Heidegger

Der Philosoph Martin Heidegger, 1889 - 1976 © gk

Der Antisemitismus grosser Philosophen

Jürg Müller-Muralt /  Heideggers «Schwarze Hefte» zeigen neue Aspekte seines Antisemitismus. Judenhetze hat bei Philosophen eine erschreckende Tradition.

«Heidegger, den viele für den genialsten Denker seiner Epoche halten, war ein bekennender Nazi»: Das schrieb Thomas Assheuer, Feuilleton-Redaktor bei der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit», schon am 27. Dezember 2013. Damals waren erst Auszüge aus den rund 1300 Seiten umfassenden «Schwarzen Heften» (Link siehe unten) aus der Zeit des Dritten Reiches bekannt. Mitte März sind diese philosophischen Notate nun erschienen, und damit ist die Debatte um die Verstrickungen Martin Heideggers mit dem Nationalsozialismus einmal mehr lanciert. Leidenschaftliche Kontroversen zu diesem Thema werden seit 1945 periodisch geführt.

«Das beste Blut der Besten»

Wohin die nun beginnende Auseinandersetzung führt, ob gar das gesamte Werk des Philosophen durch die Publikation in Mitleidenschaft gezogen wird, ist noch unklar. Erste Würdigungen im deutschen Feuilleton lassen aber darauf schliessen, dass hier, vorsichtig ausgedrückt, schwer Verdauliches an die Öffentlichkeit kommt. Nur ein Zitat, verfasst im Jahre 1941: «Das Weltjudentum, aufgestachelt durch die aus Deutschland herausgelassenen Emigranten, ist überall unfassbar und braucht sich bei aller Machtentfaltung nirgends an kriegerischen Handlungen zu beteiligen, wogegen uns nur bleibt, das beste Blut der Besten des eigenen Volkes zu opfern.»

«Dokumente der Niedertracht»

Peter Trawny, der Herausgeber der «Schwarzen Hefte», spricht von einer «neuen Dimension» und von einem «in die Philosophie transformierten Antisemitismus». Er sieht gar Heideggers «gesamte Erbschaft» bedroht. Deutlich werden auch die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) und «Die Zeit», zwei im Kulturteil führende deutsche Zeitungen. Jürgen Kaube schreibt in der FAZ vom 12. März 2014 (Link siehe unten) von «Dokumenten der Niedertracht». Dass Martin Heidegger ein Nationalsozialist gewesen war, sei schon lange klar. Aber war er auch Antisemit? «Die Antwort lautet spätestens von heute an: ja.» Es gebe hinreichend viele Kriterien dafür. In diesen Heften würden weitgehend reflexionslos Sprüche zu einer Privatmythologie zusammengezimmert, ein widerwärtiges, von giftigem Hass durchtränktes Begriffsdurcheinander.

«Gedankenverbrechen»

Nicht minder schockiert äussert sich Thomas Assheuer in der «Zeit» vom 13. März 2014: Die Hefte seien «ein philosophischer Wahnsinn und in einigen Abschnitten ein Gedankenverbrechen. Es gibt nun keine Beruhigung mehr. Die treuherzige Geschichte, Heidegger habe sich nur kurz, nur für einen Wimpernschlag der Weltgeschichte, vom Faschismus verführen lassen, ist falsch.» Die Judenfeindschaft in den «Schwarzen Heften» sei kein Beiwerk, «sie bildet das Fundament der philosophischen Diagnose.» Heidegger habe nach dem Zweiten Weltkrieg kein Wort über den Völkermord an den europäischen Juden verloren, «vielleicht aus Unvermögen, vielleicht aus Scham. Oder einfach deshalb, weil er sich treu geblieben ist.»

