Kaffeebauern in Honduras: Das Klima setzt den Pflanzen zu und treibt Bauern zur Migration © CDAIS

Klimaerwärmung zwingt Bauern zur Flucht in den Norden

Christa Dettwiler / 01. Mai 2019 - In Honduras ist die Durchschnittstemperatur um zwei Grad gestiegen. Das zerstört Kaffeeplantagen und treibt Bauern in die Flucht.

Das Leben als Bauer in Honduras war nie einfach. In jüngster Zeit verstärkt eine neue Bedrohung den Teufelskreis aus Armut, einer pflichtvergessenen Regierung und schwankenden Preisen für Agrarprodukte: Der Klimawandel zerstört ganze Kaffeeplantagen. Darüber sind sich auch Klimawissenschaftler einig. Steigende Temperaturen, extremere Wetterphänomene, unvorhersehbare Wettermuster wie der Ausfall von Regen oder Starkregen zu aussergewöhnlichen Zeiten, stören den Wachstumszyklus der Kaffeesträucher und fördern die Ausbreitung von Krankheiten. Ganze Ernten werden vernichtet, die Bauernfamilien stehen vor dem Nichts, viele suchen ihr Heil in der Flucht über die US-amerikanische Grenze.

Zentralamerika leidet besonders stark unter dem Klimawandel. Und da ein grosser Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt, laut Weltbank sind es 28 Prozent, ist die Lebensgrundlage von Millionen Menschen gefährdet. Die Weltbank warnte letztes Jahr, dass in den nächsten drei Jahrzehnten mindestens 1,4 Millionen Menschen Mexiko und Zentralamerika verlassen könnten. Zwar haben die USA in den letzten Jahren Millionen Dollar Hilfsgelder zur Verfügung gestellt, aber Präsident Donald Trump will Honduras, Guatemala und El Salvador sämtliche Hilfe streichen, weil die Länder die Migrationswelle Richtung Norden nicht eindämmten. Damit wird das Problem nur noch verschärft. „Wenn Trump alle Hilfsgelder für Honduras streicht, führt das zu noch grösserer Arbeitslosigkeit, was wiederum zu verstärkter Migration führt“, sagte Maria Esperanza López zur New York Times. Sie ist die Generaldirektorin von Copranil, einer Kaffeefarmer-Kooperative in Honduras. „Und noch mehr Farmen werden aufgegeben.“

Fredi Onan Vicen Peña ist einer dieser Kaffeefarmer. Praktisch seine ganze Familie hat sich in die USA abgesetzt. 70 Prozent seiner Kaffeepflanzen haben Kaffeerost, ein Pilz, der die Blätter befällt. „Die Klimaerwärmung zerstört ganze Farmen“, sagt Vicen. Die Durchschnittstemperatur ist in den letzten Jahrzehnten in Zentralamerika um fast zwei Grad gestiegen, was den Anbau von Kaffee in tieferen Lagen praktisch unmöglich macht.

Einer von Zentralamerikas führenden Klimaforschern, Edwin J. Castellanos, Dekan des Forschungsinstituts an der „Universidad del Valle de Guatemala“, einer Universität in Guatemala Stadt, bestätigt, dass die ungewöhnlichen Wetterphänomene auf den Klimawandel zurückzuführen seien. Dabei ist die Veränderung der klimatischen Bedingungen nicht der primäre Grund für die Migration. Der Klimawandel kann aber der Auslöser sein, der Menschen, die unter Gewalt und Armut leiden, letztlich zur Flucht bewegt.

Nichtregierungsorganisationen und öffentlich-private Initiativen engagieren sich in Zentralamerika und rund um den Globus, um Kaffeefarmer zu unterstützen. Unterstützt werden sie von den weltgrössten Kaffeeverkäufern – von Starbucks, Tim Horton’s und Lavazza, die um ihre zukünftigen Lieferungen bangen.

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3 Meinungen

Interessanter Artikel. Allerdings portiert er wieder das Problem der Klimaerwärmung, was zwar in diesem Fall sicher richtig ist, aber das Gesamtbild der Entwicklung auf dem ganzen Planeten völlig verfälscht. Die nördlicheren Länder kämpfen um ihre Aussaat und Ernten wegen Abkühlung. Dieses Jahr wurden Ernten in Kanda, USA, Australien, China usw. wegen Kälte und zuviel Regen/Schnee vernichtet und die Aussaat 2019 steht auf dem Spiel, da die überschwemmten Gebiete nicht bearbeitet werden können. Es wäre angebracht, das mal gobal zu präsentieren. Bei dem Ganzen gibt es auch Gewinner, wie z.B. teilweise Nordafrika oder Gebiete südlich der Sahara.
Elisabeth Heer, am 01. Mai 2019 um 12:00 Uhr
Die Veränderung des Klimas hat sich wie in Honduras auch in Somalia bemerkbar gemacht. Nie vorher gesehene Dürren suchten das Land in den letzten Jahren heim. Immer wieder regiert der Hunger das Land. Tiere der Bauern und der Nomaden verendeten. In der Hungersnot des Jahres 2011 in Ostafrika sollen nach Angaben der UNO allein in Somalia 260'000 Menschen umgekommen sein. Somalia hat 15 Millionen Einwohner. Davon sind mehr als 1,1 Millionen intern Vertriebene, Menschen, die mehrere Male aus dem Gebiet, in dem sie lebten, geflohen sind. Kämpfe haben sie gezwungen ihr Dorf oder ihre Stadt zu verlassen oder das Ausbleiben des Regens während einem, zwei Jahren. Diese Familien, vor allem aus landwirtschaftlichen Gebieten stammend, leben nun an den Rändern der Städte unter erbärmlichen Verhältnissen.

Die ertragreichen Regionen Somalias im Süden werden durch die beiden Flüsse Shabelle und Jubba bewässert, die in den Indischen Ozean fliessen. Diese beiden Flüsse entspringen wie der Nil in Äthiopien. In den letzten Jahren hat Äthiopien entlang der Flüsse Shabelle und Jubba Staumauern gebaut und verwendet das Wasser für die Bewässerung von Feldern und zur Stromerzeugung. Dadurch fliesst viel weniger Wasser in das Gebiet Jubaland und Lower Shabelle Somalias.

Weitere Infos zu Somalia von Swisso Kalmo, eine Organisation die seit Jahrzehnten in Somalia arbeitet: www.swisso-kalmo.ch
Heinrich Frei, am 01. Mai 2019 um 15:51 Uhr
@Heer: Tatsächlich waren die letzten zwei Jahre etwas kälter als das vorangehende, was Sie wohl nicht im Ernst als Trendwende interpretieren werden. Hingegen führt die massive Erwärmung der Arktis zu einem Erlahmen des Jetstreams, was wiederum die starken Kälteeinbrüche in Nordamerika zur Folge hat.
Christoph Wydler, am 01. Mai 2019 um 22:32 Uhr

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