über­zeugen in Pass­form und Dichtig­keit und schneiden unauffäl­lig in der Schad­stoff­prüfung ab», bilanziert die Stiftung Warentest. Infosperber berichtete bereits über den ersten Test der Stiwa.

Für ältere Menschen nicht machbar

Masken, die mit Bändeln hinter dem Kopf befestigt würden (oben am Hinterkopf und im Nacken), sitzen dichter als solche, die hinter den Ohren befestigt werden.

Zweitens sollte die Maske der Gesichtsform angepasst sein. Es brauche eine Auswahl von etwa fünf verschiedene Maskentypen, um die bestmögliche zu finden, so die DGKH. Blickt man sich aber zum Beispiel auf Schweizer Bahnhöfen um, ist bei den Reisenden mit FFP2-Maske überwiegend nur ein Typ im Gebrauch, der an einen Kaffeefilter erinnert.

Drittens seien weder ältere Menschen noch Kinder oder Personen mit Atemwegserkrankungen in der Lage, die erhöhte Atemarbeit zu leisten, die beim Tragen einer dichtsitzenden FFP2-Maske nötig ist.

Nur bei korrekter Anwendung, betont die DGKH, übertreffe die Wirksamkeit der FFP2-Masken im Allgemeinen jene des chirurgischem Mund-Nasen-Schutzes.

Das BAG riet anfangs von FFP2-Masken für die Bevölkerung ab. Inzwischen erachtet es die Atemschutzmasken als «für den privaten Gebrauch nicht notwendig». Denn : «In Alltagssituationen schützen Atemschutzmasken […] nicht unbedingt besser als Hygiene- oder Community-Masken.»

Undichte Masken auch im Spital

Als sich auf der Intensivstation in einer deutschen Klinik kurz nacheinander vier Mitarbeiter mit Covid-19 infizierten, nahmen Hygieniker die Station in Augenschein. Die «Blickdiagnose» ergab, dass «bei mindestens 60 Prozent der Mitarbeiter entweder die FFP2-Maske nicht zur Gesichtsform passte oder aus anderen Gründen undicht getragen wurde. […] Die bis dahin allseits angenommene Vermutung, dass sich die Mitarbeiter nach jahrelanger Nutzung von FFP2- und FFP-3-Masken mit deren Handhabung auskennen, war somit grundlegend falsch», heisst es in der Fachzeitschrift «Hygiene & Medizin».  

Bei fünf Angestellten führten die Hygieniker eine Dichtigkeitsprüfung durch. Dabei stülpte sich der FFP2-maskentragende Mitarbeiter eine Haube über den Kopf. In diese Haube wurde Zucker geblasen. Alle fünf Mitarbeiter schmeckten den Zucker sofort. Das beweist, dass «über Leckagen geatmet wurde». 

Als Qualitätsmerkmal gilt bei Atemschutzmasken die Norm DIN EN 149. Sie verlangt unter anderem, dass diese Maske bei acht von zehn Testpersonen dicht sein muss. Das sei in der jetzigen Situation im Gesundheitswesen jedoch nicht mehr tolerabel, findet die DGKH. Denn es bedeute, dass man bei 20 Prozent der Mitarbeiter eine potentielle Infektion in Kauf nehme, sofern kein Impfschutz bestehe.

Weiterführende Informationen

  • Weitere Artikel zum Thema FFP2-Masken auf Infosperber hier und hier.

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Keine
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8 Meinungen

  • am 3.08.2021 um 09:54 Uhr
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    Dazu kommt noch: Viele setzen die Maske ganz gezielt so auf, dass sie nicht dicht ist. Weil dann das Atmen leichter fällt 😉
    Warum nicht einfach aufhören mit der Maske im Alltag?

