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Kiebitz: Nur noch ein Viertel so viele Brutpaare wie in den Neunzigerjahren © M. Jenny / Vogelwarte Sempach

Infosperber veröffentlicht den Vogelindex

Beatrix Mühlethaler /  Ohne Natur gibt es keine Wirtschaft. Trotzdem berichten viele Medien vom Börsenindex, nicht aber vom ebenso wichtigen Vogelindex.

Verlässlich melden die Medien mehrmals täglich den Börsenindex. Kaum je aber erfährt das Publikum, wie es mit dem Biodiversitäts-Index steht. Die Vogelwarte Sempach meldet ihn einmal jährlich: Ein Anlass, sich einen Moment mit den wichtigeren Zukunftswerten zu befassen.

Aufwind für Allerweltsvögel

Über die letzten zwanzig Jahre betrachtet legt der Swiss Bird Index SBI leicht zu, meldet die Vogelwarte Sempach. Das bedeutet: Die Bestände der in der Schweiz regelmässig brütenden Vogelarten haben leicht zugenommen. Doch das Bild trübt sich, wenn man die Vogelarten betrachtet, die hohe Ansprüche an ihre Lebensräume stellen. Denn deren Bestände gehen kontinuierlich zurück.

Absturz der Anspruchsvollen

Bei den Arten, die als gefährdet auf der Roten Liste figurieren, ist der Bestandesrückgang innerhalb der letzten zwanzig Jahre alarmierend: Der Index fiel von 118 Punkten auf 78 Punkte (Jahr 2000=Index 100). Gut halten können sich nur die bereits häufigen und weit verbreiteten Arten. So gehören in der Gesamtbilanz 72 Arten zu den Gewinnern, 40 Arten zu den Verlierern, bei 59 Arten war kein Trend festzustellen, schreibt die Vogelwarte.

Betrachtet man die Arten aufgeschlüsselt nach ihren Lebensräumen, so spiegelt sich darin die augenfällige Entwicklung unserer Landschaften: Der Wald ist nach wie vor ein guter Lebensraum und verbessert sich, seit die Forstwirtschaft stärker auf einen naturgemässen Waldbau achtet: Sie belässt mehr Totholz im Wald, sie lichtet ihn stellenweise auf, und sie verschiebt das Gewicht wieder etwas mehr zu den Laubbaumarten. Auch der Sturm Lothar hat vielerorts für einen vielfältigeren Lebensraum Wald gesorgt.

Sperber als Gewinner

Unter den Waldvögeln gehört auch der Sperber zu den Gewinnern. Ebenfalls einen positiven Trend zeigen die elf erfassten Arten der Alpenwelt, wobei das Bild gemischt ist: Das Auerhuhn, das ungestörte Wälder im Berggebiet besiedelt, kommt mit dem Ausbau von Feriensiedlungen und Freizeitbetrieb schlecht zurecht und ist von etlichen Brutorten verschwunden.

Die negativste Entwicklung ist bei den Arten der Riedgebiete und Fliessgewässer zu verzeichnen. Einzelne Arten verabschieden sich sogar ganz aus unserem Land. So gab es seit 2007 keine Anzeichen mehr für eine Brut des Grossen Brachvogels. Das Gleiche gilt seit 2009 für die Bekassine.

Auch im Kulturland, dessen Index etwa ausgeglichen verläuft, sind bei einzelnen Arten sehr bedenkliche Entwicklungen zu verzeichnen. Bodenbrüter wie das Braunkehlchen leiden unter der intensiven Wiesenbewirtschaftung und verschwinden zunehmend auch im Berggebiet, nachdem es im Talgebiet schon seit längerer Zeit nicht mehr brütet.

Betrachtet man den Index jener Arten des Kulturlandes, die im Rahmen der «Umweltziele Landwirtschaft» als typische Kulturlandbewohner gefördert werden sollen, so ist auch hier der Trend anhaltend negativ. Dies, obwohl seit Jahren Direktzahlungen für eine extensivere Wiesennutzung fliessen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Ornitologin

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