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Kabarettist Urban Priol in seinem Jahresrückblick: «Das Gendern ist für mich schwierig.» © zdf

Gerechte Sprache als Lachnummer

Barbara Marti /  Zwei Kabarettisten machen sich im Fernsehen lustig über gerechte Sprache. Bekannte Methode: absurde Beispiele und Relativierungen.

Dieter Nuhr spottete in seinem Jahresrückblick in der ARD: «Der Tisch ist einfach kein Mann» und «die Matratze ist nur selten eine Frau». Gelächter im Publikum. Das Wort Lehrer sei geschlechtsneutral, fuhr Nuhr fort: «Erst wenn man an den Lehrer noch die Endung ‘in’ anhängt, wird aus dem geschlechtsneutralen Lehrer eine Frau.» Für weibliche Lehrpersonen gebe es ein eigenes Wort, für männliche nicht. «Das ist eine Benachteiligung für uns Männer, mit der ich sehr gut leben kann.» Applaus, Applaus.

Gegner gerechter Sprache

Von Dieter Nuhr weiss man spätestens seit drei Jahren, dass er ein Gegner geschlechtergerechter Sprache ist. Damals unterstützte er einen Aufruf des Vereins Deutsche Sprache (VDS) für das generische Maskulinum. Der Verein kämpft seit seiner Gründung 1997 gegen gerechte Sprache. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehörten auch Evangelikale und rechte Publizisten und Politiker. Die Behauptung von Nuhr im ARD-Jahresrückblick, gendern habe sich «gegen den Willen der Mehrheit» durchgesetzt, offenbart seine Voreingenommenheit. Denn durchgesetzt hat sich gendern schon lange: Das generische Maskulinum ist auch gegendert, allerdings männlich. 

Absurde Beispiele

Der Kabarettist Urban Priol steht nicht im Verdacht, mit Reaktionären gemeinsame Sache zu machen. Doch in seinem ZDF-Jahresrückblick machte er sich auf ähnliche Weise wie Nuhr lustig über gerechte Sprache. Priol beklagte, wenn eine Frau ihm blöd komme, gebe es kein Schimpfwort. «Wie gendere ich dann den Begriff Depp? Vollidiot geht auch nicht. Blöder Affe? Wie mache ich das gender-kompatibel?» Alle Schimpfworte seien männlich besetzt. «Wahrscheinlich zu Recht.» Ein schwaches Argument gegen gerechte Sprache, gibt es doch unzählige Schimpfworte für Frauen: Blöde Ziege, blöde Kuh, Schnepfe, dumme Gans und alle sexuell Konnotierten wie Luder und Schlampe.

Es gibt Wichtigeres

«Da werfen Frauenbewegungen die Frage auf, warum der Mond männlich zu sein hat, man könnte doch auch die Möndin sagen», meinte Priol. Und dann relativierte er: «Lasst uns doch endlich gemeinsam dafür kämpfen, dass Frauen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen. Das ist doch alle Anstrengungen wert.» Ihm scheint entgangen zu sein, dass sich Frauenbewegungen seit Jahrzehnten für Lohngleichheit und Lohntransparenz und für gerechte Sprache einsetzen.

Gewohnheiten nicht ändern

Beide Kabarettisten sind um die 60 Jahre alt und bekennen, dass sie ihre Gewohnheiten nicht mehr ändern wollen. Priol: «Das Gendern ist für mich schwierig». Nuhr: «Ich bin nicht bereit, meine seit der Kindheit tief ins Unterbewusste eingegangene Art zu sprechen, der politischen Opportunität anzupassen.» Muss er auch nicht. Aber er soll aufhören, sich über gerechte Sprache lustig zu machen und sie damit abzuwerten. 


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift «FrauenSicht».
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