Selbst öffentliche Sitzbänke waren für Weisse und Schwarze getrennt. © sa

Selbst öffentliche Sitzbänke waren für Weisse und Schwarze getrennt.

Tod Mandelas: Manche Tränen sind Krokodilstränen

Urs P. Gasche / 08. Dez 2013 - Blocher, Furgler, Cameron und viele andere setzten sich bis zuletzt aktiv für die Beibehaltung der Rassenpolitik ein.

Die Schweizer Regierung hat mehr als fragwürdige Südafrika-Geschäfte der Grossbanken und der Industrie so stark und aktiv unterstützt, dass der Bundesrat die historischen Südafrika-Akten im Bundesarchiv heute nicht mehr frei gibt. Infosperber hatte ausführlich über die Schweizer Apartheid-Verteidiger im Bundeshaus und in Schweizer Konzernen berichtet (Siehe «Bundesrat schützt Rassismus von Schweizer Firmen».

Vor dem Jahr 2003 war es dem Journalisten Martin Stoll noch möglich, rund 2300 Seiten der Südafrika-Akten zu sichten. Was er herausfand, gefiel den früheren Schweizer Rassenpolitikern überhaupt nicht, weshalb der Bundesrat seither jeden weiteren Zugang zum Archiv verhindert.

Blocher-Gruppe: «Die Freude des schwarzen Mannes sind viele Kinder und viel Rinder»

Unter dem Titel «Schweizer Regierung stützte Mandelas Gegner» fasst Stoll in der Sonntagszeitung vom 8. Dezember einige dicke Fehlleistungen zusammen. Christoph Blocher hatte eine Arbeitsgruppe «Südliches Afrika» gegründet, die in Rundbriefen rassistische Thesen verbreitete: «Glück und Freude des schwarzen Mannes sind viele Kinder und viele Rinder.» Oder noch dicker: «Nur in Ausnahmefällen ist ihm (dem schwarzen Mann) eine Begabung zu mittel- und langfristigem Denken, Planen, Organisieren und Durchsetzen sowie zur Pflege und Erhaltung von Werten gegeben.»

Im Teleblocher konfrontierte Hofjournalist Matthias Ackeret Blocher in der aktuellen Sendung natürlich nicht mit diesen Zitaten, sondern gab Blocher Gelegenheit, die Apartheid-freundliche Politik damit zu begründen, man habe während des kalten Krieges eine kommunistische Machtübernahme verhindern müssen.

Kein Wort davon, dass der Sicherheitsrat der Uno diese Ansicht nicht teilte, sondern gegen das Rassenregime immer strengere Sanktionen verhängte. Keine Frage an Blocher, warum die Schweiz als fast einziges Land glaubte, diese Uno-Sanktionen aktiv umgehen zu müssen, um dem Regime ein längeres Überleben zu ermöglichen. Und keine Frage zu Blochers Rüstungsgeschäften mit den südafrikanischen Militärs.

Ohne Unterstützung der Schweiz wäre das Regime früher zusammen gebrochen

Jean Ziegler, der im Auftrag der Uno die ersten freien Wahlen in Südafrika mit überwachte und Nelson Mandela mehrmals persönlich traf, erklärt in der gleichen Ausgabe der Sonntagszeitung: «Ohne die Unterstützung der offiziellen Schweiz wäre die Rassendiktatur zwei Jahre früher zusammengebrochen. Tausende von Menschen hätten gerettet werden können.»

Gold im Wert von über 10 Milliarden gewaschen

Einige harte Indizien hat Martin Stoll im Bundesarchiv gefunden:

