In der Schweiz sind noch 109 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Die meisten Betten sind leer. © zdf
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Die grosse Corona-Welle ist in der Schweiz zu Ende

Urs P. Gasche / 14. Mai 2020 - Todesopfer wegen Covid-19 tendieren nach ganz unten. Das zeigen die neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik.

Die Zahl der täglich wegen Covid-19 Verstorbenen tendiert gegen Null (Grafik unten: orange-rote Balken) und bleibt unter 1600 (rote Kurve). Bei den Todesfällen könne man nicht unterscheiden, ob jemand «am» Coronavirus oder «mit» dem Coronavirus gestorben ist, erklärt das deutsche Robert Koch-Institut. Zum Vergleich: Laut Behörden waren als Folge der starken Influenza-Welle im Winter 2014/2015 rund 2500 Personen gestorben.

Die absoluten Zahlen, welche die Kantone und andere Quellen angeben, können von denen des Bundesamts für Statistik* leicht abweichen.

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Die Zahl der gesamten Todesfälle in der Schweiz hat wieder die erwartete Zahl (rote Linie) der jährlichen Todeszahlen erreicht. Es gibt also keine Übersterblichkeit infolge von Covid-19 mehr (Grafik unten).

Gesamte Todesfälle in der Schweiz jeweils pro Kalenderwoche. Quelle: Bundesamt für Statistik BfS. Grafische Umsetzung: Josef Hunkeler

Selbst für die Altergruppe der über 65-Jährigen nähert sich die Zahl der Sterbenden in der ganzen Schweiz der jährlich zu erwartenden Todesfällen in diesen Wochen. Es gibt also praktisch keine Übersterblichkeit infolge von Covid-19 mehr (Grafik unten).

Gesamte Todesfälle der über 65-Jährigen in der Schweiz jeweils pro Kalenderwoche. Quelle: Bundesamt für Statistik BfS. Grafische Umsetzung: Josef Hunkeler

Situation im Tessin entspannt

Selbst im Tessin ist die Todesrate der besonders betroffenen über 65-Jährigen wieder auf das normale, erwartete Niveau gesunken.

Gesamte Todesfälle der über 65-Jährigen im Kanton Tessin jeweils pro Kalenderwoche. Quelle: Bundesamt für Statistik BfS. Grafische Umsetzung: Josef Hunkeler

Schulschliessungen und Ausgangsbeschränkungen haben wenig beigetragen

Bei obigen Zahlen ist zu beachten, dass sich die Verstorbenen schon mindestens zwei bis drei Wochen vor ihrem Tod mit Sars-CoV-2 angesteckt hatten. Das weist darauf hin, dass der extreme Abwärtstrend der Todesfälle hauptsächlich dem Verbot von grossen Menschenansammlungen, von Grossveranstaltungen sowie den Aufrufen zu Hygiene und Abstandhalten zu verdanken ist. Diese Massnahmen wurden noch vor Mitte März erlassen. Die nachher verordneten Schulschliessungen, Geschäftsschliessungen und Ausgangsbeschränkungen spielten eine untergeordnete Rolle.

Entsprechend ist auch eine viel heraufbeschworene grosse zweite Corona-Welle, die erneut Schul- und Geschäftsschliessungen sowie Ausgangsbeschränkungen nötig machen würde, äusserst unwahrscheinlich, so lange Massenveranstaltungen untersagt bleiben und Abstandsregeln einigermassen eingehalten werden.

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*Das BfS vermerkt zu obigen Zahlen in den Grafiken Folgendes:
Es handelt sich um die verstorbenen Personen mit ständigem Wohnsitz in der Schweiz, unabhängig davon, ob der Tod in der Schweiz oder im Ausland erfolgt ist.
Letzte Zahlen am 3. Mai erfasst, publiziert am 12. Mai.

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22 Meinungen

Sie haben recht, dass die Zahlen zurückgegangen sind. Darüber freue ich mich wahrscheinlich gleich wie Sie.
Aber solange die Durchseuchung im niedrigen einstelligen Bereich bleibt und weder Impfstoff noch Medikamente vorhanden sind, ist die «grosse Welle» nicht vorbei! Wir stehen immer noch am Anfang der Pandemie. Wir wissen ganz einfach nicht, wie es konkret weitergehen wird.

