Weltweit nimmt die Ungleichheit zu statt ab, obwohl die extreme Armut in Asien abnimmt. © oxfam.de

Der «Bumerang»-Effekt der Globalisierung

Markus Mugglin / 02. Nov 2019 - Wächst die Kluft zwischen Reich und Arm seit der Globalisierung? Dazu ein Lehrstück über Statistiken und Ideologie.

Was haben ein Elefant und ein Bumerang mit der Globalisierung zu tun, was haben sie gemeinsam oder inwiefern unterscheiden sie sich? Die Frage mag irritieren. Bildlich übertragen in Kurven-Diagramme haben sie viel gemeinsam. Denn beide veranschaulichen die globale Entwicklung der Einkommen. Sie sind zugleich aber sehr verschieden, bilden sie doch diese Entwicklung ganz anders ab. Das eine Mal sieht die Kurve in Umrissen einem Elefanten ähnlich, das andere Mal einem Bumerang.

Das überrascht, jedenfalls auf den ersten Blick, haben doch die beiden Diagramme das gleiche Thema und basieren letztlich auf gleichen Fakten. Doch Realitäten werden bekanntlich oft unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Das gilt besonders für (wirtschafts-)politisch brisante Themen. Die Entwicklung der Ungleichheit im Zeitalter der Globalisierung ist ein solches Thema. Deshalb geht es um mehr als nur Statistik, wenn gefragt wird, ob die «Elefanten-» oder die «Bumerang-Grafik» die Wirklichkeit korrekter wiedergibt.

Die «Elefanten-Grafik» dient oft als Beleg, dass die Globalisierung den ärmeren Bevölkerungsschichten weltweit mehr nütze als den Mittelschichten in den reichen Ländern. Philippe Legrain vom Londoner «Open Political Economy Network» kommt gestützt auf diese Grafik in der kürzlich erschienenen Avenir Suisse-Publikation «Inequality and Equality» sogar ins Schwärmen (Seite 13 ff.) Geradezu Historisches soll sich ereignen. Denn erstmals seit der industriellen Revolution würden sich die globalen Ungleichheiten verringern. Das sei zu feiern.

Schöpfer der «Elefanten-Grafik» waren die beiden ehemaligen Weltbank-Ökonomen Branko Milanovic und Christoph Lanker. Bei der erstmaligen Publikation bildete die Grafik die Veränderungen zwischen 1988 und 2008 ab. Sie erregte weltweit grosses Aufsehen, wurde und wird noch immer oft als Beleg dafür zitiert, dass die wirtschaftliche Globalisierung für die grossen Mehrheiten der Welt von grossem Nutzen sei.

Dagegen hat die «Bumerang-Grafik» einen schweren Stand. Während die Elefanten-Grafik über Google in grosser Zahl aufscheint, ist die Plattform für die Suche nach der Bumerang-Grafik wenig hilfreich. Zu finden ist sie auf dem Blog von Jason Hickel, der an der «Goldsmith University of London» lehrt. Er sieht die Globalisierung kritisch. Sie hätte nicht nur die in der Nachkriegszeit bis in die 1970er erzielten Erfolge mancher armen Länder gebremst, sie habe vielmehr den Trend gekehrt. Seither nehme die Kluft zwischen Reich und Arm wieder zu statt ab. Die «Bumerang-Grafik» ist sein Beweisstück. Sie zeigt, wie die Einkommen oben und ganz besonders zuoberst viel stärker wachsen als unten.

Beide Grafiken spiegeln die Periode der Globalisierung seit 1980. Damals wurden die wirtschaftspolitischen Weichen neu gestellt. «Reaganomics» und «Thatcherismus» strahlten über die USA und Grossbritannien hinaus auf die globale Ebene und markierten die Wende vom Keynesianismus zum Monetarismus mit Deregulierung und Liberalisierung. «Elefant» und «Bumerang» – gehören deshalb zu den Werkzeugkästen im Streit um Segen oder Fluch der fast 40-jährigen Globalisierungsperiode.