  • Alexis Lauterburg, der heute für die UBS und die CS in Brüssel lobbyiert, hatte im Juli 1986 als Diplomat des Aussendepartements eine «streng vertrauliche» Studie verfasst. Sie kam zum Schluss, dass der Export von südafrikanischem Gold in die Schweiz für das Überleben des Regimes entscheidend ist. Swissair-Maschinen flogen 400 Tonnen Gold im Wert von damals über 10 Milliarden Franken aus Südafrika in die Schweiz. Die Schweizer Zollverwaltung schwieg sich in ihren Statistiken über diese Einfuhren aus.
  • Trotz internationalem Embargo versorgten Schweizer Firmen Südafrika mit begehrtem Öl. Die Uno informierte den Bundesrat, dass 1987 insgesamt 27 Öltanker im Auftrag der Zuger Marc-Rich-Gruppe Südafrika angelaufen hätten. Der Bundesrat reagierte nicht.
  • Weil die Schweiz derart Apartheid-freundlich war, verlagerte Südafrika den für das Land wichtigen Handel mit Diamanten in die Schweiz. Ab April 1987 vervielfachten sich die Diamantenimporte, nachdem die Firma de Beers die Rohdiamanten aus Südafrikas Minen nicht mehr nach London, sondern über die Schweiz vermarktete.

Was Südafrikas weisse Regierung mit den Einnahmen aus dem Gold und den Diamanten machte, war dem Bundesrat bekannt. Der damalige Schweizer Botschafter in Südafrika, Olivier Quinche, schrieb 1988 nach Bern: «Zu den 'Gewinnern' im Budgetverteilungskuchen gehören die Armee (22,6%), die Gefängnisse (28,8% und die Polizei (17,4%).»

Schweizer Botschafter: «Schwarze sind primitiv»

Wie Infosperber schon früher dokumentiert hatte, war die Sympathie für das Rassenregime auf höchster Ebene der Schweizer Politik und Wirtschaft tief verwurzelt. Zwischen 1956 und 1963 hatte die Schweiz mit Franz Kappeler einen Sondergesandten und Botschafter in Südafrika, der öffentlich erklärte, die Schwarzen Südafrikas seien «wegen ihrer Primitivheit und Armut» zu wenig zivilisiert. Unter den Bantus gebe es «einige wenige besonders begabte Menschen, die aber sehr dünn gesäte Ausnahmen darstellen». Das «eigentliche Staatsvolk» seien die Weissen in diesem «zivilisierten» Staat, der «die individuellen Freiheiten garantiert und in dem eine unabhängige Justiz einen hohen Grad an Verantwortungssinn besitzt».

1966 erteilte der Bundesrat einem südafrikanischen Gegner der Apartheid-Politik ein schweizweites Redeverbot. Es blieb nicht das Einzige. In den Siebzigerjahren verteidigte der damalige CVP-Bundesrat Kurt Furgler die anhaltende Schweizer Unterstützung für das Rassenregime damit, dass es «unser fundamentales Landesinteresse» sei, «dass Südafrika nicht kommunistisch wird».

Bundesamt klärte über «Eingeborene» und «Negerstämme» auf

Besondere Blüten trieb das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Biga (Heute im Staatssekretariat für Wirtschaft Seco integriert). Ein Biga-Merkblatt von 1968 für Schweizer, die nach Südafrika auswandern wollten, enthält «alles, was man wissen muss, um in Südafrika glückliche Tage zu verbringen». Einige Zitate (übersetzt): «Neben den Weissen...gibt es Eingeborene, die verschiedenen Negerstämmen angehören...Die Europäer unterhalten keine sozialen Beziehungen mit Personen anderer Rassen.» Und weiter: «Wer eine europäische Hausangestellte mitnimmt, stellt auch fast immer mehrere einheimische Bedienstete an, so dass das (europäische) Mädchen keine Haushaltarbeiten machen muss...Da die Apartheid-Politik eine wichtige Rolle spielt...muss man ihre Rechtfertigung kennenlernen. Wir übernehmen im Folgenden kommentarlos einige Referats-Auszüge eines Verfechters dieser Politik...»

Das Bundesamt betonte im Merkblatt: «Sie dürfen nie vergessen, dass Sie der weissen Rasse angehören und deshalb gewisse konventionelle Limiten nicht überschreiten dürfen.»

Bis heute hat sich der Bundesrat für diese Aussagen nie entschuldigt.