Erfahrungen z.B. aus der Grippe-Pandemie vor 100 Jahren stimmen da abereher skeptisch.
Mir gefällt die Tendenz nicht, die ich da zwischen den Zeilen höre: Es war alles nicht so schlimm.
Ein inhaltlich korrekter Artikel hätte z.B. parallel auch die Entwicklung in Deutschland und Österreich angeschaut (wo z.B. die prozentuale Sterblichkeitsrate um mehr als den Faktor 2 tiefer liegt als in der Schweiz). Und er hätte z.B. auch den Verlauf in Ländern wie Italien, Frankreich u.a. dazugenommen.
Dann hätte die Schlagzeile wohl anders ausgesehen!
Rudi Neumaier, am 14. Mai 2020 um 12:48 Uhr
Danke für den Bericht. Ich frage mich folgendes: Wenn die Inkubationszeit überwiegend 5 bis 7 Tage ist, in einigen Fällen bis 10 Tage, dann sollte doch in den Statistiken spätestens 10 Tage nach dem Lock-down ein signifikanter Einbruch der Neuansteckungen zu sehen sein. Lock-down am 16. März würde bedeuten das am 26. März ein solcher Einbruch sichtbar werden müsste, doch dem war nicht so. Überwiegend dauern die Kurven ab den Wertanstiegen bis zum höchsten Peak bei fast allen 50 Tage, dann gehen die Zahlen runter. Die Zahlen gehen nicht 5 bis 10 Tage nach dem jeweiligen Lock-down runter. Was ist hier falsch? Die Inkubationszeiten? Die Ansteckungswege? Hat dieses Virus eine Eigendynamik? Wird es Replikationsunfähig mit der Zeit? Die nächsten Fragen wären, warum es in anderen Nationen so wenig Tote gibt, dass sie die normale Sterblichkeitsrate nicht übersteigen, und wie viele Menschen durch Ueberbehandlung und Fehlbehandlungen gestorben sind. Ich habe den Eindruck, das unser Pandemie-Notsystem weitgehend versagt hatte, besonders in den oberen Etagen wo zum Teil schwierige Entscheidungen getroffen werden mussten.
Beatus Gubler, am 14. Mai 2020 um 12:51 Uhr
Sehr gute Analyse. Was wir vor allem hatten ist eine Panik-Pandemie. Wer hat die gewollt und verursacht? Alles nur Zufall? Noch nie in der Geschichte hat man die gesunden Jungen eingesperrt und die gefährdeten Alten so schlecht geschützt. Die meisten Toten verstarben in schlecht ausgerüsteten Alterscheimen, vor allem in Norditalien, wo man sogar Corona-Kranke von Spitälern in Altersheime versetzte und damit eine grosse Anzahl zusätzlicher Tote verursachte.
Pedro Reiser, am 14. Mai 2020 um 13:17 Uhr
In der Tat eine erfreuliche Entwicklung. Wenn ich aber das Verhalten in der Öffentlichkeit von vielen Menschen beobachte, bezweifle ich, dass ein erneutes Aufflackern oder gar eine 2. Welle sehr unwahrscheinlich sind.
Geschäftsschliessungen waren vielleicht nicht so entscheidend, aber die Restaurantschliessung hat sicher ebenfalls viel zur Eindämmung beigetragen (und kam meines Erachtens auch zu spät; aber im Nachhinein kritisieren ist immer leicht).
Christoph Rüegg, am 14. Mai 2020 um 14:20 Uhr
@Neumaier. Der Vergleich mit der Spanischen Grippe vor hundert Jahren scheint mir etwas holprig. Bei welcher anderen Grippewelle seither kam es denn zu einer zweiten, viel stärkeren Welle? Der Vergleich von Sterblichkeitsraten (= Verstorbene/bestätigte Fälle) in verschiedenen Ländern ist schwierig, weil diese u.a. stark von der Zahl der Tests abhängt. In Deutschland wird sie übrigens nur wenig tiefer als in der Schweiz angegeben, in Italien, Schweden und GB viel höher. Aber das hat alles mehrere Gründe.
Urs P. Gasche, am 14. Mai 2020 um 15:03 Uhr
Super, kurz und bündig. Klarer ausgedrückt, die einschränkenden Massnahmen hatten statistisch keinen merklichen Einfluss. Inwieweit wegen der Verzögerung der Todesfälle das Verbot der Menschenansammlung einen Einfluss hatte ist erst noch fragwürdig. Und wichtig, die Übersterblichkeit entspricht der einer (stärkeren) Grippe.
Die gesundheitlichen Folgemassnahmen sind gemäss einer deutschen Studie schlimmer als die durch das Virus ausgelösten. Die durch die Massnahmen entstandenen wirtschaftlichen Kosten betragen 100 Milliarden sFr nur schon aus Steuergelder. Dazu kommen andere staatlich direkt und indirekt getragen Kosten, Kosten und Ausfälle von Firmen und Privaten und diverse grosse Folgekosten. Die werden noch grösser sein. Zur Vorstellung: Das sind 25 000 sFr pro Haushalt nur aus direkten Steuergelder. Gesamthaft darf mindestens mit sagenhaften 50 000 sFr pro Haushalt gerechnet werden. Wieviele Leid hätte man mit dem Geld wohl verhindern können?
Beat Schärer, am 14. Mai 2020 um 15:09 Uhr
Tipptopp!
IMHO hätte - im infosperber, zum Thema Corona - dieser unaufgeregte Artikel eigentlich ausgereicht.