Was sagt die Elefanten-Grafik (nicht)

Die (aktualisierte) «Elefanten»-Grafik bildet die globale Einkommensentwicklung für alle sozialen Schichten für die Periode 1980 bis 2016 ab. Ganz links befinden sich die Ärmsten der Weltbevölkerung, ganz rechts die Reichsten. Die Kurve zeigt an, wie stark die Einkommen der verschiedenen Gruppen in 36 Jahren gestiegen sind. Links steigen sie bis zum Buckel und dem Kopf des Elefanten stark an und markieren die grossen Einkommenssteigerungen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Danach fällt die Linie ähnlich dem Elefantenrüssel steil nach unten auf vergleichsweise geringe Einkommenssteigerungen für die Mittelschichten in den reichen Ländern.

«Elefanten-Grafik»: Relativ steigen die Einkommen unten stärker als oben

Quelle: Jason Hickel

Unten sind die Einkommen tatsächlich stark gestiegen. In der Beobachtungsperiode haben sie sich mehr oder weniger verdoppelt. Einzig die Superreichen zuoberst auf der Einkommenspyramide haben ihre Einkommen ebenfalls oder zumindest fast verdoppeln können. Die Einkommen der Reichen der Perzentile 70 bis 90 sind hingegen nur um 30 oder etwas mehr Prozent gestiegen, jene der Perzentile 60 und 99 um rund 40 Prozent. Zu diesen beiden Gruppen gehören die Mittelschichten in den reichen Ländern. Sie konnten ihre Einkommen zwar auch erhöhen, aber längst nicht so stark wie die unteren Schichten und die Top-Verdiener. Sie werden deshalb oft als Globalisierungsverlierer bezeichnet. Sie würden zu Anti-Globalisierungsreflexen neigen und hätten in den USA die Wahl von Donald Trump und in Grossbritannien den Brexit entschieden.

Aus einem Elefanten wird ein Bumerang

So eindeutig die Elefanten-Grafik stark steigende Einkommen für die Armen und fast Allerärmsten der Welt auch belegen mag, Anlass für Euphorie bietet sie trotzdem nicht. Denn die Steigerungen sind relativ, also in Prozenten ausgewiesen und nicht in absoluten Beträgen. Was noch harmlos tönt, erweist sich als sehr folgenreich. Denn die relativen Änderungen verleiten dazu, die Wirklichkeit schön zu reden. Werden die Einkommenssteigerungen in absoluten Dollar-Beträgen grafisch gestaltet, entsteht nämlich ein ganz anderes Bild. Jason Hickel formuliert es kurz und bildhaft: Es ist nicht mehr eine «Elefanten»-Grafik, es ist ein «Bumerang».

«Bumerang-Grafik»: Real steigen die Einkommen oben stärker als unten

Quelle: Jason Hickel

Der hohe Elefantenrücken, der Kopf und der abwärtsfallende Elefantenrüssel sind verschwunden. An ihre Stelle tritt auf tiefstem Niveau eine nur gering ansteigende Linie. Erst ab Perzentil 90, also für die 10 Prozent sehr Reichen der Welt, steigt die Kurve deutlich an, verläuft aber bis zum reichsten 1 Prozent vergleichsweise moderat nach oben. Steil in die Höhe schnellt die Linie für die reichsten 1 Prozent und ganz besonders für eine noch kleinere Minderheit der Weltbevölkerung. Das in den Umrissen einem Bumerang gleichende Bild vermittelt die Botschaft, je reicher desto stärker steigende Einkommen.

Hickel stützt sich bei seiner Bumerang-Grafik auf Daten des «World Inequality Report 2018» (siehe Tabelle).

Einkommensentwicklung nach Einkommensschichten (in US-Dollar)

Konkret entspricht die Verdoppelung der Einkommen für die unteren Schichten (zwischen 20 und 30 Prozent) einer Zunahme um 1223 Dollar pro Person und Jahr. Die viel geringere prozentuale Zunahme für die Perzentile zwischen 70 und 80 führt hingegen mit einem Anstieg um 2866 Dollar zu einer mehr als doppelt so starken Einkommenssteigerung. Und obwohl die reichsten 1 Prozent ihre Einkommen seit 1980 nicht ganz verdoppeln konnten, haben sie ihre Einkommen um satte 124'897 Dollar steigern können. Noch viel krasser ist der Anstieg beim obersten Promille.

