Faszination Spirale: eine Wendeltreppe hinauf in den Himmel © flickr/JeeBo
Faszination Spirale: Wendeltreppe in den Himmel © flickr/Maxxxmat
Faszination Spirale: Wendeltreppe in den Himmel © flickr/lakehurst
Faszination Spirale: Die Wendeltreppe zum Himmel © flickr/Arkfinder
Faszination Spirale: Wendeltreppe zum Himmel © flickr/Marianne AC
Faszination Spirale: Die Wendeltreppe zum Himmel © flickr/mujepa
Faszination Spirale: Wendeltreppe zum Himmel © flickr/RaSeLaSeD-il Pinguino

Jobs, Jobs, Jobs! Dummheit oder Lüge?

Christian Müller / 28. Jan 2012 - Die Amerikaner, die Spanier, die Franzosen: alle rufen nach mehr Jobs. Doch die Jobs werden nicht kommen. Das wissen die Politiker.

Wir brauchen Jobs! Das sagen alle. Und wer als Politiker gewählt oder wiedergewählt werden will, verspricht Jobs. Wider besseres Wissen!

Das Tragische ist, dass die Ökonomen es wissen und die Politiker es zumindest wissen könnten: Es wird nicht mehr Jobs geben – oder doch nur sehr vorübergehend, lokal beschränkt, zeitlich limitiert.

Das Meccano ist einfach

Die Arbeiter fürchteten beim Auftauchen der ersten Maschinen im 19. Jahrhundert, dass dadurch Arbeitsplätze verloren gehen. Dann kam Henry Ford und sagte: Wir werden Autos so billig produzieren, dass sich auch die Arbeiter ein Auto leisten können. Das sich gegenseitige Hochschaukeln konnte beginnen – und es funktionierte. Mit Hilfe der Maschinen konnte die Produktivität der Arbeitsstunden massiv erhöht werden. Die Produkte wurden – relativ – billiger und wurden erschwinglich. Sie wurden deshalb mehr und mehr auch von breiten Schichten gekauft, was wieder neue Arbeitsplätze schaffte. Die Spirale ging nach oben, scheinbar unaufhörlich. Stichwort: Wachstum.

Dann kam die Mode und die Werbung

Irgendeinmal hatten – etwas vereinfacht gesagt – Alle alles. Das Wachstum wäre somit zum Stillstand gekommen, wäre da nicht die Mode und die Werbung erfunden worden. Jetzt hiess es nicht mehr nur: alles haben. Jetzt musste alles auch schon wieder ganz schnell ersetzt werden, durch Neues, durch Modisches, durch Produkte mit mehr Prestige. Die Spirale nach oben konnte nochmals «gerettet» werden.

Und heute? Im Kampf um Profit auf dem «freien Markt» galt es mehr und mehr, Marktanteile zu gewinnen. Und wie macht man das? Man verlegt die Produktion in ein Billiglohn-Land, um die Produkte billiger zu machen. Textilien, elektronische Geräte wie TV, Cameras, Handys: alles wird heute im Fernen Osten produziert. Sogar die westeuropäischen Autos werden im «Osten», in Tschechien, in der Slowakei, in Rumänien produziert. Und die Masse jubelt.

Ins Stocken geraten

Durch den Export der Arbeitsplätze in Billiglohn-Länder geriet die Produktion in den (reichen) Konsumländern selber aber ins Stocken. Arbeitsplätze gingen verloren. Und was macht man? Die Politiker, die Ökonomen und die Unternehmer sagen ihren Arbeitern, dass das Land im Vergleich mit anderen Ländern nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Wieder wettbewerbsfähig zu werden, gehe aber nur auf dem Weg über billigere Produkte. Und die Produkte billiger zu machen gehe nur über die Reduktion der Lohnkosten, im Westen also vor allem auf dem Weg über (wieder) längere Arbeitszeiten. Durch Erhöhung der Arbeitsstunden pro Woche und durch längere Arbeitszeiten im Life Cycle – sprich: durch eine spätere Pensionierung.

Ein totaler Leerlauf

Was volkswirtschaftlich, auf ein einzelnes Land bezogen, noch eine Weile stimmte, ist weltwirtschaftlich zum Irrsinn geworden. Wir kaufen immer mehr und immer billiger Waren aus den Billiglohnländern im Osten. Und wir fordern unsere Regierungen auf, endlich wieder mehr Jobs zu schaffen. Und wie schafft der Staat Jobs? Indem er Staatsangestellte schafft. Und wie zahlt er deren Löhne? Mit Schuldenmachen. Und wer bezahlt die Schulden? Am Schluss vermutlich wieder die Chinesen, um sicherzustellen, dass ihre besten Kunden, wir Westler, wieder Geld haben, um ihre Produkte zu kaufen...