Schlechte Gesellschaft

Es ist ein schwacher Trost, dass sich Exponenten der Schweizer Politik in schlechter Gesellschaft befanden. Noch im Jahr 1988, zwei Jahre vor Mandelas Freilassung, setzte die US-Regierung unter Ronald Reagan Mandela wegen dessen Kampfes gegen das Apartheid-Regime als «Terrorist» auf eine Watch List. Erst im Jahr 2008 (!) hat George W. Bush Mandela von dieser Liste gestrichen. Auch Margaret Thatcher nannte Mandela einen «Terroristen». Der heutige britische Premier-Minister Cameron reiste nach Angaben der BBC noch 1989, ein Jahr vor der Haftentlassung Mandelas, mit einer Lobby-Gruppe nach Südafrika und setzte sich gegen die Abschaffung der Rassentrennung ein. Heute lässt Cameron zum Tod Mandelas Tränen fliessen – es sind Krokodilstränen.

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Siehe auch

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Rundschau vom 10.7.2002: Blochers Rüstungsgeschäfte mit Südafrikas Militärs

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19 Meinungen

Wir Schweizer sind Weltmeister im Verdrängen systemischer Schmiergeschäfte. Kritik löst nichts aus. Nicht das Geringste. Erst wenn mal wieder ein wenig Druck von aussen kommt, fängt sofort wieder das kollektive Gejammere an. Dieses Verhalten hat neurotische Züge. Ein Fall für den Psychiater.
Fred David, am 08. Dezember 2013 um 19:18 Uhr
Der Unterschied zu andern Staaten: Solche Abgründe werden dort von Regierungen, einzelnen Konzernen, Managern, Parteien, Politikern gedeckt und vertuscht. Bei uns durch das völkische Kollektiv. Manche halten das für eine Stärke der Schweiz. In Wahrheit ist es ein besorgniserregender Defekt.
Fred David, am 08. Dezember 2013 um 19:28 Uhr
@) Thomas Binder: Was die USA treiben, ist das eine. Ich will aber wissen, was in meinem Land hinter den Kulissen gespielt wird. Das Zusammenspiel von gross angelegten Schmierengeschäften und Staat hat eine, wie ich finde, unheimliche Dimension angenommen. Ich meine die Schweiz damit.
Fred David, am 08. Dezember 2013 um 22:21 Uhr
...Ich will's aber trotzdem wissen. Zumindest bei uns.
Fred David, am 08. Dezember 2013 um 23:27 Uhr
Kein Einspruch, Euer Ehren.
Fred David, am 09. Dezember 2013 um 13:20 Uhr
@David & Binder
Was soll Eure polemische Pauschalbeschimpfung «wir Schweizer» sind so und so...?
Es gab immer Menschen, welche sich für Gerechtigkeit eingesetzt haben, auch bei uns oder vielleicht sogar speziell bei uns(?) Denken Sie nur an Jean Ziegler und andere Persönlichkeiten, Gründer von Organisationen wie EvB etc. Zählen Sie solche Leute nicht zu «uns Schweizern"?
Dass dieser Teil von «uns Schweizern» sich leider nicht genügend durchsetzen konnte, darf doch nicht Grund für solche Beschimpfung sein!
Wichtig wäre, dass wir die Vergangenheit möglichst genau zur Kenntnis nehmen und Lehren daraus für die Gegenwart ziehen.
Überlegen Sie einmal, welche ähnlichen Fehler heute gemacht werden. Und wir können (könnten) genau wissen, wer im Parlament AKTUELL für den Export von Waffen an diktatorisch regierte Staaten gestimmt hat!
Den Artikel finde ich objektiv, er benennt gewisse Exponenten inklusive jenen «oberintelligenten» BR von damals, aber er pauschalisiert nicht.
Urs Lachenmeier, am 09. Dezember 2013 um 17:48 Uhr
Ich frage mich, warum in er Presse kein Sturm der Entrüstung ausgebrochen ist, über den Entscheid des Bundesrates die SA-Akten geheim zu halten und mache die Faust im Sack. Warum werden jene, die an den rassistischen Schweinereien viel Geld verdienten so geschont?
Warum immt die Presse ihre Aufgabe hier nicht wahr? Für jegliche info bin ich dankbar.
Ueli Ganz, am 09. Dezember 2013 um 18:12 Uhr
@) Urs Lachenmeier : Im Prinzip haben Sie recht. Aber nicht konkret in der Sache.

