Herzrhythmusstörungen: Höhere Kaliumwerte halfen in Studie
Kalium ist ein lebenswichtiger Mineralstoff. Es ist zum Beispiel nötig, damit Muskeln und Nerven funktionieren, wie sie sollen, und es kann den Blutdruck senken – aber die Konzentration in den Körperzellen muss stimmen.
«Die Ernährung unserer Vorfahren war reich an Kalium und arm an Natrium, mit einem Verhältnis bis zu 10:1. Dieses Verhältnis hat sich in der modernen westlichen Ernährung deutlich verändert auf weniger als 1:2», schrieben dänische Ärzte kürzlich im «New England Journal of Medicine». Dort berichteten sie von ihrem Experiment mit Herzkranken. Ausgangspunkt war eine Beobachtung: Ist der Kaliumwert zu tief, steigt bei Patienten mit Herzschwäche das Sterberisiko.
Herzrhythmusstörungen und Muskelschwäche – inklusive des Herzmuskels – sind mögliche lebensgefährliche Folgen eines Kaliummangels. Er kann durch Medikamente (zum Beispiel entwässernd wirkende Blutdrucksenker) begünstigt werden, aber auch infolge starken Durchfalls, bei schwerem Erbrechen oder durch übermässig viel Abführmittel auftreten.
Eine von 13 Personen profitierte innert fünf Jahren
Die dänischen Mediziner wollten herausfinden, ob es Patienten mit einem hohen Risiko für Herzrhythmusstörungen nützt, wenn der Kaliumwert im Blut leicht angehoben wird. Innerhalb von fünf Jahren habe etwa eine von 13 Personen davon profitiert, lautet das Fazit ihrer Studie.
Rund 1200 herzkranke Patienten mit einem implantierten Defibrillator oder einem speziellen Herzschrittmacher (Resynchronisationssystem) nahmen an dem Versuch teil. Eine Hälfte der Teilnehmenden wurde wie üblich behandelt. Die andere Hälfte sollte sich kaliumreich ernähren und erhielt bei Bedarf Kaliumtabletten und/oder ein Medikament, das den Kaliumwert anhebt.
Normal sind (je nach Messmethode) Kalium-Blutwerte von circa 3,5 bis 5 Millimol pro Liter (mmol/l). Zu Beginn des Versuchs lag der Kaliumwert bei den Teilnehmenden im Durchschnitt bei 4,0. In der Gruppe, die wie gewohnt behandelt wurde, blieb er auch so. In der Versuchsgruppe hingegen stieg der Kalium-Durchschnittswert im Blut auf 4,36 mmol/l.
Unerwünschte Ereignisse gezählt und verglichen
Die Ärzte zählten, wie oft es bei den Versuchsteilnehmern zu rasendem Herzschlag kam, wie oft ihr Defibrillator ansprang, weil das Herz nicht mehr richtig schlug, wie häufig sie wegen Herzrhythmusstörungen oder Herzversagen hospitalisiert wurden und wie viele Personen aus irgendeinem Grund starben.
Egal ob Herzrhythmusstörungen, Hospitalisationen, Gesamttodesfälle – die «Kalium-Gruppe» stand in fast allen Punkten besser da als die Gruppe mit Standardbehandlung. Teilweise war dies sogar statistisch signifikant, also vermutlich nicht mit blossem Zufall erklärbar, wobei Suggestiveffekte nicht völlig auszuschliessen sind, weil die Studienteilnehmenden und ihre Ärzte wussten, zu welcher Versuchsgruppe die Patienten gehörten.
In der wie üblich behandelten Gruppe kam es jährlich pro 100 Personen bei 9,6 zu irgendeinem der genannten unerwünschten Ereignisse. In der Gruppe mit etwas höherem Kaliumwert waren nur 7,3 pro 100 Personen und pro Jahr davon betroffen.
Die möglichen Nachteile
Insbesondere ungeplante Hospitalisationen wegen Herzrhythmusstörungen waren bei etwas höheren Kaliumwerten seltener. Dies passierte im Verlauf der im Mittel 40-monatigen Beobachtungszeit rund sieben Prozent der Patienten in der «Kalium-Gruppe», aber etwa elf Prozent der Vergleichsgruppe. Auch Herzrasen war bei leicht höheren Kaliumwerten seltener und der Defibrillator musste ebenfalls weniger oft einspringen.
Ein möglicher Nachteil der etwas höheren Kaliumwerte: In der Versuchsgruppe wurden ein wenig mehr Teilnehmende wegen zu hohen Kaliumwerten oder wegen Nierenversagen hospitalisiert (insgesamt 2,8 Prozent; in der Standard-Behandlungs-Gruppe waren es nur 1,7 Prozent).
Unter dem Strich schien diese sehr preiswerte Behandlung den Patienten in der Studie aber klare Vorteile zu bringen.
Vorsicht bei Nierenschwäche
Um den Kaliumwert medikamentös anzuheben, braucht es ärztliche Begleitung. Denn Kaliumtabletten sind mit gutem Grund rezeptpflichtig: Eine Kaliumvergiftung kann mit tödlichen Herzrhythmusstörungen enden. Gefährdet sind insbesondere Menschen, deren Nieren nicht mehr gut funktionieren, weil sie ein Übermass an Kalium nicht mehr mit dem Urin ausscheiden können, wie dies bei Nierengesunden der Fall ist. Personen mit stark reduzierter Nierenfunktion durften deshalb nicht an der Studie teilnehmen. Herzschwäche, Diabetes und bestimmte Medikamente (zum Beispiel gebräuchliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Blutdrucksenker vom Typ ACE-Hemmer) können ein Zuviel an Kalium ebenfalls begünstigen.
Wie gut die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer den Ernährungsempfehlungen folgten, haben die Ärzte nicht überprüft. Mehr Gemüse zu essen, ist aber nicht bloss für den Kaliumwert gut und wird in der Regel nicht schaden. Kaliumreich sind zum Beispiel Kartoffeln, Tomaten, Spinat, Bananen und andere pflanzliche Lebensmittel sowie Vollkornmehl aus Dinkel, Roggen oder Buchweizen. Weil beim Kochen viel Kalium ins Kochwasser «wandert», kann dieses für Suppen oder Saucen weiterverwendet werden. Eine Kaliumvergiftung über das Essen ist im Normalfall nicht möglich, weil der Körper dafür sorgt, dass der Kaliumwert nicht zu hoch steigt. Aufpassen müssen aber eben zum Beispiel Personen mit starker Nierenschwäche. Im Zweifelsfall: Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Apotheker.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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