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Für die Ärmsten der Armen ist Auswanderung kein Thema. Sie brauchen aber Entwicklungshilfe! © cm

Hilfe vor Ort ohne Einfluss auf Zuwanderung

Christian Müller /  Viele Politiker glauben, Entwicklungshilfe führe zu besseren Jobs vor Ort und bremse die Migration. Falsch, sagt eine neue Studie.

Das «Forum für Aussenpolitik» foraus, ein Think Tank Aussenpolitik-interessierter Studenten und junger Akademiker, hat sich in einer breitangelegten Studie dem Themenkreis Entwicklungshilfe und Migration angenommen. Das Resultat ist für viele eine Überraschung: Mehr Arbeitsplätze und höhere Löhne in Entwicklungsländern führen nicht zu einer Verringerung der Migration. Im Gegenteil: Um in ein anderes Land auswandern zu können, braucht man immerhin ein bisschen Geld, das den Ärmsten der Armen meist fehlt. Die meisten Zuwanderer in der Schweiz kommen deshalb nicht aus den ärmsten Ländern, sondern aus Ländern, in denen die Entwicklung «nach oben» bereits eingesetzt hat.

Unbedarfte Politiker

Einige Politiker zeigten sich nach Einblick in die Studie überrascht und forderten schon gleichentags ein Überdenken der Schweizer Entwicklungshilfe. Jene, die Entwicklungshilfe nur befürworten, weil sie mit ihr eine Reduktion der Zuwanderung bewirken wollen, werden aus der Studie sogar Argumente gegen die Entwicklungshilfe abzuleiten versuchen.

Für Leute allerdings, die sich mit der Migration als weltweites Phänomen intensiver beschäftigen, ist das Fazit der foraus-Studie kein Aha-Erlebnis, sondern ein begrüssenswerter – weil sachlich argumentativer – Beitrag zur politischen Diskussion um die Zuwanderung. Denn Migration ist, Infosperber hat darüber schon ausführlich berichtet, ein weltweites und kein Schweizer Phänomen. Und die Migration wird auch nicht abnehmen, sondern zunehmen: die heutige Möglichkeit, in den elektronischen Medien bildhaft zu sehen, wie in anderen Ländern die Menschen im Wohlstand, ja vielfach sogar im Luxus leben, heizt Migration tendenziell natürlich an.

Versachlichung tut not

Migration gab es schon vor Tausenden von Jahren und es wird sie immer geben. Trotzdem wird in vielen Diskussionen die Zuwanderung vor allem auf der emotionalen Ebene geführt. Das ist selten zielführend. Die Diskussion um die weltweit unvermeidbare Migration sollte deshalb möglichst faktenkonform und sachlich geführt werden. Infosperber stellt seinen Leserinnen und Lesern deshalb die neuste Studie des Think Tanks foraus in voller Länge zur Verfügung, inkl. die dazugehörende Medien-Mitteilung (siehe unten zum Lesen und Downloaden als pdf). Zusammen mit den Dokumenten der Tagung des Europa Forum Luzern zum Thema Zuwanderung mögen sie so einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion leisten und Einblick in ein Phänomen geben, mit dem sich auch die nächsten Generationen immer wieder beschäftigen werden müssen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

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Eine Meinung zu

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    am 1.08.2012 um 07:15 Uhr
    Permalink

    >>"die heutige Möglichkeit, in den elektronischen Medien bildhaft zu sehen, wie in anderen Ländern die Menschen im Wohlstand"
    Dieser Effekt wird in der Regel überschätzt und für Angstmacherei genutzt. Er wirkt in der Regel nur auf Leute aus grossen Städten, die ein schwaches soziales Netzwerk haben. Der grosse Rest bleibt, auch wenn er unter für uns unvorstellbaren Bedingungen lebt, dort, wo er ist. Die Angst vor dem Verlust der Familie und der Veränderung ist viel grösser.

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