Man muss die Dinge und die dafür Verantwortlichen endlich beim Namen nennen und auch Zusammenhänge herstellen.

Beispiel: Der Schwarzgeldsumpf, mit dem wir uns seit Jahren herumschlagen, wurde und wird von einer grossen Mehrheit der Schweizer Bevölkerung akzeptiert und gedeckt. Da gibt es keinen Zweifel. Kein Schweizer Staatsanwalt wurde je in dieser Angelegenheit aktiv, obwohl es sehr konkreten Anlass dazu gibt. Warum nicht?

Wenn man eine direkte Demokratie sein will, ist man dafür eben auch direkt mitverantwortlich und mit haftbar.

Auch über die intimen Beziehungen zum Apartheidsregime Südafrikas weiss man inzwischen recht viel, insbesondere über das zusammen Spiel des Staates und der Grosswirtschaft, wobei der Staat bloss als Erfüllungshilfe für private Interessen auftrat. Aber es bewirkt nichts. Nicht das Geringste.

Sie nennen selbst ein Beispiel: Die jüngsten, wirklich skandalöse Erleicherungen der Waffenexporte. Wie, warum und durch wen diese zustande kamen, weiss man. Aber es bewirkt nichts. Nicht das Geringste.

Man kommt bei alldem nicht um die Frage herum: Wer hat sich einen wesentlichen Teil dieses Staates gekauft? Und warum schaut der grösste Teil der Bevölkerung einfach lethargisch zu?

Klar ist diese Frage unangenehm, weil sie an die Substanz unseres Selbstverständnisses greift. Aber sie ist nicht polemisch. Sie ist ernüchternd.
Fred David, am 09. Dezember 2013 um 18:39 Uhr
@David,
Nett, dass Sie mir im Prinzip Recht geben,
und was bitte erkennen Sie «konkret in der Sache» als unrichtig?

Wie Sie bin ich der Meinung, die Dinge und die Personen seien beim Namen zu nennen.

Nur bin ich gegen Verallgemeinerungen, Kollektivhaft und Schubladisierungen. Natürlich tragen wir als Glieder unsres Staates und unsrer Gesellschaft Mitverantwortung. Aber bitte, wie weit sollen wir gehen, um diese Verantwortung wahr zu nehmen?

Dies müssen wir im Rahmen unsrer Gesetze tun. Wenn wir so nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und partizipiert haben, dann haben wir unsre Pflicht erfüllt (was vor Frustration leider nicht schützt...). Dazu gehört auch ein entsprechendes Verhalten bei Konsum, Arbeit, Meinungsaustausch etc.

Die Spielregeln der Demokratie gelten für alle, auch für die Verlierer. Dass Demokratien korrumpiert und gekauft werden ist auch für mich eine schmerzliche Realität. Das darf uns aber nicht entmutigen.

Wenn Sie sagen «es» bewirke nicht das Geringste... scheinen Sie dies selbst doch nicht zu glauben. Weshalb sonst, nehmen Sie an diesem Disput denn teil?

