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Jugendarbeitslosigkeit: verwirrende Prozentzahlen

Monika Bütler / 11. Mär 2013 - Erschreckende 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland. Doch wie muss man solche Zahlen lesen? Eine Klärung.

Wer kennt sie nicht, die alarmierenden Zahlen – vor allem aus den südlichen Ländern: Über 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland, 30 bis 40 Prozent in den anderen PIIGS Ländern Portugal, Italien und Irland. Doch was heisst das genau? Sechs namhafte Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen (Giuseppe Bertola, John Driffill, Harold James, Hans-Werner Sinn, Jan-Egbert Sturm und Akos Valentinyi). Ihre spannenden Resultate finden sich im EEAG Report on the European Economy (chapter 3: auch online erhältlich; Link am Schluss).

50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit heisst eben gerade nicht, dass jeder zweite Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos ist. Die Arbeitslosigkeit wird nämlich gemessen als Anteil der Erwerbslosen an der Erwerbsbevölkerung in einer Altersklasse. Zwischen 15 und 24 Jahren befinden sich die meisten jungen Menschen noch in der Schule, im Studium oder sonst in einer Ausbildung, sie gehören somit nicht zur Erwerbsbevölkerung. Die klassisch gemessene Arbeitslosenquote überschätzt das Problem, da nur eine Minderheit der Jugendlichen (und meist erst noch diejenigen mit schlechter Ausbildung) überhaupt zur Erwerbsbevölkerung gehört.

An einem Zahlenbeispiel erklärt

Ein einfaches Zahlenbeispiel illustriert dies schön: Nehmen wir an, dass sich zwei Drittel der 15-24 jährigen in Ausbildung befinden (dies entspricht ungefähr den realen Verhältnissen). Somit gehört höchstens ein Drittel der Jungen überhaupt zur Erwerbsbevölkerung. Ist nun die Hälfte von ihnen ohne Arbeit, so beträgt die statistisch gemessene Arbeitslosigkeit 50 Prozent. Dies obwohl «nur» ein Sechstel der Jugendlichen insgesamt betroffen ist.

Setzt man die Anzahl der jungen Arbeitslosen in Relation zur Gesamtbevölkerung im gleichen Alter (es dürften ja fast alle prinzipiell erwerbsfähig sein), so erhält man für alle Länder deutlich tiefere Zahlen. Zwar ist immer noch jeder fünfte junge Spanier und jeder sechste Grieche arbeitslos, aber der Unterschied zu «mehr als die Hälfte» ist offensichtlich gross. Bei den Italienern ist jeder 10. Jugendliche ohne Arbeit oder Ausbildung, bei den Deutschen nur einer in 25.

Etwas anderes fällt bei der Lektüre des Reports auf. Die europäischen Länder haben die (vermeintlichen) Boom-Jahre vor der Finanzkrise nicht genutzt, um das Problem der Jugendarbeitslosigkeit anzugehen. Auch in «guten» Zeiten lag die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland und Italien bei rund 25 Prozent, in Spanien und Portugal bei rund 20 Prozent.

Problem verkrusteter Arbeitsmärkte

Fazit: Die traditionell gemessenen Arbeitslosenquoten lassen das Problem Jugendarbeitslosigkeit viel schlimmer aussehen als es wirklich ist. Das heisst nicht, dass die betroffenen Länder nicht etwas unternehmen sollten – im Gegenteil. Auch 20 Prozent Jugendliche ohne Arbeit sind viel zu viele. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit schon vor der Krise zeigt, dass das Probleme wahrscheinlich in den völlig verkrusteten Arbeitsmärkten liegt. Am Elend der Jungen der in den südeuropäischen Staaten sind nicht primär die Finanzkrise und schon gar nicht die geizigen Nordeuropäer «schuld».

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Der Artikel erschien zuerst im Forum für Schweizer Wirtschaftspolitik www.batz.ch.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Monika Bütler ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. Sie leitet das Institut für Empirische Ökonomie und Wirtschaftspolitik.

Weiterführende Informationen

2013 EEAG Report on the European Economy

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2 Meinungen

Ich sehe das eher dynamisch:
Die Chance für Jugendliche, die sich bewerben, ist irgendwo bei 50 Prozent. M.a.W. nur etwa die Hälfte des Stromes an neuen Arbeitskräften kommt in den Arbeitsprozess. Dies entspricht einer drastischen Reduktion des Potentials an Arbeitskraft, was sich in der Zukunft nachteilig für eine Volkswirtschaft auswirken kann.
Für die Möglichkeit, Karriere zu machen, ist (folgend Erklärungen von Krugman, zum Beispiel) ein guter Start und die ersten paar Jahre von jungen Leuten im Arbeitsprozess entscheidend.

Noch etwas weiteres kommt hinzu:
Es stellt sich die Frage, wie gross der Anteil junger Leute ist, die nach Ablauf einer gewissen Zeit aus der Registrierung als Arbeitslose herausfallen und somit nicht mehr mitgezählt werden.
Jörg Plaz, am 11. März 2013 um 23:07 Uhr
Wäre schön, wenn jemand seine Meinung (zu meinem Kommentar unten) abgibt.
Ich führe nicht gerne Selbstgespräche. Bringt ja nichts.
Anyone ?
Jörg Plaz, am 14. März 2013 um 01:33 Uhr

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