Schon vor 2 Monaten - anfangs März - konnte bei der Übersterblichkeitsstatistik des Tessins (und dem Geschehen in Italien) ablesen werden, dass da etwas «abgeht» und dass uns bezüglich der Massnahmen (und eben nicht der statistischen Darstellungen) schleunigst einige Überlegungen anstellen sollten.
Ideen respektive eine Diskussion zu den möglichen Massnahmen hätten einen effektiven Nutzen erbringen können.

Aber eines hat sicher niemandem (!) geholfen bzw. das Leben gerettet:
Die Ereiferung über all diese «birnenweichen» Statistiken über Infizierte. Damit legte man einzig noch Scheiter in das Feuer all jener, die es zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben, stets eine noch extravagantere Verschwörung ausfindig zumachen. All ob der ganz normale Irrsinn auf diesem Planeten nicht an sich schon ausreichend genug «Sexappeal» aufweisen würde...

Könnte es sein, dass uns das seit Jahrzehnten Fieber für den neusten Hollywood-Fiction-Schocker nicht so gut bekommen ist? Brauchst ständig einen neuen Fix, noch ver-rückter, noch weniger darin unterstützend Realität von Fiktion zu unterscheiden?
Stephan Kühne, am 14. Mai 2020 um 21:58 Uhr
Es scheint eine Grippe zu sein, die alle 10 Jahre auftaucht.
Das wird den vom kollektiven Coronawahn infizierten nicht gefallen. Die hatten die Coronagrippe zwanghaft mit der spanischen Grippe gleichgesetzt und zu deren Entsetzen wurde nun das 'erhoffte' Ziel weit verfehlt, sogar die Hongkong oder die russische Grippe waren schlimmer.

Dass man jedes Jahr die 65+ vor einer Grippe schützen müsste, ist bei denen in deren Hysterie bis dato nicht angekommen.
"Es lebe die kollektive Hysterie"
Peter Herzog, am 14. Mai 2020 um 21:59 Uhr
@Rudi Neumaier
Ich glaube, wir wissen im Moment wirklich nicht, wie hoch die «Durchseuchung» oder «Gruppenimmunität» ist. Es gibt wohl Hochrechnungen aufgrund von Antikörper-Tests. Der Antikörper-Test der Firma Roche wurde aber offenbar nur an Personen validiert, welche nicht nur infiziert, sondern auch klinisch erkrankt waren. Ob Personen, die eine symptomlose Infektion hinter sich haben, damit erkannt werden können, ist ungewiss.

Auch wissen wir nicht, wie lange die Antikörper im Blut erhalten bleiben und somit nachgewiesen werden können. In der NZZ
https://www.nzz.ch/wissenschaft/hinweise-auf-nachlassende-immunitaet-gegen-sars-cov-2-ld.1555515
war kürzlich zu lesen, dass nach einer Infektion die Antikörper relativ rasch wieder aus dem Blut verschwinden können. Das könnte bedeuten, dass damit auch der Immunschutz schwindet, muss es aber nicht. Denn für das immunologische Gedächnis sind eigentlich nicht die Antikörper, sondern spezielle Gedächniszellen zuständig.

