aa.Spieler.Synes.2020

Synes Ernst: Der Spieler © zvg

Der Spieler: Alle Vögel sind schon da

Synes Ernst. Der Spieler /  Das Kartensammelspiel «CuBirds» ist ein Blickfang. Das echte Familienspiel bietet gute Unterhaltung.

Warum sind die Vögel in «CuBirds» alle so kubistisch? Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage hat mir Christian Morgenstern weitergeholfen. Sein «ästhetisches Wiesel» sass, wie man vom Deutschunterricht her weiss, «auf einem Kiesel mitten im Bachgeriesel». Warum wohl? «Das Mondkalb verriet es mir im Stillen: Das raffinierte Tier tat’s um des Reimes willen.» In Anlehnung an diesen dichterischen Einfall liesse sich nun vermuten, dass «CuBirds»-Illustrator Kristiaan der Nederlanden seine Formen so gewählt hat, damit sie zum Titel des Spiels passen. Möglicherweise war es aber auch so, dass die Illustrationen zuerst da waren und der Titel dann entsprechend gewählt wurde. 

Wie dem auch sei, Aufmachung und Gestaltung machen «CuBirds» überall, wo es aufliegt, zu einem Blickfang. Gleichzeitig aber führen sie auf eine falsche Fährte: Was als niedliches Kinderspiel daherkommt, ist in Wirklichkeit ein witziges Kartensammelspiel, das zwar für Spielerinnen und Spieler ab acht Jahren geeignet ist, aber auch jene bestens unterhält, die beim Spielen eine gewisse Herausforderung suchen. Ein echtes Familienspiel. 

Ingesamt 110 Vogelkarten

Auf dieses Zielpublikum zugeschnitten ist das Thema von «CuBirds»: Vögel, Vögel, die auf Drähten sitzen, wegfliegen, wieder zurückkehren, eingefangen werden und am Ende zu Schwärmen oder anderen Gruppen zusammenkommen. 110 Vogelkarten, jede individuell gestaltet, gibt es in diesem Spiel, aufgeteilt auf acht verschiedene Arten. Eine Besonderheit fällt gleich zu Beginn auf: Die Verteilung der Vogelarten ist nicht gleichmässig. So sind von den Flamingos nur sieben Karten im Spiel, von den Papageien 13, von den Elstern 17. Das Spiel, für dessen weiteren Verlauf diese unterschiedliche Aufteilung nicht unwesentlich ist, beginnt, indem man vier Reihen zu je drei Karten auf dem Tisch auslegt. 

Während des Spiels sammeln wir Vogelkarten mit dem Ziel, vor allen andern eine bestimmte Sammlung zusammen zu haben. Wer gewinnen will, muss als Erster entweder sieben verschiedene Vogelarten oder aber zwei Schwärme mit mindestens drei Vögeln je einer Art vorweisen können. Welches Ziel man anvisiert, entscheidet sich im Verlauf des Spiels. Zu Beginn lohnt es sich, mehrgleisig zu fahren und verschiedene Möglichkeiten offenzuhalten. Mit zunehmender Spielerfahrung spürt man immer besser, wann der Zeitpunkt gekommen ist, sich auf eines der beiden Ziele zu konzentrieren. 

Fremde Vögel werden gefangen

«CuBirds» geht über eine oder mehrere Runden. Beim Start einer Runde bekommt man acht Karten. Hat jemand am Ende seines Zuges keine Karte mehr auf der Hand, endet die laufende Runde sofort. Auch die anderen Spieler verlieren ihre Handkarten. Mit acht neuen Karten geht es dann in die nächste Runde. 

Zuerst also das Einsammeln der Vögel: Wer an der Reihe ist, wählt eine Vogelart aus seiner Hand aus und legt alle Karten dieser Art nebeneinander links oder rechts an eine der vier Reihen auf dem Tisch. Bei der Wahl der Reihe, an die man anlegen will, ist man frei. Es ist doch meistens von Vorteil, dort anzulegen, wo sich bereits ein Vogel derselben Art in der Reihe befindet. Denn so werden alle dazwischen liegenden fremden Vögel gefangen. Diese nimmt man zu sich auf die eigene Hand.

Ein Beispiel zur Illustration: In der Reihe liegen Elster-Eule-Flamingo. Ich habe in meiner Hand drei Elstern und lege diese jetzt in meinem Zug rechts an diese Reihe an. Sie sieht nun so aus: Elster-Eule-Flamingo-Elster-Elster-Elster. Damit habe ich Eule und Flamingo gefangen und nehme sie in meine Hand. Die Elster-Reihe wird mit Karten vom Nachziehstapel ergänzt und könnte sich nun so präsentieren: Elster-Elster-Elster-Elster-Tukan. Eine nächste Spielerin legt nun auf der linken Seite dieser Reihe einen oder mehrere Tukane an mit dem Ergebnis Tukan-Elster-Elster-Elster-Elster-Tukan, und schwupp, schon gehören ihr vier Elstern.