Heideggers Sohn als Verteidiger

Natürlich sind auch die Heidegger-Apologeten nicht untätig. In einem geradezu gespenstisch wirkenden Interview in der «Zeit» vom 6. März 2014 antwortete der 94-jährige Sohn Hermann Heidegger auf die Frage, ob man im Hause Heidegger nach 1945 denn nicht über die Judenvernichtung gesprochen habe: «Wir haben nicht darüber geredet. Wir hatten so viel mit unserem eigenen Schicksal zu tun. Ich stand unter dem Eindruck der Kriegsgefangenschaft, wo deutsche Gefangene millionenfach verreckt sind. Ihre Generation, die das nicht miterleben musste, ist immer sehr schnell mit der Frage der Schuld.» So richtig hart nachgefragt hat die Interviewerin Iris Radisch auf diese ungeheuerliche Antwort nicht. Selbstverständlich sieht Hermann Heidegger in seinem Vater keinen Antisemiten, schliesslich sollten die Texte «in ihrem zeitlichen und textlichen Zusammenhang gelesen werden.» Nun ist jedem Philologen und Historiker klar, dass dies so ist. Nur ist der Verweis auf dem Kontext häufig auch nichts anderes als eine leicht durchschaubare Verteidigungs- und Ablenkungsstrategie.

Haarsträubendes von Voltaire, Kant und Hegel

Die Akte Heidegger ist noch längst nicht geschlossen. Es werden sich in nächster Zeit wohl zahlreiche Stimmen zu Wort melden. Vielleicht bietet die anlaufende Debatte aber auch Gelegenheit, den Blick etwas weiter zurück schweifen zu lassen und einem immer noch viel zu wenig bekannten und weitgehend verschwiegenen Phänomen auf den Grund zu gehen: Dem Judenhass und dem Antisemitismus mancher Philosophen. Den religiösen Antijudaismus der christlichen Kirchen aller Konfessionen bis in die jüngste Zeit hinein kann man als weitgehend bekannt voraussetzen. Stellvertretend sei hier nur der Reformator Martin Luther genannt, der 1543 schrieb, dass die Juden für «1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen» seien, um dann die protestantischen Fürsten schriftlich aufzufordern, sämtliche Synagogen niederzubrennen und die Häuser der Juden zu zerstören.

Auffallend sind judenfeindliche Tendenzen und Ausfälligkeiten gerade auch bei Philosophen der Aufklärung, bei jenen Philosophen also, die die Gleichheit aller Menschen postuliert haben. Es ist haarsträubend, was diese Geistesheroen von sich gegeben haben, wie einige Zitate zeigen:

Voltaire: «Die Juden sind die allergrössten Lumpen, die jemals die Oberfläche der Erde besudelt haben.»

Immanuel Kant: «Die Juden sind eine Nation von Betrügern.» Sie hätten «eine Gemüthsschwäche im Erkenntnisvermögen». «Die Euthanasie des Judentums ist die reine moralische Religion.»

Georg Christoph Lichtenberg: «Der Jude ist ein unersättlicher, habgieriger Betrüger.»

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: «Der Löwe hat nicht Raum in einer Nuss, der unendliche Geist nicht Raum in dem Kerker einer Judenseele.»

Johann Gottlieb Fichte: «Fast durch alle Länder Europas verbreitet sich ein mächtiger, feindselig gesinnter Staat, der mit allen übrigen im beständigen Kriege steht, und der in manchen fürchterlich schwer auf die Bürger drückt; es ist das Judenthum.»

Johann Gottfried Herder: «Die Juden sind eine parasitische Pflanze auf den Stämmen anderer Nationen.»

Johann Heinrich Pestalozzi: «Hat je ein Jude aufgehört, alle Menschen, die nicht Juden sind, zu verachten und sie gelegentlich zu bestehlen?»

Arthur Schopenhauer: «Den Juden Anteil am Staate einzuräumen ist absurd; sie sind und bleiben ein uns fremdes, orientalisches Volk; sie müssen daher stets nur als ansässige Fremde gelten.»

Die Liste antisemitischer Äusserungen von Philosophen liesse sich noch verlängern. Eine aufschlussreiche Zusammenstellung findet sich auf der Online-Plattform Telepolis (Link siehe unten). 2002 publizierte der «Philosophische Literaturanzeiger» eine lesenswerte Rezension von Büchern über judenfeindliche Tendenzen der Aufklärung (Link siehe unten).