So wird versucht, die Aufwärtsspirale, diesmal auf globaler Ebene, nochmals zu verlängern.

Ehrlich sein mit sich selbst

Nur: Die Globalisierung geht so rasend schnell, dass auch dies kein Weg für die Ewigkeit ist. Die Spirale nach oben wird zum Ende kommen. Und damit auch die Chance, mehr Jobs schaffen zu können.

Um ehrlich mit uns selbst zu sein: Wir kommen nicht darum herum, daran zu denken, wie wir ein System schaffen können, das ohne Wachstum auskommt.

Der Wettbewerb, zwischen kleinen Firmen, zwischen grossen Firmen, zwischen Ländern, zwischen Kontinenten: der Wettbewerb ist der Motor des Wachstums. Nein, er war der Motor des Wachstums! Eine echt globalisierte Welt kann nur überleben, wenn wir lernen, miteinander zu leben, nicht gegeneinander, nicht im sogenannt systembedingten und gleichzeitig systemerhaltenden Wettbewerb.

Und gäbe es eine Welt-Regierung eines Welt-Bundesstaates, sie müsste schleunigst die Arbeitszeiten gesetzlich verkürzen. Denn wäre die Arbeit auch nur halbwegs ehrlich verteilt: Das, was wir zum Leben brauchen, können wir dank sehr hoher Produktivität mit all unserer Technik in der halben Arbeitszeit schaffen. Es braucht nicht mehr Jobs. Wir müssen die Arbeit, die getan werden muss, besser verteilen. Dann haben auch die Jungen wieder eine Chance.

Die Verdränger vom Dienst in Davos

Am WEF wollte man über solche Themen diskutieren. Aber ans WEF gehen die Top-Manager der grossen Konzerne. Sie machen dort ihre «Kontakte», sprich: ihre Geschäfte. Und dies in der Annahme, dass die Aufwärtsspirale unaufhaltsam weitergehen kann.

Es gibt nur zwei Varianten: Entweder sie belügen sich selbst. Oder sie strotzen vor Dummheit.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Buch von Urs P. Gasche und Hanspeter Guggenbühl: «Schluss mit dem Wachstumswahn – Plädoyer für eine Umkehr», Rüegger Verlag 2010, 19.50 CHF

