Die Menschheit verdrängt andere Arten und damit die Lebensgrundlage © cc

«Die Bevölkerungsexplosion ist Grundursache der Umweltprobleme»

Red. / 17. Jul 2019 - Ob Klimaänderung, Wassermangel oder rasches Artensterben: Die Zahl der Menschen sei die Hauptursache, sagt Biologe E. O. Wilson.

Red. Der 90-jährige Edward Osborne Wilson hat die Biologie auf der Erde während vieler Jahrzehnte studiert. Er war vierzig Jahre lang Professor an der Harvard Universität, ist Träger von über hundert Preisen, Autor von 35 Büchern und über 400 wissenschaftlichen Artikeln über Biologie, Evolution und Gesellschaft. Im Folgenden eine Zusammenfassung seiner Bilanz, wie er sie kürzlich gegenüber Marian Starkey äusserte. Starkey ist Medienbeauftragte der US-NGO Population Connection.

Zusammenbruch des Ökosystems

Ich denke, das Epizentrum all unserer Umweltprobleme ist das ausser Kontrolle geratene Bevölkerungswachstum. In meinem Buch «Die Hälfte der Erde» [der Natur überlassen] war ich noch optimistisch, dass sich das Übervölkerungsproblem von allein löse. Aber das Problem bleibt, es kommt von zu vielen Kindern und vom Verlangen zu vieler Leute in zu vielen Ländern nach höherem Lebensstandard. Deshalb kann die Welt nicht in den Zustand kommen, in den sie kommen sollte ...

... Die drei Krisen Klimaänderung, Wassermangel und Artensterben haben alle als Hauptursache die menschliche Übervermehrung. Neben der Klimaänderung droht der Mangel an Frischwasser: Etwa 4 Prozent des Wassers in der Welt sind in Seen und Flüssen. Dieses Wasser geht rasch zur Neige. Das ist in einigen Teilen der Welt eine Hauptursache für die Migration. Die dritte Krise ist das Massensterben von Arten. Wir wissen nicht genau, wie sich Ökosysteme bilden, was sie stabil macht oder wie sie sich anpassen. Wir können nicht voraussagen, was passiert, wenn eine unscheinbare kleine Tierart herausgenommen wird. Man kann das nicht einmal erraten ...

... Wir brauchen einen Begriff, der die baldige grosse Wirkung ausdrückt: Ich nenne es den Zusammenbruch des Ökosystems. Diesen Begriff können die Leute verstehen. Er bedeutet den Zusammenbruch von Arten, die für den Erhalt von natürlichen Ökosystemen und oft auch für die menschliche Existenz unerlässlich sind, beispielsweise für die Wasserscheidenwälder oder für fruchtbares Ackerland.

Wir möchten die Menschen dazu bringen, über Dinge zu sprechen, die sie selber verstehen und die sie selbst als potenziell zerstörerisch ansehen können. Die Menschen machen sich keine Sorgen, solange sie glauben, dass die Menschen das Recht haben, die natürliche Welt zu kontrollieren, und dass diese Kontrolle unserem Wohlstand und unserer Sicherheit dient. Das Gegenteil ist der Fall. Und das sollte selbst Menschen beunruhigen, die sonst nur über ihr Privatleben nachdenken und über die persönlichen Möglichkeiten, die sie haben oder nicht haben ...

... Sobald Frauen irgendwie eine Unabhängigkeit erlangen, neigen sie dazu, die Zahl ihrer Kinder zu verringern. Das ist psychologisch und kommt auch aus der Erkenntnis, dass sie und ihre Familie so ein besseres Leben haben werden.

Man kann sich fragen: Sollen Nationen eine Bevölkerungspolitik haben? Sollen Religionen eine Bevölkerungspolitik haben? Aber mir scheint, dass man diese Entscheidungen den Einzelnen überlassen muss, weil man sich am Rand faschistischer Ideen bewegen würde, wenn man den Menschen sagen wollte, wie viele Kinder sie haben dürfen. Das würde die gesamte Natur der Gesellschaft verändern.

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Übersetzung aus dem Englischen von Lukas Fierz

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Keine

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8 Meinungen

Na ja, den Chinesen war das bereits vor 35 Jahren bewusst, nur noch ein Kind pro Familie. Was für ein Aufschrei in der „freien Welt“ !?
Doch hat sich die Bevölkerung in den letzten 50 Jahren verdoppelt, auf bald 10 Milliarden. Das hält die Mutter Erde nicht mehr aus, und dem Vater Klima geht der Schnauf, die Luft aus. Also doch nur noch ein Kind ? Und für uns Alte eine freiwillige „Blaue Abschiedspille“ anstelle vom Altersheim? Reduce for a Little help? Co2 und und.....?
Bruno Denger, am 17. Juli 2019 um 12:37 Uhr
Es ist eine Wohltat, die Sache so einfach und klar formuliert vorgesetzt zu erhalten. Als «Umwelt» bezeichnen wir Menschen das, was um uns herum ist. Bis ca zum Jahr 1800 gab es weniger als 1 Milliarde Menschen, heute sind es über 7 Milliarden. Zudem ist der durchschnittliche Wohlstand der Menschen seit 1800 enorm gestiegen. Und der Wohlstand ist im wesentlichen abhängig vom Energieverbrauch pro Mensch. Rechne!
Hans Geiger, am 17. Juli 2019 um 14:28 Uhr
Nackte Wahrheit

Bei Global Footprint Network zu erfahren:
Pro Mensch gibt’s nicht ganz zwei Hektaren.
Doch selbst die allerbesten Leute,
Die brauchen anderthalb fach heute.