Viele offene Fragen, wenig gesicherte Antworten. Es lässt sich nichts beweisen, aber ich halte, wie Urs P. Gasche, eine grosse zweite Welle für unwahrscheinlich.
Daniel Heierli, am 14. Mai 2020 um 22:47 Uhr
@Gubler: ich glaube der Denkfehler hier ist, dass es sich um Todesfälle (Übersterblichkeit) handelt, nicht Neuansteckungen. Bis es zum Tod durch SARS-CoV-2 kommt, passiert im Schnitt folgendes: Ansteckung: 5-10 Tage Inkubationszeit. Zeit bis zu schwerer Erkrankung (Intensivpflichtig): 10 Tage. Durchschnittliche Zeit auf IPS (Zahlen aus Italien): 10 Tage bis zum Tod. Also ca. 30 Tage von Infektion bis Tod.
Christian Schürch, am 15. Mai 2020 um 07:03 Uhr
@Heierli: bitte lesen Sie zuerst über das Immunsystem, bevor Sie diese Behauptungen anstellen. Gedächtniszellen (Memory cells) gibt es sowohl bei Antikörper produzierenden B Zellen (welche als langlebige Plasmazellen im Knochenmark existieren), als auch bei den T Zellen (auch da gibt es noch Untergruppen wie Helfer TH1, TH2, TH17 und zytotoxische T Zellen). Die wichtigste Immunität gegen die meisten Erreger (Immunität = Schutz vor Neuinfektion mit dem gleichen Erreger) ist jedoch ANTIKÖRPER vermittelt (ich will hier nicht sagen, dass die T Zellen nicht auch extrem wichtig sind).
Christian Schürch, am 15. Mai 2020 um 08:04 Uhr
BBC hat eben wieder Untersuchungen zur Verbreitung der Viren diskutiert. Dabei fällt auf, dass durchschnittliche R-Werte epidemiologischer Unsinn sind. Es wurde festgestellt, dass in Haushalten, welche vom Virus befallen sind, in der Regel nur eine von 5 Personen positiv getestet wurde. Wäre der R-Faktor 1, dann müssten nach 4 Tagen wenigstens 2, nach 8 Tagen 3 bis 4, nach ... infiziert sein. Der effektive R-Faktor in diesen Haushalten dürfte in der Nähe von 0 liegen, d.h. dass die Ansteckung in der Regel von ausserhalb der Haushalte kommt.

Bemerkenswert ist auch die Episode von Korea, wo 28 Bars mit neuen Ansteckungen offenbar von einem einzelnen Virusträger infiziert wurden. Dies ergibt einen individuellen R-Faktor von wenigstens 28, möglicherweise aber gar von 80. Dies dürfte der Argumentation des «Virus-tracking» einiges an Relevanz verschaffen.
Josef Hunkeler, am 15. Mai 2020 um 09:58 Uhr
Bei der Datenlage, ja man muss schon von Daten Konfetti schreiben, ohne Bezug, Verstorbene wurden und werden nicht obduziert, Sog. PCR Tests nicht validiert, und eine über 50% Fehlerquote, ein Hohn wenn die Öffentlichkeit noch von «Test» redet und schreibt. Man könnte auch eine Infektionslotterie machen, und hätte eine höhere Trefferquote?

Laut Prof. Homburg, war die sog. R-Kurve schon fallend, als mit den Maßnahmen begonnen wurde, und spätestens 3 Tage vor dem sog. SHUTDOWN unter der magischen Eins? Wieso leugnet man, dass die Maßnahmen keinen Einfluss hatten. Diese Schutzmaßnahmen, verhindern eine Herden Immunität, was doch jedes Jahr bei den Grippe Wellen erfolgt? Und wieso wird ein Virus, für die es gar kein Impfstoff gibt, gefährlicher eingestuft, als die Influenza Viren, bei denen trotz Impfung mehr verstorben sind? Und noch einmal wie, will man Beweisen, wenn nicht obduziert wird, an was oder mit was die Menschen verstorben sind? Und als letztes, weiß eigentlich jemand in diesem Land wie die angeblichen Grippe Toten errechnet werde? Man nimmt die Sommer Mortalität und zieht diese von der Winter Mortalität ab, und die Differenz zählt dann als „Grippe Tote“ woher will man das wissen, wenn nicht obduziert wurde und wird? Wäre alles so schlimm, wie ÖR in Medien und Politik uns täglich einreden wollen, dann bräuchte man keine Fachleute diffamieren, die eine andere Meinung vertreten. Hört auf zu Testen, schützt die Risikogruppen und der Albtraum ist vorbei. Medizinisch!
Matti Illoinen, am 15. Mai 2020 um 11:41 Uhr
Herr Gasche, der Vergleich mit der spanischen Grippe ist nicht holprig. Es gibt noch mehr historische Beispiele bis zurück ins 5. Jh. Das war in den letzten Wochen in verschiedenen Artikeln zu lesen (leider habe ich mir die Quellen nicht gemerkt). Was daran auffällt ist, dass die folgenden Wellen erst den menschlichen und wirtschaftlichen in die Höhe trieben. Und statt einer grossen zweiten Welle kann es auch viele zeitlich und örtlich verschobene kleine Wellen geben. Die erste Welle bei uns gleicht eher einer kleinen Welle.
Ob Schulschliessungen nicht gerechtfertigt sind? Wenn wir von Kindern reden, die weniger krank (aber vielleicht nicht weniger übertragend) seien, dann reden wir von der Unter- und Mittelstufe. Oberstufenschüler*innen (Sek) und ältere zeigen hier keine Unterschiede zu Erwachsenen.