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5 Meinungen

Dummheit UND Lüge!
Genügend Jobs werden nicht kommen... logisch nicht! :-(
Zur «Dummeheit» gehört auch, dass die Gesellschaft mit den Verbänden von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bereitwillig in jede Falle der Hochfinanz latscht.
Die Bereitung einer unterwürfigen Denkweise zeigt sich schon in den Kunstworten «Arbeitgeber» und «Arbeitnehmer". Die Illusion, dass ein Unternehmer Aufträge und damit Nachfrage generieren kann, wurde unkritisch zum Allgemeingut. «Arbeitnehmer» ist nach anerkanntem «Psycho-Slang» derjenige, der seine Arbeitsleistung gibt, nicht der, der die Arbeit «nimmt". So gibt es Pseudo-Gebende und Pseudy-Nehmende...
Der Nehmende wird psychisch zur Abhängigkeit konditioniert. Die «Gebenden» können nchts geben, denn es sind die Kunden, welche Aufträge generieren.
Wenn nicht soviele Mittel vom produzierenden 1. und 2. Sektor in den 3. unproduktiven Sektor (Banken, Verwaltung. Versicherung, Spekulation..) abgezogen würden, wäre die Kundschaft der Basis wesentlich potenter und damit die Nachfrage stärker.
In einem Zyklus ohne Dominanz des 3. Sektors wäre eine Wirtschaft ohne Wachstum möglich.
Die Gleichsetzung von Arbeit mit Leben ist eine weitere gewollte psychische Konditionierung der Massen. Eine Gesellschaft, die vom Leben nichts als Arbeit erwartet ist manipulierbar.
So sollte nicht Vollbeschäftigung das Mass der Prosperität sein, sondern die Lebensgrundlage selbst. Es nützt nichts, die Arbeit gerecht verteilen zu wollen. Wir gehen in Richtung einer Versklavung, ein Arbeitsverdienst reicht oft nicht für den Lebensunterhalt und trotzdem verlangen alle nach Arbeit anstatt nach anständigen Lebensmöglichkeiten.
Kapitalismus ist die Pumpe, welche die geschaffenen Werte aus dem 1. und 2. Sektor wegpumpt. Abschöpfung statt Wertschöpfung.
Durch das BVG trat die ganze produzierende Gilde in die Glaubensgemeinschaft des arbeitendes Geldes ein. In dieser Sekte werden wir verbleiben, bis wir endlich erkennen, dass Geld nicht arbeiten kann.
Urs Lachenmeier, am 29. Januar 2012 um 18:10 Uhr
Interessanter Text, interessante Kommentare. Ist aber alles bei uns nicht diskutierbar. Man schaue sich mal die fromme Berichterstattung über Wegelin & Co an. Sofort kommt dort, wie von unsichtbarer Hand gesteuert, der Tenor rein: Die Amis sind schuld, die US-Justiz ist dumm, die Politik hat versagt, Hummler ist ein Willkür-Opfer usw. Und schon ist daraus eine national einheitliche Verteidigungslinie geworden. Die «Weniger Staat!"-Freunde der NZZ fordern heute Montag (30.1.) ausserdem auf der Frontseite als «Lehre aus dem Fall der Bank Wegelin:eine Nationalbank-Garantie für das Fremdwährungs-Clearing und ein Gesetzt zur Unterdrückung von Datenlieferungen.» Bloss nichts hinterfragen, bloss wieder Ursache und Wirkung wild durcheinanderwirbeln, damit das Publikum nicht zu viel dumme Fragen stellt. Sobald die eigenen Interessen im Spiel sind, kann's nicht genug Staat sein. Und das alles unterm ausgefransten Deckmäntelchen von «Liberalismus". Und trotzdem hat man den Eindruck: Da werden allmählich einige ziemlich nervös. Vielleicht öffnet das ja doch irgendwann mal noch den Horizont für eine breite und tiefe Debatte über Themen, wie sie hier Christian Müller aufgeworfen hat.
Fred David, am 30. Januar 2012 um 14:13 Uhr
Generell sehr gute Ansätze. Hinzufügen kann man ggf. noch: Ein Geldsystem sollte der Bevölkerung dienen und nicht umgekehrt. Wäre anstelle eines Investitionsanreizes durch Zins nicht eine jährliche Gebühr bei Hortung möglich? Entsprechende Geldmengenverluste jährlich via Zentralbank dem Staat zufliessen zu lassen; zwecks Infrastruktur/Ausgabendeckung und Rückführung des Verlustes in den Kreislauf?
Würde durch den Wegfall von zukünftig aufzubringenden Zinszahlungen (aller) dadurch nicht das allgemeine Preisniveau sinken? Wären wir nicht in der Lage mit weiteren Regulierungen betreffend möglichen Landkäufen und -spekulationen das System halbwegs in den Griff zu bekommen? Ggf. könnte man im Gegenzug auf Steuern verzichten? Es gäbe viele Ideen von vielen Leuten zu besprechen ... Hat schon einmal jemand auf die Schweiz ausgerechnet, was jährlich via Zins/Zinseszins von den Fleissigen an das Grosskapital abgeliefert wird?
Thomas Hürlimann, am 07. August 2012 um 14:03 Uhr
@Thomas Hürlimann
"Hat schon einmal jemand auf die Schweiz ausgerechnet, was jährlich via Zins/Zinseszins von den Fleissigen an das Grosskapital abgeliefert wird? »
Gute Frage! also bitte rechnen!
Und dabei die horrenden Provisionen auf die Performance nicht vergessen!
Also, wer kann das ausrechnen???
Urs Lachenmeier, am 07. August 2012 um 22:13 Uhr
Deutschland: Zitat von Popp: «Wenn 40 Millionen Haushalte bei durchschnittlichen Lebenshaltungskosten von 25.000 Euro pro Jahr jeweils rund 10.000 Euro (40 Prozent Zinsanteil) in das Geldsystem einzahlen, dann haben wir hier eine signifikante Grössnordnung von 400 Milliarden Euro pro Jahr.» 1

In Deutschland sollen es also ~400 Milliarden Euro jährlich sein (unbestätigt). Das würde ausreichen, um den kompletten Bundeshaushalt der Republik Deutschland zu finanzieren -- mit Überschuss. 2

1]
http://www.wissensmanufaktur.net/plan-b

2]
http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Oeffentliche_Finanzen/Bundeshaushalt/Bundeshaushalt_2013/2012-04-13-themenschwerpunkt-hh2013.html
Thomas Hürlimann, am 08. August 2012 um 09:20 Uhr

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