Weniger Flugverkehr wegen Klima: Tempi passati

Urs P. Gasche © Peter Mosimann
Urs P. Gasche / 27. Jun 2018 - Noch vor acht Jahren hatten Klima- und Lärmschutz Vorrang gegenüber vergnüglichen Wochenendflügen.

Das britische Parlament beschloss Anfang Woche, beim Flughafen Heathrow eine dritte Piste bauen zu lassen. Dazu wird ein Vorort von London platt gewalzt und die dortigen Menschen werden umgesiedelt.

Sogar eine Mehrheit der oppositionellen Labour-Abgeordneten stimmten der neuen Piste zu. Die Lobby des hoch subventionierten Flugverkehrs jubelt.

«Kein Ausbau im ganzen Raum London»

Die meisten Schweizerinnen und Schweizer hatten es damals nicht mitbekommen, weil die grossen Medien nicht darüber informierten: Nach dem Sturz der Labour-Partei unter Gordon Brown einigte sich die neue Koalition der Konservativen unter David Cameron und den Liberalen unter Nick Clegg darauf, den Bau neuer Flugpisten im Raum London zu verbieten. Und sie begründeten dies im Koalitionsvertrag wie folgt: Man könne sich nicht auf Klima-Ziele verpflichten und gleichzeitig das «Party-Fliegen» fördern. Wochenendflüge an spanische Strände oder Studentenreisen nach Prag oder Reykjavik würden weder die zusätzliche Klimabelastung noch den zusätzlichen Lärm rechtfertigen.

Das Ausbauverbot galt nicht nur für neue Pisten beim grössten Flughafen von Heathrow, sondern explizit auch für Londons Flughäfen in Gatwick und Stansted.

«Grossbritannien ist das erste Land, das den Flugverkehr wegen der Klimabelastung einschränkt», erklärte Peter Jensen, Verkehrsspezialist bei der Europäischen Umweltagentur in Kopenhagen. Jensen wies darauf hin, dass eine neue Piste die notorischen Engpässe nur kurzfristig entlasten würde: «Wie bei den Strassen führt ein Ausbau der Kapazitäten zu mehr Verkehr, bis die Engpässe wieder da sind.»

Die Verteidiger von Lebensqualität und Umwelt hatten sich vor acht Jahren gefreut: «Es war ein Lackmustest für Politiker, ob sie die erklärten Klimaziele ernst nehmen», sagte Ben Stewart von Greenpeace. Im Fall des Londoner Luftverkehrs müssten die Argumente «Wachstum», «Arbeitsplätze» und «Standortwettbewerb» weichen zugunsten des Umweltschutzes und der Lebensqualität. Das sei «ebenso einmalig wie revolutionär».

Damit ist es jetzt vorbei.

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  • Konsultieren Sie das Infosperber-DOSSIER über den hoch subventionierten «Flugverkehr»

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Eine Meinung

Den Flugverkehr nachhaltig zu gestalten, bedeutet weit mehr als nur die Einführung ökologisch wahrer Preise. Deshalb stellt die Kampagne „The Right Price for Air Travel“ ausserdem folgende Forderungen:
• Verschärfung der Emissionsgrenzwerte für Lärm und Luftschadstoffe, Einführung von Immissionsgrenzwerten;
• Eine Kohärente europaweite Politik zur Kontrolle des Flughafenausbaus;
• Einführung eines achtstündigen Nachtflugverbots an allen Flughäfen;
• Risikoabschätzungen für den Flugverkehr, die mindestens so strenge Anforderungen
erfüllen wie solche in anderen Industriezweigen;
• Weitreichende Förderung umweltverträglicher Alternativen;
• Information der Öffentlichkeit über die Umweltauswirkungen des Flugverkehrs und Berichterstattung über von der Flugverkehrsindustrie im Umweltbereich ergriffene Massnahmen;
• Reduktion der Lärmbelastung.“
(Aus www.aviationwatch.eu)
Alex Schneider, am 28. Juni 2018 um 13:34 Uhr

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