Herr Schürch: Die offene Frage, ist: Reicht einmalige Infektion aus aus, um genügend Gedächtniszellen für längere Zeit fit zu halten, damit sie bei der nächsten Infektion genügend Antikörper bilden. Der NZZ-Artikel gibt darüber erste Auskünfte, aber sagt klar: «Angesichts dieser vielen Unsicherheiten ist eine Aussage über die Dauer des Immunschutzes nach einer Sars-CoV-2-Infektion derzeit schwierig. » Und das ist das Problem! Nicht die Korrektheit der Darstellung eines Laien (wie ich) vom Immunsystem.

Der einzige Schutz ist Abstandhalten, wenn keine Impfung vorliegt. Und wie man heute sieht, klappt das ganz schlecht. Die Leute werden leichtsinnig. Ein neuer Lockdown droht!
Jan Holler, am 15. Mai 2020 um 20:05 Uhr
Mindestens in der Grafik «Gesamte Todesfälle der über 65-Jährigen in der Schweiz jeweils pro Kalenderwoche», sind die von Ihnen dargestellten unteren und oberen Grenzen massiv weiter vom Mittelwert entfernt als die Daten von BFS (https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/sterblichkeit-todesursachen.html). Dadurch lässt Ihre Grafik das Ausmass der Übersterblichkeit deutlich kleiner erscheinen. Woher sind Ihre Daten der Oberen und unteren Grenzen?
Florian Kaufmann, am 16. Mai 2020 um 16:06 Uhr
@Christian Schürch
Ihre Ergänzungen sind richtig, aber Sie ziehen die falschen Schlüsse daraus.

Die B-Gedächniszellen sind ja genau dazu da, dass der Körper die Produktion eines spezifischen Antikörpers (z.B. gegen Sars-CoV-2) nicht ewig auf hohem Niveau aufrecht erhalten muss. Er hat nur die nötigen Vorkehrungen getroffen, dass er die Produktion dieses spezifischen Antikörpers bei Bedarf (aber erst dann) sehr rasch wieder hochfahren könnte. Auf diese Weise wird der Körper mit einer erneuten Infektion eines schon bekannten Erregers in der Regel sehr gut fertig.
Dieses System ist im Hinblick auf einen Haushälterischen Umgang mit den Ressourcen vorteilhaft. Es wäre eine grosse Verschwendung, alle jemals in der Vergangenheit benötigten Antikörper langfristig und ohne Unterbruch in grosser Menge zu produzieren.

So ist es sehr wohl möglich, dass gegen eine Krankheit im Blut keine Antikörper mehr nachweisbar sind, dass aber die entsprechenden Gedächniszellen vorhanden und einsatzbereit sind und dass also die fragliche Person, trotz nicht nachweisbarer Antikörper, gut gegen eine erneute Infektion geschützt ist.

Dies ist übrigens auch in dem von mir zitierten NZZ-Artikel nachzulesen, auch wenn die Schlagzeile etwas anderes suggeriert.
Daniel Heierli, am 16. Mai 2020 um 21:40 Uhr
@Jan Holler

- Schulschliessungen: Es ist nicht klar, wie stark Kinder oder Jugendliche das Virus verbreiten können. Klar ist jedoch, dass auch die älteren Schüler (genauso wie jüngere Erwachsene) nur sehr wenig gefährdet sind.