Die Einkommen entwickeln sich folglich auseinander, obwohl die Steigerungsraten unten höher sind als bei den oberen (Mittel-)Schichten. Zwischen der Perzentile 20 bis 30 und jenen von 70 bis 80 steigt die Differenz um mehr als 1643 Dollar. Die Distanz zwischen den Angehörigen des Perzentile 20 und 30 zum obersten 1 Prozent hat sich sogar um 267'565 Dollar vergrössert, obwohl die Zuwachsrate unten deutlich höher lag als für die reichsten 1 Prozent. Die Globalisierung hat folglich entgegen vielfach geäusserter Behauptung die Kluft zwischen Reich und Arm nicht verringert. Im Gegenteil: Sie hat sich in den letzten 40 Jahren massiv vertieft.

Trotzdem gewisse Erfolge

Als Trost bleibt, dass die wachsende Kluft nicht mit einer Verschlechterung der Lage für die Ärmsten der Welt gleichzusetzen ist. Immerhin hat die Zahl der Menschen mit einem Einkommen von weniger als 1.90 US-Dollar pro Tag abgenommen. Auch der Globalisierungskritiker Jason Hickel anerkennt «einige beeindruckende Entwicklungen». 2015 starben jeden Tag 18'000 Kinder weniger als 1990, die Müttersterblichkeit hat sich in der gleichen Periode fast halbiert, HIV- und Malaria-Infektionen sind deutlich zurückgegangen.1)

Die Erfolge sind allerdings regional sehr ungleich verteilt. Sie konzentrieren sich vor allem auf Ostasien und den Pazifik. Für Verbesserungen steht in erster Linie China. Auch in Südasien hat sich die Zahl der Menschen in extremster Armut stark reduziert. Sehr schlecht sieht es hingegen in Süd-Sahara-Afrika sowie im Mittleren Osten und in Nordafrika aus. Deren Entwicklung lässt erahnen, dass das Ziel der UNO-Agenda 2030, die extreme Armut zu beenden, nicht erreicht wird.

Zahl der Menschen in extremer Armut

In Asien nimmt extreme Armut ab, nicht aber in Afrika. (Grafik: Max Roser/cc)

Die Erfolge in Asien interpretieren viele als Argument für den Segen der Globalisierung. Zweifellos haben China und einige andere Länder davon profitiert. Ihre Erfolge sind allerdings nicht das Ergebnis einer möglichst schnellen und radikalen Öffnung zum Weltmarkt hin. Im Gegenteil: Sie sind erfolgreich, weil sie gegen das vielfach angepriesene Erfolgsrezept einer radikalen Öffnung zum Weltmarkt verstossen. Sie haben – wie früher die Schweiz und andere europäische Staaten – zuerst wirtschaftliche Strukturen hinter protektionistischen Mauern aufgebaut, sie betreiben staatliche Industriepolitik und öffnen sich erst dann langsam und selektiv, wenn ihre Wirtschaftssektoren robust genug sind, um auf den Weltmärkten zu Gewinnern zu werden.

1) Jason Hickel, Die Tyrannei des Wachstums, Wie globale Ungleichheit die Welt spaltet und was dagegen zu tun ist, München 2017, Seite 56

