Inserat im «Tagesanzeiger» und in der NZZ vom 6. Dezember 2018

Wer steckt hinter dem ominösen «Energie Club Schweiz»?

Kurt Marti / 14. Dez 2018 - Der neu gegründete «Energie Club Schweiz» attackiert die Strompolitik des Bundesrats und malt den Strom-Blackout an die Wand.

Mitte November gab der Atomlobby-Verband «Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz» (Aves), in dem sich mehrere Dutzend bürgerliche National- und Ständeräte tummelten, sein überraschendes Ende bekannt (siehe Infosperber: Albert Rösti: Der Atomhut ist weg). Gleichzeitig empfahl die Aves seinen Mitgliedern, dem neu gegründeten «Energie Club Schweiz» beizutreten, «um die weiteren energiepolitischen Kräfte zu bündeln».

Drei Wochen später, am Tag nach der Wahl der beiden neuen Bundesrätinnen, erschien im «Tagesanzeiger» und in der NZZ ein Inserat mit dem Titel «Grossbaustelle Energiepolitik» (siehe oben). Ein neuer Verein «Energie Club Schweiz» (ECS) fordert, dass die «neue Kraft» im Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (Uvek) «dringend die Energie-Grossbaustelle aufräumen» und dass die Schweiz auf «eigene Kraftwerke» setzen müsse. Denn die Schweizer Stromversorgung sei «unsicher» (weil Solar und Wind), «unsauber» (weil Kohle) und «unschweizerisch» (weil Import). Welche «eigenen Kraftwerke» gemeint sind, verrät das Inserat nicht.

«Vielleicht schon radioaktive Muttermilch»

Auf seiner Homepage geht der «Energie Club Schweiz» einen Schritt weiter und malt den Strom-Blackout und die Stromlücke an die Wand. Zudem wehrt er sich gegen staatliche Regulierungen und engagiert sich erstaunlicherweise auch noch für den Schutz der Landschaft und der Umwelt. Doch mit welchen Kraftwerken die Stromlücke gefüllt werden soll, lässt der «Energie Club Schweiz» offen.

Die nukleare Herkunft der bisher wenig bekannten Mitglieder des Vorstandes führt weiter. Beispielsweise der Präsident des «Energie Clubs Schweiz», Urs Bolt, der als «Bankfachmann, Finanzanalyst und als Top Influencer in FinTech, Blockchain und Energie» vorgestellt wird. Was nicht dort steht: Bolt war bis 2017 Vereinspräsident der Schweizer Sektion von «Energy for Humanity», dessen Mitbegründer Daniel Aegerter ist, der im Jahr 2000 seine Software-Firma «Tradex Technologies» für 5,6 Milliarden US-Dollar verkaufte. Ziel von «Energy for Humanity» ist die Lösung des Klimaproblems durch den Bau neuer Atomkraftwerke.

Aegerter ist auch Verwaltungsrats-Präsident der «Armada Investment AG», die als Investorin der «Transatomic Power» auftrat, welche in den USA zukünftige Atomreaktoren entwickelte und welche nach siebenjähriger Forschungsarbeit ihre Geschäfte vor drei Monaten einstellte. Mitglied des Verwaltungsrats der «Armada Investment AG» ist auch Marcel Rohner, der frühere Konzernchef der UBS.

Gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» scherzte Aegerter, er habe «vielleicht schon radioaktive Muttermilch» gehabt. Tatsächlich haben seine beiden Eltern Physik studiert und kämpfen seit Jahrzehnten gegen den Atomausstieg und für neue Atomkraftwerke. Seine Mutter Irene Aegerter war in den 1990er Jahren Kommunikationschefin des «Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen» (VSE) und hat die Lobbyorganisation «Frauen für Energie» (FFE) gegründet, deren Präsidentin Elisabeth Ruh ist.

Hier schliesst sich der Kreis, denn die Physikerin Ruh ist auch Mitglied des Vorstands des «Energie Clubs Schweiz». Ein entsprechender Hinweis auf die atomfreundliche Organisation «Frauen für Energie» fehlt auf der ECS-Internetseite. Stattdessen wird Ruh dort als Physiklehrerin an der Kantonsschule Hohe Promenade und Major der Führungsunterstützungstruppen vorgestellt.

