Das Feilschen macht die Bahnen nicht billiger

Hanspeter Guggenbühl © bm
Hanspeter Guggenbühl / 08. Aug 2014 - Der Preisüberwacher bremst die Tariferhöhung. Der «Spareffekt» aber bleibt eine Illusion.

Das Prozedere wiederholt sich: Die Bahnen beantragen eine Tariferhöhung, um ihre steigenden Kosten zu decken. Die Lobby der Bahnbenutzer protestiert. Der Preisüberwacher interveniert. Daraus entsteht jeweils ein Kompromiss, der die einen etwas weniger unzufrieden zurück lässt als die andern.

Im aktuellen Fall erscheint der Preisüberwacher als Sieger: Die Bahntarife erhöhen sich nächstes Jahr im Schnitt nur um 2,3 statt 2,9 Prozent, weil der beantragte Aufschlag für das Halbtax-Abo und die 9-Uhr-Karte jetzt wegfällt. Zudem müssen die Bahnen ihr Kontingent für Rabatt-Billette verdoppeln, mit denen sie Kunden schon jetzt in schlecht ausgelastete Züge locken. «Kumuliert» ergebe das einen «Spareffekt» von 48 Millionen Franken, lobte sich gestern Preisüberwacher Stefan Meierhans. Allerdings dürften die Bahnfahrenden einen Teil dieses «Spareffekts» wieder preisgeben, sei es durch zusätzliche Bahnreisen oder durch bürokratischen Aufwand, den der Bezug der Rabatt-Billette nach sich zieht.

Der wiederkehrende Tarif-Basar macht das Bahnfahren jedenfalls nicht billiger. Er entscheidet nur, wer wie viel daran bezahlt. Heute decken die Benutzer mit ihren Abo- und Billettpreisen knapp die Hälfte aller Bahnkosten, zeigt die Eisenbahnrechnung. Die andere Hälfte zahlen die Steuerzahler; dies im Form von Infrastrukturbeiträgen und allerlei Abgeltungen. Das verletzt zwar das Verursacherprinzip, doch Parlament und Volk haben diese Verletzung in vielen Abstimmungen demokratisch gestützt. An dieser Verteilung der Bahnkosten ändert das wiederkehrende Feilschen um die Tarife somit nur wenig.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Eine Meinung

Die SBB und die Post als Betreiber der Postautos haben es als Monopolbetriebe sehr einfach. Sie geben angebliche Kostensteigerungen einfach an die Kunden und/oder Steuerzahler weiter. Die Frage der betrieblichen Effizienz stellen sie sich nicht, denn als Monopolbetriebe haben sie das natürlich nicht nötig. Jeder Besuch eines SBB-Schalters bestätigt das. Entweder zu wenig Schalter geöffnet, weil es zu viele Kunden hat oder zu viele Schalter geöffnet, weil es kaum Kunden hat.
Alois Amrein, am 09. August 2014 um 21:21 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.