"Lethargie", ist leider eine sehr grosse Schublade, es gehören aber längst nicht alle Menschen da hinein.
Urs Lachenmeier, am 09. Dezember 2013 um 21:04 Uhr
@) Urs Lachenmeier: «Aber bitte, wie weit sollen wir gehen, um diese Verantwortung wahr zu nehmen?» - Weiter als bisher, schneller und konsequenter.
Fred David, am 09. Dezember 2013 um 21:16 Uhr
@David,
Gewiss kann unser Land, der lethargische Haufen etc. weiter gehen als bisher, einverstanden.
Meine Frage war aber betreffend uns Individuen gestellt, da Sie pauschal ALLE beschuldigen.
Ich hab's ja aufgeführt: im Rahmen der Gesetze und im ethischen Verhalten.
Möchten Sie weitergehen? - wie es unser mythische Nationalheld getan hat (haben soll)? Oder etwa wie ein «Gotteskrieger", Selbstmordatentäter?
Das ist die Frage.
Wir wissen was geschieht, wenn sich Menschen in diese absolutustische, scharfrichterliche Gewissheit versteigen.
Eben hier möchte ich sehr gerne mehr differenzierende Klarheit. Das «wie weit» ist mit Ihrem «weiter» nicht beantwortet.
Urs Lachenmeier, am 09. Dezember 2013 um 21:52 Uhr
Es lohnt sich, die 4 Artikel des Südafrikakenners Vogt in aktueller WW zur Kenntnis zu nehmen. Das ist sicher nicht das letzte Wort über Südafrika. Vordringlich wäre Offenlegen aller Schweizer Akten. Selber habe ich mich mit der Einstellung der Schweiz zum Burenkrieg zwischen 1899 und 1902 näher befasst, dabei gesehen, dass die Schweiz damals fast «wie ein Mann» hinter den Buren stand. Noch SP-Aussenpolitiker Walther Bringolf hat sich nach einer Südafrika-Reise vor mehr als 40 Jahren erstaunlich positiv geäussert. Klar ist auch, dass die Schweizer Wirtschaft ungeachtet ihrer Sünden, etwa Nestlé, über alles gesehen mehr Konkretes gegen den Hunger in der Welt gemacht hat als Jean Ziegler, gilt speziell für die Entwicklung Südafrikas. Dass von dort nicht auch noch jede Menge Asylbewerber kommen, daran sind durchaus fragwürdige Figuren wie Marc Rich nicht unschuldig, dem auch Kuba, der Irak und der Iran viel verdanken; der Freund der Familie Ringier hat politisch neutral viele wahnwitzige Boykotte umgangen und wurde dadurch reich: er hat, ob moralisch oder unmoralisch, mehr Nutzen als Schaden angerichtet. Eine kommunistische Revolution vor ca. 50 Jahren hätte Südafrika weniger genützt als die kapitalische Revolution vor 20 Jahren. Mandela wurde jedoch von Thatcher, Blocher u. Co. klar falsch eingeschätzt. Den genialen Schweizer Mandela, Micheli du Crest, 20 Jahre Einzelhaft für die Freiheit, lobten nur gerade SP-Chef Robert Grimm u. C.J. Burckhardt; ich schrieb seine Biographie.
Pirmin Meier, am 12. Dezember 2013 um 13:00 Uhr
@Pirmin Meier. Sie scheinen wenig Ahnung davon zu haben, in welchem Elend die Schwarzen in Südafrika zur Zeit der Apartheid leben und in Minen und Bergwerken schuften mussten. Dazu kamen unermessliche menschliche Erniedrigungen. Schweizer Banken und Unternehmen haben dort lukrative Geschäfte gemacht, die Lage der Schwarzen aber nicht verbessert. Diese wären noch so gerne als Asylbewerber in die Schweiz gekommen, en masse. Aber wie sollten sie ausreisen? Die westlichen Boykotte haben die Wende beschleunigt, die Schweizer Umgehungsgeschäfte haben sie verzögert. Kurz vor dem Ende der Apartheid kamen noch Tausende Schwarze um. Darauf wollen Sie stolz sein?
Urs P. Gasche, am 12. Dezember 2013 um 14:38 Uhr