Ein intellektueller Skandal

Der Antisemitismus ist nicht nur ein immer noch vorhandenes moralisches, gesellschaftliches und politisches Problem, sondern auch ein Jahrhunderte alter intellektueller Skandal. Dass selbst die Lichtgestalten der Aufklärung und der Philosophie ihren Beitrag zur Judenhetze geleistet haben, darf nicht länger von ihrem übrigen Denken abgespalten werden. Dieser «Traditionsstrang» muss viel offensiver bewusst gemacht werden, als es bisher geschehen ist. Der Fall Heidegger kann dazu beitragen, dieses dunkle Kapitel der europäischen Geistesgeschichte ans Licht zu holen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

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WandernderJude

Offene/verdeckte Judenfeindlichkeit

Antijudaismus und Antisemitismus sind eine speziell gegen Juden gerichtete Form von Fremdenfeindlichkeit.

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8 Meinungen

  • am 15.03.2014 um 12:03 Uhr
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    Antisemitismus war im 19. Jhd. in der CH-Geistesgeschichte fast Standard, weswegen 1848 volle Bürgerrechte den Christen vorbehalten waren, das war kein theoretischer Verfassungsartikel, sondern direkter Vorbehalt gegen die Juden. Rolf Holenstein hat nachgewiesen, dass dies gegen den Willen von Ochsenbein formuliert wurde, aber im Geiste etwa des Troxler-Schülers J.R. Steiger.

    Antisemitische Stellen lassen sich belegen bei Jacob Burckhardt, in seinen Briefen, was nachzuweisen für gewisse Professoren, deren Lebensleistung unter 5% von Burckhardt liegt, heute als Forschungsqualifikation gilt. Bei Pestalozzi und Gotthelf findet sich Antisemitisches, und in vier Berichten über Blochers Sempacher Ansprache 2014 wurde nur kritisiert, Blocher habe Philipp A. von Segesser zitiert, ohne zu sagen, dass er ein Antisemit war, nämlich wie I. Troxler ein Gegner des Handelsvertrages mit Frankreich, was auf «antisemitische» Weise politisch ausgetragen wurde. Ein richtig demagogischer Antisemit war ferner Johann Nepomuk Schleuniger aus Klingnau, aber im Unterschied zu Hitler u. Co. nur bei einer einzigen politischen Aktion, nämlich der Abberufung des Grossen Rates AG 1862, als man nicht mit dem Argument «Diskriminierung von Katholiken", sondern nur mit der antisemitischen Pauke überkonfessionell Erfolg haben konnte. Segesser spielte trotz Antisemitismus als Kritiker des CH Nationalismus u. grösster, sogar papstkritischer Gelehrter der Konservativen in anderer Liga als CH-Rechte von heute.

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  • am 15.03.2014 um 17:51 Uhr
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    Teil 1:

    Obigen Beitrag möchte ich nicht missen. Alleine deswegen nicht, weil er Kritikwürdiges enthält. Die große Frage, ob Martin Heidegger ein Antisemit war, lässt sich nur dann beantworten, wenn man sich bemüht, ihn in seiner Gesamtheit und aus unserer Gegenwartsperspektive zu sehen – als Mensch, Philosoph und als Verfasser seiner «Schwarzen Hefte», Heideggers Bedeutung für heute. Das Dilemma ist vorprogrammiert: Auf der einen Seite die Enthüllung, die Heidegger in eine bestimmte Ecke stellen will. Andererseits die vielen Heideggerianer, die sein gesamtes philosophische Gebäude in Gefahr sehen. Zur Erinnerung: Die französischen Anhänger Heideggers wollten die Veröffentlichung der «Schwarzen Hefte» verbieten lassen – ohnehin schon denkwürdig genug.

    Mit der Einschätzung, der Verweis auf den Kontext sei häufig nichts anderes als eine leicht durchschaubare Verteidigungs- und Ablenkungsstrategie, hadere ich. Als Meinung kann ich es gelten lassen, hingegen nicht als Argument. Es fehlt die Plausibilität und Schlüssigkeit. Etwas im Kontext zu sehen ist äußerst wichtig, weil wir sonst nicht verstehen können, warum solche Äußerungen zustande kommen. Dies ist ohnehin schon schwierig genug. «Kontext» heißt im erweiterten Sinne nicht nur das textliche Umfeld, sondern auch das zeitgeschichtliche und persönliche Umfeld. Dasselbe gilt für andere Philosophen, deren Zitate im Beitrag stehen.

