Spitalbett

Anhand der Abrechnungen von deutschen Spitälern liess sich ermitteln, wie oft Personen mit Impf-Nebenwirkungen behandelt wurden. © Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Impf-Nebenwirkungen: Deutlich mehr Hospitalisationen

Martina Frei /  Krankenhausdaten zeigen, dass nach Covid-Impfungen viel öfter Nebenwirkungen behandelt wurden als sonst nach Impfungen üblich.

Im Februar meldete sich die deutsche Krankenversicherung «BKK ProVita» zu Wort: Bei ihren Versicherten wurden weit mehr ärztliche Behandlungen wegen Covid-Impfnebenwirkungen abgerechnet als aufgrund der offiziellen Zahlen zu erwarten gewesen wären. Infosperber berichtete darüber.

Die «BKK ProVita» schlug vor, dass andere Krankenversicherungen ebenfalls ihre Versichertendaten auswerten und sie dem «Paul-Ehrlich-Institut» (PEI) zur Verfügung stellen, das in Deutschland fürs Erfassen von Impfnebenwirkungen zuständig ist. Doch das geschah anscheinend nicht. Stattdessen wurde am 1. März Andreas Schöfbeck, der Vorstand der «BKK ProVita» gefeuert, der auf die mutmassliche Untererfassung von Impf-Nebenwirkungen aufmerksam gemacht hatte.

Die Auswertung der «BKK ProVita» lasse ausser Acht, wie schwer die Nebenwirkungen waren, und deshalb sei die Analyse nicht sehr aussagekräftig, monierten Kritiker. Inzwischen gibt es jedoch weitere Analysen. 

Spitaldaten ausgewertet

Das deutsche «Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus» (InEK) veröffentlicht regelmässig Daten zu stationären Krankenhausleistungen. Diese Daten wurden nun im Hinblick auf vier Diagnosecodes zur Erfassung von Impfnebenwirkungen ausgewertet und mit den Vorjahren verglichen. Nachzulesen ist alles auf der Website www.coronadatenanalyse.de.

Josef Hunkeler, der langjährige Gesundheitsspezialist des Preisüberwachers, hat die Auswertung für Infosperber geprüft. «Die Anzahl der Personen, die mit Impfnebenwirkungen hospitalisiert wurden, ist im Jahr 2021 offenbar massiv angestiegen», stellt Hunkeler fest. «Auch die bezahlten Kosten für die Behandlung von Nebenwirkungen sind zweifellos signifikant angestiegen.»

Wenn es zu einer Spitaleinweisung kommt, ist die Erkrankung sehr wahrscheinlich nicht banal. Noch ernster ist sie, wenn der oder die Patientin auf eine Intensivstation verlegt wird. Die Auswertung zeigt für beides eine deutliche Zunahme im Jahr 2021 – und zwar weit mehr, als allein aufgrund der höheren Anzahl an Impfungen zu erwarten gewesen wäre.

Grafik Impfnebenwirkungen Hospitalisationen
Anzahl der hospitalisierten Patienten, bei denen unter den Diagnosecodes eine Impf-Nebenwirkung genannt wurde. Gemäss der Auswertung wurden in Deutschland im Jahr 2021 wegen der Corona-Pandemie 4,2-mal so viele Impfdosen verabreicht wie im Jahr 2020. Hätten die Covid-Impfungen im gleichen Mass zu Nebenwirkungen geführt wie die sonst üblichen Impfungen, wäre eine Nebenwirkungsrate etwa auf der Höhe der gestrichelten Linie zu erwarten gewesen. Die tatsächliche Zahl der Hospitalisationen mit einem Code für eine «Impf-Nebenwirkung» war dieser Auswertung zufolge aber bedeutend höher. Screenshot von der Website www.coronadatenanalyse.de

23’233-mal wurden demnach im Jahr 2021 in Deutschland Personen mit der Diagnose Impfnebenwirkung hospitalisiert, wobei die Daten für das Jahr 2021 zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht vollständig erfasst waren. Die durchschnittliche Verweildauer im Spital betrug 4,3 Tage pro Person. Wurde jemand mehrfach hospitalisiert oder in ein anderes Spital verlegt, dann wurde diese Person auch mehrmals erfasst.

