Absurde Früherkennung bei Senioren

upg © Peter Mosimann

upg /  Bei über 65-Jährigen kann Krebsvorsorge mehr schaden als nützen. Extrem: Gebärmutterabstrich ohne Gebärmutter.

Ein Drittel aller Abstriche des Gebärmutterhalses bei Frauen im Alter von über 65 machen Ärzte bei Frauen, die schon seit Längerem gar keine Gebärmutter mehr haben. Diese «Früherkennung» oder «Vorsorge» ist deshalb absurd.
Das Fachblatt «JAMA» hat eine Erhebung der «University of North Carolina» bei 27’000 Frauen und Männern in den USA im Alter von über 65 Jahren publiziert. Neben Gebärmutterabstrichen wurden die Teilnehmenden zu etlichen weiteren Screenings zur «Früherkennung» befragt. Im hohen Alter machen solche Screenings meistens keinen Sinn, sondern können bei Betroffenen unnötige Angst erzeugen und zu unnötigen Behandlungen führen. Weil diese Seniorinnen und Senioren bis zu ihrem Tod nie etwas von ihrer «Krankheit» bemerkt hätten.
Rund die Hälfte der Teilnehmenden im Alter von 65 bis 85 haben Ärzte zur «Früherkennung» oder «Vorsorge» auf eine bestimmte Krebsart untersucht, obwohl die Betroffenen eine Lebenserwartung von nur noch wenigen Jahren hatten, und obwohl solche Tests in diesem Alter von Fachgesellschaften nicht empfohlen werden.
«Wir haben ziemliche Bedenken, dass es bei älteren Menschen zu einem massiven ‹Über-Screening› kommt», erklärte Trevor Royce von der «University of North Carolina» im «JAMA». Denn zu häufiges Screening führe nicht nur zu unnötigen Kosten, sondern «schädigt auch die Patientinnen und Patienten».
Eine weitere Studie ebenfalls im «JAMA» zeigt auf, dass häufigere Darmspiegelungen bei älteren Menschen keine Vorteile bringen. Darmspiegelungen sind von 55 bis 75 einmal alle zehn Jahre empfohlen, sofern die Befunde gut sind.


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Zum Infosperber-Dossier:

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Sinn und Unsinn der Früherkennung

Je früher man Risikofaktoren entdecken kann, desto mehr Menschen werden «krank» und ohne Nutzen behandelt.

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