Achille_Casanova_Ombudsmann1

SRF-Ombudsmann konstatiert Verstoss gegen Fernsehgesetz © srg

SRF-Sport hat das Radio-Fernsehgesetz verletzt

Robert Ruoff /  Ungewöhnlich scharfe Rüge des SRG-Ombudsmannes Achille Casanova an die Adresse von SRF und insbesondere der SRF-Sportabteilung.

Nur sehr selten erteilt Achille Casanova, Ombudsmann von Schweizer Radio und Fernsehen SRF, der Anstalt und ihren Mitarbeitern eine scharfe Rüge. Um so deutlicher wird er jetzt im Fall der Tonspur-Manipulation bei den Protesten der GC- und FCZ-Fans gegen das neue Hooligan-Konkordat beim Derby der beiden Zürcher Fussballclubs.

Infosperber hatte (am 20. Mai 2013) über den Vorfall berichtet und einen handfesten publizistischen Skandal konstatiert – nicht zur Freude der SRF-Sportabteilung. Der SRF-Ombudsmann geht jetzt noch einen grossen Schritt weiter. Er stellt fest, dass SRF-Sport das Radio- und Fernsehgesetz RTVG verletzt hat.

«Das Publikum getäuscht»

«Die Aufgabe eines Journalisten ist in erster Linie, die Wirklichkeit abzubilden und nicht – aus welchen Gründen auch immer – die Öffentlichkeit durch eine Tonmanipulation in die Irre zu führen», stellt Achille Casanova in seiner Antwort auf drei Beanstandungen fest, und dann sagt er: Dies ist in «Sportpanorama» eindeutig geschehen. Die Produzenten der Sendung haben Fan-Gesang aus der Konserve über die Stille der Anfangsphase des Fussballderbys GZ – FCZ gelegt und somit das Publikum getäuscht.»

Die Macher haben damit eine Kernbestimmung des RTVG verletzt. Artikel 4, Absatz 2 des Gesetzes lautet: «Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann.»

Casanova stellt nun fest: «Es handelt sich um einen um so gravierenderen Verstoss gegen Art. 4 Abs. 2 des Radio- und Fernsehgesetzes, wenn man bedenkt, dass der Boykott sowohl der GC- als auch der FCZ-Fans einen politischen Hintergrund hatte: die Hooligankonkordatsabstimmung vom 9. Juni.» Und weiter: «Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich Ihre Beanstandung, soweit ich darauf eintreten konnte, als berechtigt beurteile.»

Bis heute ist nicht bekannt, welche Konsequenzen die Leitung der Abteilung Sport aus diesem Vorfall gezogen hat.

Doppelte Irreführung

Dabei gäbe es noch mehr aufzuklären. Denn SRF hat nicht nur in diesem Sportprogramm «das Publikum getäuscht», wie der Ombudsmann urteilt, die Anstalt hat den Vorgang danach auch noch falsch dargestellt. Die Tonmanipulation sei «unter Zeitdruck» geschehen, hiess es in der Medienmitteilung. In Wirklichkeit war es eine bewusste Entscheidung nach eingehender Diskussion der Programmacher, «den Boykott nicht zu erwähnen, weil sie dafür keine Plattform bieten wollten», wie Abteilungsleiter Urs Leutert später gegenüber «Schweiz am Sonntag» feststellte.
Wer für diese doppelte Irreführung der Öffentlichkeit verantwortlich ist, bleibt offen, und damit auch die Frage nach Konsequenzen in diesem Fall. Man weiss nur, dass die Leitung von SRF-Sport damals kurzfristig eine Abteilungssitzung einberufen hat, um die Abteilung zu sensibilisieren, «wie über solche Themen berichtet werden muss.»

Der Ombudsmann schreibt dazu: «Diese Initiative ist sicher zu begrüssen. Doch es wäre für das Publikum von SRF sicher interessant zu erfahren, welche Schlussfolgerungen aus dieser peinlichen Panne gezogen wurden und wie künftig über solche Ereignisse berichtet werden soll. Dies wäre um so empfehlenswerter, wenn man die gesellschaftliche Bedeutung des Sports sowie die manchmal fragwürdige Praxis insbesondere der internationalen Fussballverbände berücksichtigt.»

Gespannte Erwartung

Nach diesem klaren Verdikt des Ombudsmann warten wir nun gespannt auf die Informationen über die «Schlussfolgerungen» von SRF-Sport aus diesem Vorgang. Infosperber wird das Thema weiter verfolgen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor hat bis 2004 in verschiedenen Funktionen für SRG und SRF (DRS) gearbeitet.

Zum Infosperber-Dossier:

srf_nur_logo11

Kritik von TV-Sendungen

Fehler passieren überall. Beim nationalen Fernseh-Sender sind sie besonders ärgerlich. Lob und Tadel.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.



Die Redaktion schliesst den Meinungsaustausch automatisch nach zehn Tagen oder hat ihn für diesen Artikel gar nicht ermöglicht.

2 Meinungen

  • am 12.06.2013 um 12:46 Uhr
    Permalink

    Was auch sonst noch zu denken gibt: Ein Repräsentant der der den «Sport Aktuell» eröffnet die Sendung in voller Grösse. Sein roter Gürtel und die roten Sportschuhe, die auch noch auffällig hin und her bewegt werden sind unübersehbar! Schleichwerbung?? Zudem finde ich es anmassend, das bei vielen Sportübertragungen, nebst dem Kommentator noch ein «Fachmann» dabei sein muss, die sich durch ihr Geplapper gegenseitig profilieren müssen. Analysen sollten eigentlich nach einem Spiel stattfinden. Oder haben die Reporten zuwenig Fachwissen?

    0
  • am 12.06.2013 um 17:17 Uhr
    Permalink

    Überrascht, lieber Robert? Wir wissen doch längst, dass neben den Auto- und Reise-Journalisten die Gilde der Sport-Journalisten am empfänglichsten ist für «fringe benefits» allerlei Art. Sie wären doch so gerne Nationalgoalie geworden und beendeten ihre Karriere bloss in der 2. Liga. Aber jetzt pflegen sie ihre Beziehungen zu den Stars und Präsidenten, die sie gerne selbst geworden wären – ein Medien-Professor würde wohl von Beziehungskorruption reden.

    0

Comments are closed.

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...

Die Schlagzeilen der täglich drei neusten Artikel erhalten Sie nach Wunsch täglich oder wöchentlich.

Vielen Dank, dass Sie unseren Newsletter abonnieren!

Der Bestätigungslink ist nicht mehr gültig.