Verlinkung auf das atomfreundlich CC-Netzwerk

Eine weitere atomare Duftmarke setzen die Links der Homepage des «Energie Clubs Schweiz», insbesondere auf das «Manifest» des «Carnot-Cournot-Netzwerk» (CCN) und dessen eifrige KämpferInnen fürs Atom. Dort steht das atomare Glaubensbekenntnis:

«Den Einsatz gewisser Technologien staatlich zu verbieten oder künstlich zu forcieren, führt auf Dauer zu Obskurantismus, Ignoranz und Abhängigkeit. Die in der übrigen Welt laufenden Entwicklungen in den Bereichen Kernkraft der vierten und weiterer Generationen, in der Kernfusion und anderen Technologien dürfen in der Wissensnation Schweiz nicht brachliegen.»

Als Präsident des liberalen CC-Netzwerkes amtet Emanuel Höhener, der von 2003 - 2007 Mitglied der Axpo-Konzernleitung und von 2004 - 2008 Verwaltungsrats-Präsident der «Kernkraftwerk Leibstadt AG» war. Zum CCN-Vorstand gehört auch der emeritierte Basler Wirtschaftsprofessor und Weltwoche-Kolumnist Silvio Borner, der zusammen mit einem Dutzend Mitstreitern im Buch «Versorgungssicherheit: Vom politischen Kurzschluss zum Blackout» gegen die Energiestrategie 2050 anschrieb. Als prominenter Mit-Autor tritt darin Eduard Kiener auf, der ehemalige Direktor des «Bundesamts für Energie».

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Beirat (bis Januar 2012), Geschäftsleiter (bis 1996) und Redaktor (bis 2003) der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

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12 Meinungen

An diesem Beitrag erscheint mir vieles schleierhaft, die Information aber klar. Es gibt Personen in der Schweiz, die teilen die blauäugige Energiepolitik von Bern nicht. Ich teile sie auch nicht. Kommerz und das eigene Geschäft ist sicherlich mit im Spiel. Unternehmertum gehört zu unserem Wirtschaftssystem und hat uns Wohlstand gebracht. So gehören Kernkraftwerke der 4. Generation in das künftige Inventar der Energieerzeugung, wie auch die ersten thermischen Solaranlagen die ich in den 70-er Jahren gebaut habe. Was wir brauchen ist eine zuverlässige Grundlastversorgung, nicht ein hochintelligentes Stromnetz von Sizilien bis Oslo, das von seinen Erbauern kaum noch verstanden werden kann. Blackouts und hohe Preise lassen grüssen! Das Eine tun - und das Andere nicht lassen ist meine Devise. Aus meinem Blickwinkel ist es erfreulich dass es Leute gibt, die künftigen Kernkraftwerken eine Chance geben wollen. Meinen Kritikern empfehle ich, sich über die Technologien der Reaktortypen der 4. Generation zu orientieren. Apropos Technologie Verweigerung: Wären wir an der Schwelle zum autonom fahrenden Elektroauto, wenn vor 50 oder 100 Jahren der Bau von Autos von rückwärts orientierten Stümper verboten worden wäre?
Peter Geissmann, am 14. Dezember 2018 um 12:32 Uhr
Nach 100 Jahren Öl-getriebenem Wachstumswahn und 50 Jahren AKW-Illusion - immer noch ohne Endlager-Zukunftskonzept - geschmiert durch exponentielle Geldschöpfung aus dem Nichts, steht die Menschheit heute vor einer entscheidenden Wende:
Falls wir so lange wie möglich so weitermachen, dann stimmen bald nicht einmal mehr die Profite und wir berauben uns selber unserer Lebensgrundlagen.
Falls wir die Geld-, Konsum-, Energie-, Wärme- und Mobilitätswende schaffen wollen, dann müssen wir dies energisch und heute anpacken.
Alle Technologien und Kenntnisse dazu sind vorhanden: Photovoltaik, Solarthermie, Wind, … speziell in der innovativen Schweiz gibt es viele, noch ausbaubare Ideen, Startups und Unternehmen wie Jenni Energietechnik, etc., die sehr gut dafür aufgestellt sind.
Das ist es, was wir und die Welt brauchen. Aber sicher kein derart rückwärts-gewandter Energie Club Schweiz und schon gar keine Rüstungs-Industrie.
Die ganze Uranindustrie ist vom Uranbergbau, zu den AKW's und deren enormen Risiken, der Uran-Munition und den ungelösten Problemen beim AKW-Rückbau und bei der unendlichen Lagerung des radioaktiven Abfalls eine unrühmliche Geschichte.
Wir sollten endlich einen erdverträglicheren, hoffnungsvollen Weg beschreiten!