    1
  • am 3.08.2021 um 11:18 Uhr
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    1) Spital-Personal trägt bei Operationen Masken, um Patienten vor Keimen zu schützen, die die Mediziner aus atmen. Nennen wir das den «aktiven Schutz», andere vor den eigenen Keimen zu bewahren.
    Im Bereich von Mund und Rachen eines gesunden Mensch gibt es andauernd vielerlei Keime, die aber bei diesem nicht überhand nehmen und auch nicht bei gesunden Mitmenschen, wenn sie der aus geatmeten Luft von anderen aus gesetzt sind. Bei Patienten, die durch eine Krankheit geschwächt sind, ist das manchmal anders, aber v.a. im Bereich einer offenen Wunde bei einer Operation. Da könnten üblicher Weise harmlose Keime unverhofft eine Infektion auslösen. Masken des medizinischen Personals sollen die Patienten vor einer solchen Gefahr schützen.
    Gesichts-Masken bremsen die Geschwindigkeit der vom Träger aus geatmeten Luft samt den Keimen, die diese enthalten mag. Sie sollen verhindern, dass ein konzentrierter Strom solcher Luft zum Patienten gelangt. Die durch die Masken abgebremste ausgeatmete Luft und die darin enthaltenen Keime gelangen letztlich dennoch in die Atmosphäre der unmittelbaren Umgebung. Masken aus Textilien wirken wie ein feinmaschiges Gitter, oder falls das verwendete Material der Masken völlig dicht ist, z.B. aus Plastik oder Leder, wird die Atem-Luft über den Rand- Bereich der Maske mit der Umgebung ausgetauscht.

    0
  • am 3.08.2021 um 14:13 Uhr
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    Das dürfen wir dem BAG hoch anrechnen, dass sie uns keine FFP2 Masken aufgezwungen haben. Undichte Masken schützen zwar nicht vor Viren, bringen dafür umso mehr Sauerstoff in die Lungen. Ausreichender Sauerstoff ist lebenswichtig, vor allem auch für’s Gehirn. Im normalen Leben ist man kaum einer gefährlichen Konzentration von Viren ausgesetzt, deshalb würde ich den Sauerstoff priorisieren und eine möglichst luftdurchlässige Maske bevorzugen.

    0
  • am 3.08.2021 um 18:03 Uhr
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    Professionelle FP98 (FP3) Masken mit Filter schützen knapp einen Tag lang und haben kein Problem mit der Durchlässigkeit. Man kann diese Masken, gemäss Italienenischer Studie, auch Zuhause mehrfach regenerieren (Backofen, Dampfgarer) bei 60..70C.
    Chirurgische Masken bieten maximal 20% Schutz, real gegen feine Aerosole eher 5..20% und müssten alle 2 Stunden gewechselt werden. Man kann sie aber auch regenerieren. Die CH Version von FP2 ist, wie der Artikel sagt, für die meisten Nonsens, da sehr anstrengend beim Atmen und schlecht sitzend. Auch der Schutz vor feinsten Aerosolen ist im Schnitt nicht wesentlich besser bloss bis 4x länger.
    FP98(FP3) heisst 2% der feinsten Partikel kommt durch. Bei 50% z.B. bei FP2 sind es dann noch immer 25x mehr. Bei 80% 10x mehr.
    Bitte nicht irre leiten lassen vom Deutschen Testresultat das sagt 99% der Partikel wurden zurückgehalten. Hier wird nicht zwischen feinen und ultra feinen Partikeln unterschieden.
    Wie ein guter = «medizinisch korrekter» Test streut kann in https://www.hse.gov.uk/research/rrpdf/rr619.pdf eingesehen werden.
    Hier gab es bis zu 100x Differenz zwischen FP3/FP2.
    Daher im Gedränge eine richtige Maske (FP3,FP98) tragen oder eben verzichten.