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keine

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8 Meinungen

In all diesen Analysen wird der Begriff «Globalisierung» ohne näher Definition verwendet. Die grösste historisch bekannte Globalisierung hat 1492 mit der Entdeckung Amerikas stattgefunden. Die heutige «Globalisierung», die uns als unvermeidlich suggeriert wird, ist nichts anderes als ein Unterlaufen nationaler Gesetze durch multinationale Gesellschaften und vor allem eine hoch automatisierte spekulative Kapitalverschieberei. Irgendwelchen höheren Sinn zum Zwecke der prosperierenden Menschheitsentwicklung geht dieser «Globalisierung» ab. Gier und Machtentfaltung mit neuen Mitteln. Das hintere Ende davon lässt leider nichts Gutes erhoffen.
Walter Schenk, am 02. November 2019 um 12:16 Uhr
Als er den Nobelpreis für Literatur im Dezember 1962 erhielt, sagte John Steinbeck zum Schluss seiner Dankesrede „Man himself has become our greatest hazard – and our only hope.“ (Der Mensch ist zu unserer grössten Gefahr geworden – und zu unserer einzigen Hoffnung.“ Die wahre Kluft in der Welt ist nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen Egoisten und allen anderen. In beiden Grafiken ist die Anzahl der Ersten unter einem Prozent. Worauf warten wir, um eine echte Demokratie zu schaffen, vom Volk fürs Volk?
Michel Mortier, am 02. November 2019 um 18:19 Uhr
Bumerang-Grafik arm-reich

Die Einkommenssteigerungen in absoluten Beträgen additiv zu vergleichen, bildet die Realität nicht adäquat ab. Beispiel:
Person A erzielt 1990 ein Einkommen von 1'000.--, im Jahr 2000: 2'000.--
Person B erzielt 1990 ein Einkommen von 10'000.--, im Jahr 2000: 12'000.--
Der arithmetische Einkommensdifferenz (additiv) hat sich vergrössert:
Jahr 1990: 9'000.--
Jahr 2000: 10'000.--
Die geometrische Differenz (multiplikativ) hingegen hat sich verkleinert:
Jahr 1990: Einkommen von B ist 10mal höher als von A
Jahr 2000: Einkommen von B ist 6mal höher als von A.
Die zweite Rechnung, die eine Verminderung der Einkommensdifferenz impliziert, bildet die reale Einkommens- und Lebenssituation besser ab, denn die Lebensumstände der Person A mit geringem Einkommen haben sich in den 10 Jahren massiv verbessert, im Gegensatz zu der moderaten Verbesserung bei Person B, die jetzt «nur» noch 6mal mehr verdient als Person B, vor 10 Jahren war es noch 10mal.
Von einer massiven Vertiefung der Kluft zwischen arm und reich zu sprechen und «trotzdem gewisse Erfolge» zuzugeben, ist deshalb fahrlässig und scheint mir der Sehnsucht nach einer Apokalypse zu entspringen. Die globale Situation hat sich in praktisch allen relevanten Bereichen (extreme Armut, Kindersterblichkeit, Hunger, Kriegstote, Gewaltverbrechen etc.) in den letzten 20 Jahren massiv verbessert, was in jeder Statistik nachzulesen ist. Diese Entwicklung schlechtzureden befriedigt nur die Pessimisten.
Martin Streckeisen, am 02. November 2019 um 20:46 Uhr
Sehr geehrter Herr Streckeisen, es stimmt, man kann die Zahlen auch anders betrachten. Nehmen wir mal diejenigen aus dem im Artikel zitierten World Inequality Report 2018 und berechnen das tägliche Einkommen für die folgenden Gruppen:
30-40 Perzentil: 1980 4,9 und 2016 9,5
90-99 Perzentil: 1980 91 und 2016 129
Differenz pro Tag: 1980 18,5x und 2016 13,5x. Ihre Rechnung stimmt! Aber die Frage ist eine andere: Wären Sie mit einer Zunahme Ihres täglichen Einkommens von CHF 4,60 pro Tag in 36 Jahren zufrieden? Insbesondere wenn Sie erfahren, was andere pro Tag haben? Es liegt an uns in den reichen Ländern für eine gerechtere Verteilung in der Welt durch wirtschaftspolitische Massnahmen gegen Oligarchien in den ungerecht regierten Ländern zu sorgen, damit wir irgendwann alle in Frieden mit uns selbst und mit anderen leben können. Die können wir dann als Touristen oder Geschäftspartner begrüssen, anstatt als Migranten oder Flüchtlinge.
Michel Mortier, am 03. November 2019 um 08:40 Uhr
@Martin Streckeisen, Michael Mortier
Sehnsucht nach einer Apokalypse?, welcher? Ich sehne mich nach einem Wirtschaftssystem, das solche «Verteilungsfragen» zu vermeiden vermag. «Worauf warten wir, um eine echte Demokratie zu schaffen, vom Volk fürs Volk?» zitiert Michael Mortier. Das ist die einzig richtige Frage. Das bisherige System kennen wir zur Genüge. Es hat keine Zukunft.
Walter Schenk, am 03. November 2019 um 12:25 Uhr
Das grosse Problem bei Einkommensvergleichen ist die Vernachlässigung der Kapitalgewinne. Relevanter ist der Vergleich der Vermögensentwicklung, also dem, was nach der Arbeit (oder der Ausbeutung anderer) übrigbleibt. Und da gibt es nichts zu interpretieren oder umzudeuten: Den Reichen bleibt immer mehr, den Armen immer weniger, wie diese Grafik über die Vermögensentwicklung von Oxfam zeigt: https://public.tableau.com/shared/PPM3QR9YM?:display_count=y&:origin=viz_share_link&:embed=y
Christoph Pfluger, am 04. November 2019 um 11:59 Uhr
Dann unterstützt die globale, gewaltlose Klimastreik-Bewegung und Extinction Rebellion. So schafft man heute Demokratie.

