Containerschiff, Frachthafen © Roger Wollstadt/Flickr/CC

Gefährliche Ladung: Gas in Transportbehältern

Begaste Container aus Übersee gefährden Arbeiter

R. L. / 09. Jul 2013 - Weltweit werden Millionen Frachtcontainer mit giftigen Gasen gefüllt. Das schützt die Ware – schadet aber Menschen und der Umwelt.

Wenn Zöllner oder Hafenarbeiter einen Container aus Übersee öffnen, riskieren sie ihre Gesundheit. Denn die Transportbehälter sind nicht nur mit Frachtgut gefüllt, sie können auch giftiges Gas enthalten. Es wird im Exporthafen in die verschlossenen Container geleitet, um die Ware vor dem Verderben zu schützen und Schädlinge abzutöten.

Jeder fünfte Container ist verseucht

Auch wenn die Transportwege lang sind – bis zum Zielort ist das Gas aus den luftdichten Blechkisten nicht verschwunden. Laut einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» ist etwa jeder fünfte Importcontainer im Hamburger Hafen mit Gasrückständen verseucht. Die Schadstoffkonzentration liegt dabei oft weit über den zulässigen Grenzwerten. Das Gas wird freigesetzt, sobald der Container geöffnet wird.

Giftiges Gas macht Hafenarbeiter krank

Für Arbeiter, die das Frachtgut kontrollieren und entladen, kann das gravierende Folgen haben. Das giftige Gas verursacht Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel und Übelkeit. Und das sind erst die «harmloseren» Symptome. Wer den Gasen aus Schiffscontainern wiederholt ausgesetzt ist, leidet oft auch an Konzentrationsstörungen, Asthma und Muskelkrämpfen. Solche Beschwerden können chronisch anhalten und die Betroffenen über Jahre arbeitsunfähig machen.

Falsch deklarierte Container erhöhen das Risiko

Das Begasen von Containern ist weltweit eine Standardprozedur. Dabei kommen ganz unterschiedliche chemische Mittel zum Einsatz wie Phosphorwasserstoff, Sulfuryldifluorid, Trichlornitromethan und Brommethan. Mit welchem Gas der Container behandelt wurde, muss auf den Frachtpapieren vermerkt sein. Doch laut Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» ist das ist häufig nicht der Fall – oder die Kennzeichnung ist falsch. Das verschärft das Risiko für die Hafenarbeiter zusätzlich.

Denn die Messinstrumente reagieren jeweils nur auf ein bestimmtes Gas. Wurde der Container mit einem anderen Gas gefüllt, zeigt die Messung keine Rückstände an, obwohl der Container einen gefährlichen Stoff enthält. Und: Die chemischen Verbindungen kann man meistens weder sehen noch riechen.

Schädlingsbekämpfung mit gefährlichem Brommethan

Kommt hinzu: Exporteure begasen auch Waren, die gar nicht von Schädlingen befallen werden können, zum Beispiel Elektrogeräte, Kunststoffe und Metalle. Das Problem sind hier die Holzpaletten, auf denen die Fracht steht. Giftgas soll verhindern, dass Waldschädlinge in andere Länder eingeschleppt werden.

Häufig kommt dabei Brommethan zum Einsatz. Dieses hochgiftige Gas gilt als besonders gefährlich, denn es es tötet nicht nur Insekten, sondern zerstört auch die Ozonschicht. Bei Menschen kann Brommethan in hohen Konzentrationen sogar zu Koma und Tod führen.

Innerhalb der Europäischen Union darf Brommethan seit 2010 nicht mehr versprüht werden. Aber in Übersee werden Exportwaren noch mindestens bis zum Ende der Übergangsfrist im Jahr 2014 mit Brommethan begast.

Behandlung mit Wärme statt mit Gas

Dabei gibt es längst Alternativen. Holzschädlinge lassen sich auch mit Hitze wirksam bekämpfen. Dazu müssen die Paletten und Kisten vor dem Beladen während mindestens 30 Minuten erwärmt werden. Bei einer Kerntemperatur von über 56 Grad Celsius überlebt im Holz kein Käfer und keine Larve.

An Stelle von giftigem Gas könnte man also für manche Fracht einfach Heissluft verwenden. Das ist für Menschen ungefährlich und schont die Umwelt. Allerdings wird diese Methode nur selten benutzt. Denn das Erhitzen von Holz ist aufwändiger und teurer als das Begasen der Container. Deshalb wird sich am Gifteinsatz und den damit verbundenen Risiken in nächster Zeit wohl kaum etwas ändern.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Süddeutsche Zeitung: Baumwolle und Brommethan

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