Giftiger Sondermüll landete in Backsteinen

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Red. / 05. Aug 2015 - Ein Reporter-Team des Hessischen Rundfunks deckt einen gewaltigen Recycling-Skandal auf.

Während Jahren hat die mittelhessische Recycling-Firma Woolrec giftigen Sondermüll in Baumaterialien verarbeitet. Aus krebserzeugenden Mineralfasern und schwermetallhaltigen Abfällen stellte Woolrec das Produkt Woolit her, das Backsteine stabiler machen sollte. Ein Universitätsprofessor stellte falsche Gutachten aus, die das Produkt verharmlosten. Obwohl es klare Hinweise gab, dass Woolit giftige Stoffe enthalten könnte, schaltete sich keine Kontrollbehörde ein. Im Gegenteil: Politiker und Presse feierten die «innovative» Recycling-Firma.

Woolrec belieferte mit Woolit vier Ziegeleien in ganz Deutschland. Millionen Backsteine mit dem krebserzeugenden Material sind zwischen 2004 und 2012 in Wohnhäusern eingebaut worden. Die gefährlichen Baustoffe haben möglicherweise schon viele Menschen krank gemacht. Noch weiss niemand, wo sie überall verarbeitet wurden.

Dass dieser Skandal ans Licht kam, ist der Hartnäckigkeit der hr-Reporter zu verdanken. In jahrelanger Kleinarbeit haben sie Informationen zusammengetragen und ausgewertet. Das Ergebnis der Recherche war in der eindrücklichen ARD-Reportage «Giftmüll für den Wohnungsbau» zu sehen.

Die Reportage zeigt beispielhaft, wie ein skrupelloser Unternehmer Politiker und Behörden täuscht, wie sämtliche Kontrollen versagen – und wie sich die Verantwortlichen drücken, wenn sie mit brisanten Tatsachen konfrontiert werden. Überall stiessen die Reporter auf Mauern des Schweigens. Es gab weder ein Interview mit dem Gutachter noch mit dem Firmenchef oder dem Regierungspräsidium Giessen.

Die Autoren Jaqueline Paus und Kamil Taylan erheben schwere Vorwürfe: Die Behörde habe gezielt versucht, die Berichterstattung zu unterbinden. «Wir haben unsere Recherchen der kontrollierenden Behörde immer präsentiert, aber es hat sie nicht interessiert. Die Kontrollen haben komplett versagt. Selbst das Umweltministerium hat sich trotz offensichtlicher Fehler nicht eingeschaltet.»

Immerhin: Das Regierungspräsidium Giessen als zuständige Kontrollbehörde schloss den Recycling-Betrieb im Herbst 2012. Ende vergangenen Jahres erhob die Staatsanwaltschaft Giessen Anklage gegen den ehemaligen Woolrec-Chef und gegen den Gutachter.

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Keine

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