P. Steinmann, Mitglied von http://www.ippnw.ch/ und
https://www.friedenskraft.ch/
Dr. med. Paul Steinmann, am 14. Dezember 2018 um 15:06 Uhr
Diese Leute sind echt schwach: sich als «Grüne» tarnen um ihre umweltschädigenden Geschäfte zu propagieren. Gut, dass ihnen mit diesem Artikel der Tarnanzug ausgezogen wurde - sollte mit einen guten Teil der als Biedermänner/Frauen verkleideten Haie der Geschäftswelt geschehen .
bernhard sartorius, am 14. Dezember 2018 um 16:01 Uhr
Im Gegensatz zu Ihnen Herr Marti, war ich ein Gründungsmitglied des SES.
Ich entfernte mich mit weiteren «Kapazitäten» aus dem Verein, nachdem Ursula Koch das Szepter übernommen hatte! Ich bin kein Freund der Kernenergie, doch eine andere Lösung für die Stromzukunft der Schweiz ist technisch noch nicht in Sicht. Auch für die Raumwärme existiert keine brauchbare Alternative, weil die Energiegesetze in der Schweiz nach wie vor falsch sind. Die römische Kondensationsheizung wurde noch nicht als Möglichkeit in Betracht gezogen. In Sachen CO2-Theater ist gültig, dass alle Treibhausgas-Theorien seit dem Jahr 2009 falsifiziert sind. M.E. ist die SES heute zu einer Behaupter-Sekte verkommen, was ich sehr schade finde.
Mit freundlichen Grüssen Paul Bossert
Paul Bossert, am 14. Dezember 2018 um 16:29 Uhr
Lieber Kurt Marti, danke für Deine Publikation. Ich stimme voll mit Paul Steinmann überein, der das Energieproblem auf den Punkt bringt. Neue AKW können
allein aus oekonomischen Gründen nicht mehr gebaut werden. Die Altlasten, die aus den bestehenden Werken anfallen werden und angefallen sind, werden uns und den folgenden Generationen enorme Summen kosten. Zu einem Projekt in England hat Frank Boulton einen guten Artikel geschrieben, der nicht nur die gesundheitlichen Aspekte der Atomtechnologie beleuchtet, sondern auch die wirtschaftliche Probleme des Baus von zwei Reaktoren der dritten Generation in Hinkley point darstellt. (https://www.medact.org/wp-content/uploads/2016/10/Points-about-Hinkley-Point-C_final2.pdf). Aus diesen Gründen verstehe ich weder die Meinung von Paul Bossert noch die von Peter Geissmann. Martin Walter, Grenchen
Martin Walter, am 15. Dezember 2018 um 03:13 Uhr
Herr Walter, Im Gegenteil zu Ihnen verstehe ich die Meinungen von Herrn Bossert & Geissmann sehr gut, wenn ich die Daten über die gesundheitlichen Aspekte nachschaue, siehe z.B.: Markandya & Wilkinson, Electricity generation and health, The Lancet. 370 (2007) 979–990 (Abb. 3 besonders bemerkenswert).
http://www.bigthunderwindpower.ca/files/resources/Electricity_generation_and_health_(The_Lancet_2007).pdf
Könnten Sie deshalb bitte wissenschaftlich anerkannte Belege für Ihre Behauptungen liefern?
P.S. Die Frage gilt natürlich auch für die Herren Steinmann & Marti, die ehrlich erklären sollten, warum IPPNW & SES gar nicht im Einklang mit dem wissenschaftlichen Konsens (UNSCEAR) stehen!
Thomas Maeder, am 16. Dezember 2018 um 10:23 Uhr
@Thomas Maeder: Wissenschaftlich anerkannte Belege für den Standpunkt der IPPNW können Sie hier nachlesen:
http://www.ippnw.ch/aktuell/akw/esgibtkeineungefaehrlichestrahlung
inkl. die Studie an 300'000 AKW-Mitarbeitern in USA, GB und F mit erhöhter Krebs-Sterblichkeit bei durchschnittlicher Exposition von 25mS/Jahr.

