SBB grundlegend und pragmatisch beurteilt

Hanspeter Guggenbühl © bm
Hanspeter Guggenbühl / 27. Mär 2013 - Die SBB wachsen, juhee! Sie schrumpfen, ohweh! Oder alles umgekehrt?

Von 1995 bis 2011 sind die Passagierzahlen der Schweizer Bahnen pausenlos gestiegen. Soll man darüber jubeln? Letztes Jahr aber hat der der SBB-Personenverkehr erstmals abgenommen? Haben wir Grund zu klagen? Die Antworten hängen von der Betroffenheit ab.

Der Automobilist zum Beispiel, der im Frühstau auf der Autobahn steht, müsste sich freuen, wenn mehr Leute auf die Bahn umsteigen. Trotzdem kommt er nicht schneller voran, weil der Strassenverkehr seit 1995 ebenfalls weiter gewachsen ist.

Die Pendlerin hingegen, die nach Arbeitsschluss in der überfüllten S-Bahn steht und heimwärts tuckert, wird das Ende des Bahnbooms herbei sehen. Doch leider merkt sie nichts davon. Denn 2012 hat nicht der Stossverkehr in den S-Bahnen abgenommen, sondern der Freizeitverkehr. Das wiederum schmerzt die Bahnmanager, die ihr Angebot im lukrativeren Fernverkehr besser auslasten möchten.

Die Frage, ob der Trend zu loben oder zu tadeln ist, bringt selbst grüne Bahnfreunde ins Dilemma. Ihre Antwort hängt davon ab, ob sie gerade grundsätzlich oder pragmatisch gestimmt sind. Grundsätzlich wollen sie den Gesamtverkehr vermindern und nur den Rest auf die Schiene verlagern. Aus pragmatischer Sicht hingegen nehmen sie das Wachstum auf der Schiene in Kauf, weil der Bahnverkehr die Umwelt weniger stark belastet als der Strassenverkehr.

Den Ausweg aus dem Dilemma zeigt die Ökonomie. Sie verlangt Kostenwahrheit. Das heisst: Wir sollten nicht mehr verkehren, als wir dafür bezahlen wollen (oder können). Das ist weniger als heute. Denn heute zahlen die Fahrenden nur einen Teil der Kosten, die sie verursachen. Den Rest der Bahnkosten bezahlt der Staat, während der Strassenverkehr seine ungedeckten Kosten auf die Natur abwälzt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.