Nach dieser Rechnung muss es gelten:
Wir bräuchten ein-einzweitel Welten.
Doch leider haben wir nur eine
In weitem Umkreis ganz alleine.

So kommt man zu dem klaren Schluss,
Dass Menschenzahl man senken muss.
Und wenn human wir weiter denken,
Heisst dies Geburtenanzahl senken.


Markus Zimmermann-Scheifele
6047 Kastanienbaum, 20. 9. 10
Markus Zimmermann, am 17. Juli 2019 um 17:04 Uhr
"Ausländer sind kriminell.» «Menschen zerstören den Planeten."

Was verbindet diese beiden Aussagen? Sie sind sträflich undifferenziert! Unsere Aufmerksamkeit wird weg gelenkt - von etwas für uns wirklich Unangenehmen.

Was genau ist das Problem: Die Kriminalität - oder die Nationalität? Desgleichen: Der Raubbau an den Ressourcen bzw. die Zerstörung des Planeten - oder der Mensch?

Es ist nun aber einmal so: Nur wenige Prozente der Ausländer sind kriminell (desgleichen bei den Schweizern). Es sind daher nicht - simplifizierend/verschleiernd - «die Ausländer» zu verteufeln (sofern es einem effektiv um die Kriminalität geht).

Ebenso: Nicht - simplifizierend/sträflich verallgemeinernd - von «die Menschen» sprechen, wenn's um die Zerstörung des Planeten geht. Denn: Es sind einige wenige Prozente der Menschen, die diesen Planeten zerstören, sprich: sich «kriminell» (gegenüber dem Planeten) verhalten.

Die 10% reichsten konsumieren ca. 60% - die 50% ärmsten nicht mal 10%. Folglich: Wenn morgen die 4 Mia. Ärmsten weg wären, wär's nur ein Schluckauf (beim «Versaufen & Verfressen") unseres Planeten. Wären hingegen die Reichsten 800 Mio. weg (oder würden sie - bei heutiger Technologie - auf das Wohlstandsniveau der komfortablen 50er Jahre gesetzt), wäre der Planet gerettet.

Also: Differenzieren! Bei Zerstörung nicht einfach » wir Menschen», bei Kriminalität nicht einfach «die Ausländer» sagen bzw. alle in denselben Topf werfen ...
Stephan Kühne, am 17. Juli 2019 um 21:41 Uhr
Wenn man die Anzahl Kinder pro Familie begrenzen möchte, dann wird sich sicher wie das Amen in der Kirche die Frage stellen, was für Kinder man haben möchte.
Wo das hinführt, mag ich mir eigentlich nicht vorstellen.
Alles Gute geht, nur das Schlechte kommt wieder...
Ursula Lerch, am 18. Juli 2019 um 05:29 Uhr
Milleniums-Entwicklungsziele der UNO: Stellenwert der freiwilligen Familienplanung aufwerten!

Die Verbesserung der Gesundheit der Mütter ist eines von acht Milleniums-Entwicklungszielen der UNO bis 2015. Darunter fällt auch die Familienplanung als Teil der Basisgesundheit. Warum die freiwillige Familienplanung nicht als eigenständiges Entwicklungsziel aufgeführt und unterstützt wird, ist unverständlich, liessen sich doch durch eine stark unterstützte Familienplanung die andern Entwicklungsziele viel leichter erreichen. Auch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (DEZA) spricht in ihren Konzepten und Schriften die freiwillige Familienplanung – das ist keine Geburtenkontrolle! - nirgends explizit als Massnahmeschwerpunkt an, obwohl sie seit 1968 als grundlegendes Menschenrecht anerkannt ist.
Alex Schneider, am 18. Juli 2019 um 05:50 Uhr
Es ist klar, dass die zu hohe Belastung der Biosphäre sowohl durch zu hohen Konsum pro Kopf als auch durch zu viele Köpfe erfolgt, wobei diese Faktoren sehr unterschiedlich sein können.

Während man jedoch in einer unmittelbaren Notsituation oder auch freiwillig seinen Konsum *sofort* sehr stark verkleineren kann oder muss, wirkt die Geburt eines Kindes über die nächsten 80 oder so Jahre.
Theo Schmidt, am 19. Juli 2019 um 14:00 Uhr
Das Problem wird nach wie vor tabuisiert. Als ich dieses Thema als ehemaliger Präsident des WWF Aargau thematisierte wurde ich schlicht kalt gestellt und in den meisten Medien zerissen. Heute wie damals bin ich der Meinung, dass je besser Frauen selbtbestimmt handeln können und dürfen, desto besser wird diese Problem gelöst.
Urs Anton Löpfe, am 30. Juli 2019 um 10:35 Uhr

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