Der Hauptunterschied in der Beurteilung ionisierender Strahlung (gegenüber der UNSCEAR) liegt im «niedrigen Bereich» von unter 100mS/Jahr.
In diesen Bereich fallen auch stark erhöhte Krebs-Sterblichkeit und Missbildungsraten in Gebieten, in denen ab 1991 durch USA und GB Uran-Munition (DU) eingesetzt wurde.
Siehe «Deadly Dust»: https://www.youtube.com/watch?v=-HztabrfIO4
Um diese Zusammenhänge noch wissenschaftlicher nachzuweisen, braucht es genaue Angaben wo, wieviel DU eingesetzt wurde und dann braucht es genaue Krebs- und Missbildungsregister in den betroffenen Gebieten. Das braucht Geld und Zeit. Die Länder, die DU einsetzen und auch diejenigen, die weiter auf AKW's angewiesen sind, werden diese Untersuchungen behindern.
Trotzdem sprechen viele empirische Daten und auch diverse Studien heute für die Schädlichkeit «niedriger ionisierender Dosen».
Wer für Macht, Kontrolle und für die Atomenergie ist, glaubt gerne der UNSCEAR. Wer für den Schutz menschlicher Gesundheit eintritt, sieht die grossen Probleme und ist gegen eine Lockerung der Grenzwerte für ionisierende Strahlung.
Weitere Informationen zu Uran-Munition unter
http://www.uranmunition.org/
Dr. med. Paul Steinmann, am 17. Dezember 2018 um 12:39 Uhr
Herr Steinmann: Wieso unterstellen Sie der UNSCEAR, die Risiken von niedrigen Dosen zu negieren? Sie sind nach gängigem Konsens zwar nicht null, nur sehr klein! Es gilt das ALARA-Prinzip (as low as reasonably achievable). Reasonably = vernünftig bedeutet, dass man ein kleines Risiko nicht meiden darf, wenn dadurch ein viel höheres entsteht (Rechtfertigungsprinzip). Dies gilt für Energie (siehe Link oben) sowie Medizin (z.B. Risiko von Röntgen vs. Fehldiagnose), wo übrigens die Praxis auf den Daten der UNSCEAR basiert (nicht der IPPNW), und dies weltweit, egal ob es AKW im Land gibt oder nicht!
Könnten Sie bitte auch belegen, dass Länder wie die Schweiz, Schweden und Finnland (alle mit AKW) Studien auf Uranmunition «behindern"?
P.S. Die Leistung der deutschen Vorbild-Energiewendler (teilweise durch IPPNW-Propaganda «erzielt") können Sie fast in Echtzeit hier beurteilen:
http://www.electricitymap.org
18.12, 23h48, g CO2 / kWh: Frankreich = 56, Deutschland = 474 (>8x!)
Thomas Maeder, am 19. Dezember 2018 um 00:07 Uhr
@ Maeder: Sie argumentieren vor allem mit dem CO2-Ausstoss. Ich rede von steil ansteigenden Krebs- und Missbildungs-Zahlen in Uran-Munition-verseuchten Gebieten, welche seit Jahren immer noch steil ansteigen.
Auch in der Schweiz ist Krebs mittlerweile die häufigste Todesursache von Männern trotz Rückgang des Rauchens, verbunden mit enormen Kosten und sehr viel menschlichem Leid.
Würde UNSCEAR diese Fakten ernst nehmen, dann müsste sie mithelfen, Gewissheit zu schaffen. Diese Absicht ist leider bisher nicht zu erkennen.
Dafür ist bekannt, dass die WHO von der IAEA seit 1959 mit einem Knebelvertrag daran gehindert wird, objektiv über die Langzeit-Nebenwirkungen von «niedriger» ionisierenden Strahlen zu berichten.
Das ALARA-Prinzip ist im Fall von Uran-Munition ein blanker Hohn. Diese Munition müsste längst verboten sein.
Noch einmal: Es geht mir um den bestmöglichen und langfristigen Schutz der Gesundheit von allen Menschen auf diesem Planeten, auch den Menschen im Kosovo, im Irak, Syrien und Afghanistan … den NATO-Soldaten, welche unter den gleichen Nebenwirkungen leiden ... und langsam aber sicher kommen diese Probleme von mutwillig freigesetzter Radioaktivität auch zu uns.
Dr. med. Paul Steinmann, am 19. Dezember 2018 um 10:09 Uhr
Herr Steinmann: Einige Fakten dazu:
1) Beide CO2 (X-Achse in Abb. 3) und Gesundheit (Y) werden im oben referenzierten Lancet-Artikel dargestellt.

2) UNSCEAR wurde spezifisch für die Effekte von Strahlung auf Gesundheit geschaffen. Eine mehrsprachige Zusammenfassung:
http://www.unscear.org/unscear/publications/booklet.html

3) Von wegen wird Uran von der UNSCEAR ignoriert:
http://www.unscear.org/docs/publications/2016/UNSCEAR_2016_Annex-D.pdf
(Uranmunition hat übrigens wenig mit dem Thema zu tun.)

