Junge Frau mit Antibaby-Pille

Viele junge Frauen greifen regelmässig zu Schmerzmitteln. © Syda_Productions / Depositphotos

Anti-Baby-Pille + Schmerzmittel = erhöhtes Lungenembolie-Risiko

Martina Frei /  Frauen, die bestimmte Hormonpräparate und Schmerzmedikamente wie Ibuprofen nehmen, haben markant mehr Embolien.

Ibuprofen zählt zu den gebräuchlichsten Schmerzmedikamenten. Ein Nachteil dieses Medikaments ist, dass es die Blutgerinnung fördern und zu Venenthrombosen und Lungenembolien führen kann – genau wie viele Anti-Baby-Pillen. In Kombination potenziert sich dieses Risiko, wie eine dänische Studie ergab. Die Rate an Lungenembolien stieg dann deutlich. 

Von den Frauen, die eines der «Hochrisiko»-Verhütungsmittel* benützten, hatten pro Jahr rund 11 von 10’000 eine Lungenembolie. Nahmen sie zusätzlich einen sogenannten nicht-steroidalen Entzündungshemmer (NSAR) wie zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen ein, erlitten 122 von 10’000 eine Lungenembolie. 

Diese nicht-steroidalen Entzündungshemmer werden zum Beispiel gegen Migräne eingesetzt. Ibuprofen zählt in der Schweiz zu den fünf meistbezogenen Medikamenten. Laut dem Helsana-Arzneimittelreport wurde dieses Schmerzmedikament 2021 hierzulande über 2,7-millionenmal bezogen. Die Altersgruppe, die im Verlauf eines Monats oder eines Jahres am häufigsten zu Schmerzmitteln greift, sind laut dem deutschen Suchtsurvey 2021 die 25- bis 29-jährigen Frauen (bei der täglichen Einnahme sind es die Senioren ab 60 Jahren).

In der Woche mit Schmerzmitteleinnahme kam es zu mehr Embolien

Laut der im «British Medical Journal» veröffentlichten Studie kam es in einer Woche mit NSAR-Einnahme unter 100’000 Frauen im gebärfähigen Alter statistisch zu vier zusätzlichen Lungenembolien, verglichen mit einer Woche ohne die genannten Schmerzmittel. 

Bei Frauen, die eines der erwähnten Schmerzmittel einnahmen und zusätzlich mit einem «Hochrisiko»-Hormonpräparat verhüteten, kam es statistisch zu 13 (Naproxen), 25 (Ibuprofen) beziehungsweise 28 (Diclofenac) zusätzlichen Lungenembolien pro 100’000, verglichen mit einer Woche ohne Schmerzmittel-Behandlung.

Bei Frauen, die ein bezüglich der Lungenembolien «Niedrig-Risiko-Verhütungsmittel»** benützten, war die Anzahl der Lungenembolien nicht oder kaum höher als bei denen, die gar nicht hormonell verhüteten.

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* Zu den hormonellen Verhütungsmitteln mit hohem Risiko für Lungenembolien zählten die Studienautorinnen: 

  • Kombi-Pillen mit 50 Mikrogramm Ethinylestradiol plus Norethisteron oder Levonorgestrel als zweiten Wirkstoff
  • Kombi-Pillen mit 20 bis 40 Mikrogramm Ethinylestradiol plus Desogestrel, Gestoden, Drospirenon oder Cyproteron als weiteren Wirkstoff
  • Kombi-Hormonpflaster mit 33,9 Mikrogramm Ethinylestradiol pro 24 Stunden plus Norelgestromin als weiteren Wirkstoff
  • Vaginalring mit 15 Mikrogramm Ethinylestradiol pro 24 Stunden plus Etonogestrel

** Zu den hormonellen Verhütungsmitteln mit niedrigem Risiko für Lungenembolien zählten die Studienautorinnen: 

  • Pillen mit dem Wirkstoff Norethisteron, Levonorgestrel oder Desogestrel
  • Implantat mit dem Wirkstoff Etonogestrel
  • Spirale mit dem Wirkstoff Levonorgestrel

Die vollständige Liste der Hormonpräparate (hohes, mittleres, niedriges Risiko) finden Interessierte unter diesem Link (Table B).


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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2 Meinungen

  • am 28.10.2023 um 19:09 Uhr
    Permalink

    Es fehlt im Artikel eine wesentliche Information: die „baseline“, d.h. wie viele Frauen erleiden eine Lungenembolie ohne Medikamente eingenommen zu haben, wie viele bei Einnahme der Anti-Baby-Pille.

    Sehr interessantes Thema – diese Nebenwirkungen der nichtsteroidalen Antirheumatika waren mir nicht bekannt.

    • Portrait Martina Frei 2023
      am 29.10.2023 um 00:42 Uhr
      Permalink

      @ Hrn Niedermann: Es kam jährlich zu circa 2,5 Lungenembolien pro 10’000 Frauen, die weder hormonell verhüteten noch solche Schmerzmittel einnahmen. Bei Verhütung mit «Niedrig-Risiko-Hormonen» waren es circa 3 Lungenembolien pro 10’000 Frauen pro Jahr.

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