Deshalb lassen sich diese Zahlen nur in etwa mit denen vergleichen, die dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeldet wurden. Das PEI berichtete für das Jahr 2021 von 29’786 Verdachtsfällen von schwerwiegenden, unerwünschten Reaktionen nach Covid-Impfungen, bei fast 149 Millionen verabreichten Impfdosen. Das ergibt einen schwerwiegenden Verdachtsfall auf etwa 5’000 verabreichte Impfungen beziehungsweise pro circa 2’500 geimpfte Personen (bis in den Spätsommer/Herbst 2021 galten für alle, die noch keine Sars-CoV-2-Infektion hatten, zwei Impfdosen als vollständige Impfung). Zur Anzahl der Hospitalisationen machte das PEI keine Angaben.

Die Autoren berücksichtigten, dass mehr Impfdosen gespritzt wurden

Die gestrichelte Linie in der Grafik gibt an, wie viele Impfnebenwirkungen zu erwarten gewesen wären, wenn die Nebenwirkungsrate so ausgefallen wäre wie im Jahr 2020, als es noch keine Covid-Impfung gab. 2020 wurden in Deutschland 47,3 Millionen Impfdosen gegen Grippe, Masern, Keuchhusten und weitere Krankheiten verabreicht.

Im Jahr 2021 wurden schätzungsweise erneut 47,3 Millionen Impfdosen gegen verschiedene Infektionen wie Masern usw. verimpft, plus zusätzlich 149 Millionen Impfdosen gegen Covid-19. Bei ihren Berechnungen berücksichtigten die Autoren diese im Jahr 2021 rund 4,2-mal höhere Zahl an sämtlichen Impfdosen. Im Zusammenhang mit den Covid-Impfstoffen kam es also zu deutlich mehr Hospitalisationen und Aufenthalten auf Intensivstationen als dies sonst nach anderen Impfungen der Fall war. Auf der Website www.coronadatenanalyse.de sind die Daten auch nach Alter und Geschlecht aufgeschlüsselt.

Grafik Impfnebenwirkungen Intensivaufenthalte
Dieselbe Auswertung wie oben, hier aber nur in Bezug auf die intensivmedizinisch behandelten Personen, bei denen bei den Diagnosecodes eine Impf-Nebenwirkung genannt wurde. Die gestrichelte Linie gibt wieder die Zahl an, die zu erwarten gewesen wäre, wenn die Covid-Impfungen im gleichen Mass zu Nebenwirkungen geführt hätten wie die sonst üblichen Impfungen. Screenshot von der Website www.coronadatenanalyse.de

Diskrepanz bei der Anzahl der Todesfälle

282-mal gaben die Ärzte im Jahr 2021 bei einem Todesfall in einem deutschen Spital den Diagnosecode «Impfnebenwirkung» an. Das ist rund zehn- bis vierzehnmal soviel wie in den beiden Vorjahren, obwohl im Jahr 2021 «nur» 4,2-mal so viele Impfdosen verabreicht wurden. Fast die Hälfte dieser Todesfälle nach der Covid-Impfung betrafen «Risikopersonen» oder hochbetagte Menschen.

Zum Vergleich: Das Paul-Ehrlich-Institut bewertete im gleichen Zeitraum nur in 85 Todesfällen (von 2’255 Verdachtsfallmeldungen) den Zusammenhang mit der Covid-Impfung als «möglich oder wahrscheinlich» – also deutlich seltener als die Spitalärzte. 

Mehr Krankmeldungen nach Covid-Impfung als nach Sars-CoV-2-Infektion

Der Informatiker Tom Lausen, der im Auftrag der «BKK ProVita» Daten von Versicherten analysierte, betrachtete auch die Anzahl der ärztlich bescheinigten Krankmeldungen. 

