100 Franken am Automaten abheben, höchstens 97 Franken bekommen

Urs P. Gasche © Peter Mosimann
Urs P. Gasche / 16. Mär 2019 - Der Weltwährungsfonds IWF empfiehlt, bei der nächsten Finanzkrise die Leute vom Bezug von Bargeld abzuschrecken.

«Sicher ist nur die nächste Finanzkrise» titelte die NZZ am 15. März 2019. An einer Konferenz von 260 hochrangigen Notenbankern, Finanzmarkt-Regulierern und Finanzdienstleistern in Basel hätten mehr als die Hälfte der Teilnehmenden erklärt, bereits «in den nächsten paar Jahren» mit einer neuen globalen Finanzkrise zu rechnen. Die restlichen 46 Prozent würden «im nächsten Jahrzehnt» ein solches «Ereignis» erwarten. Alle halten es demnach für sicher, dass eine globale Finanzkrise bevorsteht.

Schöne Aussichten.

Dazu passt, dass der Weltwährungsfonds IWF in einer neuen Veröffentlichung darlegt, wie man Menschen in einer Wirtschaftskrise davon abhält, ihr Geld in bar abzuheben. Denn wenn die Europäische Zentralbank EZB nach Ausbruch der nächsten grossen Krise den Leitzins noch stärker senkt, könnten die Leute mit dem Halten von Bargeld den Negativzinsen bei den Banken ausweichen. Deshalb könnte ein negativer Zins auch auf dem Bargeld helfen, dass die Leute das Geld bei den Banken nicht abheben, sondern zum Konsumieren ausgeben. Denn ihr Vermögen schmilzt, gleichgültig, ob sie es auf einem Bank- oder Postkonto lassen, oder ob sie ihre Guthaben in Form von Bargeld abheben.

Das IWF-Papier trägt den Titel «Monetary Policy with Negative Interest Rates: Decoupling Cash from Electronic Money». Im ganzen Papier geht es nur um die Frage, wie man Sparer in der nächsten Wirtschaftskrise davon abhält, ihr Vermögen bei der Bank in bar abzuheben und es zu Hause aufzubewahren.

Die Autoren schlagen ein einfaches Rezept vor: Das Abheben von Geld ab Bankkonto oder ab Bankomat oder Postomat soll mit einem Strafzins in Höhe von drei Prozent bestraft werden. Anders ausgedrückt: Wer 100 Franken abheben will, erhält am Geldautomaten nur noch 97 Franken in cash.

Genügt dies nicht, könnte man die Strafe erhöhen. Ein Sparer werde sich das Horten von Bargeld dreimal überlegen, falls ein Strafzins von 15 Prozent dazu führt, dass er für 100 Franken auf einem Konto nur noch 85 Franken Bargeld bekommt. «Unsere Diskussion zeigt, dass dieses System technisch möglich ist und auch keine drastischen Veränderungen in den Mandaten der Zentralbanken verlangen würde», heisst es im IWF-Papier.

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Keine

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5 Meinungen

Der Kampf gegen das Bargeld ist ein Kampf gegen die Freiheit der Bürger. Unter dem Vorwand des Kampfes gegen „Geldwäscherei“ will der Staat auf alle finanziellen Transaktionen der Bürger zugreifen können. Das geht bei Bargeld nicht. Und unter sonst einem Vorwand will man dem Bürger die Möglichkeit nehmen, sich gegen die widerlichen Negativzinsen zu schützen. Dabei ist gemäss dem Bundesgesetz über die Währung und die Zahlungsmittel Bargeld das einzige gesetzliche und damit risikolose Zahlungsmittel, zu dem der Bürger Zugang hat. Zudem gilt nur für das Bargeld die gesetzliche Regel „schweizerische Banknoten müssen von jeder Person unbeschränkt an Zahlung genommen werden“. Also: Zahlen Sie wenn immer möglich bar. Behalten Sie für den Notfall einen soliden Betrag an Bargeld im Tresor. Als Alternative wären Goldmünzen geeignet, zum Beispiel der kanadische Maple Leaf.
Hans Geiger, am 17. März 2019 um 14:18 Uhr
Das ist die ultimative Bankrotterklärung der Finanzbranche und beweist eigentlich nur, dass das System nicht mehr funktioniert.
Ueli Custer, am 17. März 2019 um 14:49 Uhr
...und die Kreditkarten-Maffia macht gerade ganz «lustig» Werbung auf grossen und teuren Plakaten (wer bezahlt sie wohl?) in der ganzen Schweiz!
Patrick Jetzer, am 17. März 2019 um 19:12 Uhr
Vielen Dank für den Hinweis und die Vereinfachung des nicht einfachen, mich erschreckenden Inhalts.
Mein erster Gedanke wird auch im Working Paper (S.19) behandelt:
».... perhaps lead people to switch to other forms of currency for their payments,
such as foreign currency, gold or even cryptocurrency. ..."
Dies ergibt auch neue Perspektive für die Kryptowährungen, von denen ich bis jetzt die Finger gelassen habe. Sicher aber für Gold, Silber und anderen Rohmaterialien.
Heiner Graafhuis, am 17. März 2019 um 22:29 Uhr
Banken arbeiten mit unserem Geld, machen mit unserem Geld Gewinne und als Dank bestehlen diese uns. Tolle Aussichten.
Peter Gadient, am 18. März 2019 um 05:43 Uhr

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