Südafrika hatte z.Z. der Apartheid Hunderttausende Einwanderer aus Nachbarländern, die nicht in die Schweiz kamen, sondern nach Südafrika, um sich dort ausbeuten zu lassen- Die Propaganda Südafrikas bezeichnete das eine «Abstimmung mit den Füssen". Es gab damals schon auch eine privilegierte Schicht von schwarzen Unternehmern, also reichen Schwarzen. Sicher war Südafrika als Arbeitsplatz attraktiver als viele kommunistische Länder, besonders China. Es ist insofern keine Kleinigkeit, dass das Handelsabkommen mit China Bestimmungen zum Arbeitsrecht enthält, sofern diese dann wirklich eingehalten werden. Südafrika gehörte über alles gesehen sicher nie zu den 30 schlimmsten und elendesten Ländern auf diesem erbärmlichen Erdball., war besonders mit Haiti nie zu vergleichen. Äusserst demütigend war die sog. «kleine Apartheid", wie sie auch in den US-Südstaaten vor 1964 noch existierte. Südafrika war freier als die DDR, die 17 Millionen Menschen jahrzehntelang einsperrte, während jeder, dem es in Südafrika nicht passte, jederzeit gehen konnte. Aber die Leute gingen nicht, sie kamen. Ich habe 1969 an einem Südafrikaseminar teilgenommen, wo man, natürlich einseitig, «bewies", dass Südafrika bestes Gesundheitswesen u. beste Wasserversorgung Afrikas hatte. Ich hätte aber bei solchen Seminarien kritischer nachfragen sollen. Aber aus der Sicht der hist. Zusammenhänge bleibt es dabei, dass die Buren Millionen v. Arbeitern angelockt haben, sie waren z.T. zuerst vor Ort. Sache ist komplex.
Pirmin Meier, am 12. Dezember 2013 um 15:15 Uhr
@Pirmin Meier
"...etwa Nestlé, über alles gesehen mehr Konkretes gegen den Hunger in der Welt gemacht hat als Jean Ziegler..."
Ich kann Ihren Argumenten meist folgen, aber Ihr oben zitierter Vergleich ist polemisch. Wie können Sie einen einzelnen Soziologie-Professor mit einem Nahrungsmittelkonzern direkt vergleichen? Einen kantigen Warner mit einem unzimperlichen Weltkonzern... Ist doch völlig klar, welcher Part mehr Nahrungsmittel produziert... Was hingegen die Wirkung von Ziegler's Darlegung von Zusammenhängen betrifft, kann wohl niemand sagen, wie gross oder gering diese ist. Wenn ein Konzern Nahrungsmittel produziert macht er dies mittels Kulturland und Wasser etc. Und wo die Grossen poduzieren, da produzieren keine Kleinen mehr. Es ist unwahrscheinlich, dass die gross-technisierte Landwirtschaft produktiver ist als die kleinbäuerliche. Marie-Monique Robin schildert in ihrem Film «Die Zukunft pflanzen» die Möglichkeiten der agroökologischen Modelle und verlangt einen etsprechenden Paradigmawelchsel, denn die «konventionelle» Landwirtschaft ist nicht in der Lage, nachhaltig genügend Nahrung zu produzieren. (ISBN 978-3-8488-4002-1)
Urs Lachenmeier, am 12. Dezember 2013 um 17:16 Uhr
@Lachenmeier. Wahrscheinlich haben Sie recht. Ich teilte die Anliegen der Kampagne gegen Nestlé weitgehend. Habe Respekt vor J.Z., teile jedoch seine Kriminalisierung der Multis nicht, so wie ich bei Abzockerei oft die Sache der Opponenten vertrat, die Sprache bzw. Kriminalisierung des Gegners aber dann doch nicht nachvollzogen habe. Südafrika hatte z.B. nach seiner Befreiung eine ganz andere Ausgangslage für eine prosperierende Zukunft als das von Ziegler lange gehätschtelte Libyen oder Zentralafrika, das Diamantenparadies, mausarm und total unfrei.