Die Auswertung ergab, «dass für das gesamte Jahr 2021 insgesamt 136’609 BKK-Versicherte 383’170 Arbeitsunfähigkeitstage im Zusammenhang mit den kodierten Impfnebenwirkungen/Komplikationen ärztlich bescheinigt bekamen», schreibt Lausen in einer Stellungnahme zu Handen des deutschen Bundestags. Seine Bilanz: Die Anzahl der Tage, für die eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wegen Impfnebenwirkungen durch Covid-19-Impfstoffe ausgestellt wurde, war somit höher als die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage bei Versicherten, die positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden.

Todesfall am Kantonsspital St. Gallen: Kein Zusammenhang mit Impfung

Letzten Oktober starben innert zwei Tagen zwei 17-jährige Jugendliche, die am Kantonsspital St. Gallen in Ausbildung waren. Eines der beiden Mädchen wurde obduziert. Gemäss der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen starb die Lehrtochter an einer natürlichen Todesursache: «Ein Zusammenhang zwischen der mehrere Monate zuvor erfolgten Impfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 und dem Todeseintritt lasse sich nach derzeitigem medizinischen Wissensstand nicht ableiten. Der Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen wurde nur der Tod einer Lehrtochter gemeldet. Vom zweiten Todesfall haben wir keine Kenntnis», teilte der Medienbeauftragte mit.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

Coronavirus_1

Coronavirus: Information statt Panik

Covid-19 fordert Behörden und Medien heraus. Infosperber filtert Wichtiges heraus.

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7 Meinungen

  • am 25.03.2022 um 15:17 Uhr
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    Sanktionen gegen ehrliche und verantwortungsbewusste Institutionen und Menschen – auch Whistleblower – gehören zu unserem «freiheitlich-demokratischen» System, dessen «Werte» vor allem die USA in alle Welt verbreiten wollen und das sich angeblich von allen Diktaturen unterscheidet. Ich erinnere nur an die wackeren Frankfurter Steuerfahnder, die Mitte der 90er Liechtensteiner Konten und die Machenschaften der Commerzbank aufdeckten. Ergebnis: mehr als ein Dutzend von ihnen wurde versetzt, vier wurde vor Gericht eine «paranoid-querulatorische Entwicklung» resp. eine «Anpassungsstörung» attestiert. Oder denken wir an den ehemaligen Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Peter Sawicki, der sich mit der allmächtigen Pharmaindustrie anlegte und gehen musste. Es gibt Dutzende solcher Beispiele und wir glauben noch an Pressefreiheit und den Weihnachtsmann.

    2
  • am 25.03.2022 um 16:30 Uhr
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    Wann befassen wir uns endlich mit der Situation in der Schweiz? Zahlen sind schwer zu finden im Vergleich zum Ausland. Der Ball wird hier auffallend flach gehalten. Alles scheinbar ruhig, keine Probleme, keine Nebenwirkungen, alles safe und gut. Die Spitäler haben scheinbar ihr möglichstes getan, alles sind sich einig, Friede Freude Eierkuchen. Wer beginnt, an der Oberfläche zu kratzen, begegnet Worlauten, Formulierungen, Inhalten, die auffallend bis alarmierend sind. «Kaum nennenswerte Nebenwirkungen», während gerade der erste Teil der Pfizer Dokumente veröffentlicht wurde. Ein Behandlungsprotokoll der Schweizer Taskforce, dass allen Ernstes erst bei den schwerwiegenden Fällen (hospitalisiert und evtl. IPS) einsetzt mit Remdesivir und Dexamethason. Man muss ein gesundes Selbstvertrauen haben oder solide Rückendeckung, um Methoden zu proklamieren, die fern ab der wirklichen «best practices» sind. Von Prävention und Frühbehandlung ganz zu schweigen. Es riecht nach Sumpf bei uns.

