Statt neue Arbeitsplätze zu schaffen, verursachen Zölle in den USA höhere Preise. © IM

Statt neue Arbeitsplätze zu schaffen, verursachen Zölle in den USA höhere Preise.

Warum Trumps Politik der Zölle voll die US-Konsumenten trifft

Red. / 02. Jul 2019 - Sondersteuern auf chinesische Waren und Gegenzölle von China sind eine Perversion von «America First». Klartext von Robert Reich.

upg. Robert Reich, Professor für öffentliche Politik und US-Arbeitsminister unter Präsident Bill Clinton, zeigt auf, warum von den USA eingeführte Zölle keine Arbeitsplätze schaffen, sondern hauptsächlich die Preise für Konsumentinnen und Konsumenten in den USA erhöhen. Eine für die US-Wählerschaft kontraproduktive Aktion.

Im Kern allerdings trifft Trumps Kritik am heutigen Welthandel einen wunden Punkt. Denn der gigantische weltweite Warenaustausch findet zu äusserst unfairen Bedingungen statt. Er trägt die Kosten nicht für die verursachten gigantischen Umweltschäden. Er beutet Menschen mit Lohn- und Sozialdumping aus. Und er profitiert von einem stark subventionierten Schiffs-, Luft- und Schwerverkehr.

Diese unfairen Bedingungen versuchen Konzerne möglichst auszunützen, um billiger produzieren zu können als die jeweilige Konkurrenz. Deshalb lassen sie zum Beispiel lieber in China, Vietnam, Myanmar oder Bangladesch produzieren als in den USA oder in Westeuropa.

Als eine Folge davon exportiert China viel mehr Waren in die USA als es Waren von den USA importiert. Das stösst Trump sauer auf, weil in den USA Arbeitsplätze verloren gingen.

Doch dass Zölle gegen China Arbeitsplätze in den USA schaffen, ist weitgehend eine Illusion, weil die Produktionsstätten wegen der einseitig auf chinesischen Waren erhobenen Zölle nicht in die USA verlegt werden, sondern in andere Billigländer, gegen die Trump keine Zölle verhängt, zum Beispiel nach Vietnam, Ägypten oder in südamerikanische Staaten.

Mit Ausnahme des Automobilsektors nimmt die US-Administration fast ausschliesslich China ins Visier. Trump versucht China, das er als geopolitischen Erzfeind sieht, mit Zöllen zu gängeln, während er gegen die weiteren Feinde Russland und Iran die halbe Welt sogar zu einem für diese Länder einschneidenden Wirtschaftsboykott zwingt.

Eine angekündigte weitere Eskalationsstufe der Zölle gegen China hat Trump am kürzlichen G-20-Gipfel hinausgeschoben, angeblich um weitere Verhandlungen zu ermöglichen. Es kann aber auch sein, dass Trump langsam merkt, dass seine Handelspolitik im Hinblick auf seine Wiederwahl im Jahr 2020 wahrscheinlich kontraproduktiv ist. Jedenfalls haben Detailhandelsorganisationen (vereint in der National Association of Manufacturers) im Einklang mit Konsumentenorganisationen nach Angaben der NZZ vom 1. Juli in Washington stark dagegen lobbyiert, weitere Sonderzölle gegen chinesische Waren im Handelswert von 300 Milliarden Dollar zu verhängen.

Tatsächlich bekommen die einseitig gegen China verhängten «Strafzölle» dummerweise in erster Linie die Konsumentinnen und Konsumenten sowie KMUs in den USA zu spüren. Robert Reich, Professor für öffentliche Politik an der Goldman School of Public Policy der University of California in Berkeley und von 1993 bis 1997 US-Arbeitsminister unter Präsident Bill Clinton, klärt die US-Bürgerinnen und Bürger in einem leicht verständlichen, nur 3-minütigen Video darüber auf:

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Keine

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Eine Meinung

Chappatte hatte dies doch so schön illustriert.
Josef Hunkeler, am 02. Juli 2019 um 16:11 Uhr

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