Die jetzige ökonomische Entwicklung Chinas wird, analog zur südafrikanischen vor 30 Jahren, auf lange Sicht einer Demokratisierung nicht im Wege stehen. Ehrlich gesagt war aber die Lage der Tibeter oder diejenige der Palästinenser langfristig verzweifelter und aussichtsloser als die der Schwarzen Südafrikas, bei der man z.B. vor 40 Jahren stillschweigend voraussetzte, dass die Epoche der Apartheid langfristig keine Zukunft haben wird. Ich las damals Bücher von Doris Lessing. Das Südafrikaseminar, das ich vor etwa 45 Jahren besuchte, war von der Schweiz. Bankgesellschaft gesponsert, ferner war das Schweiz. Institut für Auslandforschung involviert. Die Verteidigungsstrategie der Schweizer Wirtschaft ging in die Richtung, dass Wirtschaftsbeziehungen eher nützen als schaden. Zu jener Zeit kam man auch von der Ablehnung des ursprünglich als «Todfeindhandel» gebrandmarkten «Osthandels» weg. Frühe Horizonte der Globalisierung...
Pirmin Meier, am 12. Dezember 2013 um 18:20 Uhr
@Pirmin Meier
so gefällt es mir schon etwas besser... wir sollten aber noch weiter differenzieren. Wahrscheinlich bringt die wirtschaftliche Integration für die Menschenrechte mehr als der Boykott, noch besser ist gewiss die Kombination von beidem. Ob nun Ziegler den Diktator mehr gehätschelt hat als BR Merz? - zusammen mit uns allen, die sein Öl gekauft haben, die Ingenieure, welche dort «Söldnerdienste» riskiert haben? Immerhin war Ziegler nicht so unterwürfig und naiv wie Merz! Diktatur ist Diktatur, darauf kommt es an, ob es nun eine Links- oder Rechts-Diktatur ist. Weshalb kritisieren Sie die einem mehr als die andern?
Die wirtschaftliche Entwicklung alleine ist kein Garant für den Wohlstand der Basis, ebensowenig wie sportliche Monsterveranstaltungen. Ein unbegrenztes Wachstum kann es nicht geben, dies aber ist die Voraussetzung für das gegenwärtige Wirtschaftssystem. Es funktioniert eben «auch» nicht.
Weshalb finden Professoren wie Daniele Ganser und Christopf Binswanger nicht mehr Beachtung?
Urs Lachenmeier, am 13. Dezember 2013 um 09:27 Uhr
Einschätzung von Diktaturen: Pinochet und Gaddafi, letzterer ganz besonders, waren sicher brutaler als zum Beispiel Ungarns Gulaschkommunisten seit Kadar, und Südafrika, wo es immer eine weisse Republik mit relativ demokratischen Strukturen u. viel Meinungsfreiheit gab, war garantiert nie mit Maos China oder Nordkorea zu vergleichen, leider aber teilweise mit Israel, zu dem Südafrika gute und viel wichtigere Beziehungen unterhielt als zur Schweiz. Dieser Umstand ermöglichte mithin auch die Aktivitäten des wichtigsten Boykottumgehers Marc Rich. Aber Mandela war eine ganz andere Figur als Yassir Arafat, da war auch die psychologische Ausgangslage eine ganz andere. Mandela wird in der Geschichte der Menschheit immer eine bedeutende Figur bleiben, um Welten bedeutender auch als Barack Obama. Bei einer objektiven Biographie würden aber dann nichtsdestotrotz gewisse Schattenseiten erarbeitet, weniger seine kontraproduktive, wiewohl erklärbare Allianz mit der Sowjetunion und Kuba als die Rolle seiner Exfrau Winnie Mandela, die nicht als das Gegenteil von Maos Witwe Jiang Jing einzuschätzen ist und in deren Mentalität die potentiell terroristische Ader revolutionärer Bewegungen enthalten war. Dass die südafrikanische Revolution nicht terroristisch verlief, ist ein historischer Glücksfall, der neben dem Charakter Mandelas auch noch mit demjenigen von de Klerck zusammenhängt und zumal dem Zeitpunkt dieser Revolution in Parallele zur Revolution in Osteuropa Ende der achtziger Jahre.
Pirmin Meier, am 13. Dezember 2013 um 13:58 Uhr
@ Spott über Jean Ziegler

Mit einer Professur an der Sorbonne ist Jean Ziegler einer der prominentesten Schweizer Soziologen. Noch bekannter wurde er aber sicher als UN-Diplomat.

WIKIPEDIA D: » Von 2000 bis 2008 war er UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung – zuerst im Auftrag der Menschenrechtskommission, dann des Menschenrechtsrats – sowie Mitglied der UN-Task Force für humanitäre Hilfe im Irak. 2008 bis 2012 gehörte Ziegler dem Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UN an, im September 2013 wurde er erneut in dieses Gremium gewählt.[1] Er ist ausserdem im Beirat der Bürger- und Menschenrechtsorganisation Business Crime Control.

[1] Jean Ziegler in Menschenrechtsrat gewählt, NZZ vom 26. September 2013"

Die letztere Berufung haben ein Schurkenstaat(a) und seine Fans in der Schweizer ja vergeblich zu verhindern versucht.

(a) Nach AVI SHLAIMs Definition für einen Schurkenstaat:
- Regelmässige Verletzung internationalen Rechts
- Massenvernichtungswaffen
- Terrorismus

Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 16. Dezember 2013 um 14:37 Uhr

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