«Alles für alle» - fragt sich nur, wie viel

Hanspeter Guggenbühl © bm
Hanspeter Guggenbühl / 19. Mai 2013 - Warum eine 1.Mai-Rednerin zwölf mal radikaler ist als die Juso-Initiative. Und was das laut «Ohrbooten» für Folgen hat.

«Wir wollen alles für alle.» Das forderte die Schaffhauser AL-Kantonsrätin Susi Stühlinger am 1. Mai in Zürich. Damit verlangt sie zwölf mal mehr Umverteilung als die fast ebenso linken Jungsozialisten. Diese erlauben per Initiative Maximallöhne, die zwölf mal höher sind als die tiefsten Löhne in der gleichen Firma.

Den bürgerlichen Parteien, welche in diesem Land die Mehrheit bilden, ist das zu wenig. Ein Lohnverhältnis von 1:12 empfinden sie als «Gleichmacherei» oder gar als «Sozialismus in Reinkultur». Darum lehnen sie die Juso-Initiative strikte ab. Eigentlich müssten die Bürgerlichen einen Gegenslogan formulieren: «Alles für wenige.» Aber damit lässt sich in keiner Abstimmung eine Mehrheit gewinnen.

Kompromissbereit gibt sich der freisinnige Martin Vollenwyder, der als Stadtrat von Zürich einem AL-Mitglied Platz machte und sich jetzt wieder einen Job ausserhalb der kargen städtischen Besoldungsverordnung suchen kann. «Statt über 1:12», so sagte er im Abschiedsinterview dem Zürcher «Landboten», «könnte man über 1:200 nachdenken.»

Soviel zur Verteilungsfrage. Ebenso relevant ist aber die Menge. Wenn «alles» mehr wird, bekommen auch diejenigen mehr, die nur einen Zweihundertstel von dem bekommen, was Martin Vollenwyder den Spitzenverdienern zugestehen will. Darum freuen sich Unternehmer und Gewerkschafterinnen gleichermassen, wenn die Menge wächst. Die Konsequenz daraus hat die Berliner Musikgruppe «Ohrbooten» schon vor dem 1. Mai auf ihrer neusten Single formuliert: «Alles für alle, bis alles alle ist.» Spätestens dann wird zweihundert mal mehr zum Nichts.

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keine

Weiterführende Informationen

Ohrbooten: Alles für alle, bis alles alle ist (Video)