Kleine und grosse Vogelschwärme

Das Einfangen von bestimmten Vogelkarten dient nur einem Zweck: Man will damit seine Handkarten optimieren. Es gibt aber noch einen anderen Weg, um die Auswahlmöglichkeiten bei den Handkarten zu vergrössern. Dabei legt man auch Vögel an eine Reihe an, ohne andere Karten zwischen Vögeln einer Art einzuschliessen. In diesem Fall fängt man keine Vögel ein, sondern nimmt sich zwei Karten vom Nachziehstapel auf die Hand. Von welcher Art sie sind, bestimmt hier logischerweise der Zufall.

Nach dem Sammeln von Vögeln das Bilden von Schwärmen: Mit dem Sammeln von Vögeln ist es allerdings nicht getan, man muss Elstern, Eulen, Tukane, Flamingos und wie sie alle heissen wieder loswerden. Dazu bildet man auf der Hand Schwärme. Ein Schwarm besteht aus einer Mindestanzahl von Vögeln der gleichen Art. Wieviel diese beträgt, ist auf jeder Vogelkarte vermerkt. Die Angabe 5/7 auf der Elster-Karte bedeutet, dass es für einen kleinen Schwarm fünf Elstern braucht, für einen grossen jedoch sieben. Die entsprechenden Mindestzahlen lauten für die Flamingos zwei bzw. drei. Das bedeutet nun nicht, dass es einfacher ist, Flamingo-Schwärme zu bilden. Denn insgesamt befinden sich nur sieben Flamingos im Spiel, während es bei den Elstern deren 17 sind mit dem Effekt, dass man zwar leichter an Elstern kommt, aber mehr davon braucht, um sie zu einem Schwarm zusammenzubringen.

Einzelne Elemente sind gut verzahnt

Ist ein Schwarm vollständig, so kann man ihn, wenn man an der Reihe ist, ablegen. Von einem kleinen Schwarm wandert eine Karte in die eigene Sammlung, um die es bei der Schlusswertung geht. Den Rest des Schwarms wirft man auf den Ablagestapel. Grosse Schwärme zu sammeln, lohnt sich in jedem Fall, weil dann die eigene Sammlung gleich um zwei Karten der entsprechenden Vogelart wächst. 

«CuBirds» ist ein echtes Familienspiel, das auch zu zweit problemlos funktioniert. Auch wenn die Spielanleitung noch besser strukturiert sein dürfte und wichtige Punkte noch eigens hervorgehoben sein könnten, ist es relativ leicht zu erlernen. Nach ein paar wenigen Runden hat man den Spielablauf mit den spezifischen «CuBirds»-Eigenheiten intus. Die einzelnen Elemente des Spiels sind so miteinander verzahnt, dass man vor seinen Aktionen gut überlegen sollte, welche Folgen sie haben könnten. 

Überblick behalten

Vor allem darf man den Überblick nicht verlieren, und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen lohnt es sich, die laufenden Veränderungen in der grossen Auslage auf dem Tisch aufmerksam zu beobachten. Zum andern ist es von Vorteil, die Aktionen der Mitspielenden im Auge zu behalten. Beides ist wichtig. Denn trotz des Glücksfaktors – es werden immer wieder Karten verdeckt nachgezogen – habe ich in einem gewissen Rahmen einige taktische Möglichkeiten: Soll ich eine einzelne Elster anlegen oder doch lieber eine Gruppe von vier Eulen? Lohnt es sich zu warten, bis aus den zwei Tukanen drei oder gar vier geworden sind? Was muss muss ich anlegen, um fremde Schwärme zu verhindern? Oder ziehe ich das Risiko vor, die Zahl meiner Handkarten zu vergrössern, indem ich blind zwei Karten vom Nachziehstapel nehme? 

Ein echtes Familienspiel – das heisst, dass diese Herausforderungen von Menschen zu bewältigen sind, die beim Spielen vor allem gute und abwechslungsreiche Unterhaltung suchen. Genau das bietet «CuBirds» mit seinem gelungenen Mix von Zufall und Taktik.

CuBirds: Kartensammelspiel von Stefan Alexander für zwei bis vier Spielerinnen und Spieler ab acht Jahren. Verlag Board Game Circus. ca. Fr. 25.-


Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Spielekritiker Synes Ernst war lange Zeit in der Jury «Spiel des Jahres», heute noch beratendes Mitglied, in dieser Funktion nicht mehr aktiv an der Juryarbeit beteiligt.

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