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  • am 15.03.2014 um 17:55 Uhr
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    Teil 2:

    Bei der Diskussion um Heidegger darf der erweiterte Kontext nicht außer Acht gelassen werden. Sein Umfeld war eine turbulente Zeit. Meine Nackenhaare stellen sich zu Berge, wenn ich in seiner Bekenntnisrede von 1933 (archive.org/download/bekenntnisderpro00natiuoft/bekenntnisderpro00natiuoft.pdf) unter anderem auf den Seiten 13 bis 14 lese: «Wir haben uns losgesagt von der Vergötzung eines boden- und machtlosen Denkens. Wir sehen das Ende der ihm dienstbaren Philosophie. Wir sind dessen gewiß, daß die klare Härte und die werkgerechte Sicherheit des unnachgiebigen einfachen Fragens nach dem Wesen des Seins wiederkehren. Der ursprüngliche Mut, in der Auseinandersetzung mit dem Seienden an diesem entweder zu wachsen oder zu zerbrechen, ist der innerste Beweggrund des Fragens einer völkischen Wissenschaft.»

    Die eine Möglichkeit besteht darin, Heidegger und alle Philosophen zu verwerfen, die antisemitische Gedanken gepflegt haben oder für solche gehalten werden. Die andere Möglichkeit besteht in der Auseinandersetzung mit eigenen philosophischen Überlegungen oder mit einer Widerlegung der Philosophie des jeweiligen Philosophen. Philosophen dienen nicht dazu, sie aus der «Hüfte heraus» zu zitieren, sondern als Angebot zum eigenen Denken. Immanuel Kant hat in einem Aufsatz zur Aufklärung geschrieben, dass die Aufklärung der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit sei (http://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm).

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  • am 15.03.2014 um 20:21 Uhr
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    Jenseits des Heideggerschen Antisemitismus steht sein Hauptwerk «Sein und Zeit» mit der Analyse täglichen Geschwätzes und von dem, was vom Selbstsein ablenkt, seinem jüdischen Lehrer Edmund Husserl gewidmet. Es geht primär, und das ist Heideggers Leistung, um die manipulierende Wirkung des «man". Von daher gesehen gingen Heidegger und andere unter ihr Niveau, wenn sie sich der «man"-Ideologie des Nationalsozialismus nicht nur anpassten, sondern aus welchen subjektiven Empfindlichkeiten auch immer, nicht zu vergessen Ressentiments, mitmachten. Das «man» betrifft aber nicht nur den Antisemitismus; in den 50er-Jahren, zur Zeit K. Farners, gehörte auch der Antikommunismus zum «man", so wie «man» heute «antifaschistisch» eingestellt ist und Putin einen Dumm-Antifaschismus für seine Zwecke einsetzen kann wie die Amis für ihre Weltpoltik von früher den Antikommunismus. Es gibt auch ein antireligiöses, je nachdem antikatholisches oder antiislamisches «man". Das heisst, wer sich nicht ans «man» hält, müsste je nachdem in einem dumm-islamnaiven Milieu den Islam scharf kritisieren, dafür in islamfeindlichen und islamressentimentgeladenen Kreisen desgleichen Gegensteuer geben. Ich versuchte mich circa aus diesem Denken heraus so zu verhalten, habe 1990 eine relativ islamfreundliche Studie über Fundamentalismus geschrieben, gegenüber rechten Kollegen früh gegen die Minarettinitiative Stellung genommen. So kompensatorisch könnte «man» sich eventuell im Geist v. «Sein u. Zeit» verhalten.