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6 Meinungen

Vielen Dank für diesen Beitrag! Es scheint noch längst nicht allen klar zu sein, dass man nur verteilen kann, was erwirtschaftet wurde - und dass das definitiv nicht funktioniert, wenn man allein auf den Goodwill der Leute setzt, hat das «reale Experiment im Osten» inzwischen bewiesen...
Patrick Hafner, am 21. Mai 2013 um 14:06 Uhr
Guten Tag Herr Hafner. Bitte informieren Sie sich doch mal über die aktuellen wissenschaftlichen Sozialstudien. Bitte keine Informationen einholen bei irgend einer Partei, Zeitung oder Organisation, welche an irgendwelche Interessen wirtschaftlicher oder politischer Natur gebunden sind. Dann werden Sie erst zu den so objektiv wie möglichen Resultaten kommen. Nämlich dass ein Mindestmass an Gerechtigkeit die Bedingung ist für ein gesundes soziales Leben und einer gesunden Wirtschaft ist. Sie werden auch zu dem Resultat kommen, dass der Kapitalismus sowie der komplett freie Wettbewerb versagt haben, denn sie erzeugen jeden Tag 15'000 Kinder welche verhungern, und Menschen welche sich in Drogen und Kriminelle Energie flüchten müssen, welche dann wieder von diesem System bewirtschaftet werden. Und entgegen aller Behauptungen erkennt man dann, das der marxistische Kommunismus nicht versagt haben kann, denn er wurde noch nie realisiert. Ausser damals vor 2000 Jahren, als eine Gruppe von Nazarener marxistisch Kommunistisch lebte, zeigte dass es funktionieren kann, und ihr Anführer Joshua dann an das Kreuz genagelt wurde. Die sozialen Regelsysteme der Länder werden sich weiter entwickeln, denn so wie es jetzt ist, diese Regentschaft der 300 reichsten Firmen, welche sich in den Händen von 13 bis 15 Familiendynastien befinden, entsprechen nicht dem Geiste der schweizerischen Demokratie, welche mal als Basis von Brüderlichkeit, Freiheit und guten Werten existierte. Wir müssen nicht marxistische Kommunisten werden, das Pendel muss jetzt nicht auf das andere Extrem ausschlagen, sondern es gilt eine neue, gerechte Mitte zu finden. 1 zu 12 ist nicht mal so übel gedacht, und ich sage Ihnen, die 1 zu 12 hat gute Chancen, zumindest wird sie so viele Stimmen holen, dass der Bundesrat den Volkswillen zu mehr Gerechtigkeit und mehr Demokratie statt Oligarchie nicht mehr ignorieren kann.
Beatus Gubler, am 21. Mai 2013 um 20:40 Uhr
Teil 2:
Die Propaganda-Maschinerie der kapitalistischen Oligarchien läuft auf Hochtouren, es werden politische Kräfte gekauft, mit Geschenken, Angeboten, u.s.w. Doch auf Dauer hat das bisherige kapitalistische System welches jedem erlaubt das praktische Tauschmittel Geld nach seinem Gutdünken zu missbrauchen keine Chance. Ungerechtigkeit macht krank. Dass es noch keine Gesetze gibt welche einen gewissen schadhaften Umgang mit dem Tauschmittel Geld verbieten, unter Androhung von Strafverfolgung, bedeutet noch lange nicht, das es auch moralisch, ethisch und humanistisch vertretbar ist. Auch wird es das einschwenken richtung Geniokratie brauchen, diese alte Idee der Griechen hat was an sich. Wer das Stimmrecht haben möchte, soll es sich verdienen. Soll sich vorher den Genius erwerben, politische Entscheidungen tragen zu können. Indem er eine Grundausbildung absolviert, kostenlos für den Stimmbürger, nach welcher er/sie eine Prüfung ablegen muss. Diese Grundausbildung vermittelt ihm/ihr ethische, moralische, und demokratische Grundwerte. Solch eine Grundausbildung wird ihm/ihr aufzeigen, was für Abstimmungen in welchem Bereich was für Konsequenzen nach sich ziehen können. Damit jeder weiss, was er tut, wenn er oder sie abstimmt, und nicht mehr dermassen von leeren Versprechungen verführbar ist, wie es derzeit der Fall ist. Was das verteilen betrifft in Ihrer Anmerkung, es könne nur soviel verteilt werden wie da ist. Nun, rechnen wir doch mal das Weltkapital aus, welches als Lohn an Erwerbstätige monatlich ausgezahlt wird, weltweit, und teilen es durch alle Menschen auf der Welt. Eigenartig, dass dann jeder plötzlich 13‘600 Franken Lohn bekommt, und zwar auch die Kranken, Arbeitslosen und Invaliden. Und wenn man das zu unrecht stillstehende Kapital welches durch die 300 reichsten Firmen der Welt gehortet wird, inklusive Vatikan, noch dazu nimmt, dann ist soviel Kapital da, dass es einen Wirtschaftsboom auslösen wird. Und dies auch dann, wenn man jedem noch soviel Notgroschen an stillstehendem Kapital übriglässt, dass er bis an das Lebensende gut Leben und wirtschaften kann.
Beatus Gubler, am 21. Mai 2013 um 21:22 Uhr
Teil 3 und letzter Teil.
