»2 x Weihnachten» verdoppelt den Leerlauf

Hanspeter Guggenbühl © bm
Hanspeter Guggenbühl / 06. Jan 2013 - Geschenke hat Mann schon oder braucht Frau nicht. «2 x Weihnachten» gibt dem Leerlauf doppelten Sinn.

Unser Weihnachtsgeschäft boomte. Die Post meldete ein Rekordergebnis: Sie spedierte im Dezember 2012 mehr Pakete denn je, weil die Leute zunehmend übers Internet posten. Aber auch der übrige Detailhandel meldete eine «positive Festtagsbilanz».

Dem Jubel folgt jeweils der Jammer. Denn ein Geschenk ist etwas, das der Empfänger in der Regel nicht braucht, sonst hätte er es selber gekauft. Oder etwas, das er braucht und darum bereits besitzt. In beiden Fällen sind die Geschenke nutzlos. Das «positive» Weihnachtsgeschäft erweist sich damit als Gipfel der Verschwendung.

Doch Radio, SRG, Post und Rotes Kreuz zeigen uns den Ausweg, nämlich mit der alljährlichen Aktion «2 x Weihnachten». Und die geht so: Die Produkte, die wir nicht brauchen oder schon haben, packen wir unter dem Weihnachtsbaum aus, packen sie danach wieder ein, tragen das neue Paket zur nächsten Postfiliale, und ab geht die Post nach Wabern bei Bern, wo die Produkte wieder ausgepackt, neu sortiert, neu verpackt, weiter gesandt und verschenkt werden an Leute, welche sich unsere Geschenke nicht leisten können. Auch bei «2 x Weihnachten» ist 2012/13 ein Päckli-Rekord in Sicht.

Wirkungsvoller wäre, das Geld, das wir für nutzlose Weihnachtsgeschenke ausgeben, direkt an Organisationen zu senden, die vor Ort Hilfe leisten. Denn erstens wissen diese besser, was den Leuten fehlt. Und zweitens könnten sie das Fehlende vor Ort kaufen und damit den armen Ländern doppelt helfen.

Negativ lässt sich daraus folgern, «2 x Weihnachten» fördere Leerlauf und Verschwendung ein zweites Mal. Doch dieser Nach-Weihnachtstext soll positiv enden. Also: Mit jedem Geschenk, das wir kaufen und das niemand braucht, steigern wir den Umsatz unserer Wirtschaft. Dieses Wachstum der Wirtschaft ist toll. Zweifacher Leerlauf verdoppelt die Tollheit.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

2 Meinungen

Tolles «positives» Ende!
Danke, Herr Guggenbühl, der Tag ist gerettet! :-))
Daniel Nägeli, am 07. Januar 2013 um 10:40 Uhr
Lieber Herr Rhinow,
meiner Meinung nach hat Herr Guggenbühl vollständig Recht.Zuerst wird in Billiglohnländer Müll produziert.Weil das Zeug soll billig ist kaufen wir,was wir gar nicht brauchen.Anschliessend wird es wieder in diesen Länder an die Armen verteilt.Das ist eine üble Beleidigung und Bevormundung benachteiligter Menschen.
Wie wäre es wenn die Postbonzen sich um ihr eigentliches Geschäft kümmern würden.Will ein Mensch der bei uns Arbeitet,seinen Angehörigen in Deutschland ein Geschenk schicken,hat er auf der Post einen Schock.Die Tarife zwischen den EU-Staaten sind viel vernünftiger.In vielen Bereichen hat die Post sich schlicht abgeschafft.Meiner Meinung nach soll die Post auf jegliches Sponsoring verzichten.
Andreas Willy Rothenbühler, am 09. Januar 2013 um 11:59 Uhr

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