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  • am 16.03.2014 um 17:09 Uhr
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    Kommentar (1):
    Es gibt eine sehr interessante Essaysammlung mit dem Titel «Antisemitismus als kultureller Code» der israelischen Historikerin Shulamit Volkov. Darin erklärt sie u.a. auch den Antisemitismus im wilhelminischen Deutschland wie folgt: «Wie ein antisemitischer Standpunkt im Wilhelminischen Deutschland praktisch eine anti-emanzipatorische Position und Widerstand gegen die unterschiedlichen Bekundungen des modernen sozialen und politischen Freiheitsringens bedeute, so bedeute die Ablehnung des Antisemitismus das Eintreten für Emanzipation, und zwar nicht allein der Juden, sondern der Gesellschaft insgesamt.» Als ein «kultureller Code» bezeichnet sie also soziale und politische Metaphern, mit denen Menschen in einfacher und leicht nachahmungsfähiger Weise ihre Standpunkte zum Ausdruck bringen. So gesehen ist der Antisemitismus dieser Zeit nicht primär Ausdruck einer Haltung gegenüber dem Judentum, sondern Manifestation eines Unbehagens gegenüber der Moderne.

    In dieses Erklärungsmuster passt auch die von Pirmin Meier erwähnte Haltung Ulrich Ochsenbeins, der als Radikaler die Vision eines laizistischen «Volksstaats» verfolgte, während Troxler – obwohl durchaus auch radikal-liberal – als Hegel- und Schelling-Schüler m.E. stark von deren Staatslehre beeinflusst blieb. Manche vergleichen ja Troxlers als «Staatsphilosophen» des Bundesstaats auch mit der Bedeutung Hegels für Preussen. Aber vielleicht sehe ich das zu vereinfacht.

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  • am 16.03.2014 um 17:09 Uhr
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    Kommentar (2):
    Generell stellt sich bei solchen Vorwürfen die Frage, wie man philosophische Texte lesen will. Einerseits kann man sie eingebettet in den historischen Erfahrungsraum der Autoren betrachten, oder man versucht sie – im Sinne der analytischen Philosophie – «rein philosophisch» zu verstehen. Beides stellt eine akademische Leistung dar, versucht man doch so herauszufinden, ob das Zeitlose der Philosophie durch solche Textstellen systematisch kompromittiert ist oder nicht. Die reine Verurteilung ex post facto macht es sich hingegen zu einfach.

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  • am 16.03.2014 um 19:17 Uhr
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    @Michael. Gisiger. Sie machen es sich einfach, als Troxler zwar zu den besten Schülern Hegels gezählt und schon als 20jähriger zu den Schülern des wenige Jahre älteren Schelling gezählt wurde, es bleibt aber dabei, dass sein Unterschied zu den deutschen Idealisten die demokratische Einstellung war, wobei demokratisch für Troxler nicht rechthaberisch bedeutete, sondern Bejahen von Vor- und Nachteilen der Volksmitbestimmung einschloss. Deswegen riskierte er seine Entlassung als Rektor und Prof der Uni BS 1832 als Freund der Basellandschäftler. Er warr der einzige idealistische Philosoph der Menschheit, der für die direkte Demokratie eintrat. Damit war Antisemitismus nicht gerade inbegriffen, aber dieser war in der Zentralschweiz und in der kath. Schweiz Bestandteil der Mentalität, was noch im 20. Jahrhundert Josef Vital Kopp im Gegensatz zu seinem Schüler Hans Küng aufgefallen war. Über alles gesehen war Troxler nicht nur ein leidenschaftlicher Vertreter der Pressefreiheit, des Föderalismus und des Asylrechts, sondern auch ein radikaler Kritiker der heiligen Allianz, was also politisch das Gegenteil von Schelling bedeutete. Auch Hegels Meinung, dass das Wirklich das Vernünftige sei usw. ist alles andere als Troxler. Wegen seiner Opposition zur heiligen Allianz seit 1815 war er auch nach 1848 gegen ausländische, meist antiliberale Einflüsse auf die Schweiz. Er fand jedoch jede Art Einmischung des Auslandes zu Verfassungsfragen, auch betr. Judenemanzipation, als unzulässig.

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  • am 16.03.2014 um 19:20 Uhr
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    Korr. Hegels Auffassung, dass das Wirkliche das Vernünftige sei, also einerseits die Verteidigung des Status Quo und die Rechtfertigung des politisch Erfolgreichen usw. war alles andere als die Staatsphilosophie Troxler.

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