    0
  • am 4.08.2021 um 14:16 Uhr
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    Haben wir das Aufwärmen des ach so spannenden Themas „Welche Maske ist die richtige“ etwa der Sauregurkenzeit zu verdanken?
    Da steuere ich doch gerne auch noch meine Weisheit bei: Die Sauerstoffzufuhr ist für menschliche Wesen ohne Zweifel optimal, wenn sie im Alltag auf’s Maskentragen verzichten.
    Aber eben: Selber denken, verhältnismässig handeln, Verantwortung übernehmen, diese Fähigkeiten werden den Menschen hierzulande seit nun anderthalb Jahren abgesprochen. Dass uns die „richtige“ FP- Sowieso – Maske nicht auch noch, wie andernorts, behördlich aufgezwungen wurde, tröstet mich da nicht wirklich.

    0
  • am 4.08.2021 um 14:25 Uhr
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    Endlich wird dies gesagt! Die Studie Van der Sande et al. 2008 https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0002618 misst Partikel zwischen 0.02 µm to 1 µm bei Masken an richtigen Gesichtern beim Ein- und Ausatmen, Sie sind allerdings gut angepasst. Es zeigen sich grosse Unterschiede zwischen Ein- und Ausatmen, weil der Atmendruck (bis über 50 Pascal, eigene Messung) die Maske beim Ausatmen gegen die schwachen Gummibänder abhebt, beim Einatmen jedoch anzieht und besser dichtet. So wird bei FFP2-Masken grob ein Eigenschutzfaktor von durchschnittlich100 gemessen, beim Ausatmen jedoch nur 3. (Für Chirogenmasken aber schlechtere Werte, 5 bzw. 2).
    D.h. man *kann* sich schützen wenn man will und sitzt (längeres Treppensteigen geht bei mir z.B.nicht, zu viel Atemwiderstand), aber gerade sehr alte Menschen dürften Schwierigkeiten haben.
    @Heierli: mache ich auch manchmal: ein Korken hebt die FFP2-Maske unten ab ohne dass es sichtbar ist, für bessere Atmung/weniger Brillenbeschlag dort wo der Schutz nicht nötig ist.

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  • am 4.08.2021 um 14:54 Uhr
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    Zitat 2. Kasten:
    «Undichte Masken auch im Spital
    Als sich auf der Intensivstation in einer deutschen Klinik kurz nacheinander vier Mitarbeiter mit Covid-19 infizierten, nahmen Hygieniker die Station in Augenschein.[…]»
    Frage: Sind diese 4 Mitarbeiter bei einem Test «aufgeflogen» oder sind sie erkrankt?

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  • am 4.08.2021 um 18:58 Uhr
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    Ist ja lustig, jetzt scheinen alle vorherigen «Massnahmen» nichts mehr zu nützen. Nur noch Impfung als Wunder – Allerheilmittel. Und zuerst hiess es, eine Impfung genügt, dann zwei, nun schon bei drei, dann für spätere Muh-Tanten noch weitere. Unendliche Geschichte und die Hersteller schrauben die Gewinnziele schön weiter rauf:

    https://www.srf.ch/news/wirtschaft/pfizer-schreibt-hohe-gewinne-impfstoffe-sind-der-neue-goldstandard

    Scheinbar hat man aus der Schweinegrippezeit nichts dazugelernt:

    https://www.bukopharma.de/images/pharmabrief/Pharma-Brief_Archiv/2012/Phbf2012_06_07.pdf

    In Medinside stand am 15 Juli:
    Frage an das BAG:
    «Die in der Schweiz verwendeten mRNA-Impfstoffe sollen hochwirksam gegen die Delta-Variante sein. Wie sicher sind diese Daten?»

    Antwort BAG:
    «Für Fragen zur Datenqualität müssen wir Sie an die Impfstoffhersteller verweisen.»

    https://www.medinside.ch/de/post/covid-wird-mit-der-delta-mutation-angst-geschuert

    Die Impfhersteller werden sicher schön brav die Wahrheit sagen, da gibt es ja nur ehrliche, vertrauenswürdige Leute – wie damals bei der Schweinegrippe.

    In Netanjahus Land Israel, dem Impfweltmeister, brennt’s schon wieder:

    https://www.oe24.at/coronavirus/trotz-impf-rekord-corona-zahlen-in-israel-explodieren/484017836

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