    2
  • am 25.03.2022 um 19:14 Uhr
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    Dieser Artikel überzeugt mich nicht. Wenn ich die Berichte richtig verstanden habe, wurde nie nach Hauptdiagnose “Impfnebenwirkung“ und einer solchen unter „weitere Diagnosen“ differenziert. Damit eine Impfnebenwirkung zu einem Intensivfall ausartet, also zur Hauptdiagnose würde, müssten ja schwerste internmedizinische Krankheitsbilder aufgetreten sein: Herzinfarkt, akutes Nierenversagen, Lungenembolie, Infekte mit Multiorganversagen usw. Ein solcher Zusammenhang wurde offensichtlich nicht nachgewiesen. Wie wir aber wissen, ist noch nie eine Impfung derart umstritten gewesen und für Nebenwirkungen verdächtigt worden. Ist es nicht denkbar, dass deshalb bei jedem Infarkt-Patienten und jeder Lungenembolie-Patientin unter den Nebendiagnosen die Covid-Impfung aufgeführt wurde, wenn sie in den letzten paar Wochen erfolgt ist? Also viele internmedizinische Notfälle ein „Status nach Covid-Impfung“ als Nebendiagnose erhielten? Das würde den Spike in der Grafik mit Leichtigkeit erklären,

    6
    • am 26.03.2022 um 09:55 Uhr
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      Das erinnert irgendwie an die Anekdote, welche mir eine befreundete Apothekerin erzählte.

      An ihren Verkaufszahlen könne sie feststellen, welche Pharma-Ärtzeberater gerade in ihrer Gegend tätig seien. Diabetes Tests hingegen wären v.a. in der Erntezeit der Trauben sehr beliebt.

      Werden Diagnosen auf der Basis der öffentlichen Diskussion, oder auf der Basis therapeutischer Kriterien erstellt ?

      0
    • am 26.03.2022 um 10:55 Uhr
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      Es trifft schon zu, dass noch zu wenig verlässliche Daten vorliegen. Soll das etwa ein Grund sein, die Nachforschungen einzustellen, so wie das viele an der Impfkampagen beteiligte gerne hätten?
      Ihre Argumentation, dass viel zu viele gesundheitliche Probleme nun einfach als Impfnebenwirkungen deklariert wurden, weil die Impfung so umstritten war, überzeugt mich nicht. Nur schon Beobachtungen in meinem eigenen Umfeld zeigen, dass diese Impfung mehr Nebenwirkungen hat als normal.

      Und nie vergessen: Grosse Teile der medizinischen Fachwelt sind in hohem Masse befangen. Sie haben die Impfung kategorisch befürwortet. Sie haben sie auch für junge, gesunde Leute befürwortet. Sie haben sich dafür ausgesprochen, erheblichen Druck auf die Bevölkerung auszuüben. Ihr Verhalten würde sehr stark in Frage gestellt, wenn sich zeigen sollte, dass die Nebenwirkungen doch nicht ganz so harmlos waren. Viele Leute haben ein handfestes Interesse daran, dass die Corona-Impfung weiterhin als sicher gilt.

      1
  • am 26.03.2022 um 08:36 Uhr
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    Das erschreckende ist, dass man bei dieser neuartigen Impfung, für die man allen ernstes über eine Impfpflicht diskutiert, offenbar nicht bereit oder fähig ist, alle Daten zu Nutzen und Nebenwirkungen zu erfassen. Wieso?

    1
  • am 26.03.2022 um 13:57 Uhr
    Permalink

    Danke, dass sie weiterhin Aufmerksam bleiben. Sollte der Ukraine-Konflikt aufgrund einer Verhandlungslösung aus den Schlagzeilen verschwinden, was bitte bald geschehen mag, ich bin mir (fast) sicher, das Corona-Thema wird bei uns sofort wieder in bekannter, oberflächlicher Manier frisch aufgelegt. Neue Mutationen, unbeachtete Experten usw. warten auf ein Comeback. Aber vielleicht haben wir in 3 Monaten wieder ein «neues Problem» ..

    0

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