Bildschirmfoto20170702um17_59_53

Links das Original-Foto mit Frau, rechts das saudische Foto mit Plastikball statt Frau. © gflo

Saudi-Arabien: Aus der Frau wird ein Wasserball

Barbara Marti /  Frau, Mann und Kinder darf man in Saudi-Arabien nicht in Badeanzügen sehen. Ein Händler hat die Frau aus dem Werbefoto entfernt.

Der Grosshändler «Saco» verkauft in Saudi-Arabien Plastik-Planschbecken des US-Herstellers Intex. Auf mehreren Werbefotos hat er die Frau im Badeanzug durch einen aufblasbaren Wasserball ersetzt. Dies hat ein Twitterer aus Saudi-Arabien öffentlich gemacht. Saudische Zensur könne auch völlig skurril sein, twitterte er.

Retuschen auch an Männern und Jungen
Ein Blick in den Ramadan-Katalog von «Saco» zeigt: Nicht alle Frauen hat der Händler durch Wasserbälle ersetzt. Anderen Frauen und Mädchen wurden mit Photoshop langärmlige, meist schwarze T-Shirts und Leggings angezogen. Männer und Jungen wurden ebenfalls schwarze T-Shirts übergezogen.

Ikea-Kataloge ohne Frauen
Frauen aus Werbefotos zu entfernen ist in konservativen Ländern keine Seltenheit. Zuletzt hat Ikea für Aufsehen gesorgt. Der Weltkonzern hatte einen Katalog ohne Frauen veröffentlicht, um in Israel fundamentalistische Kunden zu gewinnen. In der Spezialausgabe des regulären Katalogs waren ausschliesslich Männer und Jungen zu sehen.
Ikea hatte nicht zum ersten Mal einen Katalog ohne Frauen veröffentlicht. Einige Jahre zuvor hatte ein solcher Katalog für Saudi-Arabien weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte Saudi-Arabien gesagt, die Behörden hätten das Löschen der Frauen nicht verlangt.

Verhüllungs-Pflicht
In Saudi-Arabien müssen Frauen in der Öffentlichkeit ihren Körper ganz verhüllen. Frauen haben rechtlich den Status von unmündigen Minderjährigen. Entsprechend beschwerlich ist ihr Alltagsleben. Saudi-Arabien gehört weltweit zu den frauenfeindlichsten Ländern. Trotzdem ist dieses Land kürzlich in die Uno-Frauenrechtskommission gewählt worden.
—————-
Dieser Artikel erschien im Juni auf der Internet-Zeitung FrauenSicht.ch.

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Barbara Marti ist Herausgeberin und Redaktorin der führenden Online-Zeitung für engagierte Frauen und Männer Frauensicht.ch.

Zum Infosperber-Dossier:

Bildschirmfoto20130616um12_29_44

Frauen in Fundamentalisten-Staaten

Die Stellung und die Behandlung von Frauen sind ein starkes Indiz, wie fundamentalistisch ein Staat ist.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

IBAN: CH 0309000000604575581

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...