Sie fordern und machen bereits Bürger-Versammlungen und proben eine neue Form der Demokratie und - einen friedlichen System Change.

Immer mehr Menschen verstehen die Zusammenhänge zwischen einem falschen Geld- und Wirtschaftssystem und konsekutiver Aufrüstung, Kriegen und Mitweltzerstörung, fussend auf dem exponentiellen Wachstums-Wahn - zum Nutzen einer sehr kleinen Minderheit und auf Kosten unserer Zukunft.

Eine gute und sehr rentable Möglichkeit zur Selbstermächtigung ist das Abziehen von Geldern aus den Säulen 2 und 3a mit Re-Investition in die Energiewende.
Strom vom eigenen Dach, womit geheizt und gefahren werden kann, ist ein nachhhaltigerer Wert als eine Fiatgeld-Altersvorsorge und ein Renten-Versprechen auf einem Stück Papier in einer unsicheren Zukunft.
Wir haben ja nicht einmal ein Mitspracherecht bei den meist obligatorischen Investitions-Entscheiden unserer Altersvorsorge-Einrichtungen.
Dr. med. Paul Steinmann, am 04. November 2019 um 13:28 Uhr
Lieber Herr Mortier
Sie haben natürlich recht, was die Verantwortung der reichen Länder und die notwendigen wirtschaftspolitischen Massnahmen betrifft.
Es ist aber manchmal erhellend, sich zu erinnern, um nicht der üblichen Schwarzmalerei zu verfallen. Drei Beispiele:
In meiner Jugendzeit bestand Südeuropa mehrheitlich aus bitterarmen Diktaturen, was alle EU-Gegner zu vergessen belieben. Und dass ein Fernsehgerät heute kaufkraftbereinigt 40mal billiger zu haben ist als in meiner Kindheit vor 55 Jahren, hat wesentlich mit dem globalisiertem Handel zu tun, trotz aller üblen Auswüchse desselben, über die zur Genüge diskutiert wird. Aus derselben Zeit erinnere ich mich an regelmässige Hungerkatastrophen in Afrika, aber auch in Indien. Und eben dort wie im fast gesamten südostasiatischen Raum ist Ihre Vision ja bereits Realität geworden, Touristen statt Flüchtlinge. Lebensqualität für Alle ist das Mass der Dinge, und darin hat es die Menschheit weit gebracht, auch wenn noch viel zu tun ist. Aber aus der warmen Stube heraus zu beklagen, wie übel die Welt beschaffen ist und alles immer schlimmer wird, hat für mich etwas Zynisches und Selbstgefälliges.
Martin Streckeisen, am 04. November 2019 um 22:14 Uhr

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