Insektizid-Rückstände gelangen von der Blüte über die Biene in den Honig © ThierryCreux

Bienensterben: Langsam wissen die Behörden genug

Red. / 07. Okt 2017 - Jede zweite Honigprobe enthält eine Neonicotinoid-Konzentration, welche Bienen schadet. Das zeigt eine neue Studie in «Science».

Insektizide der Gruppe der Neonicotinoide schaden einem grossen Teil der Bienen und anderen Blütenbestäubern. Zu diesem Resultat kommt eine am 6. Oktober in der Fachzeitschrift «Science» publizierte Studie von Wissenschaftlern der Universität Neuenburg und des Botanischen Gartens Neuenburg.

Infosperber hatte schon mehrmals über starke Indizien berichtet, wonach diese Insektizide am Sterben von Bienenvölkern massgeblich beteiligt sind. Siehe Dossier: «Bienen werden Opfer von Pestiziden». Stichworte: Der Bestäubungsindustrie gehen die Bienen aus; US-Umweltbehörde: Pestizide können Bienen schaden; Syngenta klagt gegen Pestizidverbot, finanziert «Unbedenklichkeitsstudie» selber und macht Forscher und Universitäten gefügig.

Kein Zufall

Vom Syngentakonzern finanzierte und veröffentlichte «Studien» kamen fast durchwegs zum Schluss, dass für das weit verbreitete Bienensterben andere Ursachen im Vordergrund stehen müssten und nicht die eigenen Insektizide.

Es ist kein Zufall, dass eine öffentlich finanzierte Studie zeigt, dass drei Viertel des weltweit produzierten Honigs hochwirksame Insektengifte enthalten.

Am meisten mit den Insektiziden belastet erwiesen sich die Honigproben aus Nordamerika (86%) und Europa (79%). Etwas weniger verunreinigt waren die Honigproben aus Südamerika (57%).

Für Menschen lägen die Belastungen zwar unter den Grenzwerten. Für die Bienen sieht es anders aus: «Die Hälfte der Honigproben enthält genügend Neonicotinoide, um den Bienen zu schaden», erklärt Co-Autor Alex Aebi von der Universität Neuchâtel gegenüber Infosperber.

Geheimnistuerei

Die Forscher bemängeln, dass die genauen Mengen der versprühten Neonicotinoid-Arten in verschiedenen Kulturen und Gegenden nicht bekannt seien: «Wir rufen die nationalen Landwirtschaftsbehörden auf, die Statistiken über den Einsatz von Neonicotinoiden und auch von anderen Pestiziden öffentlich zu machen und auch der Forschung zur Verfügung zu stellen, mit viel detaillierteren geografischen Spezifikationen.» Erst dann könnten Epidemiologen auch mögliche Auswirkungen auf die Menschen erforschen.

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