Fazit: Es gibt keine reale Wirtschaftsnot. Die gegenwärtige Not ist künstlich geschaffen von diesen 300 Grosskonzernen, es ist ihre Art, das Weltgeschehen zu kontrollieren. Und dies ist nur möglich, weil unsere Verfassungen rückständig sind, und noch zu viele Schlupflöcher haben. 1 zu 12 ist die Antwort für die gegenwärtige Zeit. So wie die Einheitskrankenkasse auf hohem Niveau, und das Grundeinkommen für alle. Auch die Justiz ist überholt. Bestrafung erzeugt ein Maximum an Widerholungstätern. Ausbildung der Delinquenten, so dass diese andere, legale Wege benutzen können, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen, und regelmässige Konfrontation mit dem psychischen Folgen welche ihre Tat bei anderen hinterlassen hat, siehe Musterbeispiel Arxhof, bringt ein Minimum an Wiederholungstätern. Kombiniert mit der Gelegenheit durch Sozialarbeit bewusst Sühne zu leisten. Ein weltweites Erfolgsprogramm, der Arxhof. Und alle sagten vorher, das würde nicht funktionieren, auch die Delegation der Usa. Und heute kommen sie hierher um sich ein Beispiel daran zu nehmen. Doch bei der gegenwärtigen Politik wird eine Weiterentwicklung von der Justizia zu einer Protektia im Sinne des Arxhof, und deren Ausbau, nicht möglich sein. Denn Strafgefangene welche rückfällig werden können bewirtschaftet werden und sind zulasten des Steuerzahlers für gewisse Kreise eine einträgliche Geldquelle. Genauso verhält es sich beim Thema Drogen. Eine betreute, kontrollierte Komplettabgabe aller Drogen, auch derjenigen welche gegenwärtig legal sind, sowie eine Gleichstellung aller Drogen, inklusive Koffein, Nikotin und Alkohol, würde die ganze Drogenkriminalität zum erlöschen bringen. Gegenwärtig kosten die Schäden der legalen Droge Alkohol den Schweizer Steuerzahler 5 mal soviel wie alle anderen Drogen zusammen. Aber eben, gegenwärtig ist eine „Droleg“ nicht durchsetzbar, denn die Drogenkriminalität, die Drogenpatienten welche zu Invaliden werden weil ihre Körper durch giftige Streckmittel ruiniert werden, sowie Alkoholiker, welche mal glaubten Alkohol sei nur ein Genussmittel, können bewirtschaftet werden. Sie sind eine Goldgrube auf kosten von Menschenleben und Lebensqualität. Wir sehen also wieder eine Not, welche hausgemacht ist, welche gewissen Kreisen, denn letztendlich fliesst Geld immer nach Oben, viel Kapital einbringt. Wer alle diese Fakten kennt, und bei 1 zu 12 immer noch mit Nein antwortet, dessen Gewissen möchte ich nicht haben.
Beatus Gubler, am 21. Mai 2013 um 21:25 Uhr
Als Autor freut es mich, dass meine kleine Glosse, die ich einem noch kürzeren wunderschönen Rap-Text verdanke (wer schafft es schon, in sieben Worten die grossen Probleme Menge und Verteilung auf einen Nenner zu bringen), eine engagierte Diskussion auslöst. Ich will sie auch nicht einschränken, nur etwas ergänzen:. Bei der Menge dachte ich selber nicht in erster Linie an das, was «erwirtschaftet wurde", sondern an die begrenzte Menge, welche die Natur zulässt. Denn auf die Länge kann auch die erfolgreichste Volkswirtschaft nicht mehr «erwirtschafte", als die Natur hergibt. Dies zur Eigenklärung, die aber keinesfalls verhindern soll, dass in der Diskussion weiterhin «alles» (und damit viel) offen sein soll.
Hanspeter Guggenbühl
Hanspeter Guggenbühl, am 21. Mai 2013 um 22:18 Uhr
Danke für Ihr Feedback. 7 Milliarden sind zu viel, es sei denn wir hätten genug billige und saubere Energie. Damit könnte man von den 148.9 Millionen Quadratkilometer Festland auch die hälfte welche nicht bebaubar ist, Urbar machen. Mit Energie könnte man Umweltschonend Eiweisshaltige Pilze wie Quorn in Reaktoren herstellen, mit einfachen Mitteln. Bis wir die Energien der Zukunft haben, strahlungsfreie Helium3-Fusion, Gezeitenkraftwerke, kalte Fusion, Thermische Kraftwerke, und vor allem die freie Raumquantenenergie, welche funktioniert aber eine noch zu geringe Ausbeute bringt, und auch danach, hilft nur eine Geburtenkontrolle. 4 bis 5 Milliarden sind genug, es braucht auch Platz für Tiere. Stellen sie sich vor wir hätten zum Beispiel ab morgen auf der Erde vom teuersten Material welches es gibt eine Tonne auf der Erde, nämlich Helium3, welches sich ohne radioaktive Abfälle fusionieren lässt, welches auf dem Mond und dem Mars nur so rumliegt, (Darum wollen ja alle Grossmächte so rasch als möglich dorthin) diese Tonne würde reichen um den ganzen Planeten ca. 10 Jahre mit Energie zu versorgen, auch wenn wir alle anderen Energiequellen ausschalten würden. Als Abfall produziert diese Art der experimentell nachgewiesenen stabilen Fusion Wasserstoff und Sauerstoff. Das Helium 3 hat eine unvorstellbare Energiedichte. Es wird wohl die Energiequelle der Zukunft sein, auch Reisen durch den Raum mit H3 Plasmatriebwerken wären 3 mal schneller als alles bisherige. Doch meiner Meinung nach braucht es, zumindest bis wir genug saubere Energiequellen erschlossen haben, eine Weltweite Geburtenkontrolle. Wenn wir das nicht tun, werden es die Schicksalskräfte machen, Hungersnöte, schon heute verhungern jeden Tag 15'000 Kinder, fehlendes sauberes Wasser, soziale Aufstände, Bürgerkriege wie sie in Afrika und Syrien jetzt schon geschehen. Möglichst rasch genug saubere und billige Energie, um noch schlimmere Krisen abzuwenden, und die Geburtenkotrolle, das scheint mir die einzige Lösung zu sein. Sonst macht es die Natur, welche bisher immer reguliert hat, wenn eine Spezies überhand nahm. Gruss an alle Diskutierenden hier...
Beatus Gubler, am 21. Mai 2013 um 23:35 Uhr

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