- Immunität: Man konnte bisher tatsächlich nicht erforschen, ob eine einmalige Sars-CoV-2-Infektion zu einer genügend starken Immunität führt. Dies ist nicht weiter erstaunlich, denn zu Sars-CoV-2 und der dazugehörigen Krankheit liegen generell noch sehr wenig zuverlässige Forschungsresultate vor.
Ich staune aber immer wieder, wie die gleichen Leute, welche die Wirkung der natürlichen Immunität so stark bezweifeln, in geradezu kindlichem Vertrauen darauf setzen, dass die Impfung garantiert 100%-igen Schutz geben wird. Impfen heisst ja nichts anderes, als auf künstlichem Weg eine Reaktion des natürlichen Immunsystems zu provozieren.
Daniel Heierli, am 16. Mai 2020 um 21:58 Uhr
@Daniel Heierli: guter Punkt! Folgendes möchte ich noch ergänzen: die Mukosa-assoziierten Plasmazellen, welche Immunglobulin A (IgA) produzieren. Eigentlich ist IgA auf den Schleimhäuten wichtiger um das Virus abzufangen, als IgG im Blut. IgG im Blut ist mM eher ein Surrogatmarker. Wir wissen nicht viel über SARS-CoV-2 spezifische IgA in den Schleimhäuten.
Christian Schürch, am 17. Mai 2020 um 07:39 Uhr
@Kaufmann.
Wie schon privat argumentiert, hätte ich gerne die CH-Daten des BFS für die gezeigten Graphiken verwendet. Doch diese wurden nicht publiziert. Wenigstens für die erwarteten Werte erscheint es aber plausibel, dass die Summe der Regionen den Gesamtwert für die ganze Schweiz ergibt. Leider ist das bei den Hochrechnungen nur bedingt der Fall, da die berechneten Werte keine gemessenen Erfahrungswerte sind, sondern auf der Basis von Algorithmen «massierte» (geglättete und skalierte) Daten reflektieren.

So kommt es dass die Zahlen des erwarteten Wertes z.B. für die 18. Woche in der publizierten Serie für die Region «Genfersee» (Léman) von der Summe der publizierten Daten für die konstituierenden 3 Kantone GE, VD, VS abweicht. Für die Berechnung der «unteren» und «oberen» Limiten des Konfidenzintervalls werden entsprechende individuelle Algorithmen verwenden, welche davon ausgehen, dass die Entwicklung in den Kantonen offenbar nicht korreliert ist, was zu den kleineren Dimensionen des publizierten Konfidenzintervalls führt.

Kovarianzen ignorieren mag eine übliche statistische Tradition sein. Vertrauensfördernd sind solche Statistiken aber kaum, wenn nicht wenigstens eine entsprechende Erklärung und nachvollziehbare Methode mitgeliefert werden.

Ich habe meinen Studenten früher oft gesagt, dass eine Risikodiversifikation, z.B. Eier in mehrere Körbe zu veteilen, nichts wert ist, wenn diese Körbe zusammengebunden werden -- bzw die Kovarianz ignoriert wird.
Josef Hunkeler, am 17. Mai 2020 um 20:23 Uhr
@Kaufmann.

Die CH-Daten sind jetzt auf dem Netz.

https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/sterblichkeit-todesursachen.assetdetail.12927124.html

Obwohl ich meine Argumente weiter wenigstens für bedenkenswert halte, habe ich kein Problem bei zitierten Daten auf das Original zurückzugreifen.

Ich hatte nie die Absicht, die Wertung der aufgezeigten Entwicklung in Frage zu stellen. Die Problematik der Konfidenzintervalle bleibt bestehen. Diese Intervalle zeigen ja auch keine absolute Wahrheit, sondern eine frei gewählte Wertung, welche auf frei gewählten Streuungs-Hypothesen (z.B. Normalverteilung) aufbaut.
Josef Hunkeler, am 18. Mai 2020 um 10:30 Uhr
Nicht nur die Grafiken sind irgendwie beschönigend an diesem Artikel.
M.E. drohen neue Ausbrüche im Herbst wenn die Viren länger schweben, kleben, übertragen oder was sie sonst so machen... Weiss ja niemand genau.
Und dass diese Krankheit kein Spass ist, kann man andernorts den Erfahrungsberichten entnehmen.
Stefan Forster, am 19. Mai 2020 um 21:13 Uhr
Lieber Herr Gasche,
Heute, fast 3 Wochen später, machen die Medien wieder auf Panik wie mit diesem Tamedia-Artikel von heute:
https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2020/wo-die-corona-faelle-stark-steigen/
Mir scheinen die Grafiken irreführend weil mit unterschiedlichen, nicht angegeben Skalen/Massstäben. Die Frage ist auch, ob die zwar stattfindende Zunahme bei den immer noch tiefen Zahlen viel bedeutet, oder tatsächlich den Beginn eines heftigen Anstiegs sein könnte. Wie schätzen Sie das ein?
Theo Schmidt, am 04. Juli 2020 um 18:45 Uhr

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