4) Mit CO2 beschäftigt sich das IPCC. Dessen Ergebnisse stimmen mit dem Lancet-Artikel gut überein, siehe AR5, Kapitel 7.

5) Eine Klarstellung (WHO) über «die üble WHO-IAEA Verschwörung»:
http://www.who.int/ionizing_radiation/pub_meet/statement-iaea/en
(Aus dem Originaltext, «…without prejudice to the right of the World Health Organization to concern itself with promoting, developing, assisting, and co-ordinating international health work, including research, in all its aspects.")
Thomas Maeder, am 21. Dezember 2018 um 23:19 Uhr
Herr Maeder: Ich habe nichts behauptet, sondern unter anderem Ueberlegungen erwähnt, die auf die gesundheitsgefährdenden Aspekte der Nuklearindustrie hinweisen. Vom Prinzip ALARA ist die Nuklearindustrie schon weit entfernt. «As Reasonably Achievable» kann in diesem Zusammenhang wohl nur noch als Witz gedacht sein. Meinen Sie oekonomische Vernunft sei im Projekt Hinkley Point noch gegeben?

Die von Ihnen erwähnte Fig 3 in der Publikation von Markandya & Wilkinson stammt aus einer Publikation der IAEA, einer UNO-Politpropagandaorganisation zur Förderung der Atomenergie.

Eine englische Zusammenfassung zu ionisierender Strahlung und Atomkraft habe ich in meinem Kommentar erwähnt. Das Paper von Frank Boulton können Sie downloaden. Es ist nach wie vor im Web vorhanden und mit vielen Referenzen versehen.

Zu den Effekten kleiner Strahlendosen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25707026
und:
https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1024/0040-5930/a000474

Noch etwas zum Thema «wissenschaftlicher Konsens»: UNSCEAR verharmlost in vielen Publikationen die Wirkung ionisierender Strahlung und UNSCEAR hat über die Jahre immer wieder Revisionen seiner Risikoeinschätzungen vornehmen müssen. Von Konsens kann nicht einmal innerhalb dieser Organisation die Rede sein. Zum Thema ionisierende Strahlung gibt es noch keinen wissenschaftlich breiten Konsens. Uebrigens: Die Konsensfindung in Sachen Asbest dauerte von 1898 bis 2001, als die WTO ihr definitives Statement abgab.

Martin Walter, Grenchen
Martin Walter, am 03. Januar 2019 um 14:16 Uhr
Herr Walter: Bitte keine Nebelkerzen!

Die ökonomischen Aspekte von Hinkley Point haben wenig mit der Diskussion zu tun. Wenn Sie aber dazu kommen:
https://www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Downloads/eeg-in-zahlen-pdf
Summe der EEG-Vergütungen bis 2018 > 260 Milliarden Euro, ohne indirekte Kosten wie Leitungen und Backup.
Dies entspricht >50 Reaktoren mittlerer Leistung (etwa 500 TWh/Jahr) und wesentlich CO2-freien Strom!

Bei Fig. 3 in Markandya & Wilkinson kommen nur die CO2-Daten aus der IAEA ("Data for CO2 equivalent emissions from IAEA, 2001"). Dumm, dass sie mit derjenigen der IPCC übereinstimmen… Quelle für Gesundheitseffekte ist die EU-Studie ExternE.

Frank Boulton sagt uns nicht, wie man die Schwankungen von Wind und Sonne ausgleichen soll - Batterien reichen für einige Stunden, optimistisch Tage. Mit Kohle à la Deutschland?

Es gibt wesentlich Unsicherheiten über das Risiko niedriger Dosen. Ehrlichkeitshalber hätten Sie erwähnen sollen, dass sie im Intervall zw. «unwesentlich klein» und «sehr klein» liegen, z.B.:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5381982/
(Diese Studie ist aussagekräftiger als diejenige von Spycher et al., da viel grösser. Dort wird erwähnt, dass die «verharmlosende» UNSCEAR dagegen ein Effekt voraussagt…)
Zum Vergleich: Unsicherheiten gibt es bei Klimasensitivität (CO2 - Temperaturanstieg) - trotzdem spricht man zurecht von einem breiten Konsens.
Thomas Maeder, am 13. Januar 2019 um 00:13 Uhr

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